Gregor Schwake OSB (bürgerlicher Name: Theodor Schwake) (* 15. April 1892 in Emmerich; † 13. Juni 1967 in Billerbeck (Abtei Gerleve)) war Benediktiner, katholischer Priester, Kirchenmusiker („Apostel des Volks-Chorals“), Komponist, Dichter und ein entschiedener Widersacher des Nationalsozialismus.

Leben Theodor Schwake wuchs in seiner Familie in seiner Geburtsstadt auf. Dort besuchte er die Volksschule, dann das Gymnasium, an dem er im März 1911 sein Abitur ablegte.Bernhard Bröckerhoff: P. Dr. Gregor Schwake OSB, 1892–1967, Abitur 1911. In: Städtisches Willibrord-Gymnasium Emmerich (Hrsg.): Festschrift zur 150-Jahrfeier der Wiedereröffnung 1832, Emmerich 1982, S. 121–126. Einer seiner Mitabiturienten war Adolf von Hatzfeld.

Benediktiner Ostern 1911 trat Theodor Schwake in der Abtei Gerleve in den Benediktinerorden ein; am 8. September 1912 legte er die Profess ab und trug fortan den Ordensnamen Gregor. Im Sommer 1911 begann er seine philosophischen und theologischen Studien an den Ordensschulen der Benediktiner in Maria Laach und Gerleve. Am 25. Juli 1917 empfing er in der Abtei Gerleve die Priesterweihe.

Von 1917 bis 1920 folgte die kirchenmusikalische Ausbildung (unter anderem bei Schlüter in Coesfeld, Nather in der Schweiz, Friedrich Wilhelm Franke und August von Othegraven).Basilius Senger: Pater Gregor Schwake 1892–1967. In: Erbe und Auftrag, Jg. 43 (1967), S. 498–500, hier S. 498. Ab Dezember 1920 absolvierte Schwake sein musikwissenschaftliches Studium bei Fritz Volbach (1861–1940) an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.Fritz Volbach: Erlebtes und Erstrebtes. E. Schneider, Mainz 1956, S. 148. Im Oktober 1923 legte er seine Dissertation über den Orgelbauer Jacob Courtain und dessen Werk vor, am 3. Januar 1924 erfolgte die Promotion. Nach Abschluss der musikalischen Ausbildung übernahm Pater Schwake die Aufgabe des Organisten an der Abtei Gerleve.

Kirchenmusiker Seit 1924 widmete sich Pater Schwake insbesondere der Weiterbildung von Kirchenmusikern, und zwar stets verbunden mit geistlicher Bildung durch Exerzitien.Christian Frieling: Theodor Schwake (P. Gregor) OSB. In: Ders.: Priester aus dem Bistum Münster im KZ. Aschendorff Verlag, Münster 1992, S. 179–185, hier S. 179. „Vieles von dem, was uns die jüngste liturgische Erneuerung gebracht hat, … hat Pater Gregor bahnbrechend vorangetrieben.“ 1929 veröffentlichte er eine Hinführung zur Feier der hl. Messe: Volkshochamt in grundlegender liturgischer Form; mehr als 1 Million Exemplare dieses Heftes wurden verkauft.Basilius Senger: Pater Gregor Schwake 1892–1967. In: Erbe und Auftrag, Jg. 43 (1967), S. 498–500, hier S. 499. Im selben Jahr begann er, „Volkswochen für Liturgie und Kirchenmusik“ zu halten, allgemein als Choralwochen oder Volks-Choral bezeichnet; er selbst sprach lieber von „religiösen Wochen“ oder „liturgischen Wochen“. „Nicht das Singen ist das letzte Ziel der Wochen, sondern mit Hilfe des Singens näher zur Eucharistie zu kommen.“Christian Frieling: Theodor Schwake (P. Gregor) OSB. In: Ders.: Priester aus dem Bistum Münster im KZ. Aschendorff Verlag, Münster 1992, S. 179–185, hier S. 180. Ab 1932 hielt er sie auch in der Schweiz und 1933 in Österreich. Im März 1935 erhielt er Audienz bei Papst Pius XI. zum Stand der liturgischen Erneuerung.Hans Maria Wellen: Der Benediktinermönch Gregor Schwake, seine Bedeutung und sein Wirken in der liturgischen Choralbewegung des 20. Jahrhunderts. In: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte e. V. Heft 54, Dezember 1977, S. 51–61. 1937/1938 gab er Volksliturgische Kurse in Jugoslawien. Zeitweilig unterrichtete er Kirchenmusik in Frankfurt am Main. Von 1930 bis 1939 gab er die Zeitschrift Liturgie und Kirchenmusik heraus.

Verfolgung durch den Nationalsozialismus Am 13. Juli 1941 wurde im Rahmen des Klostersturmes der Nationalsozialisten das Benediktinerkonvent aus der Abtei Gerleve vertrieben. Während er in Linz einen Choralkurs gab, wurde Pater Gregor am 6. Oktober 1943 durch die Gestapo verhaftet und zunächst im dortigen Polizeigefängnis inhaftiert. In dem vom Gestapo-Chef Ernst Kaltenbrunner unterzeichneten Schutzhaftbefehl der Geheimen Staatspolizei Berlin vom 18. Dezember 1943 wurden als Gründe der Inhaftnahme genannt, „daß er als Geistlicher in offener und versteckter Form gegen den Staat hetzt, das Vertrauen der Bevölkerung zur Staatsführung zu untergraben unternimmt und Stimmung gegen die Regierung zu machen sucht“.Faksimile des Schutzhaftbefehls in: Christian Frieling: Theodor Schwake (P. Gregor) OSB. In: Ders.: Priester aus dem Bistum Münster im KZ. Aschendorff Verlag, Münster 1992, S. 179–185, hier S. 181.

Am 2. Januar 1944 wurde Pater Gregor in das KZ Dachau überstellt. Ab dem 6. Februar 1944 übernahm er die Leitung des Priesterchores im KZ Dachau und war Organist in der Kapelle im KZ-Block 26 (Pfarrerblock).Christian Frieling: Theodor Schwake (P. Gregor) OSB. In: Ders.: Priester aus dem Bistum Münster im KZ. Aschendorff Verlag, Münster 1992, S. 179–185, hier S. 182. Seinem Gerlever Mitbruder und Dachauer Mitgefangenen Augustin Hessing OSB (1897–1975) gelang es, Pater Gregor im „Kräutergarten Dachau“ unterzubringen, wo er – für Dachauer Verhältnisse – vergleichsweise leichtere Arbeiten leisten musste.Wolfgang Jacobeit, Christoph Kopke: Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise im KZ. Die Güter der „Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung“ der SS von 1939 bis 1945. Trafo-Verlag Weist, Berlin 1999, ISBN 3-89626-128-2, S. 96. Während seiner Inhaftierung schrieb er viele Gedichte und komponierte im September 1944 die Dachau-Messe, die am 24. September 1944 in der Kapelle des Pfarrerblocks uraufgeführt wurde, also bezeichnenderweise am Fest Maria vom Loskauf der Gefangenen.Eleonore Philipp: Priesterkomponisten im KZ Dachau. Musikalisches Wirken 1941–1945, in: Amperland. Heimatkundliche Vierteljahresschrift für die Kreise Dachau, Freising und Fürstenfeldbruck, Jg. 32 (1996), S. 242–247, hier S. 245–247.

Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau am 10. April 1945 wirkte Pater Gregor ab dem 29. August 1945 als Seelsorger in der Pfarrei Ettenkirch bei Friedrichshafen. Dort notierte er unter dem Titel „Meine Dachauer Chronik“ die Erinnerungen an seine KZ-Gefangenschaft.Christian Frieling: Theodor Schwake (P. Gregor) OSB. In: Ders.: Priester aus dem Bistum Münster im KZ. Aschendorff Verlag, Münster 1992, S. 179–185, hier S. 41. Sein Manuskript im Archiv der Abtei Gerleve wurde von Marcel Albert unter dem Titel Mönch hinter Stacheldraht. Erinnerungen an das KZ Dachau im Jahre 2005 veröffentlicht. Seit dem 2. Mai 1947 lebte er in die Erzabtei Beuron.

Musikalisches, theaterpädagogisches und dichterisches Schaffen Im September 1948 kehrte Pater Gregor in seine Heimatabtei Gerleve zurück, nahm das Choral-Apostolat wieder auf und veranstaltete zahlreiche plattdeutsche Liederabende im Münsterland und am Niederrhein. So wurde er weithin als „Der singende Pater“ bekannt. Zudem gründete er die Sing- und Spielschar Gerleve und begann, Theateraufführungen einzustudieren.

Seit 1949 veröffentlichte er auf Drängen des Westfälischen Heimatbundes seine in westfälischer Mundart verfassten Gedichte.Art. Schwake, Gregor. In: Hermann Quistorf, Johannes Saß: Niederdeutsches Autorenbuch. Verlag der Fehrs-Gilde, Hamburg 1959, S. 175. Dazu hatten ihn auch die Gedichte seines Großonkels Augustin Wibbelt angeregt.Bruno Oelmann: Meine allerschönste Wanderfahrt. Chronik des Haardwaldes. Verlag Rudolf Winkelmann, Recklinghausen 2000, ISBN 3-921052-75-0, S. 8–9. Der Titel dieses Buches, Meine allerschönste Wanderfahrt, ist die erste Zeile des von Gregor Schwake gedichteten und vertonten „Flaesheimer Heimatliedes“. Pater Gregor schrieb 17 plattdeutsche Theaterstücke, darunter Annthrinken Emmerick über Anna Katharina Emmerick (zwei Teile: Annthrinken, vertell us wat, 1952, und Wat ut Annthrinken wuoern is, 1953, am 8. September 1954 vom Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) als „Hörbild“ gesendet),Marcel Albert: Pater Gregor Schwake – Mönch, Musiker und Dichter. In: Heimatpflege in Westfalen, Jg. 18 (2005), Heft 2, S. 12. Liudger, Biskop van Mönster und Dat Weihnachtsspiel van’n Friäden und Sünt Nikolausbellerbok. Sie wurden vor allem auf niederrheinischen und westfälischen Freilichtbühnen aufgeführt. Der Westdeutsche Rundfunk strahlte mehrere Hörspiele von Gregor Schwake aus, unter anderem an Weihnachten 1967 das Hörspiel Der gestohlene Pastor.

Pater Gregor vertonte zahlreiche Gedichte von Augustin Wibbelt. Seine ersten Wibbelt-Kompositionen (Zwölf Wibbelt-Lieder für Kinder-, Männer- und gemischten Chor) wurden schon 1923 in Dülmen uraufgeführt. Außerdem vertonte er Gedichte von Ferdinand Zumbrock (1817–1890), von Anton Aulke und eigene Gedichte sowie ein Weihnachtsspiel von Friedrich Castelle.Friedrich Castelle: Hillige Nacht. En Spiell to Wiehnachten. Musik von Gregor Schwake. Soest 1950. Er war überzeugt, dass sich das Plattdeutsche leichter bewahren ließe, wenn es gesungen werde und deshalb eingängiger sei.Basilius Senger: Pater Gregor Schwake 1892–1967. In: Erbe und Auftrag, Jg. 43 (1967), S. 498–500, hier S. 500.

In der Abtei Gerleve starb Pater Gregor Schwake 1967 sechs Wochen vor seinem Goldenen Priesterjubiläum. Rundfunk und Fernsehen verbreiteten die Todesnachricht.Christian Frieling: Theodor Schwake (P. Gregor) OSB. In: Ders.: Priester aus dem Bistum Münster im KZ. Aschendorff Verlag, Münster 1992, S. 179–185, hier S. 185. An seiner Beisetzung nahmen zahlreiche Dachauer Mithäftlinge teil.

Auszeichnungen 1962: Verdienstkreuz 1. Klasse des Bundesverdienstkreuzes 1965: Rottendorf-Preis für niederdeutsche SpracheSiegfried Kessemeier (Bearb.): Mut zur eigenen Sprache. Der Rottendorf-Preis für Verdienste um die niederdeutsche Sprache 1963–1997. Dokumentation. Verlag Regensberg, Münster 1997.

Gedenken 18. Oktober 1997: Gedenkfeier und Aufführung der verschollen geglaubten Dachau-Messe in Ettenkirch 18. Januar 1998: Aufführung der Dachau-Messe in der Kirche Hl. Kreuz in Dachau 25. März 2000: Aufführung der Dachau-Messe in St. Aldegundis (Emmerich) 2. November 2002: Aufführung der Dachau-Messe in der Kirche Hl. Kreuz in Dachau 1. November 2004: Aufführung der Dachau-Messe in der Abteikirche Gerleve zum Gedenken an alle verstorbenen Mönche der Abtei Gerleve und weitere Aufführungen in Gerleve, zuletzt am 25. Januar 2015.Briefe aus der Abtei Gerleve, Jg. 46 (2015), Heft 4, S. 29. 2. Passionssingen im Kloster Karmel, Hl. Blut Dachau, am 4. April 2019 mit Musikstücken aus der Dachau-Messe, vorgetragen von der Bläsergruppe Hl. Kreuz Dachau Im Ortsteil Ettenkirch der Stadt Friedrichshafen gibt es zum Gedenken an den in der dortigen katholischen Kirchengemeinde von 1945 bis 1947 als Seelsorger tätigen Benediktinermönch eine Gregor-Schwake-Straße.

Werke Schriften (in Auswahl) Fritz Volbachs Werke. Dem Meister zum 60. Geburtstage. Regensberg, Münster 1921. Orgelbaumeister Jacob Courtain. Seine Orgelbauten von 1778 bis 1800, seine künstlerische Bedeutung, seine Persönlichkeit. Dissertation, Universität Münster, Münster 1923. Beiträge zur Geschichte der Kirchenmusik in Emmerich. Mensing, Emmerich 1925. Volkshochamt in grundlegender liturgischer Form. Eine Beilage zu jedem Volks-Messbuch. Verlag Laumann, Dülmen 1929. Das Volk lernt gregorianischen Choral. Volkschoralpraxis. Verlag Laumann, Dülmen 1932. Choral-Werkbrief 1‒10. Jugendhaus Verlag, Düsseldorf 1936. Über den Stand der Volkschoralbewegung im Herbst 1938. In: Bibel und Liturgie, Jg. 13 (1938/1939), S. 6–11. Volks-Hochamt. Verlag Laumann, Dülmen 1948 (überarbeitete und erweiterte Neuausgabe der Publikation von 1929). Dat Kiärkenjaohr bi’n kranken Mensken. Aschendorff Verlag, Münster 1952. Über die Gestaltung meiner acht Lieder zu Heimattänzen. In: Westfälischer Heimatkalender, Jg. 7 (1953), S. 93–95.