mini|hochkant=1.5|Wohn- und Jagdgebiet der Tuscarora und der Irokesenliga vor 1700

Die Tuscarora, Skarù∙ręʔ oder Ska-Ruh-Reh („Indianischen Hanf (Indian Hemp)-Sammler“ oder „(Hanf)Hemden-tragendes Volk“) sind ein Stamm der Haudenosaunee („Leute des Langhauses“), besser bekannt als Irokesenliga oder -Konföderation, einem Bündnis aus ursprünglich fünf (später sechs) Stämmen oder Nationen der Irokesischen Sprachfamilie. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden diese Stämme als Irokesen bezeichnet. Sie sind eine der indigenen Gruppen der Indianer Nordamerikas und lebten zu Beginn des europäischen Kontakts um 1590 im heutigen North Carolina und Virginia. Nach ihrer Niederlage im Tuscarora-Krieg zogen sie um 1722 nach Norden in den heutigen US-Bundesstaat New York und traten der Irokesenliga als sechster Stamm bei. Ab nun lag das Wohn- und Jagdgebiet der Tuscarora zwischen den Dörfern der Cayuga im Westen und der Oneida im Osten, meist jedoch siedelten sie unter den Onondaga, da die Tuscarora als Schutzsuchende kein Stimmrecht im Bundesrat (Grand Council) der Irokesenliga hatten, wurden sie von den Oneida (andere Quellen: Cayuga) vertreten.Übersichtskarte: Learning Longhouse: Tuscarora Nation (Ska-Ruh-Reh). Blogseite, 2014, Teil der Lernmaterialien des Iroquois Indian Museum in Howes Cave im Bundesstaat New York (englisch; die zwei Tuscarora Gemeinschaften in den USA und Kanada).

Heute gibt es zusätzlich auch 6 Tuscarora-Häuptlinge, vormals hatten die Tuscarora im Stammesrat kein Stimmrecht.

Wohngebiet und Umwelt Im 15. Jahrhundert lebten mehrere irokesisch sprechende Stämme in den heutigen US-Bundesstaaten Virginia und North Carolina. Die Tuscarora waren mit ca. 5.000 Stammesangehörigen (manche Schätzungen reichen bis zu ca. 25.000 – dies dürfte jedoch auch alle weiteren benachbarten irokesischsprachigen Stämme umfasst haben) der größte und bekannteste dieser Stämme, während die Meherrin, Nottoway, Coree und Neusiok eher unbekannt sind. Das Wohn- und Jagdgebiet dieser Stämme erstreckte sich über den Ostrand des Piedmont bis in die Küstenebenen von Virginia und North Carolina. Die Region wird von zahlreichen Flüssen durchquert, wie dem Nottoway, Meherrin, Roanoke, Tar und Neuse River. Der fruchtbare Boden und das Klima in diesem Gebiet sorgt für eine langandauernde jährliche Wachstumsphase. Die meisten Dörfer der hier lebenden Indianer lagen östlich der Fall Line an den Ufern dieser Flüsse.Douglas W. Boyce: Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast, Iroquoian Tribes of the Virginia-North Carolina Coastal Plain, S. 282–285.

Die Tuscarora unterteilten sich in drei regionale Gruppen, die mehrere Dörfer bewohnten:

Kǎ'tě’nu'ā'kā', Katenuaka, Ga-te-no-wah-ga bzw. Kautanohakau („People of the Submerged Pine-tree/Pine-tree in water.“)darunter kann sowohl die Weihrauch-Kiefer (Loblolly Pine) als auch die Echte Sumpfzypresse (Bald Cypress) verstanden werdenNeyuheruke 300 - Nooherooka Trees Akawěñtc'ākā', Akawenteaka, Akawenchaka, Ag-wan-te-ga („People of the Two-Row“), auch bekannt als Kauwetsaka, Kauwetseka bzw. Cauwintch-AAga („People of the Water“, dies ist auch das Autonym der benachbarten „Kauwets'a:ka“ oder Meherrin.) Skarū'ren', Skuarureaka oder Sca-ru-re-ah-ga („Indian Hemp (Indianischen Hanf)-Sammler“, „(Hanf)Hemden-tragendes Volk“), vermutlich einst größte Gruppe, daher ist die Nation heute allgemein als „Tuscarora“ bekannt.

Kultur Die Tuscarora lebten, wie ihre Nachbarn, vorwiegend vom Maisanbau, der Jagd und dem Sammeln von Wildkräutern. Im späten Herbst erfolgte der Umzug des gesamten Dorfes in die Jagdquartiere, in denen sie bis zum Ende des Winters oder dem Frühlingsanfang lebten. Das normale Haus der Tuscarora hatte einen runden oder ovalen Grundriss, der von in den Boden gesteckten Baumschößlingen umgeben war. Diese wurden zur Mitte hin gebogen und im Zentrum zusammengebunden, so dass eine Kuppel entstand, die mit Rindenstücken bedeckt wurde. Innen gab es rundum Bänke und der Boden war mit Tierfellen und Bastmatten bedeckt. Die Jagdquartiere waren rechteckige Hütten mit einem festen Dach, die eng beieinander standen, im Gegensatz zu ihren zwischen den bestellten Feldern weit verstreut liegenden Sommerhäusern. In der Mitte des Hauses befand sich die Feuerstelle. Es gab keine Schränke, jedoch hochstehende Lagerstätten, auf denen sich die Insassen mit Matten und Tierfellen bedecken konnten.

Die ökologische Vielfalt in diesem Land und die Geschicklichkeit der Irokesenvölker in der Küstenebene beim Fischen, Jagen, Sammeln und Maisanbau führten zu einem mehr als ausreichenden Lebensunterhalt. Zusätzlich zur winterlichen Gemeinschafts-Jagd erlegten die Männer Hirsche, Bären, Biber, Waschbären, Opossums, Hasen, Eichhörnchen und Truthähne. Störe und Heringe wurden im Frühjahr bei ihren regelmäßigen Wanderungen zu den Laichgründen flussaufwärts mit Fischwehren, Netzen oder Keulen gefangen. Getrocknete Salzwasserfische konnten offenbar im Handel mit Küstenbewohnern erworben werden. Männer und Frauen sammelten Materialien und Wildpflanzen, die für Zeremonien, den Haushalt, für den Handel und zur Ernährung benötigt wurden. Das Sammeln der Nüsse von Scheinkastanien (Chinquapin oder Chinkapin) (Castanopsis) und Kastanien (American oder Allegheny chinkapin) (Castanea pumila) erfolgte gemeinschaftlich im späten Sommer. Die Tuscarora waren bekannt für ihre hervorragende Nutzung und Verwendung verschiedener Naturfasern (Samen- und Bastfasern sowie Binsen) zur Herstellung von Kleidung, Stricken, Fischernetzen, Körben und Matten. Diese Güter wurden aus Seidengras, Indian Hemp (Indianischen Hanf), Binsen und Rohrkolben (Cattail) gewonnen und waren als Handelsware sehr begehrt, so dass die Tuscarora diese nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch für ihre indigenen Nachbarn und später auch für die europäischen Einwanderer fertigten. Daher waren sie bei den benachbarten Stämmen als „Indian Hemp (Indianischen Hanf-Sammler“, „(Hanf)Hemden-tragendes Volk“) bekannt. Zudem stellten sie hölzerne Schüsseln und Pfannen für die Bewohner des Piedmont her, die gegen Pelze und Felle getauscht wurden. Viele der benötigten Rohmaterialien konnten in der Nähe der Dörfer gesammelt werden, andere jedoch erforderten eine Reise in entfernte Gegenden.

Kanadische Blutwurz (bloodroot) (Sanguinaria canadensis) war ein traditionelles Mittel gegen Fieber und Rheuma und wurde zum Auslösen von Erbrechen genutzt, zudem war es sehr begehrt, weil es zum Färben der Haare benötigt wurde. Zu dessen Erwerb mussten sie bis zum Fuß der Berge wandern, wobei sie auf feindliche Indianer treffen konnten. Die Tuscarora waren bekannt für die Verwendung von Kupfer zum Herstellen von Schmuckwaren. Zur Beschaffung des Rohmaterials unternahmen sie ebenfalls weite Reisen nach Westen, wie auch für Salz.

Mais war das einzige und wichtigste Getreide. Es wurde getrocknet und zu Mehl zermahlen, das Hauptbestandteil von Suppen war und zur Herstellung von Brot diente. Außerdem wurden Gurken, Squash und Bohnen angebaut. Es gab Obstbaumgärten in den Siedlungen, in denen Äpfel, Pfirsiche und Quitten geerntet wurden. Zu den von Frauen erledigten Arbeiten gehörte das Kochen von Mahlzeiten für die gesamte Familie, sowie die Herstellung von Matten, Körben und Kleidung. Junge Männer arbeiteten auf den Feldern in der Wachstumsperiode, bevor die Jagd im Herbst begann. Beim Umzug in die Winterquartiere transportierten die Frauen die Vorräte an Nahrungsmitteln. Nach der Ankunft bestand ihre Hauptaufgabe in der Suche nach Feuerholz, dem Kochen von Essen und der Herstellung von Haushaltsgegenständen. Einige Männer, z. B. schlechte Jäger oder Berdache, sammelten Baumrinden zum Bedecken der Hütten, stellten Schüsseln und Geschirr aus Holz her, schnitzten Tabakpfeifen aus Ton und liefen zurück zum Sommerdorf, um die zurückgebliebenen alten Leute zu versorgen. Junge Mädchen zermahlten den Mais in großen hölzernen Schüsseln oder Mörsern mit Stößel und halfen den Frauen beim Sammeln von Nüssen, Knollen und Wildfrüchten.

Neben der Jagd und dem Fischfang gingen die Männer der Tuscarora auf Kriegszüge gegen ihre Feinde, die manchmal in bis zu 700 Meilen entfernte Gebiete führten. Es war beeindruckend, wie die in mehrere Gruppen getrennten Krieger an einem vorbestimmten Ziel in unbekanntem Gebiet zusammentrafen. Genaue Planung, Organisation und Zusammenarbeit war Voraussetzung für derartige Unternehmungen. Diese Aufgabe wurde von den Kriegshäuptlingen übernommen. Die Meinung und Erfahrung der alten Männer eines Dorfes wurde stets zur Entscheidungsfindung berücksichtigt.

Den Lebenszyklus der Tuscarora betreffend wurden Riten überliefert, die bei Heranwachsenden und bei Toten üblich waren. In der Pubertät musste sich ein Teil der Jugendlichen dem Huskenaw-Ritus unterziehen. So gab es noch um 1755 ein Ritual, das den Übergang des Knaben oder Mädchen in den Erwachsenenstatus begleitete. Die jungen Leute kamen in eine alleinstehende Hütte, wo sie eine Flüssigkeit trinken mussten, die aus halluzinogenen Pflanzen zubereitet worden war. In dieser Isolation wurden sie über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen, manchmal bis zu einigen Monaten festgehalten. Nach der Rückkehr ins Dorf sprachen sie manchmal mehrere Wochen kein Wort mit anderen Bewohnern. Vor einer Beerdigung war es üblich, dass der Leichnam in aus Ried gefertigte Matten gewickelt wurde. Danach fand ein rituelles Essen statt und ein Schamane sprach über den Toten, erwähnte dessen gute Eigenschaften und Leistungen. Dorfhäuptlingen und bekannten Personen des Stammes wurde ein besonderes Begräbnis zuteil.

Soziale Organisation Wie bei den anderen Irokesenvölkern auch war die kleinste wirtschaftlich autonome Einheit die Familie. Mehrere Familien bewohnten ein Langhaus und mehrere Langhäuser bildeten einen exogamen und matrilinearen Clan, der anhand Tiernamen (sog. „Familienabzeichen“) bzw. Totemtiere – Vögel und Tiere – unterschieden und benannt wurde. Die Clans wurden meist drei Phratrien (Clan-Verbänden) zugeordnet: Wasser (Turtle/Schildkröte, Eel/Aal und Beaver/Biber Clans), Land (Bear/Bär, Wolf und Deer/Hirsch Clans) und Luft (Hawk/Falke, Heron/Reiher und Snipe/Schnepfenvögel Clans). Diese Phratrien/Clan-Verbände verstanden sich als eine Verwandtschaftsgruppe (Matri-Lineage) („einlinige Abstammungsgruppe“), die ihre Zusammengehörigkeit auf eine gemeinsame, mythische Stammmutter zurückführte, daher durften Klan-Mitglieder untereinander keine sexuellen Beziehungen eingehen, da dies für Inzest gehalten wurde. Man betrachtete sich als blutsverwandt. Solche Abstammungsgruppen fungierten als eigenständige Solidaritäts- und Wirtschaftsgemeinschaft, verfügten meist über gemeinsamen Landbesitz und wohnten oft als Siedlungsgruppe zusammen. Jeder Clan (ca. 50 bis 200 Menschen) unterteilte sich wiederum in zwei Moieities („Hälften“) und wurde durch eine auf Lebenszeit seitens der Frauen gewählte Clanmutter angeführt (Männer konnten nicht wählen).

Die Tuscarora waren in zwei Moities unterteilt: Moiety (A): Bear/Bär und Wolf Clans sowie Moiety (B): Eel/Aal, Snipe/Schnepfenvögel, Beaver/Biber, Turtle/Truthahn und Deer/Hirsch Clans.