Die Belagerung von Wolmar (Valmiera) fand zwischen 18. Oktober und 18. Dezember 1601 während des Schwedisch-Polnischen Krieges (1600–1611) zwischen der Polnisch-Litauischen Union und dem Schwedischen Reich statt.
Vorgeschichte Im September unternahmen die Schweden eine Offensive, die auf die Einnahme Rigas abzielte. Diese scheiterte jedoch am erbitterten Widerstand der Verteidiger sowie an der lange vorbereiteten Offensive der polnischen Truppen unter dem Großhetman der Krone, Jan Zamoyski. Als sich die Armee der polnisch-litauischen Republik der Stadt näherte, gaben die Schweden unter dem schwedischen Reichsverweser Karl von Södermanland (dem späteren König Karl IX.) den Befehl zum Rückzug in den Norden Livlands.
Die Verfolgung der sich zurückziehenden schwedischen Armee wurde zu spät aufgenommen und zu zögerlich geführt, um die schwedischen Hauptkräfte noch einzuholen. Karl von Södermanland überließ Carl Carlsson Gyllenhielm und Johann VII. von Nassau den Oberbefehl über die verbliebenen Truppen, die den von den Schweden eroberten Norden Livlands gegen die heranrückende Armee der polnisch-litauischen Republik verteidigen sollten. Die Infanterie sollte die Festungen besetzen, während die Kavallerie möglichst lange im Feld verbleiben und Dorpat (Tartu) decken sollte. Diese schwedische Taktik zielte darauf ab, den Gegner durch die Belagerung gut vorbereiteter Festungen zu zermürben, während sich die Witterungsbedingungen gleichzeitig zunehmend verschlechterten.Stanislaw Herbst S. 147–148
Gyllenhielm erreichte Wolmar (Valmiera) am 5. Oktober, Johann VII. von Nassau folgte am 10. Oktober. Dort vereinigten sie rund 5000 Soldaten, doch bereits nach drei Tagen zog Johann VII. mit etwa 4000 Mann in Richtung Dorpat (Tartu). Die Moral der schwedischen Armee war nach den vorangegangenen Niederlagen niedrig. Insbesondere die schwedische und finnische Reiterei zeigte wenig Bereitschaft, eine offene Feldschlacht zu wagen. Karl IX. verließ Livland schließlich am 29. November, um der wachsenden Unzufriedenheit im Königreich Schweden entgegenzutreten.Stanislaw Herbst S. 148–149
Die Belagerung Unterdessen entschied sich König Sigismund III. Wasa nach Beratungen mit Zamoyski und Stanisław Żółkiewski, die Belagerung von Wolmar aufzunehmen, das als zukünftiger Ausgangspunkt für weitere Operationen in Livland dienen sollte. Die Vorhut erreichte die Stadt bereits am 18. Oktober und begann angesichts des Fehlens schwerer Artillerie mit der Blockade Wolmars. Die Hauptstreitkräfte mit dem König und Zamoyski trafen am 31. Oktober ein. Während man auf die Artillerie wartete, wurden Verhandlungen mit den Besatzungen der umliegenden Burgen aufgenommen, unter anderem in Ērģeme und Karksi. König Sigismund III. hatte jedoch keinen Einfluss auf den Verlauf der Belagerung, da er schwer erkrankte. Als er sich schließlich Anfang Dezember wieder erholt hatte, musste er in sein Heimatland zurückkehren.Stanislaw Herbst S. 151–152
Schließlich, Anfang Dezember, viele Tage nach dem Eintreffen der schweren Geschütze, ging Zamoyski energischer vor. Am 8. Dezember wurden zwei Schanzen errichtet: Die eine, gegenüber der Burg, wurde von Truppen unter dem Kommando von Fahrensbach besetzt, die andere gegenüber der Stadt. Das regelmäßige Bombardement begann am 15. Dezember und führte zu zwei Breschen, einer in den Befestigungen der Stadt und einer in denen der Burg. Daraufhin beschloss man, am 18. Dezember einen Generalangriff durchzuführen.
Da die Verteidiger in der Nacht die Schäden an der Burgbefestigung wieder instand gesetzt hatten, richtete sich der Sturmangriff ausschließlich gegen die Stadt. Einer der Bürger öffnete ein kleines Tor in der Stadtmauer, wodurch die Stadt rasch eingenommen werden konnte, während sich die schwedischen Truppen in die Burg zurückzogen. Die Schweden unternahmen noch einen Versuch, die polnisch-litauischen Truppen aus der Stadt zu verdrängen, doch dieser Angriff scheiterte.Stanislaw Herbst S. 153–155
Beide Seiten beschlossen, Verhandlungen aufzunehmen, und am 19. Januar wurden die Bedingungen für die Kapitulation der schwedischen Garnison festgelegt. Am 21. Dezember verließen die schwedischen Soldaten mit ihren Waffen die Burg und schworen, niemals wieder die Waffen gegen den König und die Polnisch-Litauische Union zu erheben. Anschließend zogen die Soldaten in Richtung Pärnu ab, während Gyllenhielm und Jakob De la Gardie in Gefangenschaft gerietenStanislaw Herbst S. 155.
Folgen De la Gardie wurde im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen und kehrte 1605 zur schwedischen Armee zurück. Gyllenhielm blieb hingegen bis 1613 in Gefangenschaft. Gleichzeitig waren die Verluste der Armee der Polnisch-Litauischen Republik in keinem anderen Abschnitt des Krieges so hoch. Die Kampfverluste spielten dabei nur eine geringe Rolle - die Hauptursachen waren Desertionen und Krankheiten. Hinzu kam, dass die Soldaten nicht bezahlt wurden, was wiederholt zu Meutereien führte. Unter diesen Umständen blieb Zamoyski keine andere Wahl, als auf die Fortsetzung der Offensive zu verzichten und Verhandlungen mit den Schweden aufzunehmenStanislaw Herbst S. 157–158.
Literatur Henryk Wisner: "Zygmunt III. Waza", Kraków 1984, ISBN 83-02-02089-3 Stanislaw Herbst: "Wojna inflancka 1600–1602", Zabrze 2006, ISBN 83-89943-14-X Leszek Podhorodecki: "Rapier i koncerz", Książka i Wiedza, Warszawa 1985
Einzelnachweise
Kategorie:Polnisch-Schwedischer Krieg (1600–1629) Valmiera Valmiera Kategorie:Konflikt 1601 Valmiera Kategorie:Valmiera