mini|Benjamin Roubaud: Porträt Auguste Raffets, 1841, Lithografie aus der Galerie de la presse, de la littérature et des beaux-arts Denis Auguste Marie Raffet (* 2. März 1804 in Paris; † 16. Februar 1860 in Genua) war ein französischer Schlachtenmaler, Lithograf, Radierer, Zeichner und Illustrator. Raffet wird in der kunsthistorischen Literatur, laut Thieme-Becker, als klassischer Schilderer der militärischen Ruhmestaten der Ersten Republik und des Kaiserreichs eingeordnet und als einer der bedeutendsten Vertreter der französischen Originallithografie des 19. Jahrhunderts beschrieben. Er gehörte neben Hippolyte Bellangé, Horace Vernet und seinem Lehrer Nicolas-Toussaint Charlet zu den französischen Künstlern, die das Bild der napoleonischen Feldzüge in Lithografie und Buchillustration maßgeblich prägten.
Leben
Auguste Raffet wurde 1804 in Paris geboren. Nach dem Tod seines Vaters 1813 war er als Kind gezwungen, zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen; er wurde zunächst bei einem Drechsler in die Lehre gegeben und besuchte daneben abendliche Zeichenkurse. Im Alter von 18 Jahren arbeitete er kurzzeitig als Porzellanmaler, unter anderem in der Werkstatt Cabanels, einem Zulieferer der Sèvres-Manufaktur. In dieser Zeit lernte er den Lithografen Louis Henri de Rudder kennen, durch den er 1824 mit Nicolas-Toussaint Charlet bekannt wurde. Am 11. Oktober 1824 wurde Raffet an der École des Beaux-Arts in Paris aufgenommen, wo er fünf Jahre im Atelier Charlets arbeitete. 1829 wurde er zudem Schüler von Antoine-Jean Gros. Auguste Raffet bereitete sich an der École des Beaux-Arts zeitweise mit klassizistischen Historienmotiven auf den Prix de Rome vor, scheiterte jedoch 1831 im Wettbewerb um diesen Preis. In der Folge war er nur noch selten als Maler tätig und wandte sich verstärkt der Zeichnung, der Lithografie und der Buchillustration zu; er entwickelte sich zu einem der Hauptmeister der französischen Originallithografie des 19. Jahrhunderts. Sein Werk gilt als klassische Schilderung der militärischen Ereignisse der Ersten Republik und des Kaiserreichs. Der Kunsthistoriker Arthur Rümann hob insbesondere Raffets Sachlichkeit, seine Bildkomposition und die technische Beherrschung der Lithografie hervor.
1837 nahm Auguste Raffet an der von Fürst Anatole Demidoff geleiteten Expedition durch Südrussland bis in die Krim teil. 1849 hielt er sich während der Belagerung Roms in Italien auf, die er in einer Folge von Lithografien festhielt, und begleitete 1859 den Italienfeldzug bis zur Schlacht von Solferino. Raffet starb 1860 in Genua. 1893 wurde im Jardin de l’Infante am Louvre in Paris ein von Emmanuel Frémiet geschaffenes Denkmal zu seinen Ehren eingeweiht.
Werk
Auguste Raffets grafisches Œuvre umfasst zum einen Illustrationen zu Geschichts- und Reisewerken, darunter erstmals zu Auguste Barthélémys Douze journées de la Révolution (Paris 1832) und zu Anatole Demidoffs Voyage dans la Russie méridionale (1840), zum anderen selbständige Bildfolgen wie die zwölfteilige Serie Prise de Constantine (1837) und die 36-blättrige Folge Expédition et siège de Rome (1850–1859) sowie Einzelblätter, darunter das bekannte Blatt Revue nocturne. Nach Raffets Tod erschien 1878 die von seinem Sohn Auguste Raffet fils herausgegebene Sammlung Notes et croquis mit 257 Zeichnungen.
Als Maler ist Auguste Raffet unter anderem mit dem Gemälde Episode aus dem russischen Feldzug 1812 (1856, Paris, Louvre) sowie mit Fünf Soldaten der Ersten Republik (München, Neue Pinakothek) vertreten. Aquarelle und Zeichnungen befinden sich unter anderem im Musée Bonnat in Bayonne, in der National Gallery of Scotland in Edinburgh, im Museum Teylers in Haarlem, im Musée Wicar in Lille, in der Wallace Collection in London, im Metropolitan Museum of Art in New York sowie im Cabinet des Estampes des Louvre. Werke (Auswahl)
Literatur
Steffen Haug: Raffet, Auguste. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Online, De Gruyter. Alfred Hustin (Bearb.): Raffet, Auguste. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 27: Ramsden–Rosa. E. A. Seemann, Leipzig 1933, S. 564 f. Auguste Bry: Raffet, sa vie et ses œuvres. E. Dentu, Paris 1861. Hector Giacomelli: Raffet, son œuvre lithographique et ses eaux-fortes, suivi de la bibliographie complète des ouvrages illustrés de vignettes d'après ses dessins. Bureaux de la Gazette des beaux-arts, Paris 1862. Armand Dayot: Raffet et son œuvre: 100 compositions lithographiques, peintures à l'huile, aquarelles, sépias et dessins inédits. Librairies-Imprimeries réunies, Paris 1892. Henri Béraldi: Raffet (Auguste). In: Les Graveurs du XIXe siècle: guide de l'amateur d'estampes modernes.Band 11, Conquet, Paris 1892, S. 61–149. Atherton Curtis: Auguste Raffet. Frederick Keppel & Co., New York 1903. Paolo Bellini: Dizionario della stampa d'arte: calcografi, silografi, litografi, stampatori, editori, movimenti artistici, scuole regionali e nazionali, riviste illustrate, tecniche. A. Vallardi, Milano 1995. Gérald Schurr, Pierre Cabanne: Dictionnaire des petits maîtres de la peinture, 1820–1920. Band 2, Les Éditions de l'Amateur, Paris 1996.
Weblinks
Städel Museum / Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie Google Arts & Culture
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Lithograf (Frankreich) Kategorie:Radierer (Frankreich) Kategorie:Zeichner (Frankreich) Kategorie:Illustrator (Frankreich) Kategorie:Schlachtenmaler Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1804 Kategorie:Gestorben 1860 Kategorie:Mann