Britpop ist ein Musikstil und eine aus Großbritannien stammende Musikbewegung, die Anfang der 1990er Jahre entstand und sich durch eine Rückbesinnung auf die Traditionen britischer, gitarrenlastiger Rock- und Popmusik auszeichnet.

mini|Noel Gallagher von Oasis (2005) mini|Blur (2009)

Hintergrund/Zusammenfassung

Eine der beiden wichtigsten Quellen ist dabei der britische Independent der späten 1980er Jahre mit Bands wie The Stone Roses oder The Smiths. Allerdings zielt der Britpop im Gegensatz zu diesen Bands auf ein breites Publikum und knüpft deswegen ebenfalls an die Größen der Popmusik der 1960er Jahre wie The Beatles, The Kinks oder The Rolling Stones an. Bekannte Vertreter des Britpop sind Oasis, Blur oder Pulp. Erstere haben sich bis zu ihrer Auflösung 2009 als eine der erfolgreichsten Bands in der Rockszene etabliert, wie sich auf ihrer letzten Welttour 2005/06 zeigte, wo sie Stadien mit bis zu 80.000 Fans erreichten. Weitere Vertreter sind The Verve, Suede, Supergrass und Ash. In der Regel kommen die Gruppen aus England, prominente Ausnahmen sind z. B. Travis (Schottland) oder die Waliser Manic Street Preachers.

Die Bewegung hat sich als Reaktion auf die verschiedenen musikalischen und kulturellen Trends der späten 1980er und frühen 1990er Jahre entwickelt. Acid House und das Aufkommen von Hip-Hop führten zu einem wieder wachsenden Interesse an den rhythmischen Songs des Independent, was im Madchester mündete. Durch diese Strömung wurde die eher traditionelle Gitarrenmusik nebensächlich. Die Shoegazingbewegung stellte sich mit einem eher psychedelischen, relativ eintönigen Sound, der stark von Bands wie The Jesus and Mary Chain und My Bloody Valentine geprägt war, gegen den Trend.

Britpop sah sich teilweise als Gegenströmung zum US-amerikanischen Grunge. Im Zuge der US-amerikanischen Invasion von Bands wie Nirvana, Mudhoney, Pearl Jam, Soundgarden und Alice in Chains strebten einige britische Bands wie Bush nach der Nachahmung des Grunges. Andere setzten die Imitation des Madchester, als Teil der Baggybewegung, fort. Die britische Musikpresse blieb davon unbeeindruckt und bejubelte weiterhin etablierte US-Bands wie Dinosaur Jr. und Sonic Youth.

Ursprünge und Einflüsse mini|Morrissey, Sänger der Smiths Die Britpopgruppen wurden sehr stark von der Gitarrenmusik der 1960er und 1970er Jahre beeinflusst. Eine besondere Rolle spielten hierbei die zwei Trends des Rock ’n’ Roll der British Invasion: die Eckpfeiler des Rocks wie The Beatles und The Rolling Stones und die Modbands wie The Who, The Kinks und The Small Faces. Relativ einflussreich waren auch die Glam Rocker der 1970er und 1980er Jahre wie David Bowie und T. Rex und die Punk- und New-Wave-Bands wie die Sex Pistols, The Clash, Duran Duran, The Jam, The Police, Madness und die Buzzcocks.

Die Independent-Bands der 1980er Jahre wie The Smiths, The Jesus and Mary Chain und James waren die direkten Vorläufer des Britpop. Die Madchesterbewegung war ein weiterer großer Einfluss auf den Britpop. Die Bewegung wurde von Bands wie The Stone Roses, Happy Mondays und Inspiral Carpets (für die Noel Gallagher von Oasis damals als Roadie arbeitete) angeführt. Ein weiterer indirekter Einfluss waren die C86-Bands, die hauptsächlich poppige Independent-Gitarrenmusik spielten. Viele Bands, die später unter der Bezeichnung Britpop zusammengefasst wurden, wie Primal Scream, starteten als C86-Bands.

Ungeachtet seiner Geringschätzung von Shoegaze und Grunge dieser Zeit gingen einige Elemente beider Stilrichtungen in beständige Aspekte des Britpops ein. Noel Gallagher betrachtete Ride (deren Mitglied Andy Bell zwischenzeitlich bei Oasis spielte) als einen Hauptursprung des Britpops, während The Boo Radleys Dinosaur Jr. als Quelle des Britpops angaben.

Obwohl die Bewegung 1994 in den Vordergrund trat, bleibt unbestimmt, wann sie begann. Wegen seines großen Einflusses auf spätere Bands wird das 1989 erschienene Debütalbum der Stone Roses als erstes Britpop-Album angesehen. Noel Gallagher behauptet, dass das Debütalbum von The La’s das erste Britpop-Album war. Andere weisen diese Ehre auch dem Debütalbum von Oasis, dem von Suede oder Modern Life Is Rubbish von Blur zu.

Geschichte

Weller, „The Modfather“ und Blur mit „Modern Life is Rubbish“ (1991–1993) mini|Paul Weller, der „Modfather“ (2009) Paul Weller wird als einer der Initiatoren der Bewegung besonders gerühmt. Seine Soloalben Paul Weller (1991) und Wild Wood (1993) werden als grundlegende Kraft der Bewegung angesehen. Sein Einfluss auf den Britpop und die Verbindung zur Wiederbelebung des Mod brachte ihm den Spitznamen The Modfather ein. Er bot den Bands durch seine Aufnahmen einen Leitfaden, trat aber auch mit vielen Britpop-Bands auf. Simon Fowler und Damon Minchella von Ocean Colour Scene spielten in seiner Begleitband und Weller spielte bei dem Britpop-Song Champagne Supernova von Oasis Gitarre.

Eine weitere Schlüsselrolle bei der Entstehung des Britpop spielte die Band Blur. Während Weller Modelemente zum Britpop beisteuerte, brachte Blur die frühe Medienaufmerksamkeit und Chart-Erfolg mit ihrem Album Modern Life Is Rubbish. Das Album bewegte den Sound von Blur langsam vom Shoegazing ihres Debütalbums Leisure zum schnörkeligen Popsound, der sich an den Eigenarten von The Kinks orientiert. Im Rückblick enthielt Modern Life is Rubbish viele Text-, Harmonie-, Akkord- und Soundelemente, sowie den entschlossenen Gesang, der später typisch für den Britpop wurde.

Die Modszene hatte einen großen Einfluss im musikalischen oder modischen Bereich auf viele Bands, darunter Blur, Ocean Colour Scene und Menswe@r.

Britpop und die Cool-Britannia-Bewegung (1994–1996) mini|Oasis-Konzert 2005

Der Begriff Britpop wird etwa seit 1987 benutzt, als er im Sounds Magazin geprägt wurde. Die Bezeichnung Britpop kam etwa gleichzeitig mit dem Begriff Britart auf. Trotzdem kam der Begriff erst 1994 ins Massenbewusstsein, als er intensiv von Magazinen wie New Musical Express, Melody Maker, Select und Q benutzt wurde. Das Wort eroberte langsam die Massenmedien. Die große Bekanntheit des Wortes wurde besonders deutlich, als ein Artikel im The Guardian erschien, in dem ein Redakteur des Oxford English Dictionary behauptete, dass der Begriff Britpop das Jahr 1995 am besten beschreiben würde. Britpop wurde 1997 in das Oxford English Dictionary aufgenommen.

Im April 1993 verhalf das Select Magazin dem britischen Stolz zu einem Aufschwung, als ein Bild des Suede-Sängers Brett Anderson mit dem Union Jack im Hintergrund und dem Satz „Yanks go home!“ auf dem Cover des Magazins abgedruckt wurde. Die Ausgabe enthielt Artikel über Suede, The Auteurs, Denim, Saint Etienne und Pulp. In den folgenden Jahren dominierten englische Bands die Musikzeitschriften. Größtenteils waren dies neue Bands, aber auch etablierte Bands, die mit der Britpop-Bewegung verbunden wurden, profitierten von dieser Tatsache.

Danach kamen die ersten Wellen der Anerkennung durch die Musikpresse für das, was New Musical Express als New Wave of New Wave betitelte. Dies bezeichnete am Anfang eher punkige Bands wie Elastica, S*M*A*S*H und These Animal Men. Obwohl die letzteren beiden ziemlich schnell aus dem Rampenlicht verschwanden, war die Musikpresse zögerlich bei der Anerkennung der Bands, die sie als unbekannte Bands einstufte. Dazu gehörten Oasis, Shed Seven und Whiteout. Als jedoch The Charlatans und Inspiral Carpets neue Alben veröffentlichten, bekamen auch die anderen Bands die einen melodischeren Stil verfolgten größere Anerkennung in der Presse.

mini|links|Jarvis Cocker, Sänger von Pulp (2011)

Fans des Britpops streiten darüber, welches Album der Bewegung zum Durchbruch verhalf. Oasis’ Debütalbum Definitely Maybe, Blurs drittes Album Parklife und Suede von Suede sind Kandidaten dafür (alle 1994 veröffentlicht). Diese Alben definieren die Britpop-Bewegung und ebneten den Weg für viele weitere Bands. Das Album His ’n’ Hers von Pulp wurde auch zu dieser Zeit veröffentlicht, Pulp erreichte allerdings erst mit dem 1995 veröffentlichten Album Different Class Mainstreamerfolg.

Bei der Bewegung ging es außer um die Musik auch um britischen Stolz, den Medienhype und das Image der Bands. Suede war die erste der Bands der neuen Musikrichtung, die von der britischen Musikpresse als Antwort auf den US-amerikanischen Grunge aus Seattle gehandelt wurde. Das Debütalbum von Suede wurde das am schnellsten verkaufte Debütalbum in der Geschichte Großbritanniens. Dieser Titel musste jedoch später an Definitely Maybe von Oasis abgegeben werden.

1995 erreichte die Britpop-Bewegung ihren Höhepunkt. Der berühmte Battle of the Bands nannte Blur und Oasis als Hauptbewerber um den Titel Kings of Britpop. Angespornt von den Medien entwickelte sich ein Kampf zwischen zwei Gruppen: Noel und Liam Gallagher, die den Norden Englands sowie eher Arbeiter und Geringverdiener vertraten, und Damon Albarn und Alex James, die den Süden und so den gebildeteren Mittelstand repräsentierten.bbc.co.uk Der Wettkampf wurde dadurch verkörpert, dass Oasis und Blur ihre Singles Roll with It und Country House zum gleichen Zeitpunkt herausbrachten. So gewann dieser Wettbewerb die Aufmerksamkeit der Massenmedien und schaffte es in die BBC News. Als der Wettkampf in die zweite Runde ging, trat Pulp mit ihrer Single Common People gegen Trash und Beautiful Ones von Suede an.

Am Ende gewann Blur den Kampf mit 274.000 verkaufte Platten vor Oasis mit 216.000 verkauften Singles. Die Songs belegten durchgehend die Chartplätze eins und zwei. Auf lange Zeit gesehen gewann jedoch das Album (What’s the Story) Morning Glory? von Oasis und wurde viermal häufiger verkauft als das Album The Great Escape von Blur. (What’s the Story) Morning Glory? verkaufte sich insgesamt über 22 Millionen Mal und ist damit auf Platz fünf der britischen Alben. Das zweite Album von Oasis wird von vielen als das Britpop-Album schlechthin gesehen. Es war in Großbritannien eine Zeit lang populär auf die Frage „What’s the story?“ (deutsch: Was gibt’s?) mit „Morning Glory“ zu antworten.

mini|The Verve (2008) Während dieser Zeit sah man den neuen, jungen Anführer der Labour Party, Tony Blair, aufsteigen. Blair verkörperte die Träume und Wünsche der britischen Gegenkultur und viele Bands wie Oasis und Blur bewunderten ihn. Noel Gallagher erschien auch auf mehreren öffentlichen Terminen und brachte seine Unterstützung Tony Blairs zum Ausdruck.

Außer Oasis, Blur, Pulp und Suede veröffentlichten 1995 auch andere Britpop-Bands Singles und Alben, die die Essenz der Bewegung erfassten und die Haltung der Cool-Britannia-Bewegung einnahmen. Zu diesen Bands gehörten Supergrass, Cast und Radiohead. Die Cool Britannia Bewegung wurde auch durch poppige Sommerhits von Bands wie Dodgy, Sleeper, The Boo Radleys und Echobelly symbolisiert. 1995 veröffentlichten The Verve ihr Album A Northern Soul. Das Album floppte jedoch und führte dazu, dass die Band sich trennte. Für das Album Urban Hymns fand sich The Verve 1997 aber wieder – zumindest für kurze Zeit – zusammen.

Die Massenmedien tauften die Bewegung „Third British Invasion“ (deutsch: dritte britische Invasion), da sich die Bewegung so großer Popularität in der Bevölkerung erfreute und sich bestimmte Einflüsse der verschiedenen Strömungen in der Musik der Bands widerspiegelte. Dies führte dazu, dass zwischen den Bands Konflikte entstanden, die teilweise von den Medien provoziert wurden.

mini|Travis (2007)