mini|Govecs E-Schwalbe 2016 Die E-Schwalbe ist ein an den früheren Kleinroller KR 51 „Schwalbe“ von Simson aus dem thüringischen Suhl angelehnter Elektroroller. Unter dem Namen E-Schwalbe wurden seit 2011 verschiedene Projekte mit Elektroantrieb realisiert, die von Prototypen und Elektroumbauten von originalen „Schwalben“ bis hin zur Serienfertigung von Govecs und der Emco Group reichen.

Entwicklungsgeschichte Prototyp der Elektrofahrzeugwerke Suhl (2010–2011) Die E-Schwalbe wurde ursprünglich ab 2010 von den Elektrofahrzeugwerken Suhl (efw GmbH) unter der Leitung von Entwicklungschef Andreas Leich und einem 15-köpfigen Team entwickelt. Der Prototyp diente als Versuchsträger und wurde im September 2011 im Retrodesign vorgestellt, um im Anschluss medienwirksam auf Promotion-Tour zu gehen. Der Serienstart war für das Frühjahr 2012 angekündigt, zu einer Serienproduktion durch die efw GmbH auf dem alten Simson Werksgelände in Suhl kam es jedoch mangels Investoren nicht.Vorstellung: efw-Suhl E-Schwalbe - Die Schwalbe fliegt wieder

Formgestalterisch wies der Prototyp deutliche Parallelen zur historischen Schwalbe auf. Details wie die charakteristischen Rundungen, der Schriftzug „Schwalbe“, die Ochsenaugen-Blinker, 16-Zoll-Räder mit Heidenau-Bereifung, das Staufach unter der Sitzbank und der Gepäckträger mit verstellbarem Gummispannband wurden teilweise nahezu unverändert übernommen.

Technisch gab es hingegen keine Gemeinsamkeiten. Der Prototyp besaß eine Karosserie aus Kunststoff statt Blech, eine Telegabel anstelle der geschobenen Kurzschwinge sowie hydraulische Scheibenbremsen. Das Handschuhfach war mit einem USB-Anschluss für Mobiltelefone und MP3-Player ausgestattet. Das Fach über dem Durchstieg öffnete sich per Fernentriegelung vom Zündschloss aus über Scharniere nach links und rechts und enthielt bis zu drei herausnehmbare Lithium-Ionen-Akkupacks im Aktenkofferformat (je 10 kg Gewicht, 182 Einzelzellen), die an einer 240 V Steckdose geladen werden konnten. Der von efw selbst entwickelte bürstenlose Synchronmotor kam ohne Getriebe aus, wodurch Kupplung und Schaltung entfielen. Die Hinterradschwinge sitzt konzentrisch im E-Motor und dreht sich um das Antriebsritzel des Zahnriemens, wodurch die Riemenspannung beim Einfedern der beiden steil stehenden Federbeine konstant blieb.

Govecs (2014–2025) mini|Govecs E-Schalbe 2020 Nach den Verzögerungen bei der efw GmbH übernahm das Münchner Unternehmen Govecs das Projekt und präsentierte das Fahrzeug als Govecs E-Schwalbe im November 2014 auf der Motorradmesse EICMA in Mailand. Später sicherte sich Govecs vom Rechteinhaber Gewerbepark Simson GmbH aus Suhl die Lizenzrechte am Schriftzug „Schwalbe“. Im September 2016 wurde das finale Serienmodell offiziell vorgestellt und ab Ende 2016 Vorbestellungen über einen Online-Produktkonfigurator entgegengenommen. Der offizielle Vertrieb startete im Sommer 2017.

Die Govecs E-Schwalbe wurde On-Demand im polnischen Breslau produziert. Angetrieben wurde das als Kleinkraftrad (EU-Fahrzeugklasse L1e, bis 45 km/h) eingestufte Modell von einem vor der Hinterachse eingebauten Elektromotor von Bosch, der das Hinterrad über einen Zahnriementrieb bewegte. Es standen drei Fahrmodi für unterschiedliche Fahrleistungen sowie ein „Crawl-Modus“ (Rangierhilfe inklusive Rückwärtsgang) zur Verfügung. Das System nutzte wahlweise ein oder zwei fest installierte Lithium-Ionen-Akkus von Bosch, die über ein integriertes Ladegerät geladen wurden. Das Fahrzeug rollte auf 16-Zoll-Speichenrädern mit Allwetterreifen.

Im November 2025 meldete die Govecs AG ein Insolvenzverfahren an. In der Folge wurden die Produktion der E-Schwalbe in Breslau, der Verkauf von Neufahrzeugen sowie der offizielle Kundenservice komplett eingestellt.

Umbauten von RetroElectro (seit 2016) Parallel zur industriellen Serienfertigung gründete Michał Koziołek 2016 das Unternehmen RetroElectro im polnischen Breslau. Im Gegensatz zu Govecs nimmt dieses Unternehmen originale Schwalben aus DDR-Produktion und rüstet diese nachträglich mit einem Elektromotor aus. Trotz hoher Nachfrage in Polen werden die rund 4.000 Euro teuren Umbauten ausschließlich ins Ausland verkauft, da diese ursprünglichen Oldtimer, nach dem Umbau auf einen Elektroantrieb, nach polnischem Recht keine Straßenzulassung mehr erhalten.Die Schwalbe aus Suhl: Wie der Kult-Roller von Simson überlebte

E-Schwalbe (seit 2026) Seit 2026 werden durch die Zossener e-Schwalbe Vertriebsgesellschaft mbH Restbestände sowie überholte L1e Fahrzeuge von Govecs weiter vertrieben.

Parallel dazu hat die Emco Group eine Nutzungsvereinbarung mit dem Inhaber der Markenrechte, Gewerbepark Simson GmbH aus Suhl, geschlossen und beabsichtigt zudem die Lizenzübernahme. Emco begann im Mai 2026 auf dem ehemaligen Simson-Gelände in Suhl mit einer Altlastensanierung und plant dort noch 2026 den Produktionsstart einer E-Schwalbe.Suhl plant Comeback der E-SchwalbeE-Schwalbe soll weitergebaut werden – an ihrer Geburtsstätte

Technische Daten efw-Suhl (2011) Die von den Elektrofahrzeugwerken Suhl geplanten Spezifikationen unterschieden sich primär durch die Anzahl der genutzten Akkumulatoren und die Steuergeräte-Software:

Basisversion (45 km/h) Leistungsstarke Version Motor Permanent erregter Synchron-Elektromotor, Endantrieb per Zahnriemen Nennleistung 4 kW (5,4 PS) 6 kW (8,2 PS) Dauerleistung Spitzenleistung — max. knapp 8 kW (11 PS) im Sport-Modus Max. Drehmoment 40 Nm bei 1900 min⁻¹ Batterien 1 Lithium-Ionen-Akkupack (48 V, 31,5 Ah, 1,44 kWh) 2 Lithium-Ionen-Akkupacks (48 V, 63 Ah), 3 Lithium-Ionen-Akkupacks (48 V, 94,5 Ah) Ladezyklen 700 Ladezyklen pro Akku (mind. 35.000 km Gesamtlaufleistung) Ladezeit ca. 5 Stunden je Akkupack an herkömmlicher Steckdose Reichweite bis zu 60 km (Eco-Modus) bis zu 120 km und bis zu 180 km Fahrwerk Zentralrohrrahmen aus Stahl mit Unterzügen, 32-mm-Telegabel vorn, Zweiarmschwinge aus Stahl mit zwei Federbeinen hinten Bremsen Hydraulische Scheibenbremsen; vorn mit Doppelkolben-Schwimmsattel (Ø 260 mm), hinten mit Einkolben-Schwimmsattel (Ø 200 mm) Bereifung vorn 90/80-16, hinten 100/80-16 Maße Gesamtlänge: 1923 mm, Radstand: 1290 mm, Sitzhöhe: 820 mm Leergewicht 115 kg (1 Batterie) 125/135 kg (2/3 Batterien) Zuladung 185–195 kg Ankündigungspreis 4.699 Euro 5.799 Euro

Govecs (2017) L1e L3e Fahrzeugklasse Elektroroller(äquivalent zu 50 cm³) Elektrisches Leichtkraftrad(äquivalent zu 125 cm³) Höchstgeschwindigkeit 45 km/h 90 km/h Reichweite Bis zu 63 km (1 Batterie)Bis zu 125 km (2 Batterien) Bis zu 90 km Motorleistung 4 kW 8 kW MotortypBosch Drive Unit 48V KraftübertragungDoppelriemenantrieb Display4,4" Bosch LC-Display mit LED-Statusanzeigen FahrmodiGO: Maximale ReichweiteCruise: Ausgewogene Reichweite und BeschleunigungBOOST: Maximale BeschleunigungCRAWL: Manövrierhilfe BatterienLithium-Ionen-Akkus, fest installiert Systemspannung48 V Batteriekapazität 2,4 kWh (1 Batterie)4,8 kWh (2 Batterien) 4,8 kWh LadegerätSchnellladegerät mit 1200 W und 5 m Ladekabel mit Schuko-Stecker Ladezeiten Standard-Lademodus: 4½ hSchnell-Lademodus (0–50 %): 1 h (1 Batterie), 1¾ h (2 Batterien) Standard-Lademodus: 4½hSchnell-Lademodus (0–50%): 1¾ h BremsenScheibenbremsen vorne und hinten, optional mit ABS BeleuchtungLED-Scheinwerfer vorne und hinten Reifengröße100/800-R16 vorne und hinten ReifentypGanzjahres-Reifen Gewicht (inkl. Batterien) 120 kg (1 Batterie), 135 kg (2 Batterien) 135 kg Passagiere2 Abmessungen1960 × 880 × 1132 mm (L × B × H); Sitzhöhe: 840 mm Stauraum5 Liter

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Einzelnachweise

Kategorie:Kleinrollermodell Kategorie:Motorrollermodell