mini|Hauptquartier Lubjanka in Moskau (1991) Die Liste von Residenturen sowjetischer Geheimdienste (ohne Russland) zeigt die legalen und (soweit bekannt geworden) illegalen Residenturen der Geheimdienste SMAD, KGB und GRU der Sowjetunion (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, UdSSR) in der Zeit des Kalten Krieges von 1945 bis 1991. Aufgelistet werden sie nach bekannt gewordenen sowjetischen Residenturen innerhalb des Warschauer Paktes (DDR, Sowjetrepubliken, andere sozialistischen Länder) und im zweiten Teil außerhalb des Warschauer Paktes (BRD, Österreich, Schweiz, andere nichtsozialistischen Ländern, wie den Vereinigten Staaten).
Unter einer „Residentur“ wird eine Vertretung eines Nachrichtendienstes im Ausland verstanden. Sie werden in legale (offizielle) und illegale (getarnte) Residenturen unterschieden. Legale Residenturen sind dem Gastland offiziell bekannt und oft der offiziellen Auslandsvertretung des Landes wie einer Botschaft oder einem Konsulat zugeordnet. Dagegen sind illegale Residenturen getarnte und nach Möglichkeit vor den Behörden des Gastlandes geheim gehaltene Residenturen, häufig getarnt als sowjetische Handelsvertretung.
Historische Dokumente zeigen, dass auch sowjetische Kultureinrichtungen im Ausland während des Kalten Krieges als Deckmantel für Spionage genutzt wurden, und selbst der Verfolgung unliebsamer Dissidenten dienten.Florian Flade, Roman Lehberger: Spionage getarnt als Kulturpflege?, in: tagesschau.de vom 26. August 2026, eingesehen am 7. September 2026.
Als häufigste Tarnung dienten in der Regel die Botschaften und Generalkonsulate der Sowjetunion. Nach 1991 wurden diese als Einrichtungen von Russland weitergeführt.
Aufbau einer KGB-Residentur
Abteilungen der Ersten KGB-Hauptverwaltung(Ausland)Wassili Nikititsch Mitrochin, Christopher Andrew: Das Schwarzbuch des KGB. Moskaus Kampf gegen den Westen, Propyläen-Verlag, Berlin 1999, S. 691. Abteilung 1: USA, Kanada Abteilung 2: Lateinamerika Abteilung 3: Großbritannien, Australien, Neuseeland, Skandinavien Abteilung 4: DDR, BRD, Österreich Abteilung 5: Beneluxländer, Frankreich, Spanien, Portugal, Schweiz, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Albanien, Rumänien Abteilung 6: China, Vietnam, Laos, Kambodscha, Nordkorea Abteilung 7: Thailand, Indonesien, Japan, Malaysia, Singapur, Philippinen Abteilung 8: Afghanistan, Iran, Israel, Türkei Abteilung 9: Afrika (englischsprachig) Abteilung 10: Afrika (französischsprachig) Abteilung 11: Verbindung zu sozialistischen Ländern [Abt. 12.-14. fehlen] Abteilung 15: Registratur und Archiv Abteilung 16: Fernmeldeaufklärung und Operationen gegen westliche Chiffriertechnik Abteilung 17: Indien, Sri Lanka, Pakistan, Nepal, Bangladesch, Burma Abteilung 18: Arabische Länder und Ägypten Abteilung 19: Emigranten Abteilung 20: Verbindung zu den Entwicklungsländern
In der Geheimdienst-Terminologie des KGB der Sowjetunion und seiner Nachfolgeorganisationen bezieht sich der „Resident“ auf den Leiter der territorialen Körperschaft „Residentur“ (резидентуры) des Geheimdienstes, der im Ausland an Geheimdienstaktivitäten zugunsten der Sowjetunion beteiligt ist. Der Resident organisiert die Beschaffung von geheimen Informationen und die verschlüsselte Kommunikation, leitet Sicherheitsmaßnahmen und organisiert Netzwerke von Agenten.
Wenn ein Land mehrere „legale“ Residenturen hat (wie die Vereinigten Staaten, Österreich, Schweiz, Frankreich), besitzt eine davon den Status einer übergeordneten Hauptstation mit der formellen Unterordnung der anderen legalen Residenturen. Gleichzeitig behält jeder „legale“ Resident seinen direkten und unabhängigen Zugang zur Leitung mit einer persönlichen Geheimchiffre.
Werden „legale“ Residenten entlarvt, kommt es aufgrund des Diplomatenstatus zu keiner Strafverfolgung. Stattdessen werden sie als „Persona non grata“ aus dem Gastland ausgewiesen.
Die folgende Statistik der Mitarbeiter der sogenannten „Gruppe X“ (wissenschaftliche und technische Spionage) innerhalb der legalen KGB-Residenturen ist ein seltenes Beispiel für die quantitativen Verhältnisse in Westeuropa aus dem Jahr 1975.Christopher Andrew, Wassili Mitrochin: Das Schwarzbuch des KGB: Moskaus Kampf gegen den Westen, Ullstein Verlag, München 2001, S. 793. ISBN 978-3-548-36266-3 KGB-Residentur KGB-Offiziereder Gruppe X KGB-Agenten der Gruppe X SummeBelgrad3?3Bern3?3Bonn15924Brüssel7411Genf325Den Haag314Helsinki628Kopenhagen6713Lissabon2?2London9918Oslo303Paris222244Rom91019Stockholm718Wien192938Summe11796203
KGB-Vertreter waren im Ausland immer wieder den Verlockungen ausgesetzt, die „das dynamische, freizügige Leben der kapitalistischen Metropolen bot“. Deshalb trachteten sie danach, nichts zu unternehmen, was eine Ausweisung in die Heimat nach sich ziehen könnte. „So schwächt die Furcht vor dem eigenen System die Spionage-Tüchtigkeit in der Ferne. Ob in Bonn, Paris oderWashington, D.C. - irgendwie spricht es sich immer schnell herum, wer unter den sowjetischen Diplomaten ein KGB-Mann ist; die Betroffenen selbst scheint es auch nicht zu genieren.“KGB: »Das Schwert trifft auch Unschuldige«. In: Der Spiegel vom 1. Juli 1984, eingesehen am 4. März 2025.
Leiter der Ersten Hauptverwaltung (Auslandspionage)Wassili Nikititsch Mitrochin, Christopher Andrew: Das Schwarzbuch des KGB. Moskaus Kampf gegen den Westen, Propyläen-Verlag, Berlin 1999, S. 688. 1953–1956 Alexander SemjonowitschPanjuschkin 1956–1971 Alexander Michailowitsch Sacharowski 1971–1974 Fjodor Konstantinowitsch Mortin 1974–1988 Wladimir Alexandrowitsch Krjutschkow 1988–1991 Leonid Wladimirowitsch Schebarschin
Illegale Residenturen
Residenturen innerhalb des Warschauer Paktes Residenturen in der DDR Die sowjetischen Geheimdienste unterhielten in allen Bezirken der DDR eigene Residenturen. In einigen Orten, wie Gera, wurden diese in unmittelbarer Nachbachschaft zu den Einrichtungen des Ministeriums für Staatssicherheit errichtet. Daneben dienten ausgewählte Häuser der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF) hinter der Fassade von Völkerverständigung und Kulturarbeit den sowjetischen Geheimdiensten als getarnte Außenstellen und operative Stützpunkte. Universitätsstädte wie Jena wurden auch vom KGB stärker überwacht.Landschaften der Lüge, in: Der Spiegel vom 15. Dezember 1991, eingesehen am 3. September 2026.Karolina Benedyk: Unter Propaganda- und Spionageverdacht: Wie andere Länder gegen Russische Häuser vorgehen, in: Redaktionsnetzwerk Deutschland vom 22. August 2026, eingesehen am 7. September 2026. Während der 1980er Jahre waren 1314 Staatsbürger der DDR innerhalb der DDR für den KGB aktiv.Hans Krech: Vortrag „Die Spionage der Sowjetunion und der Russischen Föderation im Operationsgebiet Deutschland", vom 26. Mai 2025, eingesehen am 15. September 2026.
ResidenturBildDeckmantel mit Adresse Residenten, Zuträger und AnmerkungenNachweiseLageHaupt-Quartier Berlin-Karlshorst100px|hochkant=1.3|Ehemalige KGB-ZentraleBerlin, Zwieseler Str. 401965: 252 Mitarbeiter1971: 404 Mitarbeiter1974: 399 Mitarbeiter1990: 800 MitarbeiterDie größte KGB-Zentrale außerhalb der Sowjetunion in Berlin-Karlshorst, eingesehen am 26. Februar 2023.Valentin Mzareulov: KGB-Zentrale Karlshorst, eingesehen am 24. Juli 2026.KGB-Residentur Cottbus . . KGB-Residentur Dresden100px|Ehemalige KGB-Residentur Angelikastraße 4 in DresdenDresden, Villa Angelikastraße 47–8 Mitarbeiter, darunter Wladimir Putin, Nikolai Tokarew (seit 2007 Transneft-Chef) und Sergei Tschemesow (seit 2013 Rostec-Chef)Putins Zeit als KGB-Offizier in der DDRPutins Schatten an der Elbe, in: Saechsische.de vom 10. November 2011, eingesehen am 26. Februar 2023. KGB-Residentur Erfurt . . KGB-Residentur Frankfurt (Oder) . . KGB-Residentur Gera100 pxHermann-Drechsler-Straße 1, 07548 GeraDer KGB besaß eigene, streng abgeschirmte Arbeitsräume innerhalb des Stasi-Komplexes. Es existierte ein geheimer, unterirdischer KGB-Tunnel als Verbindung mit ausgewählten Abschnitten des Geraer MfS.Robert Mailbeck: James-Bond-Abteilung, versteckter KGB-Tunnel: Die Geheimnisse der Geraer Stasi-Zentrale, in: Ostthüringer Zeitung vom 31. Mai 2026, eingesehen am 3. September 2026.KGB-Residentur Halle . . KGB-Residentur Karl-Marx-Stadt100px|Kaßbergstraße 24–26Chemnitz, Hohe Straße 39, Kaßbergstraße 12, 24–31, Henriettenstraße 1–4. Veronica Scholz: Veronica und der KGB. In: 371 Stadtmagazin vom 1. Februar 2017, eingesehen am 23. April 2026.KGB-Residentur Leipzig100px|Ehemalige KGB-Residentur Richterstraße 8 in LeipzigLeipzig, Richterstraße 8. KGB-Residentur Magdeburg100px|Ehemalige KGB-Residentur Klausenerstraße 18 in MagdeburgMagdeburg, Klausenerstraße 18–23 (vormals Westendstraße)60 Tote vom KGB-Gelände auf dem Kriegsgräberstätten Westfriedhof (Magdeburg) bestattetBernd Kaufholz: Opfer des 17. Juni in Magdeburg verscharrt?. In: Volksstimme vom 16. Oktober 2018, eingesehen am 28. Februar 2024.Kriegsgräberstätten vorgestellt. Teil 3: Magdeburg – Westfriedhof, vom 23. April 2020, eingesehen am 28. Februar 2024.Eberhard Löblich: Puzzle für Pathologen. In: TAZ vom 28. März 1994, eingesehen am 28. Februar 2024.HITLERS HÖLLENFAHRTHitlers letzte ReiseKGB-Residentur Neubrandenburg . . KGB-Residentur Potsdam100px|Ehemaliges Kaiserin-Augusta-Stift, bis 1994 Westeuropazentrale des sowjetischen Geheimdienstes GRUPotsdamMilitärstädtchen Nr. 7Die “Verbotene Stadt” des KGB in PotsdamKGB-Residentur Rostock I Operative Dienststellen des GRU KGB-Residentur Rostock II Rostock-GehlsdorfBaltische Rotbannerflotte KGB-Residentur Schwerin . . KGB-Residentur Suhl . . Oberkommando der GSSD100px|Zugang Lehrklassengebäude der GSSDZossen-Wünsdorf
Residenturen in Städten des Warschauer Paktes außerhalb der DDR ResidenturBildDeckmantel mit Adresse Residenten, Zuträger und AnmerkungenNachweiseLageKGB-Residentur Warschau100pxBotschaft der UdSSR in Warschau, ul. Belwederska 49 Polen: KGB unermüdlich. In: Spiegel vom 12. August 1990.KGB-Residentur Sofia100 pxBotschaft der UdSSR in Sofia, Boulevard Dragan Tsankov 28 ()Resident:1991 Leonid Petrovich ReschetnikowGeheimdienst-Netzwerke und russischer Einfluss in Bulgarien. In: Deutsche Welle vom 3. November 2022.The KGB: To Russia with Love. In: Time vom 14. Februar 1983.Valentin Mzareulov: Резидентура КГБ в СофииKGB-Residentur Budapest100pxBudapest, Andrássy út 6heute: Haus des TerrorsResident:1954–1957 Georgi Avksentyevich Ishenko1957–1962 Alexej Dmitriewitsch Bechastnov1962–1964 Nikolai Michailowitsch Perfilev1964–1967 Nikolai Grigorjewitsch Turko1967–1969 Ivan Tikhonović Savchenko1969–1976 Wassili Timofejewitsch Shumilov1981–1984 Iwan Sergejewitsch Rozanov1984–1990 Nikolai Antonowitsch KosovBank der SpioneValentin Mzareulov: Представительство КГБ в Венгрии, eingesehen am 21. September 2026.KGB-Residentur Bukarest100 pxBotschaft der UdSSR in Bukarest, Șoseaua Pavel D. Kiseleff 6, Sector 1 Von Securitate, Stasi und KGB. In: Deutschlandfunk vom 3. Oktober 2009.KGB-Residentur Prag100px|KGB ResidenturBotschaft der UdSSR in Prag, Ukrajinských hrdinů 6 Spaziergang mit dem Tschechoslowakischen KGB vom 4. Dezember 2013, eingesehen am 26. Juli 2026.Documentation portal on the Czechoslovak State security, eingesehen am 26. Juli 2026.
Residenturen in Teilrepubliken der Sowjetunion (ohne Russland) In der Hauptstadt einer jeden sowjetischen Teilrepublik gab es eine zentrale Residentur. Weiterhin gab es KGB Residenturen in der sowjetischen Teilrepublik Russland. Mit dem Entschluss des Zentralkomitees (CPSU Nr. P47/97) vom 17. Juli 1967 wurde der Apparat umgestaltet und 200 neue Stadt- und Kreisabteilungen geschaffen.Territoriale Körper, eingesehen am 3. September 2026.