mini|Mini-Matrjoschkas im Größenvergleich mit einem Schildkäfer mini|Origamiboot auf einer 1-Cent-Münze mini|Diverse Figuren in einem Nadelöhr Die Mikrominiatur ist eine Kunstform, die mikroskopisch kleine Texte, Bücher, Gemälde und bildhauerische Werke umfasst. Anders als in der klassischen Miniaturmalerei oder der Mikroschnitzerei bewegt sich die Größenordnung von Mikrominiaturen zwischen einigen Millimetern und wenigen Zehntelmillimetern. Die Herstellung erfolgt unter Zuhilfenahme von Lupen und Mikroskopen sowie spezieller Werkzeuge.
Geschichte Während Mikroschnitzereien bereits seit der Antike überliefert sind und sich in der frühen Neuzeit mit Kunstwerken aus Obstkernen größerer Beliebtheit erfreuten, gilt der Armenier Eduard Ter-Ghasarjan als Schöpfer der modernen Mikrominiatur. Er begann mit dem Bau kleinster Violinen und stellte 1947 in Jerewan erste Werke aus. Der hauptberufliche Konzertgeiger schuf etliche Originale, die vor allem von russischen Künstlern nachgeahmt wurden, darunter eine Kamelkarawane in einem Nadelöhr. Nachdem die Berliner Zeitung erstmals darüber berichtet hatte, wurde Ter-Ghasarjans Kunst 1956/57 in der DDR bekannt.E. Schmidt: Ein Haar als Gruß aus Armenien. In: Berliner Zeitung, Ausgabe von 18. Januar 1957, S. 6 (online abrufbar via ZEFYS). Im Westen erfuhr sie 1977 in Folge einer Ausstellung in Los Angeles, wo Besucher sie angeblich als „achtes Weltwunder“ bezeichneten, einen Bekanntheitsschub.
In den folgenden Jahrzehnten widmeten Kunstmessen, Museen und Bibliotheken nicht bloß in der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten, sondern weltweit der Mikrominiatur sowohl temporäre Schauen als auch Dauerausstellungen. Bedeutende Sammlungen befinden sich etwa im Museum Russki Lewscha in Sankt Petersburg oder im Miniaturmuseum Prag. Eine der bekanntesten Mikrominiaturen produzierte 1996 der Russe Anatoli Konenko mit einem lediglich 0,9 × 0,9 mm großen Büchlein, das eine Kurzgeschichte Anton Tschechows enthält. Guinness World Records anerkannte dieses zehn Jahre später als „kleinstes gedrucktes Buch“. Werke Konenkos und weiterer Künstler gelten heute als Sammlerstücke und erzielen bei Auktionen Verkaufswerte von mehreren zehntausend US-Dollar.
Methoden und Technik Die Mikrominiatur umfasst im Wesentlichen alle Formen der Kunstgattungen Bildhauerei, Malerei und Grafik. Anders als bei der Schaffung normalgroßer Werke benötigen die Künstler jedoch Spezialwerkzeuge und extrem filigrane Instrumente, die sie meistens selbst entwickeln. Dabei kam es in der Vergangenheit wiederholt zum interdisziplinären Austausch mit medizinischen Techniken wie der Mikrochirurgie. Auch gibt es keine formale Ausbildung, wodurch fast alle Schöpfer von Mikrominiaturen Autodidakten sind.
Bei der Arbeit mit mikroskopisch kleinen Objekten ergeben sich vor allem folgende drei Schwierigkeiten: Erstens kann das Zittern der Hände Probleme verursachen. Zweitens gilt es den Puls in den Fingern zu kontrollieren, was im Idealfall bedeutet, Bewegungen nur zwischen zwei Herzschlägen auszuführen. Und drittens muss darauf geachtet werden, die statische Aufladung von Werkzeugen oder Arbeitsmaterialien zu vermeiden.
Sowohl als Bildträger als auch als Arbeitsmaterialien dienen häufig weiche Edelmetalle wie Gold und Kupfer, Stahl, Schmucksteine, Samenkörner und Haare. Klassische Motive sind etwa die Beschriftung bzw. Gravur eines Reiskorns, eines (menschlichen) Haares oder eines Stecknadelkopfes sowie die Platzierung eines oder mehrerer Objekte in einem Nadelöhr. Die Herstellungsdauer variiert je nach Größe und Komplexität des Projekts und kann in Extremfällen mehrere Jahre betragen.
Besonders kleine Mikrominiaturen, die nur unter einem Elektronenmikroskop sichtbar werden, werden auch als Nanominiaturen bezeichnet.
Weblinks
Dokumentarfilm Miracle Worker über Eduard Ter-Ghasarjan auf YouTube (armenisch mit englischen Untertiteln)
Einzelnachweise
Kategorie:Kunstform Kategorie:Kunstwerk (Kunsthandwerk) Kategorie:Mikroskopie