Das Stockton-Massaker vom 17. Januar 1989 war ein Amoklauf an einer Schule. Bei der Tat an der Cleveland Elementary School in Stockton (Kalifornien) tötete Patrick Edward Purdy mit einer Kalaschnikow innerhalb weniger Minuten fünf Grundschüler asiatischer Abstammung und verletzte etwa dreißig weitere Personen. Das Stockton-Massaker führte dazu, dass der Bundesstaat Kalifornien als erster Bundesstaat den Besitz von Sturmgewehren untersagte und führte auf Bundesebene 1994 zum Erlass des Crime Control Act, der Produktion und Besitz spezifischer Schusswaffen untersagte.

Vorgeschichte mini| Patrick Edward Purdy Der Täter Patrick Edward Purdy war am 10. November 1964 in Washington geboren worden und wuchs unter schwierigen Verhältnissen auf.Nelson Kempsky et al: A Report to Attorney General John K. Van de Kamp on Patrick Edward Purdy and the Cleveland School Killings, Appendix C Sein Vater war wegen psychischen Problemen und kleiner Vergehen aus der Armee entlassen worden und lebte von der Mutter getrennt. Die junge Mutter war eher an Partys und ihrer Schulerziehung interessiert, als am Kontakt mit ihren Kindern. Sie heiratete nach der Formalisierung der Scheidung erneut, als der Junge vier war. Der Stiefvater misshandelte die Mutter, auch vor den Kindern. Als ihr Sohn neun war, wurde der Mutter wegen Vernachlässigung eine Zeitlang das Sorgerecht entzogen.Nelson Kempsky et al: A Report to Attorney General John K. Van de Kamp on Patrick Edward Purdy and the Cleveland School Killings, S. 3–5 Vom Kindergarten bis zur 3. Klasse besuchte Purdy dabei zwischen 1969 und 1973 die Cleveland Elementary School, bevor er seine schulische Ausbildung nach der Scheidung von Stiefvater und Mutter in Sacramento fortsetzte. Ab dem Alter von zehn kam es vermehrt zu Konflikten mit der Mutter, bis er im Sommer 1978 im Alter von dreizehn von der Mutter auf die Straße gesetzt wurde. Zu dem Zeitpunkt missbrauchte Purdy bereits Alkohol und Drogen und litt möglicherweise an Schizophrenie. Er war auch wegen kleinerer Jugendvergehen wiederholt mit der Polizei in Konflikt geraten. Er lebte nun vor allem auf der Straße, unter anderem, indem er sich prostituierte oder von älteren Männern aushalten ließ. Im April 1979 brach er die Schule ab. 1980 wurde er wegen Prostitution in Hollywood verhaftet. Hiernach war er immer wieder unter dem Schutz der Jugendfürdorge des Los Angeles County oder des San Joaquin County. 1982 lebte er auf den Straßen von Los Angeles, als er mit achtzehn volljährig wurde und die Jugendfürsorge damit nicht mehr zuständig war. Mit neunzehn war er an einem Handtaschenraub in Broderick beteiligt, bekannte sich schuldig und verbrachte drei Monate im Gefängnis. Mitte 1984 hatte er eine kurze Beschäftigung auf Key West in Florida, kehrte aber nach einem Monat nach Kalifornien zurück. 1984 wurde ihm Behindertenfürsorge wegen Alkohol- und Drogenabhängigkeit bewilligt, von der er bis zu seinem Lebensende leben sollte. Im folgenden Jahr besuchte er sporadisch Berufsschulkurse. Purdy wurde 1987 zusammen mit seinem Halbbruder im El Dorado National Forest wegen Abfeuerns einer halbautomatischen Pistole in dem Schutzgebiet verhaftet. Das Gericht des El Dorado County verurteilte ihn zu einer kurzen Haftstrafe und sprach ein Waffenbesitzverbot als Bewährungsauflage für ihn aus. Da es noch keine übergreifenden Datenbanken gab, konnte dies außerhalb des County aber nicht kontrolliert werden. Er konnte daher die verwendete Kalaschnikow in Oregon und die mitgeführte Pistole im San Joaquin County erwerben.Lindsay Weber/Dave Manoucheri: 'Liberty and Limits' | How the deadly Cleveland Elementary School shooting ricocheted through the nation's history, KCRA 3 vom 17. Januar 2026

Ablauf Der unter anderem wegen versuchten Raubes und illegalen Waffenhandels vorbestrafte 26-jährige Patrick Edward Purdy fuhr mit seinem Auto am 17. Januar 1989 zur Cleveland Elementary School.Jocelyn M. Brineman/Richard D. McAnulty: Stockton massacre, EBSCO 2019 Er parkte das Fahrzeug um 11:42 Uhr auf der Rückseite des Schulgeländes im Süden der Schule. Die Schule lag in einer ruhigen Wohngegend nördlich der Innenstadt Stocktons. Die Schule hatte zur Tatzeit 970 Schüler, von denen wegen einer jüngeren Einwanderungswelle etwa 600 aus Asien stammten.Mark A. Stein/Peter H. King: Rifleman Kills 5 at Stockton School : 29 Other Pupils Hurt; Assailant Takes Own Life, Los Angeles Times vom 18. Januar 1989

Er übergoss den Wagen mit Benzin und zündete ihn an. Dann begab er sich zu Fuß durch ein Gartentor auf das Schulgelände. Purdy war mit einem AK-47, einer Pistole und einem Bajonett bewaffnet, trug Tarnkleidung, eine schusssichere Weste und Ohrenstöpsel. Er positionierte sich zur Tat hinter einem Behelfsklassenzimmer. Er eröffnete von dort mit dem AK-47 während der Mittagspause das Feuer auf die Kinder vom Kindergartenalter bis zur 3. Klasse im Schulhof der Grundschule. Er gab dabei innerhalb weniger Minuten 106 Schüsse aus seinem Sturmgewehr ab. Später ging er auf den Schulhof und schoss dort in kniender Position weiter.

Purdy tötete fünf Schüler im Alter von sechs bis neun Jahren und verletzte etwa dreißig weitere Personen, einschließlich einer Lehrkraft. Anschließend beging er mit einer ebenfalls mitgeführten Faustfeuerwaffe Selbstmord. Alle Todesopfer waren Kinder von Einwanderern aus Asien. Bei den Toten handelte es sich um einen neunjährigen Jungen und vier Mädchen.

Folgen Unmittelbar nach dem Amoklauf traten beide Kammern der Palaments von Kalifornien zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Nach weniger als fünf Monaten konnte Gouverneur George Deukmejian den Roberti-Roos Assault Weapons Act ausfertigen, der den Vertrieb bestimmter halbautomatischer Waffen an Privatpersonen und den Besitz durch Privatpersonen untersagt. Das Gesetz ist noch immer in Kalifornien in Kraft. Zwei Monate nach dem Gesetz änderte die Bundesregierung unter Präsident George H. W. Bush Importrichtlinien für 40 Modelle halbautomatischer Schusswaffen und untersagte den Verkauf von Magazinen mit großer Kapazität an Privatpersonen. Das Gesetz war das erste in den Vereinigten Staaten, das den Besitz und Vertrieb halbautomatischer Waffen regulierte und diente als Vorlage für den 1994 unter Bill Clinton erlassenen Crime Control Act, der aber 2004 auslief und nicht erneuert wurde.Alex Bell: What Will Save Us? | Remembering Stockton's Cleveland Elementary School shooting, ABC 10 vom 19. Juli 2023

Das Schulmassaker hatte auch zur Folge, dass sich der bisherige Marktführer für halbautomatische Schusswaffen Colt von diesem Markt zurückzog, stattdessen stieg Bushmaster zum Marktführer auf. Bushmaster umging die neuen Bestimmungen, indem wenige kleine Modifikationen vorgenommen wurden, die die Waffen aber weitgehend unverändert ließen.James Bandler/Doris Burke: How a Maine Businessman Made the AR-15 Into America’s Best-Selling Rifle, ProPublica vom 21. November 2023

Der Pop-Star Michael Jackson besuchte knapp einen Monat später die Cleveland Elementary School und das nahe Krankenhaus, in dem noch immer einige der Opfer behandelt wurden.Michael Jackson visits site of school shooting, United Press International vom 7. Februar 1989

Überlebende des bis zum Amoklauf an der Columbine High School zehn Jahre später tödlichsten Amoklaufs an einer Schule gründeten später die gemeinnützige Organisation Cleveland School Remembers, die sich für die Prävention von und Aufklärung über Waffengewalt einsetzt. Die Überlebenden gedachten auch 35 Jahre nach dem Verbrechen der Tat.Hannah Workman: 35 years later, survivors of Stockton schoolyard shooting remember the tragedy, The Stockton Record vom 24. Januar 2024 Treffen von ihnen finden jährlich statt. Marlee Ginter: Sad but powerful reunion for victims held 34 years after Stockton schoolyard massacre, CBS News vom 17. Januar 2023

Weblinks

Nelson Kempsky et al: A Report to Attorney General John K. Van de Kamp on Patrick Edward Purdy and the Cleveland School Killings, Office of the Attorney General - California Department of Justice, Oktober 1989 (PDF)

Einzelnachweise

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