mini|Pietro Axerio
Pietro Axerio (zur Unterscheidung von anderen Personen dieses Namens auch walserdeutsch Piaru Axerio van d’ Piazu [Peter Axerio vom Dorfplatz] oder italienisch Pietro Axerio Piazza genannt; * 1827 in Rima (heute zu Alto Sermenza), Piemont-Sardinien; † 1905 in Varallo, Königreich Italien) war ein italienischstämmiger Kunstmarmorierer und Stuckateur. Die von ihm in Berlin gegründete und schon bald von zwei seiner Söhne übernommene Firma Gebrüder Axerio war in Deutschland, Rumänien und Russland aktiv und genoss höchste Anerkennung. Später in seinem Leben wirkte Axerio als Gemeindevorsteher und Förderer seines Heimatdorfs, als Hotelier und als Dichter in deutscher Sprache und walserdeutschem Dialekt.
Leben mini|Rima, Heimatdorf von Pietro Axerio
Arbeit als Marmorierer und Stuckateur Pietro Axerio wuchs im armen piemontesischen Bergdorf Rima als Halbwaise auf; sein Vater war bei einem Lawinenunglück am Simplonpass ums Leben gekommen. Mit zwölf Jahren begab er sich ins französische Chalon-sur-Saône, wo er die Grundlagen des Gipserhandwerks erlernte; anschließend verfeinerte er sein Können zwischen 1840 und 1850 in Deutschland und Schweden.Gli Axerio Piazza auf marmoartificiale.com nennt überdies Norwegen; Emil Balmer, der sich auf Axerios Enkelinnen beruft, nennt in seinem Buch Die Walser im Piemont (1949) auf S. 162 ohne Bezug auf bestimmte Lebensphasen Paris, Göteborg, München, Wien und Berlin. Hierbei arbeitete er zum Teil mit seinem Schwager Antonio De Toma zusammen, dessen Schwester Margherita (Grete) er geheiratet hatte. 1886 machte er sich in Berlin an der Friedrichstraße 243 mit einem Unternehmen für Kunstmarmor, Scagliola-Arbeiten und Mosaike selbständig.
Tätigkeit in seinem Heimatdorf mini|Grabkreuz von Pietro Axerio mit walserdeutscher Inschrift, Rima
Vermögend geworden, überließ Axerio das gut laufende Geschäft schon bald seinen Söhnen und kehrte in sein Heimatdorf Rima zurück, wo er als örtlicher Wohltäter wirkte. Er übernahm das Amt des Gemeindevorstehers, ließ eine Trinkwasserleitung verlegen und drei Brunnen errichten und trieb den Bau einer Fahrstraße durch die obere Valle Sermenza bis nach Rima voran. Er erbaute zwei Hotels und brachte damit den Tourismus ins Tal. Überdies ließ er eine Gipsothek errichten, in der Gipsmodelle der Werke des Rimeser Bildhauers Pietro Della Vedova (1831–1898) versammelt wurden.Museo Gipsoteca “Pietro Della Vedova”. In: invalsesia.it. Abgerufen am 28. September 2026. Allzu hochfliegende Pläne zerschlugen sich freilich, so etwa dachte er an umfassende Aufforstungen, eine Erneuerung der Rindviehrasse, den Bau von Passstraßen in die Nachbartäler und an Drahtseilbahnen auf die Berge.Fritz Gysling: Hochzeitsbräuche aus Rima (Piemont). In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde. Band 49, 1953, S. 16–33, hier S. 19.
Unternehmen der Familie Axerio Axerios Unternehmen erreichte in Deutschland große Bekanntheit, die sich unter seinen Söhnen Giulio und Antonio noch steigerte. Es wurde unter anderem für das Berliner Schloss, die Museumsinsel, das Palais Staudt, das Schloss Kamenz, Bankhäuser, Hotels, Universitäten und Versicherungsgesellschaften engagiert. Außer dem Geschäftssitz in Berlin gründete die Familie eine Niederlassung in Bukarest, wo es unter anderem Aufträge für das Königliche Schloss, das Schloss Cotroceni und das Athenäum erhielt. 1889 wurde eine weitere Niederlassung im russischen Sankt Petersburg mit Zweigstelle in Moskau gegründet, wo schon Giulios Schwager Antonio Ragozzi wirkte und wo es schließlich über 2000 Arbeiter beschäftigte. Hier wurde es beispielsweise für die Paläste der Fürsten Jussupow und Polosow und die kaiserliche Sommerresidenz in Liwadija, für Museen wie beispielsweise die Eremitage und das Puschkin-Museum, große Hotels und große Banken beigezogen. 1919 musste das russische Geschäft infolge der Revolution aufgegeben werden. Einige der Enkel wirkten anschließend in Frankreich und Spanien weiter, doch neigte sich die große Zeit des Stuckmarmors dem Ende zu.Gli Axerio Piazza und La Storia del Marmo Artificiale di Rima. In: marmoartificiale.com.Schautafeln im Museo del Marmo Artificiale in Rima.
Mundartliches Schaffen und Beitrag der Familie Axerio zur Dialektologie Pietro Axerio hielt zäh an Sprache und Bräuchen seines Heimatdorfes fest und vermittelte diese auch seinen Kindern. Er dichtete in deutscher Hochsprache und höchstalemannischer Mundart, zeichnete das bodenständige Spruchgut der Rimeser Volksüberlieferung auf und schuf oder adaptierte volkstümliche Lieder für seine kleine Walsergemeinschaft.Emil Balmer: Die Walser im Piemont. Francke, Bern 1949, S. 147–173.Paul Zinsli: Walser Volkstum in der Schweiz, in Vorarlberg, Liechtenstein und Italien. Huber, Frauenfeld 1968, S. 270 f. Die – eher anspruchslosen – Texte sind heute fast die einzigen Zeugnisse in Textform, die es in dieser inzwischen ausgestorbenen südwalserischen Mundart gibt. Pietro Axerios Enkelinnen Catarina und Annemaria, die zu den Letzten gehörten, die noch Arímmutitschu (Rimadeutsch) sprechen konnten (unter sich aber Italienisch redeten), befanden sich 1952 unter den Gewährspersonen für den Sprachatlas der deutschen Schweiz.sprachatlas.ch > Antwortmaterial > IT5: Vorbemerkungen und Personalblatt.
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Literatur Emil Balmer: Die Walser im Piemont. Francke, Bern 1949, S. 174–173. – Das Buch gibt vergleichsweise umfangreich aus Axerios Schaffen und Sammeln wieder, und auf S. 162 f. führt es biographische Einzelheiten an, die sich auf eine von einer Enkelin Pietro Axerios verfasste Biographie stützen. Pier Benedetto Bertoli: Storia di Rima. Serarcangeli Editore, Rom 1989; zu Pietro Axerio S. 19–23. Casimiro Debiaggi: Dizionario degli artisti valsesiani dal secolo XIV al XX. Società conservazione opere arte monumenti Valsesia, Varallo 1968, S. #. Fritz Gysling, Rudolf Hotzenköcherle (Bearbeiter): Wänn ä Rimmo ëscht äs ächze; Beeschë Nächporschäft und Wäròòtne Ljiëbe. In: Walser Dialekte in Oberitalien in Text und Ton. Begleittexte zu den Sprechplatten des Phonogramm-Archivs der Universität Zürich. Huber, Frauenfeld 1952, S. 18–22. Fritz Gysling: Hochzeitsbräuche aus Rima (Piemont). In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde. Band 49, 1953, S. 16–33 (mit Text von Pietro Axerio). doi:10.5169/seals-114801. Paul Zinsli: Walser Volkstum in der Schweiz, in Vorarlberg, Liechtenstein und Italien. Huber, Frauenfeld 1968; zu Pietro Axerio S. 270 f.
Weblinks
Gli Axerio Piazza und La Storia del Marmo Artificiale di Rima. In: marmoartificiale.com. Abgerufen am 27. September 2026 (Biographie von Pietro Axerio und Informationen über das Geschäft der Familie Axerio). g’dichte vam Pietro Axerio in der alemannischen Textsammlung auf Wikisource.
Einzelnachweise
Kategorie:Stuckateur Kategorie:Kunsthandwerker Kategorie:Unternehmer (Berlin) Kategorie:Hotelier Kategorie:Bürgermeister (Piemont) Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Alemannisch) Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Italien) Kategorie:Walser Kategorie:Italiener Kategorie:Geboren 1827 Kategorie:Gestorben 1905 Kategorie:Mann