mini|hochkant|Wegweiser zu den Partnerstädten von Opole
Eine Gemeindepartnerschaft – auch Städtepartnerschaft oder Jumelage – ist eine Partnerschaft zwischen zwei Städten, Gemeinden oder Regionen (Partnerstädte usw.) mit dem Ziel, sich kulturell und wirtschaftlich auszutauschen. Internationale kommunale Partnerschaften werden außerdem als Plattform genutzt, um die Demokratisierung in Staaten zu unterstützen, in denen Rechtsstaatlichkeit und Freiheit noch nicht als erreicht angesehen werden („kommunale Außenpolitik“). Die meisten Partnerschaften bestehen zwischen Städten und Gemeinden in verschiedenen Ländern. Nachdem in der Nachkriegszeit häufig westdeutsche Kommunen Patenschaften für Flüchtlinge und Vertriebene in den ehemaligen deutschen Ostgebieten, im Sudetenland oder in der DDR übernahmen, haben deutsch-deutsche Städte- und Gemeindepartnerschaften in Zusammenhang mit der Wiedervereinigung wichtige Beiträge für das Zusammenwachsen geleistet. Eine schwächere Form der Städtepartnerschaft ist die Städtefreundschaft. Sie ist meist zeitlich begrenzt oder bezieht sich nur auf bestimmte Projekte einer Beziehung. Eine noch schwächere Form ist der Städtekontakt, welcher nur eine lose Beziehung zwischen zwei Städten oder Gemeinden darstellt.
Geschichte mini|hochkant|Wandskulptur von Münchens Partnerstädten im Neuen Rathaus
Historisch betrachtet wurde die Städtepartnerschaft Le Mans–Paderborn 836 urkundlich erwähnt; aber eine offizielle Städtepartnerschaft entstand erst 1967.
Seit 1913 pflegen Brugg (Schweiz) und Rottweil (Baden-Württemberg) eine Städtefreundschaft (mittlerweile Städtepartnerschaft) in Anknüpfung an die Zugehörigkeit Rottweils zur Alten Eidgenossenschaft als Zugewandter Ort.Vgl.: ; Den Anstoß dazu gaben die Männergesangsvereine beider Städte mit gegenseitigen Besuchen.
1921 sind das britische Keighley, West Yorkshire, und Poix-du-Nord im französischen Département Nord eine Städtebeziehung eingegangen in der Form, dass die britische Stadt die französische „adoptierte“; eine offizielle Partnerschaft erfolgte 1986.
Oft fälschlich wird der „Patenschaftsbund“ von Teilen der Kieler Bürgerschaft mit „deutschen Stammesbrüdern“ im dänischen Sonderburg, das bis 1922 deutsch gewesen war, als Partnerschaft bezeichnet. Hierbei handelt es sich jedoch um eine Patenstadt, was vermehrter für Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg geschlossen wurde. Die mutmaßlich älteste Städtepartnerschaft im heutigen Sinn, die bis heute besteht, wurde 1930 zwischen Wiesbaden und Klagenfurt besiegelt.Annemie Buchloh: Städtepartnerschaften. In: Der Städtetag. Mitteilungen des deutschen Städtetags 13 (1960), S. 437ff. Deutscher Städtetag (Hrsg.): Der Städtetag. Kohlhammer, Stuttgart 1968, S. 287 (). Günter Püttner: Handbuch der kommunalen Wissenschaft und Praxis: Band 2: Kommunalverfassung. 2. Auflage, Springer, Berlin/New York 2007, ISBN 3-540-10993-5, S. 510 (). Hans-Jörg Bücking: Entwicklungspolitische Zusammenarbeit in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Duncker & Humblot, Berlin 1998, ISBN 3-428-09425-5, S. 70 ().
Kommunale Außenpolitik Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ab 1947, ausgehend von den britischen Besatzern, freundschaftliche Beziehungen zwischen deutschen und britischen Städten aufgenommen, um Völkerverständigung „von unten“ zu ermöglichen. Erste Beispiele sind die Partnerschaften Bonns, Düsseldorfs und Hannovers mit Oxford, Reading beziehungsweise Bristol. 2012 kündigte jedoch der Stadtrat im britischen Bishop’s Stortford nach 46 Jahren die Partnerschaft mit dem hessischen Friedberg. Auch zwischen Westerkappeln im Münsterland und Bathmen liegt diese auf Eis, da jene niederländische Gemeinde 2005 in die benachbarte Großstadt Deventer eingemeindet wurde. Folglich wurde sie 2014 von Deventer beendet. Unter praktischen Gesichtspunkten beendete Leinsweiler 2011 die seit 2003 bestehende Beziehung zu Gerjen.
Im Land Baden-Württemberg wurde 1947 die erste deutsch-amerikanische Städtepartnerschaft zwischen Crailsheim und Worthington begründet. 1950 wurde die erste Städtepartnerschaft mit einer Stadt in Frankreich besiegelt: Ludwigsburg begann seinerzeit eine Jumelage mit Montbéliard (Hauptartikel: Städtepartnerschaft zwischen Ludwigsburg und Montbéliard). Montbéliard, deutsch Mömpelgard, war lange Zeit eine württembergische Exklave in Frankreich.
Als erste deutsche Großstadt besiegelte Wuppertal am 29. September 1977 eine Freundschaftsvereinbarung mit der israelischen Großstadt Be’er Scheva, die Kontakte werden auf deutscher Seite durch einen Freundeskreis organisiert.
Sehr diplomatisch wird die Angelegenheit in Genf gelöst: Die Stadt Genf kennt keine expliziten Städtepartnerschaften, sondern erklärt sich mit der ganzen Welt verbunden.
Europäische Kooperation 1951, zu einem Zeitpunkt zu dem die Idee eines vereinten Europas noch nicht im Zentrum der politischen Debatte stand, gründeten 50 Bürgermeister deutscher und französischer Städte in Genf den Rat der Gemeinden Europas, seit 1984 Rat der Gemeinden und Regionen Europas, (RGRE). Der Rat hat sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, die Aussöhnung zwischen den Völkern Europas und die kommunale Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg zu fördern. Damit war eine internationale Grundlage zum Aufbau von Städtepartnerschaften in Europa gegeben. Die Deutsche Sektion des RGRE, die 1955 gegründet wurde und deren Präsident bis voraussichtlich Ende 2021 der Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe, Frank Mentrup ist, hat ihren Sitz beim Deutschen Städtetag in Köln. Frankreich, Deutschland und Polen haben die meisten Verbindungen in der Europäischen Städtepartnerschaftsbewegung.
Solidarität 1979 wurde der Diktator Somoza in Nicaragua durch einen Volksaufstand vertrieben. Die Solidaritätsbewegung in Europa und USA hat politische Unterstützung geleistet, in den 1980er Jahren wurden verstärkt Städtepartnerschaften initiiert zur Unterstützung der Entwicklung in Nicaragua. Zahlreiche nicaraguanische und deutsche Städte sind durch Städtepartnerschaften und -freundschaften eng miteinander verbunden.
Öffnung des Eisernen Vorhangs mini|Unterzeichnung Partnerschaftsvertrags Dresden–Hamburg (1988) Bereits 1959 kam es zum Kontakt zwischen der DDR-Bezirksstadt Gera und Saint-Denis (Frankreich); Karl-Marx-Stadt und Arras folgten 1967. Vertreter Wuppertals gingen im Jahr 1980 neue Wege und unterzeichneten einen Partnerschaftsvertrag mit Košice. Damit war Wuppertal die erste westdeutsche Stadt, die partnerschaftliche Beziehungen zu einer Stadt in der damaligen Tschechoslowakei aufnahm. Im politisch geteilten Europa wurde das zu einem Modellfall für Städtepartnerschaften zwischen Ost und West. Treibende Kraft war hierbei der damalige Wuppertaler Stadtrat Klaus Kriesche, geboren in der Tschechoslowakei. Der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Mitglied des Deutschen Bundestages für einen Wuppertaler Wahlkreis und politischer Freund von Kriesche, unterstützte auf Bundesebene. Auf Košicer Seite war der mehrfache Oberbürgermeister Košices (1983–1986, 1994–1999) und spätere Staatspräsident der Slowakei (1999–2004) Rudolf Schuster maßgeblich beteiligt. Im Rahmen dieser Städtepartnerschaft fand 1987 eine Veranstaltung statt, die es so noch nicht gegeben hat: Der Freundschaftslauf Wuppertal-Košice über eine Strecke von 1765 Kilometern war eine Grenzen überschreitende Demonstration für den friedlichen Dialog zwischen Ost und West, organisiert von Kommunalpolitikern, engagierten Bürgern wie Alfred Howad und dem Gewinner der olympischen Goldmedaille Emil Zátopek.
Auch die DDR bemühte sich um Kontakte im Westen. Anfang der 1980er Jahre gab das Außenministerium der DDR den Impuls an Leipzig, im Rahmen der Freundschaftsgesellschaft Griechenland-DDR Beziehungen mit Thessaloniki aufzunehmen. Am 17. Oktober 1984 wurde in Thessaloniki der Städtepartnerschaftsvertrag unterzeichnet.
In diesem Zusammenhang ist auch die Vereinigung Freunde im Herzen Europas zu nennen.
Deutsche Wiedervereinigung Ab Mitte der 1980er Jahre ermöglichte die Lockerung des Eisernen Vorhangs partnerschaftliche Beziehungen zwischen BRD- und DDR-Gemeinden. Das war zu Beginn eine politisch brisante Angelegenheit. Am 25. April 1986 wurde in Eisenhüttenstadt und am 19. September desselben Jahres in Saarlouis die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft besiegelt, was vor allem auf die Vermittlung des damaligen saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine und des im Saarland geborenen Vorsitzenden des Staatsrats Erich Honecker zurückzuführen war. Die zweite deutsch-deutsche Städtepartnerschaft wurde am 26. November 1986 in Lübben im Spreewald und am 12. Dezember 1986 in Neunkirchen im Saarland vereinbart.
Auch Wuppertal schloss früh eine Partnerschaft mit einer DDR-Stadt, nämlich Schwerin. Um einen aktiven Beitrag zu gutnachbarschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Teilen Deutschlands zu leisten, wurden die Verträge nach teilweise zähen Verhandlungen am 9. Februar 1987 in Wuppertal und am 26. Februar 1987 in Schwerin unterzeichnet.
Ähnliches geschah in Aachen. Seit 1985 bemühte sich der dortige Stadtrat um eine Städtepartnerschaft mit einer Kommune in der damaligen DDR. Durch die Vermittlung des Aachener Kunstsammlers Peter Ludwig, der seine persönliche Bekanntschaft mit Erich Honecker in den Sondierungsprozess einbrachte, wurde eine Verbindung zur Stadt Naumburg hergestellt. Der Austausch war zunächst auf offizielle Begegnungen ohne Beteiligung der Bürger beschränkt. Am 30. Mai 1988 wurde die Partnerschaftsurkunde in Aachen unterzeichnet.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden Städtepartnerschaften zwischen Ost- und Westkommunen beziehungsweise Ost- und Westkreisen geschlossen, welche in erster Linie zur Unterstützung der ostdeutschen Kommunen/Kreise bei den Veränderungen in Politik und Wirtschaft dienten. Deutsch-deutsche Städtepartnerschaften haben in dieser Hinsicht unverzichtbare Beiträge für die Begegnung und das Zusammenwachsen der Menschen in allen Teilen Deutschlands geleistet. Zum Beispiel unterstützte die Stadt Aachen die Naumburger sachkundig und finanziell beim Aufbau einer neuen Verwaltung. Aachener Unternehmen und Gruppierungen engagierten sich vielfältig in der Partnerstadt. Unmittelbar nach der Vertragserneuerung im Januar 1990 wurde das Bürgerkomitee Aachen-Naumburg „Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Aachen-Naumburg e. V.“ gegründet.
Deutsch-Belgischer Partnerstädtetag Seit 2009 existiert ein Deutsch-Belgischer Partnerstädtetag, der als Einzelveranstaltung die rund 130 Städtepartnerschaften zwischen den beiden Nachbarländern feiern soll.
Gegenwart Mehrere tausend Städte und Gemeinden in Deutschland pflegen partnerschaftliche Beziehungen mit ebensolchen in Deutschland oder im Ausland. Dabei wurden inzwischen vermehrt auch außereuropäische Städte einbezogen. Die Deutsche Sektion des Rates der Gemeinden und Regionen Europas führt eine Online-Datenbank über die bestehenden Partnerschaften, Freundschaften und Kontakte deutscher Kommunen (Städte, Gemeinden und Kreise).
In Mannheim wurde 2010 bei einem sogenannten „virtuellen Bürgermeister*innen-Gipfel“ Anforderungen der Städte (ihrer Partnerkommunen) an die Vereinten Nationen verabschiedet. Diese politische Erklärung umfasst Aussagen zur Stärkung der Städtediplomatie und beteiligt sich damit an der UN-Initiative zum weltweiten Gedankenaustausch anlässlich des 75. Jubiläums der Vereinten Nationen.
Gründung einer Partnerschaft mini|Partnerschaftsurkunde zur Städtepartnerschaft zwischen Gütersloh und Falun