mini|Ehemalige Universitätsfrauenklinik Rostock, Doberaner Straße 142 Die ehemalige Universitätsfrauenklinik Rostock in der Doberaner Straße 142 in Rostock war eine Einrichtung der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock für Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Das zwischen 1885 und 1887 errichtete Gebäude befindet sich auf einer Anhöhe zwischen dem Doberaner Platz und dem Bereich des Volkstheaters und bildet gemeinsam mit der ehemaligen Augenklinik und der ehemaligen HNO-Klinik ein historisches Klinikensemble der Universität Rostock.
Das Gebäude ist Bestandteil der Rostocker Denkmallandschaft und in der Liste der Baudenkmale der Stadt Rostock als „Universitätsfrauenklinik“ verzeichnet.
Vorgeschichte und Neubau Die Rostocker Frauenklinik ging aus der universitären Geburtshilfe und der mit ihr verbundenen Hebammenausbildung hervor. Im 19. Jahrhundert war die räumliche Situation der Geburtshilfe zunehmend unzureichend. Friedrich Schatz, seit 1872 ordentlicher Professor und Direktor der Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie sowie der Landeshebammenanstalt in Rostock, setzte sich deshalb für den Neubau einer eigenständigen Frauenklinik ein. Sein Konzept verband die Behandlung von Frauenkrankheiten mit der Ausbildung von Hebammen.
Nach längeren Beratungen stimmte der mecklenburgische Landtag dem Neubau zu. Als Standort wurde ein Grundstück an der Doberaner Chaussee ausgewählt. Der Bau wurde von 1885 bis 1887 errichtet. Der Neubau wurde nach den Plänen des Architekten August Gaster unter dessen Leitung ausgeführt. Im Jahr 1887 wurde die neue Frauenklinik unter der Leitung von Friedrich Schatz eröffnet. Sie war der erste Neubau einer Spezialklinik in Rostock und zugleich der erste große medizinische Neubau nach dem Bau des Rostocker Stadtkrankenhauses.
Das Gebäude wurde als mehrflügeliger, dreigeschossiger Putzbau mit architektonischen Gliederungen aus Backstein errichtet. Es entstand im sogenannten Johannes-Albrecht-Stil, einer im Mecklenburg des späten 19. Jahrhunderts verbreiteten historistischen Architekturrichtung.
Ausstattung und medizinische Bedeutung Bei der Planung wurde besonderer Wert auf hygienische Einrichtungen gelegt. Das Gebäude verfügte über eine Wasserversorgung aus dem städtischen Leitungsnetz und Fenster mit Vorrichtungen zur Belüftung. Für die Desinfektion stand ein Schimmelscher Desinfektionsapparat zur Verfügung. Die septische Station und die Isolierstation waren in einem eigenen Gebäude untergebracht. Wegen der begrenzten finanziellen Mittel wurde die Klinik zunächst ohne elektrische Beleuchtung und Zentralheizung in Betrieb genommen. Bei besonders hohem Lichtbedarf kam zunächst ein Siemensbrenner zum Einsatz. Mit dem Neubau konnte Friedrich Schatz auch seine Vorstellungen zur Neuorganisation des Hebammenwesens verwirklichen. In der medizinhistorischen Literatur wird die Neuorganisation mit einem deutlichen Rückgang der Sterblichkeit im Kindbett in Mecklenburg in Verbindung gebracht.
Die Rostocker Frauenklinik entwickelte sich in der Folge zu einer Einrichtung, an der auch wissenschaftlich auf dem Gebiet der Geburtshilfe und Gynäkologie gearbeitet wurde. Zu den mit der Rostocker Klinik verbundenen wissenschaftsgeschichtlichen Leistungen gehört insbesondere die von Friedrich Schatz entwickelte intrauterine Druckmessung zur Bestimmung der Wehenstärke. Eine historische Darstellung der Universitätsmedizin nennt außerdem Arbeiten von Robert Schröder zum anatomischen Aufbau des Menstruationszyklus und Untersuchungen von Helmut Kyank zur Physiologie und Pathophysiologie der Schwangerschaft als wissenschaftliche Schwerpunkte der Rostocker Frauenheilkunde.
Das Klinikgebäude im 20. Jahrhundert Das Gebäude wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach verändert und erweitert. In den 1930er Jahren erhielt es einen Erweiterungsbau an der Nordwestseite. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Frauenklinik an der Doberaner Straße. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude mehrfach an veränderte Anforderungen der medizinischen Versorgung angepasst. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden die räumlichen Verhältnisse erneut umfassend verändert. Zwischen 1995 und 1998 erfolgten unter anderem Arbeiten an Dach, Fenstern und Fassade unter Beachtung des Denkmalschutzes. Anschließend wurden unter anderem die Eingangszone, die Ultraschallabteilung, die Poliklinik und die Röntgenabteilung rekonstruiert. 1998 wurde ein Anbau mit einem Operationssaal und einem Aufwachbereich in Betrieb genommen.
Ende der Nutzung als Frauenklinik Nach 117 Jahren Geburtshilfe und Frauenheilkunde am Standort Doberaner Straße 142 verließ die Universitätsfrauenklinik Ende November 2004 das historische Gebäude. Zum 1. Dezember 2004 wurden die beiden Rostocker Frauenkliniken am Standort des Klinikums Südstadt zusammengeführt. Die Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt führte die universitäre Frauenheilkunde und Geburtshilfe am neuen Standort fort. Das historische Gebäude in der Doberaner Straße 142 wurde dagegen einer neuen Nutzung zugeführt.
Heutige Nutzung Nach dem Auszug der Frauenklinik wurde das Gebäude für andere Einrichtungen der Universitätsmedizin Rostock umgebaut. Die Orthopädische Klinik und Poliklinik zog in die ehemalige Frauenklinik ein. Ein Umbau des Gebäudes begann im Juni 2006; im Mai 2007 wurde die Baumaßnahme abgeschlossen. Dabei wurden unter anderem Flächen für die Orthopädie und für Teile der Klinikverwaltung geschaffen. Auch nach der Umnutzung blieb das Gebäude Teil des medizinischen Standortes der Universität Rostock an der Doberaner Straße. Heute befinden sich dort unter anderem die Orthopädische Klinik und Poliklinik sowie Einrichtungen des Medizinischen Versorgungszentrums der Universitätsmedizin Rostock.
Literatur Hans-Werner Kollhoff: Der Neubau der Universitätsfrauenklinik Rostock von 1885 bis 1887 im historischen Zusammenhang der politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnisse jener Zeit. Dissertation, Universität Rostock, Rostock 1987. Bernd Gerber: Zur Geschichte der Universitätsfrauenklinik Rostock: Die Klinik in der Doberaner Str. 142. In: Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Ausgabe 1/2005.
Weblinks Universität Rostock: Universitätsgeschichte (1827–1918)
Einzelnachweise
Ehemalige Universitatsfrauenklinik Ehemalige Universitatsfrauenklinik Ehemalige Universitatsfrauenklinik Kategorie:Frauenklinik Kategorie:Ehemaliges Krankenhaus in Mecklenburg-Vorpommern Kategorie:Aufgelöst 2004 Kategorie:Backsteinbauwerk des Historismus in Mecklenburg-Vorpommern Kategorie:Erbaut in den 1880er Jahren