mini|300px|Übersicht über Delphine und delphinähnliche Zahnwale mini|Große Tümmler in Japan
Die Delfine oder Delphine (Delphinidae) gehören zu den Zahnwalen (Odontoceti) und sind somit Säugetiere (Mammalia), die im Wasser leben (Meeressäuger). Delfine sind die vielfältigste und mit fast 40 Arten größte Familie der Wale (Cetacea). Sie sind in allen Meeren verbreitet, einige Arten kommen auch in Flüssen vor.
Anatomie mini|Delphinskelett
Delfine sind meist zwischen eineinhalb und vier Meter lang, der Große Schwertwal erreicht als größter Delfin sogar acht Meter. Sie haben einen stromlinienförmigen Körper, der an die hohen Schwimmgeschwindigkeiten angepasst ist. Im Kopf befindet sich ein rundes Organ, die Melone. Sie spielt eine Rolle bei der Echoortung. Bei vielen Arten sind die Kiefer klar abgesetzt und bilden einen langgezogenen Schnabel. Die Schnauze kann bei mehreren Arten sehr viele Zähne enthalten.
Das Gehirn der Delfine ist groß und besitzt eine komplexe Hirnrinde, was ein Grund für viele Zoologen ist, sie zu den intelligentesten Tieren zu zählen. Es gibt aber auch die umstrittene Theorie, dass das große Gehirn lediglich eine Anpassung an das Leben im Wasser ist und dazu dient, den Wärmeverlust an das Wasser besser regulieren zu können. Grundlage dieser Theorie ist die Tatsache, dass das Gehirn der Delfine sehr viele Gliazellen und im Verhältnis dazu wenige Nervenzellen besitzt. Laut Annahme helfen die Gliazellen bei der Wärmeisolation.P. Manger: Biol Rev Camb Philos Soc, März 2006, 30;1–46. Delfine können Bewegungsfolgen und Reaktionen auf akustische Reize schnell erlernen, bei abstrakten Gegenständen wie Drei- oder Vierecken liegt ihre Lerngeschwindigkeit jedoch unter der von Tauben und Ratten. ruhr-uni-bochum.de
Die Körperfarbe setzt sich meist von Schwarz bis Weiß zusammen, wobei die Unterseite meist heller ist und sich der Rücken durch eine dunklere Färbung, das Cape, deutlich abgrenzt. Zu den farblichen Ausnahmen gehören der bläuliche Blau-Weiße Delfin und der braun-gelbe Gemeine Delfin. Darüber hinaus unterscheiden sich die Arten durch Linien und Felder in verschiedenen Farbtönen und Kontrasten.
Delfine haben einen sehr guten Gehör- und Gesichtssinn. Zwar existieren äußere Ohröffnungen, doch diese sind wahrscheinlich nicht funktional. Geräusche gelangen über den Unterkiefer und das Mittelohr zum Innenohr. Ihr Hörbereich reicht in Frequenzen bis zu 220 kHz und sie können damit Töne bis weit in den Ultraschallbereich wahrnehmen. Die Augen sind hauptsächlich an das Sehen unter Wasser angepasst, haben aber auch außerhalb des Wassers eine hohe Funktionsfähigkeit. Eine große Rolle für die Wahrnehmung spielt die Echoortung mittels Ultraschall.
Von anderen Zahnwalen unterscheiden sich Delfine durch folgende Merkmale: Verschmelzung der ersten beiden Halswirbel, eine geringere Anzahl von Rippen, Fusion der beiden Unterkieferhälften auf höchstens einem Drittel der Kieferlänge und stumpfe Zähne.
Alle Delfine stoßen etwa alle zwei Stunden die äußeren Hautzellen ab. Diese permanente Regeneration reduziert den Strömungswiderstand und findet auch in der Regenerationsforschung für den Menschen und im Schiffbau Beachtung. Die Haut der Delfine fördert ihr schnelles Schwimmen durch geringen Strömungswiderstand über feines Relief und Wirbeldämpfung durch Plastizität, typisch für die Haut der Wale.
Verhalten mini|Weißstreifendelfine (Lagenorhynchus obliquidens)
Delfine sind schnelle Schwimmer, sie erreichen Geschwindigkeiten bis zu 55 Kilometer pro Stunde. Oft springen sie aus dem Wasser, zuweilen akrobatische Figuren ausführend (z. B. der Spinner-Delfin). Solche Sprünge werden als Spielverhalten und Kommunikation interpretiert.David Lusseau: Why do dolphins jump? Interpreting the behavioural repertoire of bottlenose dolphins (Tursiops sp.) in Doubtful Sound, New Zealand, 2006.Corey Binns: How Dolphins Spin, and Why. LiveScience, 2006. Daneben ermöglichen die Sprünge den Delfinen aber auch eine kraftsparendere Fortbewegung. Möglicherweise helfen Sprünge auch bei der Suche nach Futterplätzen, da sich Delfine damit an Möwenansammlungen orientieren können. Auf der Jagd können sie bis zu 300 Meter tief und 15 Minuten lang tauchen; die meisten Tauchzüge dauern jedoch wenige Minuten. Delfine sind bekannt dafür, dass sie sich Schiffen nähern, um auf den Wellen zu reiten.
Delfine sind soziale Tiere, die in Gruppen zusammenleben. Diese sogenannten Schulen können sich an Stellen mit viel Nahrung vorübergehend zu Ansammlungen von über 1000 Tieren zusammenschließen. Die Individuen verständigen sich mit Klicklauten, Pfeifen, Schnattern und anderen Geräuschen untereinander. Sie kommunizieren aber auch durch Körperkontakt mit ihren Artgenossen.
Durch hochfrequente Töne sind sie zudem in der Lage, ihre Umwelt mittels Echoortung wahrzunehmen.
Die Mitgliedschaft in den Gruppen ist nicht sehr fest, Wechsel zwischen ihnen kommen häufig vor. Dennoch können die Tiere starke Bindungen aneinander entwickeln, was sich besonders in der Unterstützung für verletzte oder kranke Artgenossen äußert.
Delfine schlafen, indem sie immer eine Gehirnhälfte einschlafen lassen und mit der anderen wach bleiben (Halbhirnschlaf). Dadurch wird die Atmung aufrechterhalten. Außerdem bleibt ein Auge beim Schlafen stets geöffnet, sodass Umgebung und mögliche Angreifer wahrgenommen werden können. In den Schlafphasen ist die Mobilität der Delfine eingeschränkt.
Wie alle Wale bringen Delfine stets nur ein Junges zur Welt. Die Tragzeit beträgt im Durchschnitt ein Jahr, variiert aber von Art zu Art. Die Kälber bleiben bis zu sechs Jahren bei ihren Muttertieren; sie beginnen im Alter von wenigen Monaten, selbstständig Nahrung zu suchen.
Erkenntnisse eines meeresbiologischen Forschungsteams deuten seit 2006 darauf hin, dass sich Große Tümmler mittels persönlicher Pfeiflaute identifizieren können. Damit geben sich die Tiere nicht nur individuell zu erkennen, sondern werden von Mitgliedern ihrer Gruppe mit diesem Pfeiflaut „angerufen“ und antworten auch darauf. Dieser Laut ist durch die Lautfolge und nicht durch die Charakteristik der Stimme definiert und wird daher wie ein Name verwendet, ein bis heute einzigartiges Phänomen im Tierreich.Kognition: Mit Pfiff auf Du und Du. geo.de, 16. Juli 2006; abgerufen am 23. August 2017 University of St Andrews, 9. Mai 2006; abgerufen am 23. August 2017. University of St Andrews, 23. Juli 2013, abgerufen am 23. August 2017.
Ernährung mini|Delfinecho
Delfine sind schnelle Raubtiere, die ihre Beute aktiv jagen. Sie finden ihre Beute durch Echoortung und haben hierfür ein spezialisiertes Organ, die Melone. Im Allgemeinen besitzen Delfine gleichförmige konische Zähne, die dazu dienen, die Beute lediglich festzuhalten. Gefressen werden die gefangenen Fische oder Kalmare fast immer in einem Stück. Die Zähne sind an die jeweiligen Beutetiere angepasst: Arten mit sehr vielen Zähnen ernähren sich hauptsächlich von Fischen, während Arten mit weniger Zähnen meistens Kalmare jagen. Einige Delfine fangen manchmal Krebstiere. Als einziger Delfin ernährt sich der Schwertwal auch von anderen Meeressäugern wie Robben oder anderen Wal- und Delfinarten. Manche Delfine nutzen kooperative Strategien zur Jagd, wobei ein Beuteschwarm von der ganzen Schule umkreist oder an die Küste getrieben wird.
Das Säugen funktioniert wie bei allen Walen: Die Delfinmutter spritzt die fettreiche Milch aktiv durch die Muskulatur der Milchdrüsen in das Maul des Jungen, da dieses keine Lippen hat, mit denen es saugen könnte.
Systematik mini|Amazonasdelfin (Inia geoffrensis)
Äußere Systematik mini|Weißwal (Delphinapterus leucas) mini|Zwergpottwal (Kogia breviceps) Die Delfine sind Teil der Ordnung der Wale, innerhalb derer sie den Zahnwalen angehören. Dabei werden zehn Familien unterschieden.
Mit den Gründelwalen, zu denen der bekannte Weißwal und der Narwal zählen, und den Schweinswalen, deren Vertreter in den europäischen Gewässern auch als Kleiner Tümmler bezeichnet wurde, werden die Delfine in der Überfamilie Delfinartige (Delphinoidea) zusammengefasst. Das Schwestertaxon zu den Delfinartigen bilden die Flussdelfine (Amazonas-Flussdelfine, Chinesischer Flussdelfin und La-Plata-Delfin). Die zwei Arten der Gangesdelfine nehmen eine Sonderstellung ein und sind nicht näher mit den Delfinen oder Flussdelfinen verwandt. Die Verwandtschaftsverhältnisse, insbesondere der Flussdelfine untereinander, waren lange umstritten.
Phylogenetische Systematik der Zahnwale nach McGowen et al. (2020):
Innere Systematik Die innere Systematik der Delfine ist noch nicht restlos geklärt. Anhand genetischer Unterschiede können drei Unterfamilien unterschieden werden, die den tatsächlichen Abstammungsverhältnissen entsprechen dürften.
Nicht monophyletisch ist die Gattung Stenella (Fleckendelfine). Umstritten und Gegenstand aktueller Forschung ist die Systematik der Gattung Tursiops (Große Tümmler). Die Society for Marine Mammalogy geht aktuell von drei Arten aus, wobei der ebenfalls nach genetischen Tests beschriebene Burrunan-Delfin nicht berücksichtigt wird.
mini|Gemeiner Delfin mini|Borneodelfin mini|Guyana-Delfin mini|Commerson-Delfin mini|Schwarzdelfin mini|Grindwal mini|Breitschnabeldelfin mini|Orca oder Großer Schwertwal
Folgende Unterfamilien, Gattungen und Arten werden unterschieden: Unterfamilie Delphininae Gattung Delphinus Gemeiner Delfin (Delphinus delphis) Gattung Lagenodelphis Borneodelfin (Lagenodelphis hosei) Gattung Fleckendelfine (Stenella) Schlankdelfin (Stenella attenuata) Clymene-Delfin (Stenella clymene) Blau-Weißer Delfin (Stenella coeruleoalba) Zügeldelfin (Stenella frontalis) Ostpazifischer Delfin (Stenella longirostris) Gattung Sotalia Amazonas-Sotalia (Sotalia fluviatilis) Guyana-Delfin (Sotalia guianensis) Gattung Sousa Chinesischer Weißer Delfin (Sousa chinensis) Bleifarbener Delfin (Sousa plumbea) Australischer Buckeldelfin (Sousa sahulensis) Kamerunflussdelfin (Sousa teuszii) Gattung Tursiops Indopazifischer Großer Tümmler (Tursiops aduncus) Tamanends Großer Tümmler (Tursiops erebennus) Gewöhnlicher Großer Tümmler (Tursiops truncatus) Burrunan-Delfin (Tursiops australis) Unterfamilie Lissodelphininae Gattung Aethalodelphis Schwarzdelfin (Aethalodelphis obscurus) Weißstreifendelfin (Aethalodelphis obliquidens) Gattung Schwarz-Weiß-Delfine (Cephalorhynchus) Peale-Delfin (Cephalorhynchus australis) Stundenglasdelfin (Cephalorhynchus cruciger) Hector-Delfin (Cephalorhynchus hectori) mit dem Maui-Delfin (C. hectori maui) als Unterart Heaviside-Delfin (Cephalorhynchus heavisidii) Weißbauchdelfin (Cephalorhynchus eutropia) Commerson-Delfin (Cephalorhynchus commersonii) Gattung Glattdelfine (Lissodelphis) Nördlicher Glattdelfin (Lissodelphis borealis) Südlicher Glattdelfin (Lissodelphis peronii) Unterfamilie Globicephalinae Gattung Feresa Zwerggrindwal (Feresa attenuata) Gattung Grampus Rundkopfdelfin (Grampus griseus) Gattung Grindwale (Globicephala) Gewöhnlicher Grindwal (Globicephala melas) Kurzflossen-Grindwal (Globicephala macrorhynchus) Gattung Orcaella Irawadidelfin (Orcaella brevirostris) Australischer Stupsfinnendelfin (Orcaella heinsohni) Gattung Peponocephala Breitschnabeldelfin (Peponocephala electra) Gattung Pseudorca Kleiner Schwertwal (Pseudorca crassidens) Gattung Steno Rauzahndelfin (Steno bredanensis) Unterfamilie incertae sedis Gattung Orcinus Großer Schwertwal oder Orca (Orcinus orca) Weißschnauzendelfin (Lagenorhynchus albirostris) Weißseitendelfin (Leucopleurus acutus) mini|Irawadidelfin
Das folgende Kladogramm beruht auf den Vergleich von über 3000 Kerngenen und dem vollständigen mitochondrialen Genom: