mini|Museo Nazionale di San Matteo, Pisa (2016) Das Museo Nazionale di San Matteo ist ein staatliches Kunstmuseum in Pisa, Italien. Es gilt als das bedeutendste Museum für pisanische Malerei und Skulptur und beherbergt eine umfangreiche Sammlung religiöser Kunst aus der Toskana vom 12. bis ins 17. Jahrhundert. Das Museum befindet sich in den Räumlichkeiten des ehemaligen Benediktinerinnenklosters San Matteo in Soarta am Nordufer des Arno. Das Museum ist Teil der Musei Nazionali di Pisa, einer mit besonderer Autonomie ausgestatteten Einrichtung des italienischen Ministeriums für Kultur. Zu diesem Verbund gehören neben dem Museo di San Matteo auch der Palazzo Reale, das Museo delle Navi Antiche sowie die Certosa di Calci.

Geschichte Als Kern der Sammlung gilt eine 1796 vom Domherrn Sebastiano Zucchetti zusammengetragene Gruppe von Gemälden sogenannter Primitivi. Die zunächst der örtlichen Zeichenschule zur Verfügung gestellte Sammlung wuchs im 19. Jahrhundert durch weitere Gemälde und Skulpturen an, die im Zuge der napoleonischen Säkularisation sowie nach der Einigung Italiens in staatlichen Besitz übergingen und in die Accademia di Belle Arti einflossen. Im Jahr 1893 richtete Igino Benvenuto Supino im Kloster San Francesco das neue Museo Civico ein und verfasste einen entsprechenden Katalog. 1949 wurde schließlich das heutige Museo Nazionale gegründet, das die Bestände des früheren Museo Civico übernahm. Es wurde im restaurierten Kloster San Matteo in Pisa untergebracht. Die Neuordnung erfolgte unter der Leitung des Architekten und Kunsthistorikers Piero Sanpaolesi nach ästhetischen Qualitätskriterien der ausgestellten Werke. Später ging man dazu über, die Objekte nach Gattungen zu präsentieren und ursprüngliche Werkzusammenhänge, soweit möglich, wiederherzustellen.

Anlässlich seines 80-jährigen Jubiläums zeigte das Museum ab Oktober 2026 eine Fotoausstellung zur Mostra della Scultura Pisana del Trecento von 1946, in deren Rahmen während des Wiederaufbaus Pisas Kunstwerke präsentiert wurden, die zuvor zum Schutz vor Bombenangriffen aus ihren ursprünglichen Standorten entfernt worden waren.

Architektur mini|Skulpturensaal des Museo Nazionale di San Matteo, Pisa, mit mittelalterlichen Skulpturen und einem romanischen Radfenster aus Santa Maria della Spina (2025) Das Kloster San Matteo in Soarta stammt aus dem 11. Jahrhundert und wurde im 13. Jahrhundert erweitert. Von der ursprünglichen Klosteranlage sind heute, abgesehen von der gleichnamigen Kirche, nur noch einzelne mittelalterliche Mauerteile erhalten. Diese wurden durch spätere Umbauten sowie durch Restaurierungen nach dem Zweiten Weltkrieg verändert. Die spätmittelalterlichen Klausurbauten im Obergeschoss sind aus Backstein errichtet und weisen zweibogige Fenster (Biforien) mit größtenteils originalen Säulchen und Kapitellen auf.

Der Portikus wurde im 16. Jahrhundert weitgehend umgestaltet. Weitere Bereiche aus dieser Zeit sind heute nicht öffentlich zugänglich. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde im Gebäude ein Kanonissenstift eingerichtet. Aus dieser Zeit dürfte auch die klassizistische Eingangsfassade zum Lungarno stammen. Zwischen 1866 und 1940 diente das Gebäude als städtisches Untersuchungsgefängnis, was mit erheblichen baulichen Eingriffen verbunden war. Die Umwandlung in ein Museum und die dazugehörige Restaurierung des Gebäudekomplexes erfolgten in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.

Sammlung mini|hochkant|Andrea Pisano und Nino Pisano: Madonna del Latte, 1346–1348, Marmor, aus Santa Maria della Spina, heute Museo Nazionale di San Matteo Das Museo di San Matteo gilt als die umfangreichste Kunstsammlung der Stadt Pisa. Sie umfasst mehrere Bestandsgruppen: Keramik: Im Erdgeschoss werden mittelalterliche Keramikschalen (Bacini) aus dem islamischen Raum (11. Jahrhundert) und aus Pisa selbst (13. Jahrhundert) gezeigt. Ursprünglich dienten sie als Dekorationselemente an Fassaden pisanischer Kirchen. Hinzu kommt mittelalterliche und neuzeitliche Gebrauchskeramik, die bei Ausgrabungen in Pisa geborgen wurde (Sammlung Tongiorgi). Goldschmiedekunst, Münzen und Siegel: Das Museum besitzt eine kleinere Gruppe wertvoller Goldschmiedearbeiten sowie mittelalterliche Münzen und Siegel aus den Sammlungen Franceschi und Supino. Buchmalerei: Eine Abteilung ist illuminierten Handschriften vom 12. bis zum 14. Jahrhundert gewidmet. Steinskulptur: Die Sammlung umfasst Bildwerke vom Mittelalter bis ins 16. Jahrhundert, darunter romanische Arbeiten sowie Werke von Nicola Pisano und Donatello, darunter dessen Büstenreliquiar des heiligen Ranieri.

Im Obergeschoss werden schließlich mehr als 200 Werke der pisanischen und toskanischen Kunst vom beginnenden 12. Jahrhundert bis in die Neuzeit gezeigt. Zur Malerei zählen bemalte Kreuze des 12. und 13. Jahrhunderts – in diesem Bereich gilt die Sammlung als eine der umfangreichsten – sowie Werke von Berlinghiero Berlinghieri, der Malerfamilie Tedice, dem sogenannten Meister von San Martino und Giunta Pisano. Zu sehen ist unter anderem dessen um 1250 entstandenes Kruzifix aus San Ranierino. Aus dem 14. Jahrhundert stammt das Polyptychon der heiligen Katharina von Alexandrien von Simone Martini. Es wird von einigen Quellen als dessen größtes und komplexestes erhaltenes Werk bezeichnet und wurde ursprünglich für die Kirche Santa Caterina in Pisa geschaffen. Weitere ausgestellte Gemälde stammen von Francesco Traini, Taddeo di Bartolo, Spinello Aretino, Benozzo Gozzoli, Domenico Ghirlandaio, Fra Angelico und Masaccio. Letzterer schuf die 1426 entstandene Tafel des heiligen Paulus, die einzige in Pisa verbliebene Tafel seines für die Kirche del Carmine gemalten Polyptychons. Zu den Skulpturen zählt zudem die um 1345 entstandene Marmorgruppe Madonna del Latte von Andrea Pisano.

Ein Teil der Sammlungsgeschichte ist auch der antike Schiffsfund, der 1998 bei Bauarbeiten am Bahnhof San Rossore entdeckt wurde. Seine Objekte werden heute im separaten Museo delle Navi Antiche in Pisa gezeigt und sind nicht Teil der Bestände des Museo di San Matteo. Einzelne Werke aus den Depots des Museums werden im Museo Nazionale di Palazzo Reale in Pisa ausgestellt. Dieses beherbergt auch Stücke aus Schenkungen sowie aus den Sammlungen der Medici, Lothringer und Savoyer.

Literatur Igino Benvenuto Supino: Catalogo del Museo Civico di Pisa. Tipografia T. Nistri, Pisa 1894. Mariagiulia Burresi, Antonino Caleca (Hrsg.): Cimabue a Pisa. La pittura pisana del Duecento da Giunta a Giotto. Pacini, Pisa 2005.

Weblinks

Offizielle Museumsseite beim Ministero della Cultura (italienisch) Beschreibung auf dem Tourismusportal der Gemeinde Pisa (italienisch) Eintrag im Generalkatalog des italienischen Kulturerbes (Catalogo Generale dei Beni Culturali) (italienisch) Finestre sull'Arte

Einzelnachweise

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