Der Verein Frauenarbeit Steyr, umgangssprachlich bekannt als Frauenstiftung Steyr, ist eine gemeinnützige Bildungs-, Beratungs- und arbeitsmarktpolitische Einrichtung in Steyr, Oberösterreich. Träger ist der Verein Frauenarbeit Steyr, der 1991 gegründet wurde. Die Frauenstiftung unterstützt Frauen insbesondere bei beruflicher Orientierung, Aus- und Weiterbildung, Qualifizierung und beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Darüber hinaus entwickelt und betreibt sie Projekte in den Bereichen Gleichstellung, Digitalisierung, Erwachsenenbildung und regionale Arbeitsmarktentwicklung.Stadtarchiv Steyr: Frauenstiftung Gründungsakt (1991/1992). Steyrer Archivinformationssystem (SAIS), Signatur AT 40201-AR-5-4-6-1, Laufzeit 1991/1992. Stadt Steyr.Marliese Mendel: Erfolgsgeschichte: Frauenstiftung Steyr. Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB), 17. Dezember 2020

Geschichte

Gründung und Anfänge Die Gründung der Frauenstiftung Steyr steht im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Veränderungen in der Industrieregion Steyr Anfang der 1990er-Jahre. Nach der Schließung des Elektronikherstellers Telefunken und des Kabelwerks VTS verloren in der Region rund 600 überwiegend an- und ungelernte Frauen ihre Arbeitsplätze. Gewerkschaftlich engagierte Frauen entwickelten daraufhin die Idee einer Einrichtung, die arbeitsuchende Frauen bei der beruflichen Neuorientierung und Qualifizierung unterstützen sollte.Christine Stelzer-Orthofer (Hrsg.) (1998): Strategien gegen Arbeitslosigkeit. Linz, S. 229.Walter Blumberger; Christian Heilbrunner; Pflügl, Harald (1997): Neue arbeitsmarktpolitische Maßnahmen in Oberösterreich: Die Frauenstiftung Steyr. AMS info Nr. 14. Arbeitsmarktservice Österreich.

Der Verein Frauenarbeit Steyr wurde 1991 gegründet. Der im Stadtarchiv Steyr erhaltene Gründungsakt dokumentiert die Initiative der ÖGB-Frauen sowie die Beteiligung verschiedener arbeitsmarktpolitischer Einrichtungen, darunter das Institut für Ausbildungs- und Beschäftigungsberatung (IAB), das damalige Landesarbeitsamt Oberösterreich und das Arbeitsamt Steyr sowie ÖSB und MBE Wien. Die konstituierende Sitzung des Vereins fand am 15. Juli 1991 unter dem Vorsitz von Gemeinderätin Anna Jeloucan statt.

Ab Oktober 1992 konnten arbeitsuchende Frauen nach einer Erstberatung und der Erstellung eines Bildungsplans Qualifizierungsangebote in unterschiedlichen Berufsfeldern in Anspruch nehmen. Das Angebot richtete sich sowohl an Frauen mit höherer Ausbildung als auch an Frauen ohne Pflichtschul- oder Lehrabschluss.

Neben der arbeitsmarktnahen Qualifizierung entwickelte sich die Beratung zu einem weiteren Schwerpunkt. Frauen wurden bei beruflicher Neuorientierung, Bildungsplanung, Wiedereinstieg und Fragen im Zusammenhang mit Beruf und Familie unterstützt.

Entwicklung zur Bildungs- und Beratungseinrichtung In den folgenden Jahren wurde das Tätigkeitsfeld der Frauenstiftung über die ursprüngliche arbeitsmarktpolitische Qualifizierung hinaus erweitert. Neben Aus- und Weiterbildung gewannen Themen wie Chancengleichheit, Frauen in technischen Berufen, regionale Entwicklung und die Unterstützung von Frauen in ländlichen Regionen an Bedeutung.

Mit mobilen Lernangeboten reagierte die Frauenstiftung unter anderem auf Einschränkungen durch fehlende Kinderbetreuung, Mobilität und regionale Bildungsangebote.

Seit den 2000er-Jahren wurden die Bildungs- und Beratungsangebote entsprechend den Veränderungen des Arbeitsmarktes weiterentwickelt. Dazu gehörten unter anderem Angebote zur Basisbildung, beruflichen Höherqualifizierung und digitalen Bildung sowie Projekte zur Erschließung technischer und nicht traditioneller Berufsfelder für Frauen.OTS / ÖGB: „Bundespräsident Fischer würdigt Anton-Benya-PreisträgerInnen“. 2. Oktober 2012. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20121002_OTS0132/bundespraesident-fischer-wuerdigt-anton-benya-preistraegerinnen

Die Frauenstiftung arbeitete dabei mit öffentlichen Institutionen, Unternehmen und regionalen Netzwerkpartnern zusammen. Zu den bestehenden Angeboten kamen verschiedene Projekte für unterschiedliche Zielgruppen, darunter Wiedereinsteigerinnen, arbeitsuchende Frauen, Frauen mit Qualifizierungsbedarf und Frauen aus ländlichen Regionen.

Digitalisierung und neue Arbeitswelten Seit den 2020er-Jahren bilden Digitalisierung und die Veränderung der Arbeitswelt weitere Schwerpunkte der Tätigkeit. Die Frauenstiftung entwickelte Angebote zur Vermittlung digitaler Kompetenzen und zur Unterstützung von Frauen beim Zugang zu neuen beruflichen Tätigkeitsfeldern.Frauenstiftung Steyr: Offizielle Website. https://www.frauenstiftung.at/

Standort Die Frauenstiftung Steyr befindet sich heute in der Hans-Wagner-Straße in Steyr-Münichholz. Die Räumlichkeiten liegen auf dem Gelände des ehemaligen Telefunken-Werks, dessen Schließung Anfang der 1990er-Jahre zu den Auslösern für die Gründung der Einrichtung gehörte.MeinBezirk: „Die Frauenstiftung Steyr feiert 35 Jahre“. https://www.meinbezirk.at/steyr-steyr-land/c-leute/die-frauenstiftung-steyr-feiert-35-jahre_a8606702

2026 beging die Frauenstiftung ihr 35-jähriges Bestehen. Nach Angaben der Organisation haben seit ihrer Gründung mehr als 30.000 Frauen ihre Angebote genutzt.

Aufgaben und Tätigkeitsbereiche Die Tätigkeit der Frauenstiftung umfasst insbesondere Beratung, berufliche Orientierung, Aus- und Weiterbildung sowie die Entwicklung und Umsetzung arbeitsmarkt- und bildungspolitischer Projekte.

Beratung Die Frauenstiftung bietet Beratung zu beruflicher Neu- und Umorientierung, Aus- und Weiterbildung, Wiedereinstieg, Bewerbung und Fördermöglichkeiten an. Das Beratungsangebot richtet sich an Frauen unterschiedlichen Alters und in unterschiedlichen beruflichen und persönlichen Situationen.

Aus- und Weiterbildung Ein Schwerpunkt liegt auf der beruflichen Qualifizierung. Die Angebote umfassen unter anderem "AQUA - arbeitsplatznahe Qualifizierung", "fbz Frauenberufszentrum", Basisbildung, digitale Bildung und weitere Aus- und Weiterbildungsangebote. Dabei werden sowohl arbeitsuchende Frauen als auch Frauen angesprochen, die sich beruflich neu orientieren oder weiterqualifizieren möchten.

Projekte Die Frauenstiftung entwickelt und realisiert regionale, nationale und europäische Projekte zu arbeitsmarkt-, bildungs- und gleichstellungspolitischen Fragestellungen. Themen sind unter anderem Chancengleichheit, Digitalisierung, lebensbegleitendes Lernen, Fachkräftesicherung sowie der Zugang von Frauen zu technischen und digitalen Berufsfeldern.

Mit dem Projekt „KompetenzNetzwerk – Frauenzukunft, Digitalisierung, New Work“ wurde dieser Schwerpunkt auf Frauen in ländlichen Regionen ausgeweitet. Das Projekt verbindet Weiterbildung, digitale Kompetenzvermittlung, Coaching und Vernetzung und wurde in den LEADER-Regionen Traunviertler Alpenvorland und Nationalpark Kalkalpen umgesetzt.MeinBezirk: „Frauenzukunft aus Steyr begeistert Europa“. https://www.meinbezirk.at/steyr-steyr-land/c-wirtschaft/frauenzukunft-aus-steyr-begeistert-europa_a7712386e-steyr: „Frauenstiftung Steyr Top 5 beim Social Innovation Forum 2025 in Brüssel“. https://www.e-steyr.com/steyr-news/wirtschaft-und-politik/11354-frauenstiftung-steyr-top-5-beim-social-inno-va-tion-fo-rum-2025-in-bruessel 2025 wurde das Projekt als eines von 15 Projekten europaweit für den Social Innovation Award ausgewählt. Nach einem öffentlichen Voting erreichte es die Top 5 und wurde beim Social Innovation Forum 2025 in Brüssel auf der Hauptbühne präsentiert.

Ebenfalls 2025 erhielt das Projekt „Tech Girls Change“ der Frauenstiftung den Oberösterreichischen Landespreis „Starke Frauen. Starkes Land“. Mit dem Projekt wurden weibliche Lehrlinge in technischen Ausbildungsberufen unterstützt und Unternehmen bei der Entwicklung geschlechtersensibler Rahmenbedingungen in der Lehrlingsausbildung begleitet.Frauenreferat des Landes Oberösterreich: Informationen zum Landespreis „Starke Frauen. Starkes Land“. Land Oberösterreich. https://www.frauenreferat-ooe.at/1751.htmTips: „Frauenstiftung Steyr erhält Landespreis“. https://www.tips.at/nachrichten/steyr/wirtschaft-politik/691002-frauenstiftung-steyr-erhaelt-landespreise-steyr: „Tech Girls Change feiert Abschluss und zeichnet fünf Betriebe aus“. https://www.e-steyr.com/steyr-news/wirtschaft-und-politik/11668-tech-girls-change-feiert-abschluss-und-zeichnet-fuenf-betriebe-aus

Die Organisation arbeitet dabei mit öffentlichen Förderstellen, Unternehmen, Bildungseinrichtungen und regionalen Stakeholdern zusammen.

Auszeichnungen und Anerkennungen Die Frauenstiftung Steyr und ihre Projekte wurden seit den 2000er-Jahren mehrfach ausgezeichnet. Dazu zählen unter anderem:

2006: NESTOR – Siegerbetrieb in der Kategorie Non-Profit UnternehmenOTS: „Sozialministerin Ursula Haubner zeichnet Siegerbetriebe mit NESTOR 2006 aus (BILD)“. 26. September 2006. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20060926_OTS0146/sozialministerin-ursula-haubner-zeichnet-siegerbetriebe-mit-nestor-2006-aus-bild 2006: Preis der SPÖ Frauen Oberösterreich für ein Projekt zur Förderung von Frauen

2012: Anton-Benya-Hauptpreis für die Förderung der Facharbeit 2012: LEADER-Innovationspreis für „Connecting Communities“

2013: ESF-Innovationsaward, 2. Platz, für das Projekt „Connecting Communities“OTS / BMASK: „ESF-Innovationspreis 2013: Hundstorfer zeichnet erfolgreiche Beschäftigungs- und Bildungsprojekte aus Österreich aus“. 17. Juni 2013. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130617_OTS0120/esf-innovationspreis-2013-hundstorfer-zeichnet-erfolgreiche-beschaeftigungs-und-bildungsprojekte-aus-oesterreich-aus 2017: „Marie“ der SPÖ Frauen Oberösterreich für das Projekt „MILLI – Migrantinnen leben und lernen integriert“MeinBezirk: „SPÖ Frauen Bezirk Perg überreichen ‚Marie‘ 2017 an das Projekt ‚Milli‘“. 7. März 2017. https://www.meinbezirk.at/perg/c-leute/spoe-frauen-bezirk-perg-ueberreichen-marie-2017-an-das-projekt-milli_a2046373 2017: Österreichischer Staatspreis für Erwachsenenbildung in der Kategorie „Themenschwerpunkt Qualitätsentwicklung“erwachsenenbildung.at: „Qualitätsentwicklung ist ein immer wiederkehrender Prozess“. 24. November 2017. https://erwachsenenbildung.at/aktuell/nachrichten/12012-qualitaetsentwicklung-ist-ein-immer-wiederkehrender-prozess.php 2025: Oberösterreichischer Landespreis „Starke Frauen. Starkes Land“ für das Projekt „Tech Girls Change“ 2025: Auswahl des Projekts „KompetenzNetzwerk – Frauenzukunft, Digitalisierung, New Work“ für den Social Innovation Award und Präsentation beim Social Innovation Forum in Brüssel 2025: Nominierung des Projekts „KompetenzNetzwerk – Frauenzukunft, Digitalisierung, New Work“ für den Regionalitätspreis Oberösterreich in der Kategorie „Regional & Digital“MeinBezirk: „Frauenpower und junge Tüftler nominiert“. https://www.meinbezirk.at/steyr-steyr-land/c-lokales/frauenpower-und-junge-tueftler-nominiert_a7472881

Literatur

Blumberger, Walter; Heilbrunner, Christian; Pflügl, Harald (1997): Neue arbeitsmarktpolitische Maßnahmen in Oberösterreich: Die Frauenstiftung Steyr. AMS info Nr. 14. Arbeitsmarktservice Österreich. Stelzer-Orthofer, Christine (Hrsg.) (1998): Strategien gegen Arbeitslosigkeit. Linz, S. 229.

Weblinks

Offizielle Website der Frauenstiftung Steyr: https://www.frauenstiftung.at/

Einzelnachweise

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