Hans Lehmbruch (* 7. Mai 1930 in Klein-Dexen, Ostpreußen; † 30. März 2026 in München) war ein deutscher Kunsthistoriker. Seine Forschungsschwerpunkte waren Architektur und Stadtentwicklung in München.

Leben Hans Lehmbruch war der zweite Sohn des evangelischen Pfarrers Werner Lehmbruch und dessen Frau Erna Lehmbruch, geborene Müller. Sein Bruder war der Politikwissenschaftler Gerhard Lehmbruch. Dazu hatte er eine Schwester, Elisabeth. Die Kinder wuchsen im ostpreußischen Klein-Dexen auf, ehe die Familie in das westpreußische Rehhof nahe Marienwerder umzog.Gerhard Lehmbruch: Erinnerungen eines „Fünfundvierzigers“ Eine Jugend unter dem Hakenkreuz, Hamburg 2021. Von dort musste die Familie im Januar 1945 fliehen.

Hans Lehmbruch absolvierte eine Schreinerlehre in Weferlingen (Bezirk Magdeburg), die er im württembergischen Frommern (Balingen) abschloss. 1954 lebte er in Spanien, ab 1955 in Paris, wo er als Kunsttischler „ebéniste“ tätig war und dann an der École du Louvre studierte. 1960 kehrte er nach Deutschland zurück, legte das (Begabten-)Abitur ab und begann in Tübingen Archäologie und Kunstgeschichte zu studieren. 1963 übersiedelte Hans Lehmbruch nach München und setzte dort sein Studium fort. 1970 promovierte er bei Wolfgang Braunfels über Georg Hauberrisser, den Erbauer des Münchner Rathauses.

Aus der Ehe mit Heidi Herbig (1962–1970) stammen die beiden Söhne Hendrik und Marcel. 1971 lernte er Bettina Schwabe kennen, die er 2017 heiratete.

Werk Neben zahlreichen Buch- und Ausstellungsprojekten war Hans Lehmbruch seit August 1974 über einen Werkvertrag am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München angestellt und im Forschungsprojekt zur städtebaulichen Entwicklung Münchens seit 1800 tätig. Daraus resultierte von 1979 bis 1995 seine Anstellung am Zentralinstitut für Kunstgeschichte. Schwerpunkt seiner Forschungen bildeten die Münchner Stadtentwicklung und Architektur des 19. Jahrhunderts. Seine zahlreichen Katalogartikel und kleineren Publikationen zu diesen Themen münden im Opus magnum „Ein neues München“ zur Stadtplanung um 1800. Dafür sichtete er in Archiven geradezu kriminalistisch, akribisch und systematisch Akten und förderte viel bislang Unbekanntes zu Tage. So konnte er etwa den bis dato nur als Landschaftsarchitekten bekannten Friedrich Ludwig Sckell als Planer der Maxvorstadt belegen.

Zusammen mit Gabriele Dischinger, Richard Bauer und Heinz Jürgen Sauermost kämpfte Hans Lehmbruch vergeblich um die Restaurierung der Asamkirche: eine falsche Entscheidung der Denkmalpflege konnte zwar wissenschaftlich widerlegt werden, was jedoch einen weittragenden substanziellen Eingriff nicht verhinderte.

Publikationen (Auswahl) Ein neues München. Stadtplanung und Stadtentwicklung um 1800. Forschungen und Dokumente. Buchendorf 1987. Die Artikel Architektur (zus. mit Nancy Halverson Schless) und Einrichtung und Möbel in: Das pompöse Zeitalter, Hrsg. Hans Jürgen Hansen. Oldenburg und Hamburg 1970. Die Artikel zu sechs Münchner Kirchen: der "Asamkirche" St. Johann Nepomuk, Hl. Kreuz in Giesing, Pfarrkirche St. Anna im Lehel, St. Paul, Erlöserkirche, St. Margaret in: Münchens Kirchen, Hrsg. Norbert Lieb und Heinz Jürgen Sauermost. München 1973. St. Johann Nepomuk im Licht der Quellen mit Richard Bauer, Gabriele Dischinger, Heinz Jürgen Sauermost. München 1977. mit Gabriele Dischinger: Der Sendlinger-Tor-Platz in München: eine Chronik in Bildern. München 1988. Die Artikel Riß machen, das Handwerkszeug des Architekturzeichners zur Zeit Fischers und Entwurf für die Lazarettkapelle in München sowie Entwürfe für Sommerhäuser in München in: Johann Michael Fischer 1692–1766. Tübingen/Berlin 2002. ISBN 978-3-8030-0161-0.

Trivia Hans Lehmbruch war Komparse im Film Niklashauser Fart von Rainer Werner Fassbinder (1970).

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