Vácrátót ist eine ungarische Gemeinde im Kreis Vác im Komitat Pest. Sie gehört zur Agglomeration Budapest.
Geografische Lage
Vácrátót liegt im flachen und breiten Tal des Sződ–Rákos-patak. Im Osten wird die Umgebung vom Gödöllőer Hügelland (Gödöllői-dombság), im Süden vom Kő-hegy, im Norden vom Kígyós-Hügelzug am Rand des Cserhát und im Westen vom Vác–Pester Donautal (Vác–Pesti-Duna-völgy) begrenzt. Der nördliche Teil des Gemeindegebiets gehört zum Gödöllőer Hügelland, der südliche zu einem schmalen nördlichen Ausläufer der Pester Schwemmkegel-Ebene.
Die Landschaft ist überwiegend niedrig und hügelig. Sandablagerungen, die zum Teil auf die Tätigkeit der Donau und von Wasserläufen aus dem Börzsöny und dem Cserhát während der Eiszeit zurückgehen, prägen die Umgebung. Die ursprüngliche Vegetation bestand zu einem großen Teil aus Eichenwäldern.
Vácrátót ist über die Landstraße Nr. 2104 von Vác und Gödöllő aus erreichbar. Mit Váchartyán besteht über die Landstraße Nr. 2105 eine Verbindung, mit Vácduka über die Nebenstraße Nr. 21113.
Geschichte
Archäologische Funde belegen eine Besiedlung des Gebiets seit vorgeschichtlicher Zeit. Gefunden wurden unter anderem Keramik der Zseliz-Kultur, Steinwerkzeuge sowie Überreste aus der Bronze- und Eisenzeit. Auch aus der römischen Epoche beziehungsweise aus der Zeit der Sarmaten und aus der frühen Árpádenzeit sind Funde bekannt. Das mittelalterliche Dorf befand sich etwa 400 Meter nordwestlich des heutigen Ortszentrums.
Der ältere Ortsname Rátót wird mit dem Geschlecht Rátót in Verbindung gebracht. Nach der mittelalterlichen Überlieferung kamen die Ritter Olivér und Ratold aus Apulien während der Regierungszeit König Kolomans nach Ungarn. Zu den Besitzungen des Geschlechts gehörte auch Rátót im Komitat Pest. Bei einer Teilung der Familiengüter im Jahr 1283 fiel der Ort an verschiedene Linien des Geschlechts. Im Mittelalter war Rátót eine bedeutendere Siedlung mit eigener Kirche.
Zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert waren insbesondere die Familien Pásztói und Tari bedeutende Grundbesitzer. Eine wichtige Rolle spielten die Wassermühlen am Bach. Die durch den Ort führende Straße verband über den Donauübergang bei Vác die Große Ungarische Tiefebene mit Transdanubien.
Nach 1541 lag Rátót im osmanisch beherrschten beziehungsweise umkämpften Gebiet. Steuerregister zeigen, dass der Ort während eines großen Teils der Osmanenzeit bewohnt blieb. Die Rückeroberungskriege führten jedoch zu schweren Verwüstungen; 1690 wurde Rátót als unbewohnt verzeichnet. Im 18. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung wieder an. Zu den bedeutenden Grundbesitzerfamilien gehörten Mágochy und Róth.
Die römisch-katholische Kirche wurde 1746 auf Veranlassung des Grundherrn János Mágóchy errichtet und später mehrfach erweitert. Ihre barocke Ausstattung umfasst Arbeiten ungarischer Holzschnitzer.
1873 erwarb Graf Sándor Vigyázó den Grundbesitz von Rátót und richtete dort eine Musterwirtschaft ein. Gleichzeitig wurde der Park des Vigyázó-Schlosses ausgebaut, aus dem sich später der heutige botanische Garten entwickelte.
Bei den Parlamentswahlen von 1926 kam es in Vácrátót zu einem gewaltsamen Zwischenfall. Als Einwohner an der Stimmabgabe für den oppositionellen Kandidaten Gyula Andrássy gehindert wurden, eröffnete die Gendarmerie das Feuer. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben.
Sehenswürdigkeiten
mini|Römisch-katholische Kirche
Botanischer Garten Vácrátót – der international bekannte botanische Garten entstand auf dem Gelände des ehemaligen Vigyázó-Schlossparks. Er beherbergt eine umfangreiche Sammlung von Bäumen, Sträuchern und anderen Pflanzen sowie Gewächshäuser und einen Steingarten. Römisch-katholische Kirche Szentháromság (Heilige Dreifaltigkeit) – 1746 errichtet und später mehrfach erweitert. Vigyázó-Landhaus und Schlosspark – an der Stelle des früheren Schlosses wurde Ende der 1930er Jahre ein eingeschossiges, landhausartiges Gebäude errichtet. Das Gelände gelangte 1952 in die Verwaltung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Dreifaltigkeitssäule. Mariensäule. Statue des heiligen Johannes Nepomuk.
Lokale Bräuche
In Vácrátót haben sich lokale Bräuche im Zusammenhang mit Beerdigungen erhalten. Während früher Totenwache und Totenklage im Haus des Verstorbenen üblich waren, entwickelte sich daraus die Tradition des gemeinsamen Gebets. Im Winter findet dieses im Haus des Verstorbenen, im Sommer auch auf dem Friedhof statt.
Bevölkerung
Bei der Volkszählung 2022 bezeichneten sich 88,4 % der Einwohner als Ungarn, 0,7 % als Roma, 0,5 % als Deutsche, jeweils 0,4 % als Slowaken beziehungsweise Rumänen und 0,2 % als Ukrainer. 3,3 % gaben eine andere, nichtungarische Nationalität an; 11,5 % machten keine Angabe. Wegen möglicher Mehrfachidentitäten kann die Summe mehr als 100 % betragen.
Nach Religionszugehörigkeit waren 2022 40 % der Einwohner römisch-katholisch, 6,7 % reformiert, 0,8 % evangelisch, 0,6 % griechisch-katholisch und 0,1 % orthodox. 10,6 % bezeichneten sich als konfessionslos; 38,8 % beantworteten die Frage nicht.
Am 1. Januar 2025 hatte Vácrátót 2625 Einwohner.
Verkehr
Die Hauptverkehrsstraße des Ortes ist die Landstraße Nr. 2104, die Vácrátót mit Vác und Gödöllő verbindet. Die Landstraße Nr. 2105 führt in Richtung Váchartyán, eine Nebenstraße verbindet die Gemeinde mit Vácduka.
Vácrátót liegt an den Bahnstrecken Budapest–Vácrátót–Vác und Aszód–Vácrátót. Beide Strecken benutzen den Bahnhof Vácrátót, der etwas mehr als einen Kilometer nördlich des bebauten Ortsgebiets an der Landstraße Nr. 2104 liegt.
Einzelnachweise
Weblinks
Offizielle Website Botanischer Garten Vácrátót
Kategorie:Ort im Komitat Pest