mini|hochkant=1.4|alternativtext=|Ansicht von Tampere

Tampere ( , ) ist eine Großstadt im südwestlichen Finnland. Mit Einwohnern ist Tampere die größte Stadt der Region Pirkanmaa und drittgrößte Stadt des Landes (nach Espoo, das zur Agglomeration Helsinki gehört). Wegen ihrer vielseitigen Industrie wird sie häufig auch „Manchester des Nordens“ genannt (finnischer Spitzname: ).

Im Ballungsraum Tampere beträgt die Einwohnerzahl 330.711 (Stand: 31. Dezember 2016).

Tampere ist die größte nicht am Meer liegende Stadt der Nordischen Länder.

Geographie Geographische Lage mini|hochkant|links|Luftaufnahme des Stadtzentrums mit den Tammerkoski-Stromschnellen, die es durchqueren Tampere liegt zwischen zwei Seen, dem Näsijärvi und dem Pyhäjärvi. Die Seen haben einen Niveauunterschied von 18 Metern und werden durch die 945 Meter lange Tammerkoski-Stromschnelle verbunden, die als Energiequelle genutzt wird.

mini|hochkant=1.2|See Pyhäjärvi, Iidesjärvi und Näsijärvi Die Stadt befindet sich etwa auf einer Breite mit Söderhamn in Schweden und Lillehammer in Norwegen. Am 21. Juni findet der Sonnenaufgang um 03:41, der Sonnenuntergang um 23:12 statt. Am 22. Dezember hingegen geht die Sonne erst um 09:43 auf und verschwindet um 15:04 wieder hinter dem Horizont. Die Stadt ist Zentrum der Region Pirkanmaa, die auch als Tampere-Region bezeichnet wird.

+ Entfernungen zu anderen finnischen Städten Stadt Ent-fernung Himmels-richtung Helsinki 176 km SSO Jyväskylä 149 km NO Kotka 241 km SO Kuopio 293 km NO Lahti 126 km SO Lappeenranta 274 km OSO Oulu 476 km NNO Pori 114 km W Turku 157 km SW Vaasa 242 km NNW

Ausdehnung des Stadtgebiets Die Gesamtfläche der Stadt beträgt 690,6 km², davon nehmen 522,7 km² Land- und 167,9 km² Wasserflächen ein. Da große Teile des Stadtgebiets ländlich geprägt sind, liegt die Bevölkerungsdichte nur bei 385 Einwohnern je km².

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind im Westen Nokia und Ylöjärvi, im Süden Pirkkala und Lempäälä sowie im Osten Kangasala und Orivesi. Da sich das Gebiet der Stadt sehr weit nach Norden ausdehnt, grenzen dort Kuru und Ruovesi, deren Ortszentren bereits 70 bis 80 Kilometer von Tamperes Innenstadt entfernt sind, an.

Stadtgliederung

Tampere gliedert sich, vereinfacht gesehen, in sechs Stadtbezirke, und zwar in (‚Stadtzentrum‘), (‚Westbezirk‘), (‚Nordbezirk‘), (‚Ostbezirk‘), (‚Südbezirk‘) und (‚Südostbezirk‘).

Die westlich der Tammerkoski-Stromschnellen gelegenen Stadtteile Amuri, Pyynikki, Santalahti und Yläpispala erstrecken sich über den Landrücken Pispala und gehören zum Läntinen piiri, also zum westlichen Bezirk.

Nördlich der Innenstadt befinden sich die Stadtteile Lapinniemi, Lappi sowie Petsamo, und östlich Kauppi, Kaleva, Kissanmaa und Vuohenoja. Obwohl sie sich nach Norden erstrecken, gehören Kolunkylä, Kämmeniemi und Teisko zum Ostbezirk.

Weiter südlich liegt der Stadtteil Hervanta, der zum Kaakkoinen piiri gehört. Zum Eteläinen piiri gehören Härmälä, Hatanpää, Järvensivu.

Seit 2011 entsteht westlich von Hervanta der neue Stadtteil Vuores.

Klima Im Januar 2003 lag die Durchschnittstemperatur bei −11,4 °C, die Höchsttemperatur bei +4,8 °C und die Tiefsttemperatur bei −32 °C. Im Juli 2003 erhöhte sich die durchschnittliche Temperatur auf +20,2 °C, wobei das Thermometer eine Höchsttemperatur von +30,6 °C sowie eine Tiefsttemperatur von +8,8 °C erreichte. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge lag im Jahr 2002 bei 500 mm.

Geschichte Bereits um 1000 war die Region besiedelt. Ab dem 15. Jahrhundert gab es Gutshöfe und Mühlen, im 17. Jahrhundert wurde erstmals ein Marktplatz genannt.

18. und 19. Jahrhundert Am 1. Oktober 1779 gründete der schwedische König Gustav III. die heutige Stadt als Nahtstelle zwischen Süd- und Mittelfinnland mit dem Ziel, eine neue Handels- und Fabrikstadt zu errichten. Die Lage an den Tammerkoski-Stromschnellen erlaubte es, die Wasserkraft für Mühlen als Energiequelle zu nutzen. Bereits 1783 stand hier die erste finnische Papiermühle. Seit 1809 gehörte die Stadt zum Großfürstentum Finnland im Russischen Reich.

Schon im 19. Jahrhundert war Tampere das finnische Innovationszentrum. 1820 gründete der Schotte James Finlayson eine Baumwollfabrik an den Stromschnellen, die zum Grundstein für die spätere Textilindustrie wurde. Er profitierte von der Nähe zu St. Petersburg und den Zollvorteilen im Russischen Reich. 1842 nahm die erste finnische Papiermaschine in der Fabrik J. C. Frenckell & Son. ihre Produktion auf, 1882 wurden bei Finlayson die ersten Glühbirnen Skandinaviens hergestellt. In den umgebauten Backsteinfabrikhallen befinden sich heute Museen, Geschäfte, Cafés und ein Kino.

mini|Industriebauten am Tammerkoski-Strom mini|Kriegsschäden 1918

Die erste Eisenbahnstrecke erreichte Tampere am 22. Juni 1876 aus Richtung Hämeenlinna. Am 29. September 1883 folgte eine Verbindung über Orivesi nach Vaasa und am 4. November 1895 nach Pori.

1865 wütete in Tampere ein Stadtbrand, der das Wachstum jedoch nicht aufhalten konnte. Auch eine holzverarbeitende Industrie und Schuhfabriken entstanden. Tampella baute auch Maschinen und Eisenbahnen.

20. Jahrhundert

Als Folge der starken Industrialisierung wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts Tampere das finnische Zentrum der Arbeiterbewegung. 1905 und 1906 nahm hier Lenin an Konferenzen der Bolschewiki teil, er und Stalin trafen sich im Dezember 1905 hier zum ersten Mal im bis heute erhaltenen Arbeiterhaus.

Tampere war eine der strategisch wichtigen Städte während des Finnischen Bürgerkriegs (28. Januar bis 15. Mai 1918). Hier wendete er sich zugunsten der Weißen in der Schlacht von Tampere zwischen dem 16. März und dem 6. April 1918. Ein Großteil Tamperes wurde während der heftigen Straßenschlachten zerstört, nachdem die Operationen unter der Leitung von Oberbefehlshaber Gustaf Mannerheim begonnen hatten. Die Stadt wurde von den Roten unter Hugo Salmela heftig verteidigt. Es war der erste Kampf in der Geschichte der nordischen Länder, der in einer Industriestadt ausgetragen wurde. 2.000 Tote und etwa 2.000 Verwundete gab es auf der roten Seite, während die weißen Schutzkorps 700 Tote verloren und 2.000 Verwundete hatten. Die Weißen nahmen fast 11.000 Gefangene.

1923 wurde Tampere wieder Sitz eines lutherischen Bischofs, der aus Porvoo hierher verlegt wurde. Während der Weltwirtschaftskrise ab 1929 litt das „finnische Manchester“ als industrielles Zentrum des Landes. Die Stadt war von Arbeitslosigkeit und Produktionsrückgang besonders im Papierexport betroffen, wurde aber durch kommunale Hilfsmaßnahmen (Straßenbau) und eine starke Arbeiterbewegung stabilisiert.

Im Winterkrieg ab 1939 erfolgten verschiedene sowjetische Luftangriffe auf die Stadt, der schwerste mit 100 Flugzeugen am 2. März 1940. https://www.lysator.liu.se/nordic/mirror/sa-int/hist.html Auch im Fortsetzungskrieg wurde Tampere aus der Luft angegriffen, wobei insgesamt 18 Todesopfer unter der Zivilbevölkerung zu beklagen waren, außerdem wurden 1,2 % der Wohnungen zerstört und 2,1 % schwer beschädigt.Thiemig, Karl: Finnland, S. 122. München 1974

In den 1960er Jahren begann der Niedergang der Textil- und Lederindustrie, die den Anforderungen des Weltmarktes nicht mehr gewachsen waren. Ab etwa 1970 wurden die alten Fabriken allmählich stillgelegt und für andere Zwecke genutzt. Ähnliches gilt für die Papier- und Holzindustrie. Um 2000 gab es ein Zwischenhoch durch die Entwicklungsabteilung der Firma Nokia (Name von einem Ort in der Nähe). Tampere gilt als eine Beispielstadt für eine im Ganzen erfolgreiche Transformation, die sich durch den Technologietransfer aus Forschungseinrichtungen und Universitäten speiste.Markku Sotarauta & Juha Kostiainen: Finnish City Reinvented: Tampere’s Path from Industrial to Knowledge Economy, MIT Industrial Performance Center Working Paper Series, 2003.

Eingemeindungen 1947 wurden Messukylä, 1950 Lielahti, 1966 Aitolahti und schließlich 1972 Teisko eingemeindet.

Bevölkerungsentwicklung Trotz der wirtschaftlichen Umstrukturierung in den 1970er Jahren war die Stadt nie von Abwanderung und einem daraus resultierenden Bevölkerungsrückgang betroffen, wie es beispielsweise bei den ähnlich stark industrialisierten Städten des Ruhrgebiets typisch war.

Dennoch gab es zwei Phasen in der Geschichte der Stadt, die das Wachstum zumindest hemmten. Noch vor der erwähnten Zeit der wirtschaftlichen Umstrukturierung waren das die Jahre der Revolution und des Bürgerkriegs.

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 zum Stichtag 31. Dezember): 1820 bis 1910 1820 – 1.000 1850 – 4.000 1876 – 12.100 1881 – 13.800 1886 – 16.100 1889 – 18.100 1891 – 20.500 1896 – 26.700 1900 – 34.100 1904 – 40.261 1910 – 45.1001915 bis 1987 1915 – 45.200 1926 – 51.700 1941 – 81.000 1960 – 132.673 1970 – 158.380 1975 – 166.338 1978 – 165.519 1980 – 166.228 1983 – 167.344 1985 – 169.026 1987 – 170.5331990 bis 1999 1990 – 172.560 1991 – 173.797 1992 – 174.859 1993 – 176.149 1994 – 179.251 1995 – 182.742 1996 – 186.026 1997 – 188.726 1998 – 191.254 1999 – 193.1742000 bis 2009 2000 – 195.468 2001 – 197.774 2002 – 199.823 2003 – 200.966 2004 – 202.932 2005 – 204.337 2006 – 206.368 2007 – 207.866 2008 – 209.552 2009 – 211.5072010 bis 2019 2010 – 213.217 2011 – 215.168 2012 – 217.421 2013 – 220.446 2014 – 223.004 2015 – 225.118 2016 – 228.274 2017 – 231.853 2018 – 235.239 2019 – 238.1402020 bis 2022 2020 – 241.009 2021 – 244.223 2022 – 249.009

mini|400px|Graphik zur Bevölkerungsentwicklung Gilt nur für die Einwohner innerhalb der Stadtgrenzen. In der städtischen Siedlung Tampere wohnen 281.092 Einwohner (Schätzung für den 1. Januar 2005).

Von den 199.823 Einwohnern am 31. Dezember 2002 waren 104.540 (52,3 %) Einwohner weiblich und 95.283 (47,7 %) männlich. Lediglich 990 Einwohner, das entsprach einem Anteil von 0,5 % an der Gesamtbevölkerung, waren schwedischsprachig. Bevölkerungsgruppe Anteil (1980) Anteil (2002) Anteil (2020) 0–15 Jahre 20 % 16 % 16 % 16–64 Jahre 67 % 69 % 64 % über 64 Jahre 13 % 15 % 20 % Die natürliche Bevölkerungsentwicklung wies im Jahr 2002 einen Geburtenüberschuss von 215 Einwohnern auf. Auch der Wanderungssaldo war mit 1.445 Einwohnern positiv. Diese Entwicklung ist auf die in Finnland weiterhin anhaltende Urbanisierung zurückzuführen. Ein Vergleich mit der Entwicklung in anderen Groß- und Mittelstädten des Landes befindet sich in der Liste der Städte in Finnland.

Im Frühjahr 2023 wurde die Grenze von 250.000 Einwohnern überschritten.Population of Tampere exceeds 250,000 Webseite der Stadt Tampere (abgerufen am 26. Mai 2023).

Politik Stadtrat Wie in allen finnischen Städten ist der Stadtrat die höchste Entscheidungsinstanz. Die 67 Abgeordneten verteilen sich mit 20 auf die führenden Sozialdemokraten, die konservative Sammlungspartei folgt dicht dahinter. Auch der Grüne Bund und das Linksbündnis sind mit Wahlergebnissen im zweistelligen Prozentbereich. Die Abgeordneten dieses Rates werden auf vier Jahre gewählt.

Seit den Wahlen 2017 sind die Sozialdemokraten stärkste Partei. Die dritte große Partei des Landes, die Finnische Zentrumspartei, spielt wie in anderen Großstädten eine geringere Rolle.

Folgende Tabelle zeigt das Ergebnis von 2025 und der Kommunalwahlen 2021Kuntavaalit (Kommunalwahl) 2021 – Tampere (englisch), abgerufen am 24. November 2021 in Tampere mit Vergleichszahlen der Wahlen 2012 und 2017.Kuntavaalit (Kommunalwahl) 2017 – Tampere (), abgerufen am 8. Mai 2020