alternativtext=Bergtrotte Osterfingen (2026)|mini|Bergtrotte Osterfingen (2026) Die Bergtrotte Osterfingen, auch Trotte oder Trottenhaus genannt, wurde 1584 von der Stadt Schaffhausen erbaut. Aufgrund ihrer exponierten Lage inmitten der Rebberge prägt der Fachwerkbau das Ortsbild von Osterfingen entscheidend mit. Die Bergtrotte gilt als wichtiges Kulturobjekt und Zeugin der Klett­gauer Rebbaukultur.

Die «Trotte Oster­fin­gen» ist gemäss Kulturgüterschutz-Inventar der Schwei­ze­ri­schen Eidge­nos­sen­schaft von 2021 ein Objekt von nationaler Bedeutung (A-Objekt) und im Inventar der Gemeinde Wilchingen enthalten.

Baugeschichte Anfänge Der Weinbau in Osterfingen ist erstmals im Rheinauer Urbar um 1300 bezeugt. Das Kloster Rheinau war damals Grundherrin in Osterfingen, später ging ein Grossteil des Besitzes an die Gerichtsherren von Fulach über. Zu einem unbekannten Zeitpunkt liessen die von Fulach den Vorgängerbau der späteren Bergtrotte errichten und unterstellten die Osterfinger Lehenbauern dem Trottzwang. Sie mussten ihre gesamte Traubenernte gegen Bezahlung in ihrer Zwingtrotte pressen lassen. Dort kontrollierte der Trottenmeister die Weinqualität, die Sauberkeit der Gefässe und die Abgabe des Zehnten. Gemäss einer Urkunde vom 28. September 1564 konnten sich 22 Osterfinger Bauern vom Trottzwang freikaufen.

Drei Bauphasen von 1584 bis 1783 1577 erwarb die Stadt Schaffhausen von Jakob von Fulach die inzwischen baufällige Zwingtrotte mit etwa drei Jucharten Reben. Der Neubau der Trotte ist durch ein Aktendossier im Schaffhauser Staatsarchiv urkundlich gut belegt. Die Regierung beauftragte den Stadtbaumeister Daniel Forrer und den Holzherrn Ludwig Buggi, die Bauarbeiten zu vergeben und zu überwachen. Andere Quellen erwähnen, dass auch der städtische Holzherr Jacob Huber beteiligt war. Der Zimmermann Kaspar Bruder erhielt den Auftrag für die die Zimmermannsarbeiten und Maurermeister Marx Blank die Grab- und Maurerarbeiten. So entstand 1584 der östliche Teil der Bergtrotte, der von zehn Osterfinger Arbeitern unter der teilweisen Verwendung von Eichenholz, Ziegeln und Kalksteinen aus dem abgebrochenen Gebäude erbaut wurde.

1670 bewilligte der Kleine Rat der Stadt Schaffhausen eine zusätzliche Presse, worauf der Raum 1676 um eine zweite Trotte gegen Westen vergrössert wurde.Barbara Truog: Qualitätsvolles Weiterbauen am Baudenkmal anhand von vier aktuellen Beispielen: Schlotterbeck-Areal, Zentrum Witikon und «Quai Zurich» Stadt Zürich; Bergtrotte Osterfingen, Kanton Schaffhausen, MAS-Thesis 2016, ETH Zürich, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur

1783 erfolgte eine erneute Erweiterung im westlichen Gebäudeteil auf die heute noch bestehende Länge von 37 Metern. Gleichzeitig wurde der Dachstuhl instand gestellt und schadhafte Teile repariert. Verantwortlich für den Bau war der Land­vogt von Neunkirch, Johannes Heinrich Rauschenbach, wie eine Inschrift der Sandsteintafel über dem Mittelportal zeigt.

1801 wurde der Trottzwang aufgehoben und die Stadt Schaffhausen verkaufte die Bergtrotte. Aus dem Staatsbesitz wurde Privatbesitz, an dem viele Osterfinger Bürger Anteile erwarben. Bis ins 19. Jh. war die Bergtrotte wichtig für die Region. Von weit her wurden Trauben geliefert und mit den drei Baumtrotten (auch Baumpressen oder Baumkelter genannt) verarbeitet. Nach 1900 verlor die Baumtrotte – und mit ihr die Bergtrotte Osterfingen – durch die Erfindung der Räderjochpresse (Spindelkelter) an Bedeutung. Die neuen kleineren Pressen konnte man in jedem Keller aufstellen und war nicht mehr an ein grosses Gebäude gebunden.

Renovationen von 1905 bis 2003 1905 fanden Renovationsarbeiten im östlichen Giebelteil statt, was die eingetragene Jahrzahl vermuten lässt. In den Lagerbüchern der Brandassekuranz von 1905 ist für diesen Gebäudeteil der Besitzer Georg Stoll z. Hirschen aufgeführt. Auch das heutige Scheunentor könnte aus dieser Zeit stammen, da auf Fotografien von 1895 ein kleineres Tor abgebildet ist.

Der Kavalleriemajor Erwin Stoll, Osterfinger Rebbesitzer und Weinhändler, begann in den 1940er-Jahren die verstreuten Anteile der Bergtrotte aufzukaufen und wurde ihr alleiniger Besitzer. Sie diente damals nur noch als Schuppen für Maschinen und Geräte und drohte zu zerfallen. Ihre Rettung kam 1962 auf Initiative der beiden Winzer Georg Stoll und Jakob Richli (1905–1990) zustande, indem sie sie in den Besitz der örtlichen Rebbaugenossenschaft überführen konnten. Unter grossem Einsatz der Genossenschafter wurde die Bergtrotte von 1964 bis 1965 nach Plänen des Wilchinger Baumeisters Willi Meier wieder hergestellt.

Der Wert der Trotte Osterfingen wurde mit zahlreichen Renovationen in den 1980er-Jahren gesteigert und konnte seither für Anlässe verwendet werden.

2003 fand eine umfassende Dachsanierung der Bergtrotte statt.

Sanierung der Bergtrotte und Realisierung Neubau 2008 bis 2015 alternativtext=Bergtrotte Osterfingen (2015)|mini|Bergtrotte Osterfingen (2015) Trotz aller baulichen Massnahmen entstanden mit der Zeit Schäden und weil der Hang an die nördliche Fassade drückte, musste das Gebäude stabilisiert werden. Eine Sanierung wurde dringend nötig. Bereits 2008 hatten verschiedene Akteure den Verein «PREWO – Projekt zur Regionalentwicklung Wilchingen Osterfingen und Trasadingen» gegründet. Eines der grössten Vorhaben war die Sanierung und Erweiterung der Bergtrotte Osterfingen um einen Neubau. Mit einem Restaurant und einem grossen Saal sollte sie aufgewertet und ganzjährig nutzbar gemacht werden. alternativtext=Luftbild Bergtrotte Osterfingen (2018)|mini|Luftbild Bergtrotte Osterfingen (2018) Dazu wurde das Gebäude 2011 von der Rebbaugenossenschaft Osterfingen in die Stiftung «Bergtrotte Osterfingen» überführt. Die Bauarbeiten starteten 2014 und konnten ein Jahr später abgeschlossen werden. Die Bergtrotte blieb als separates historisches Gebäude bestehen, der Neubau wurde in den Hang eingelassen und ist somit im Rebberg verborgen. Nur die Oberlichter sind sichtbar. Die vorher in einer Ecke der Trotte platzierte Siblinger Baumtrotte von 1730 – eine Leihgabe des Klosters Allerheiligen von 1986 an die Gemeinde Osterfingen – erhielt einen promi­nen­ten Platz im Aussen­be­reich beim Trot­ten­hof. Die modern gestalteten Räume eigneten sich nun auch für grössere Anlässe und sogar für Fernsehproduktionen des SRF.

Kulturgut und Begegnungsort Die wirtschaftliche Situation der Bergtrotte blieb schwierig. Dank der finanziellen Unterstützung der Jakob- und-Emma-Windler-Stiftung konnte der Betrieb gesichert und die Bergtrotte Osterfingen nach einer Um- und Erweiterungsbauzeit im Mai 2025 wiedereröffnet werden.Im Einklang mit dem Willen des Stifterpaares In: Schaffhauser Nachrichten vom 27. Dezember 2024 (abgerufen auf swissdox.ch mit Login)

Die Bergtrotte Osterfingen ist als Ausflugsziel mit Restaurant und als Event- und Hochzeitslocation seit 2026 Partnerin des Regionalen Naturparks Schaffhausen.

Siehe auch Liste der Kulturgüter in Wilchingen

Literatur Entdecken Sie die Bergtrotte in Osterfingen, Verein Club 1584 – Freunde der Bergtrotte (Hrsg.), 2024. Frei + Saarinen Architekten: Erweiterung Bergtrotte Osterfingen, Heinz Wirz (Hrsg.), Quart Verlag, Luzern 2013, ISBN 978-3-03761-071-8. Kurt Bächtold: Osterfingen die Geschichte eines Weinbaudorfes, Gemeinde Osterfingen, 1994.

Weblinks

Kulturgut Bergtrotte Osterfingen (Website) Trottenhaus In: Kulturgüterschutzinventar mit Objekten von nationaler Bedeutung (Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS) auf map.geo.admin.ch Funktionsweise der Baumtrotte auf kulturgut-bergtrotte.ch Bergtrotte Osterfingen auf swiss-arc.ch

Einzelnachweise

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