Die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main (Eigenschreibweise seit 2008: „Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main“), kurz Goethe-Universität Frankfurt am Main oder GUF, zur Gründung der Stiftungsuni in § 100a HHG: Die Körperschaft des öffentlichen Rechts „Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main“ (Universität) wird mit Wirkung vom 1. Januar 2008 als Hochschule des Landes in eine rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Frankfurt am Main (Stiftungsuniversität) umgewandelt. ist eine Volluniversität und war im Wintersemester 2022/23 mit gut 43.000 Studenten die sechstgrößte Präsenzuniversität Deutschlands, gemessen an der Studentenzahl. An ihr lehren und forschen 576 Professoren; 16 Fachbereiche bieten 158 Studiengänge an fünf Campus an.

Die Universität wurde unter dem Namen Königliche Universität zu Frankfurt am Main am 18. Oktober 1914 als erste deutsche Stiftungsuniversität der Neuzeit eröffnet. Mit der Eröffnung 1914 wurden zahlreiche Vorgängerinstitutionen zusammengelegt und mit der Vergabe des Promotionsrechts wurde der Einrichtung Universitätsstatus zugewiesen. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Verlust des Stiftungsvermögens übernahm die Stadt Frankfurt am Main die Trägerschaft. Das Attribut Königliche wurde aus dem Namen gestrichen. Am 16. Juni 1932 verlieh ihr das preußische Staatsministerium das Privileg, sich nach Johann Wolfgang von Goethe zu benennen. Im Jahr 1967 wurde sie zu einer hessischen Landesuniversität, 2008 wieder zu einer öffentlich-rechtlichen Stiftung.

Standorte

Die Universität ist auf vier große Universitätsgelände über das Frankfurter Stadtgebiet verteilt: Der Campus Westend ist der Hauptstandort. Dort befindet sich auch der Sitz der Hochschulverwaltung im Präsidiums- und Administrationsgebäude (PA). Zum Campus gehören das I. G.-Farben-Haus sowie zahlreiche Neubauten, darunter das House of Finance und das zentrale Hörsaalgebäude. Hier sind neben der zentralen Verwaltung die meisten Fachbereiche angesiedelt – bis auf Medizin und Naturwissenschaften. Auf dem Campus Riedberg mit Universitätsgebäuden, die ab ca. 1970 gebaut wurden, sind die Fachbereiche Physik, Biochemie, Chemie und Pharmazie, Biowissenschaften sowie (großenteils) Geowissenschaften, der Wissenschaftsgarten und ein Hörsaalzentrum mit der naturwissenschaftlichen Bereichsbibliothek untergebracht. Der Campus Bockenheim ist das frühere Zentrum der Universität, das derzeit noch den Fachbereich Informatik und Mathematik, die Zentrale der Universitätsbibliothek, die Drittmittelbereiche der Sprach- und Kulturwissenschaften im Gebäude der Neuen Mensa, 20 Hörsäle und das Studierendenhaus in Gebäuden aus den 1950er bis 1970er Jahren beherbergt. Auf dem Campus Niederrad mit sowohl historisch seit dem 19. Jahrhundert gewachsenen Gebäuden und Anlagen als auch modernen Komplexen befindet sich das Universitätsklinikum mit dem Fachbereich Medizin.

Daneben gehört das Universitäts-Sportgelände („Sportcampus Ginnheim“) an der Ginnheimer Landstraße des Stadtteils Bockenheim zur Universität,HP Universität weiterhin gibt es in Oberursel das Institut für Bienenkunde.

Der seit Mitte der 1990er Jahre verstärkt betriebene Standort-Umbau der Universität hat für die Zukunft die Räumung des Altstandorts Bockenheim zum Ziel; die derzeit noch am Campus Bockenheim ansässigen Einheiten werden zum Campus Westend und zum Campus Riedberg verlegt; das Sportgelände wird am Standort beibehalten.

Der ehemals mit dem Biologiecampus (1956–2011) verbundene öffentliche Botanische Garten am Ende der Siesmayerstraße ist an die Stadt Frankfurt und in die Verantwortung des Palmengartens übergegangen. In: frankfurt.de, abgerufen am 7. Oktober 2023. Teile des bisherigen Campus Bockenheim, darunter das historische Jügelhaus, sind von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung übernommen worden, andere Teile der lokalen Stadtentwicklung überlassen worden. Die ehemals zahlreichen sonstigen verstreuten universitär genutzten Gebäude im Stadtteil Bockenheim sind aufgegeben und teilweise abgerissen, teilweise einer anderweitigen Nutzung zugeführt worden.

Geschichte Frühe Hochschulansätze (14. bis 19. Jahrhundert) Erste Pläne für eine Universität in Frankfurt am Main gab es Ende des 14. Jahrhunderts, als sich der Rat der Stadt zeitweise bemühte, die Universität von Paris nach Frankfurt am Main umzusiedeln.Rudolf Jung, Frankfurter Hochschulpläne 1384–1868. In: Frankfurter Historische Forschungen. Heft 1. K. F. Koehler, Leipzig 1915. Nach der Zerstörung Heidelbergs am 22. Mai 1693 durch französische Truppen siedelten die Professoren der Universität Heidelberg nach Frankfurt am Main um und konstituierten sich dort 1694 unter dem Rektor Johann Ludwig Fabricius als Universität im Exil. Diese blieb aber nicht dauerhaft in Frankfurt am Main, sondern wurde 1698 nach Weinheim umgesiedelt, wo die zeitweilige Residenz des pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm lag.

Den ersten ernsthaften Versuch einer Universitätsgründung unternahm Großherzog Karl Theodor von Dalberg 1812. Er plante für sein Großherzogtum Frankfurt eine Akademie nach französischem Vorbild und gründete dazu mehrere Lyzeen in Frankfurt, Aschaffenburg und Wetzlar:

Das Lyceum Carolinum in Frankfurt sollte die philosophische Fakultät der großherzoglichen Universität bilden und die Studenten durch ein allgemeinbildendes Studium auf das anschließende Fachstudium an einer spezialisierten Fakultät vorbereiten. Für die juristische Ausbildung war die Rechtsschule Wetzlar, am Sitz des ehemaligen Reichskammergerichtes, vorgesehen. Einen zentralen Standort mit theologischer, juristischer und philosophischer Fakultät bildete die Karls-Universität Aschaffenburg, wohin der verbliebene Rumpf der 1798 aufgehobenen Universität Mainz ausgewandert war. Eine medizinisch-chirurgische Spezialschule sollte an der 1763 gegründeten Senckenbergischen Stiftung in Frankfurt entstehen und mit dieser kooperieren.

Mit dem Ende des Großherzogtums Frankfurt 1813 gingen die von Dalberg gestifteten und eng mit seinem Namen verbundenen Einrichtungen rasch wieder unter. Der Senat der Freien Stadt Frankfurt hatte kein Interesse an der Weiterführung und hob das Lyceum Carolinum 1814 wieder auf, die medizinische Schule 1815.

mini|Das Gelände der 1763 gegründeten Senckenbergischen Stiftung am Eschenheimer Tor war der erste wissenschaftliche Campus der Freien Stadt Frankfurt Trotzdem entstanden in der Zeit der Freien Stadt Frankfurt zwischen 1815 und 1866 neue wissenschaftlichen Gesellschaften und Einrichtungen, die alle auf Stiftungen und Initiativen engagierter Bürger zurückgingen. Im Jahr 1817 gründeten Frankfurter Bürger, darunter Christian Ernst Neeff, Arzt und Anatom an der Senckenbergischen Stiftung und Professor für Pathologie an Dalbergs medizinischer Spezialschule, die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft zur Förderung der Naturforschung und zur Einrichtung eines öffentlichen Naturalienkabinetts. Sie übernahm die mineralogischen, paläontologischen und botanischen Sammlungen der Senckenbergischen Stiftung als Grundstock des Senckenberg Naturmuseums. 1824 folgte der Physikalische Verein als Gründung von elf Frankfurter Bürgern unter Führung von Neeff und Johann Valentin Albert.

Die neuen wissenschaftlichen Gesellschaften, denen 1836 der Verein für Geographie und Statistik, 1845 der Ärztliche Verein und 1855 der Mikroskopische Verein folgten, siedelten sich auf dem Gelände der Senckenbergischen Stiftung am Eschenheimer Tor an, das auf diese Weise zum ersten wissenschaftlichen Campus Frankfurts wurde. Ihre Buchbestände führten sie in einer gemeinsamen Sammlung zusammen, der Senckenbergischen Bibliothek, die mit rund 90.000 Bänden Anfang des 20. Jahrhunderts bereits eine der größten naturwissenschaftlichen und medizinischen Bibliotheken Deutschlands war.

Gründung der Stiftungsuniversität 1914 mini|Hauptgebäude der Universität (Jügelhaus), Juni 1958 mini|Campus Bockenheim: Sternwarte des Physikalischen Vereins, Mai 2004

Die Gründung der Universität geht wesentlich auf das Engagement des Frankfurter Oberbürgermeisters Franz Adickes zurück. Es war Adickes’ Wunsch, neben der Ansiedlung von Industrieunternehmen in Frankfurt auch Kultur- und Bildungsstätten zu fördern. Zu diesem Zweck unterstützte er alle Initiativen, die zielgerichtet auf eine Universität hinführen mussten. Einen Weggefährten fand er in Wilhelm Merton, dem Gründer der Metallgesellschaft, der ebenfalls davon überzeugt war, dass zwischen dem Handel und der Industrie, aber auch der sozialen Wohlfahrt und der Wissenschaft eine unzertrennliche Verbindung bestehe. So gründete Merton mit eigenen und fremden Mitteln 1890 das Institut für Gemeinwohl und 1901 die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften.

Die Akademie bildete bei der Universitätsstiftung eine Keimzelle der ersten wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät in Deutschland. Auch die medizinische Fakultät geht wesentlich auf private Stiftungen zurück: Hannah Luise von Rothschild hatte 1890 eine Zahnklinik, das Carolinum, gegründet. 1901 stiftete Johanna Stern, die Witwe des Bankiers Theodor Stern, eine halbe Million Mark für das Medizinische Institut zur Förderung der physiologischen Forschung. Franziska Speyer, die Witwe des Bankiers Georg Speyer, finanzierte die Errichtung eines Instituts zur Erforschung von Infektionskrankheiten, dessen Leitung 1906 dem Wissenschaftler, Arzt und späteren Nobelpreisträger Paul Ehrlich übertragen wurde. Adickes trieb die Gründung einer Akademie für praktische Medizin voran, welche die bestehenden Stiftungen aufnehmen sowie weitere medizinische Institute und Kliniken ansiedeln sollte, und sammelte weitere Stiftungen und Vermächtnisse, unter anderem des Philanthropen Charles Hallgarten, des Bankiers Otto Braunfels und der Erben des Buchhändlers Carl Christian Jügel. Durch dessen Vermächtnis von zwei Millionen Goldmark und das Millionenvermächtnis Franziska Speyers war schließlich das Startkapital für die Stiftungsuniversität auf mehr als 14 Millionen Goldmark angewachsen und alle Voraussetzungen dafür erfüllt, dass Frankfurt neben Berlin die am besten ausgestattete Hochschule Preußens werden sollte. Die Stadt Frankfurt stellte dafür Grundstücke im Westend und das städtische Klinikum in Sachsenhausen zur Verfügung.

Zu den weiteren Stiftern zählten der Physikalische Verein, der acht naturwissenschaftliche Institute einbrachte, die Dr. Senckenbergische Stiftung mit dem bereits auf das Jahr 1763 zurückgehenden Institut für Anatomie und dem Botanischen Institut, die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft, deren Bibliothek zusammen mit der Stadtbibliothek mit damals rund 350.000 Bänden und der Rothschild-Bibliothek mit rund 70.000 Bänden die Literaturversorgung der Universität übernahm, und das Neurologische Institut von Ludwig Edinger.

Der Stiftungsvertrag wurde am 28. September 1912 beurkundet. Das dem Vertrag vorgeheftete Schmuckblatt hatte Otto Linnemann gestaltet. Es zeigt Athene als Göttin der Wissenschaften auf einem Sockel mit dem Frankfurter Stadtwappen und vor einem Fenster, in dem links die Leonhardskirche und der Rententurm, rechts der Domturm zu sehen sind. Die 1219 errichtete Leonhardskirche war die erste Stiftung Frankfurter Bürger, der Bau des Domturms wurde im 15. Jahrhundert von Stadt und Bürgerschaft finanziert und sein Wiederaufbau nach dem Brand von 1867 vor allem durch großzügige Spenden der Bürger sowie des Kaisers ermöglicht.