Der Yellowstone-Nationalpark ist ein Nationalpark in den Vereinigten Staaten. Er wurde am 1. März 1872 gegründet und ist damit der älteste Nationalpark der Welt. Er liegt zum überwiegenden Teil im Bundesstaat Wyoming und ist das Herz des Größeren Yellowstone-Ökosystems. Namensgeber ist der größte Fluss im Park, der Yellowstone River.

Der Park ist vor allem für seine geothermalen Quellen wie Geysire und Schlammtöpfe sowie für seine Wildtiere wie Bisons, Grizzlybären und Wölfe bekannt. 1978 erklärte ihn die UNESCO zum Weltnaturerbe.

Ursprünglich lebten auch zahlreiche Ureinwohner auf dem Gebiet des Yellowstone Nationalparks. Da man ihre Anwesenheit jedoch als störend empfand und nachteilige Auswirkungen auf den Tourismus befürchtete, wurden sie bis 1879 zwangsweise umgesiedelt.

Geschichte mini|Grand Canyon of the Yellowstone, Thomas Moran, 1872 Eine indianische Besiedelung seit über 11.000 Jahren ist nachgewiesen. Um 1807 bekam der Trapper John Colter das Gebiet des heutigen Nationalparks vermutlich als erster Weißer zu Gesicht. Auch zu Colters Zeit waren Nördliche Shoshone dort anzutreffen. Weitere Stämme wie die Blackfoot, Absarokee und Bannock durchstreiften das Yellowstone-Gebiet zum Jagen und Angeln. Beim Obsidian Cliff fanden sie reichlich Obsidiangestein, aus dem sie Schneidewerkzeuge und Waffen herstellten. Pfeilspitzen aus Yellowstone-Obsidian wurden auch im Tal des Mississippi gefunden.

Colters Schilderungen über den Yellowstone wurden nach seiner Rückkehr 1810 kaum beachtet. Das Gebiet war unzugänglich, weshalb es nicht rasch von Weißen besiedelt wurde; lediglich einige Trapper und Goldsucher wagten sich bis dorthin vor, wie beispielsweise Jim Bridger 1857. Auch deren Berichte wurden größtenteils ignoriert. Dagegen nahm man die Berichte des Geologen Ferdinand V. Hayden zur Kenntnis, der 1859 eine Expedition zusammenstellte. Diese scheiterte jedoch wegen des Wintereinbruchs, noch bevor sie das Yellowstone-Gebiet erreichte; ein neuer Versuch wurde erst nach Ende des Sezessionskrieges unternommen.

Als die Folsom-Expedition 1869 erfolgreich durchgeführt worden war, begann sich Montanas Generalinspektor Henry Dana Washburn für das Yellowstone-Gebiet zu interessieren und stellte ein Jahr später die Washburn-Langford-Doane-Expedition zusammen. Diese gab unter anderem dem Geysir Old Faithful seinen Namen. Nun war auch die Presse bereit, über das außergewöhnliche Gebiet zu berichten. Die Schilderungen wurden im ganzen Land mit großem Interesse aufgenommen.

Hayden startete 1871 erneut eine zweijährige Forschungsreise in das Gebiet. Der 34-köpfigen Gruppe gehörten auch der Maler Thomas Moran und der Fotograf William Henry Jackson an. Die Bild- und Schriftzeugnisse einer weiteren Forschungsreise, der Barlow-Heap-Expedition, die gleichzeitig aufbrach, wurden im Oktober 1871 unmittelbar nach ihrer Rückkehr beim Großen Brand von Chicago vernichtet, sodass Morans Bilder und Jacksons Fotos an Bedeutung gewannen. mini|Bei der feierlichen Eröffnung des Parks war noch nicht klar, dass die Indianer dort schon bald nicht mehr erwünscht sein würden. Die Sheepeater-Shoshonen (auch als Tukudeka bekannt) lebten bis 1871 im Gebiet des heutigen Parks. Wie andere Shoshonen-Gruppen wurden sie in das Wind River Indian Reservation sowie das Fort Hall Reservation umgesiedelt. Inzwischen waren die weißen Siedler weit nach Westen vorgerückt und hatten nicht nur die Indianer, sondern auch viele Tiere und Pflanzen verdrängt, für die die Rocky Mountains das letzte Rückzugsgebiet waren. Umweltschützer forderten ein geschütztes Gebiet für Tiere und Pflanzen. Die Berichte und Bilder der Teilnehmer der Expeditionen in die Yellowstone-Region mit ihren rund 10.000 heißen Quellen, darunter über 500 Geysire, beeindruckten die Parlamentarier in Washington, D.C. so sehr, dass sie 1872 ein Gesetz erließen, das das Yellowstone-Gebiet zunächst vor Goldsuchern, Siedlern und Trappern schützen sollte.

Am 1. März 1872 unterschrieb Präsident Ulysses S. Grant das Gesetz und gründete damit den ersten Nationalpark der Welt. Primäres Ziel der Gründung war nicht der Naturschutz, sondern „ein öffentlicher Park oder Vergnügungspark zur Wohltat und zum Vergnügen der Menschen“.National Park System Organic Act, National Park Service, 2. November 2008 Stark für die Parkgründung lobbyiert hatte die Northern Pacific Railway, die hoffte, so ihre Züge besser auslasten zu können.Haines: The Yellowstone Story. 1996, Band 1, S. 165

Während der ersten fünf Jahre leitete Nathaniel P. Langford den Park als ehrenamtlicher Superintendent. Sein Nachfolger Philetus W. Norris erhöhte die Zugänglichkeit des Parks durch den Bau der ersten Straßen. Seine Bemühungen, den Park vor menschlichen Einflüssen zu schützen, wendete sich jedoch nicht nur gegen Wilderer.Philetus W. Norris. Yellowstone National Park. National Park Service, abgerufen am 2. November 2025 Es war Norris, auf dessen Anordnung die letzten Ureinwohner, in diesem Fall Shoshonen, ab 1879 nicht länger geduldet wurden. Dies lag unter anderem an ihrer traditionellen Ernährung, die Dickhornschafe einschloss, was dem Volk den englischen Beinamen „Sheepeaters“ (Schafesser) einbrachte.FEATURE: History – Banishing the Tukudika. National Park Service, abgerufen am 2. November 2025

Die Indianer Nordamerikas wurden dort nur in den ersten fünf bis sieben Jahren nach der Gründung des Nationalparks dort geduldet. Nach der Kolonisierung Amerikas hatte sich die Meinung durchgesetzt, eine intakte Natur könne nur erhalten werden, wenn sie vor allen anthropogenen Einflüssen geschützt werde. Da man zudem Nachteile für den Tourismus befürchtete, wurden alle indigenen Völker, die innerhalb des Nationalparks lebten, vertrieben und in sogenannte Indianerreservate zwangsumgesiedelt.Indigene Völker und Naturschutz: Wächter über die Natur. Gesellschaft für bedrohte Völker, abgerufen am 2. November 2025Native Americans. Indian Removal from Yellowstone National Park. Brigham Young University, abgerufen am 2. November 2025 Nach Angaben des National Park Service wurden Menschen aus insgesamt 27 Volksstämmen aus dem neu gegründeten Yellowstone-Nationalpark vertrieben, darunter Angehörige der Sioux (einschließlich Dakota- und Oglala-Sioux), Absarokee, Cheyenne, Anishinabe und Kutenai.Tribal Affairs & Partnerships. National Park Service, abgerufen am 2. November 2025

Nach der Eröffnung des Parks kamen viele Reisende zunächst vor allem zu ihrem Jagdvergnügen in den Park. 1883 erschloss die Northern Pacific Railroad den Yellowstone-Nationalpark durch eine Station in Livingston nördlich des Parks. Zur Einweihung der neuen Linie lud die Eisenbahngesellschaft 365 Journalisten und Prominente, unter ihnen den ehemaligen US-Präsidenten und Park-Gründer Ulysses S. Grant, zu einer kostenlosen Fahrt zum Yellowstone ein. Der Extrazug verließ New York am 29. August und erreichte den Nationalpark am 6. September. Northern Pacific Railroad nannte die neue Linie The Wonderland Route und vermarktete den Park im Stile der Wild-West-Show von Buffalo Bill.Haines: The Yellowstone Story. 1996, Band 1, S. 287–289The Parks in Railroad Advertising: Empire Building: 1873–1885, 4. Januar 2008

Die Leitung des Parks wurde 1886 der US-Armee anvertraut, für die mit dem National Park Protection Act 1894 die gesetzliche Grundlage für seinen Schutz geschaffen wurde. Ab 1915 durften Autos in den Nationalpark fahren.National Park Service: , 4. Januar 2008 1916 übernahm der neu gegründete National Park Service die Verantwortung. In jenem Jahr sahen sich 35.800 Touristen, die zur Hälfte mit dem Auto anreisten, den Park an, was unter anderem zu Lärmbelästigungen führte. Bis heute gehört es zu den Aufgaben des National Park Services, die Balance zwischen der Zufriedenheit der Besucher und dem Naturschutz herzustellen.

mini|Poster des Yellowstone-Nationalparks, 1938 Im Sommer 1936 arbeitete der spätere US-Präsident Gerald Ford als Park-Ranger im Yellowstone-Nationalpark. Er war für die Bärenfütterung zuständig.Mr. President, This Is Your Life, Washington Post vom 18. Februar 2007, S. P 02. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs stieg die Besucherzahl kontinuierlich an bis auf 581.000 Besucher pro Jahr (1941). Sie sank dann auf 85.000 (1944) und nahm nach dem Krieg wieder stark zu, von 815.000 im Jahr 1946 auf über eine Million zwei Jahre später. 1965 überschritt sie erstmals die Zwei-Millionen-Grenze.

Geographie und Geologie mini|Mammoth Hot Springs

Der Yellowstone-Nationalpark liegt mit 96 Prozent der Fläche beinahe vollständig im US-Bundesstaat Wyoming, drei Prozent liegen in Montana sowie ein Prozent in Idaho. Mit 8.987 km² Fläche gehört er zu den größten Nationalparks der USA. Die Fläche des Nationalparks entspricht in etwa der Größe Korsikas. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 102 Kilometer, die Ost-West-Ausdehnung 87 Kilometer. Der Yellowstone-Nationalpark ist Teil der Rocky Mountains und liegt durchschnittlich etwa 2440 Meter über dem Meeresspiegel. Eagle Peak, der höchste Punkt des Parks, liegt auf 3462 Metern, der tiefste Punkt, beim nördlichen Eingang, auf 1620 Meter Höhe.

Der Nationalpark liegt zu weiten Teilen in der vor rund 640.000 Jahren entstandenen Caldera des Yellowstone-Vulkans, über der Magmakammer, die in mehr als acht Kilometern Tiefe liegt. Die Magmakammer ist rund 80 Kilometer lang, 40 Kilometer breit und zehn Kilometer mächtig. Damit zählt der Yellowstone-Vulkan zur Gruppe der Supervulkane und ist der größte auf dem amerikanischen Kontinent.

mini|hochkant|Castle-Geysir Der Park ist für seine vulkanogene Landschaft mit Geysiren, Fumarolen, Schlammtöpfen und heißen Quellen berühmt. 62 Prozent sämtlicher weltweit existierenden heißen Quellen liegen im Yellowstone-Gebiet, dies sind etwa 10.000, davon über 500 Geysire; somit hat der Yellowstone-Nationalpark die höchste Dichte an Geysiren. Von diesen Geysiren im Nationalpark erfreut sich besonders der Geysir Old Faithful im oberen Geysir-Becken bei Touristen großer Beliebtheit, denn er spuckt sein Wasser in ungewöhnlicher Regelmäßigkeit in Abständen von etwa 80 bis 100 Minuten aus (Stand 2025). Mit dem Steamboat-Geysir beheimatet der Park auch den größten aktiven Warmwasser-Geysir der Welt. Er befindet sich im Norris-Geysir-Becken.

Die größte heiße Quelle im Yellowstone-Nationalpark und die drittgrößte weltweit, die Grand Prismatic Spring, befindet sich im mittleren Geysir-Becken. Im unteren Geysir-Becken befinden sich u. a. der Great-Fountain-Geysir und die beiden Quellen Octopus Spring und Mushroom Spring; der nordöstliche Ausläufer wird als Culex-Becken bezeichnet. Das größte Geysir-Becken am Ufer des Yellowstone Lakes ist West-Thumb-Geysir-Becken (mit Potts-Becken im Norden und Abyss Pool).

Ursache für die vulkanogenen Aktivitäten ist die Magmakammer des Vulkans, die das von Bergen herabfließende und im porösen Lavagestein versickernde Wasser erhitzt. In heißen Quellen, Geysiren oder blubbernden Schlammlöchern tritt das versickerte Wasser wieder an die Erdoberfläche.

mini|Der White-Dome-Geysir bricht aus

Kleinere Vulkanausbrüche in einem Zeitraum von 630.000 bis 70.000 Jahren v. Chr. füllten die Caldera beinahe vollständig mit Lavagestein. So liegt der Park heute auf einem Hochplateau auf rund 2400 Meter Höhe und ist beinahe rundherum begrenzt durch Bergketten der mittleren Rocky Mountains, deren Spitzen zwischen 3000 und 4300 Meter hoch sind. Im Nordwesten liegt die Gallatin Range, im Norden die Beartooth Mountains, im Osten die Absaroka Range, im Süden die Teton Range und im Westen die Madison Range. Der bekannteste Berg auf dem Hochplateau selbst ist der Mount Washburn mit einer Höhe von 3122 Metern. Teil des Yellowstone-Plateaus ist der Yellowstone Lake, der größte Bergsee in Nordamerika. Teilweise außerhalb des Parks liegt die Island Park Caldera, ein Plateau, das von niedrigen Hügeln umringt ist.