mini|Lia Pasqualino Noto, Anfang der 1980er Jahre Lia Pasqualino Noto (* 22. August 1909 in Palermo, Italien; † 25. Februar 1998 ebenda) war eine italienische Malerin, Kunstsammlerin und Galeristin. Als Malerin und Galeristin gilt sie als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Kunstszene Palermos im 20. Jahrhundert. Sie eröffnete die erste private Kunstgalerie in Italien, die von einer Frau gegründet und geleitet wurde.

Leben und Werk Noto war die Tochter von Attilia Tellera und Antonio Noto. Ihr Vater war Arzt für Geburtshilfe und Gynäkologie und 1927 Gründer der gleichnamigen Privatklinik. Ihre Ausbildung erhielt sie in jungen Jahren durch Privatlehrer, darunter der aus Bagheria stammende Maler Onofrio Tomaselli, einem Schüler des neapolitanischen Malers Domenico Morelli.

In den 1920er Jahren schuf sie eine Reihe von Porträts und Selbstporträts in Pastell und Öl in der Tradition des späten 19. Jahrhunderts. Die Porträtmalerei blieb für sie zeitlebens ein wichtiges Genre. Ab 1928 besuchte sie das Atelier des Malers Pippo Rizzo. Rizzo war ein Vertreter des sizilianischen Futurismus und war Regionalsekretär des faschistischen Kunstverbandes (Sindacato fascista di belle arti) für Westsizilien. In dieser Funktion organisierte er zahlreiche Ausstellungen und förderte sizilianische Kunst und Künstler sowohl im übrigen Italien als auch im Ausland. Der Einfluss Rizzos prägte ihr Werk wie etwa in dem Gemälde Guglielmo col gatto nero (1929), das 1929 auf der II. Ausstellung des Regionalverbands der Schönen Künste in Palermo gezeigt wurde. Diese Ausstellung war ihr offizielles Debüt an der Seite ihres Kollegen Renato Guttuso, den sie kurz zuvor im Atelier Rizzos kennengelernt hatte.

1930 heiratete sie den Chrirurgen Guglielmo Pasqualino, den Sohn des Marchese Salvatore Pasqualino di Marineo. Er war ein Kunstliebhaber, der sich zudem selbst hobbymäßig künstlerisch betätigte. Sie nahm daraufhin den Namen Lia Pasqualino Noto an, mit dem sie fortan ihre Werke signierte.https://web.archive.org/web/20130624053243/http://www.clinicanoto.it/storia.html

In den 1930er Jahren war Noto regelmäßig auf den regionalen Ausstellungen des faschistischen Künstlerverbandes sowie auf zahlreichen weiteren nationalen und internationalen Schauen vertreten. 1932 fand im Rahmen der dritten Verbandsausstellung im Rotonda del Teatro Massimo in Palermo ihre erste Einzelausstellung statt. Sie arbeitete für die Palermitaner Tageszeitung L’Ora sowie für andere Zeitschriften und verfasste dabei Beiträge zur zeitgenössischen Malerei. 1935 gehörte sie dem Gremium der städtischen Galerie für moderne Kunst (Galleria Civica d’Arte Moderna) Empedocle Restivo an und befasste sich dort mit gezielten Ankäufen zur Erweiterung und Aktualisierung der Museumssammlung. 1937 eröffnete sie die erste private Galerie Palermos, die Galleria Mediterranea. Die Marchesa Maria De Seta stellte ihr als Standort ihren Palazzo Forcella De Seta zur Verfügung. mini|Palazzo Forcella de Seta, der von 1937 bis 1940 die Galerie Mediterranea beherbergte, damals die einzige Galerie für moderne Kunst in Palermo, die von der Malerin Lia Pasqualino Noto geleitet wurde Stilistisch spiegelten ihre Gemälde die Strömungen der Malerei ihrer Zeit wider und orientierten sich an einer Formensprache im Geiste des Novecento. Ihr neuer Stil fand seine offizielle Anerkennung im Rahmen der Initiative der Künstlergruppe Gruppo dei Quattro Die Gruppe bestand von 1934 bis 1937 und ermöglichte es den beteiligten Künstlern in die Riege jener Gruppierungen aufgenommen zu werden, die sich entschieden gegen den vorherrschenden Akademismus und die Formensprache des Novecento wandten. Zudem näherten sie sich Künstlern an, die offen gegen den Faschismus auftraten, wie Corrado Cagli, Libero De Libero und Carlo Levi. Noto lernte in den 1930er Jahren den Maler Renato Guttuso sowie die Bildhauer Giovanni Barbera und Nino Franchina kennen. Die vier Künstler verband eine enge Freundschaft, vereint durch den Wunsch, Werke zu schaffen, die sich dem vom Regime diktierten Kunststil widersetzten. Als Gruppo dei Quattro trafen sie sich in den 1930er Jahren regelmäßig, um über Kunst zu diskutieren und nach einer Alternative zu den von Duce propagierten klassizistischen, reinen Formen zu suchen. Der Höhepunkt dieser künstlerischen Gemeinschaftsinitiative war die Ausstellung 2 pittori 2 scultori siciliani, die vom 26. Mai bis zum 12. Juni 1934 in Gino Ghirindellis Galerie Il Milione in Mailand stattfand und von einem Vortrag des Kritikers Edoardo Persico begleitet wurde. Sie markierte das offizielle Debüt der Gruppe auf nationaler Ebene und stieß bei der Kritik auf breite Zustimmung. 1933 wurde die Gruppe von der Biennale in Venedig ausgeschlossen.

Ab 1934, das die Abkehr von den Formen des Novecento einleitete, entwickelte Noto eine auf der Farbe basierende Bildsprache. Im Februar 1935 stellte die Gruppo dei Quattro in der Hauptstadt in der Galerie Bragaglia Fuori Commercio aus, während sowohl Guttuso als auch Noto an der zweiten Ausgabe der römischen Quadriennale jenes Jahres teilnahmen. 1935 traten Franchina und Guttuso ihren Militärdienst an, Franchina zog nach Mailand, Guttuso nach Rom. Im selben Jahr starb Barbera an Bauchfellentzündung. Die Gruppe löste sich somit auf und kam erst im Juni 1937 wieder zusammen anlässlich einer Ausstellung in der römischen Galerie Cometa sowie der ersten Ausstellung im Palazzo De Seta mit dem Titel Cinque artisti siciliani.

1941 beschloss Noto, sich gegen die Schwierigkeiten aufzulehnen, mit denen ihre Arbeit im Kunstbetrieb als Künstlerin oft zu kämpfen hatte. Daher bat sie ihren Ehemann, sie bei einigen Ausstellungen zu vertreten, wobei sie mit der Mehrdeutigkeit seiner Signatur Pasqualino Noto spielte. Sie erinnerte sich, dass einige Kritiker, die nur den Namen Pasqualino Noto kannten, sie für einen Mann hielten. Dies nutzte sie aus und verbarg ihre wahre Geschlechtsidentität vor Kritikern, die ihre Werke ihrem Mann zuschrieben. Indem sie ihre wahre Identität verschleierte, gelang es Noto, sich in der frauenfeindlichen und faschistischen Kunstwelt zu behaupten und Erfolg zu haben.

Noto stellte ihre Arbeit auch während des Zweiten Weltkriegs nicht ein, als sie mit ihrer Familie aufs Land in der Umgebung von Palermo evakuiert wurde. Nach ihrer Rückkehr 1945 widmete sie sich der Wandgestaltung der Kapelle in der Familienklinik und schuf Szenen, die die Passion Christi darstellten. 1948 stellte sie auf der Biennale von Venedig sowie bei der Rassegna nazionale di arti figurative aus, die von der Quadriennale di Roma organisiert wurde.

Nach dem Krieg sammelte sie Kunstwerke und betrieb eine eigene Galerie in Palermo. Erst Ende der 1960er-Jahre erlangte sie wieder die Aufmerksamkeit der nationalen Kunstkritik, diesmal ohne ihre Weiblichkeit verbergen zu müssen. Eine bedeutende Retrospektive ihres Werks fand 1970 in der Galerie 32 in Mailand statt, und die Gemälde der Gruppo dei Quattro waren Gegenstand einer weiteren Ausstellung in der Galleria Arte Moderna in Palermo (1999–2000).

In den folgenden Jahren nahm ihre Ausstellungstätigkeit allmählich ab. Erst die 1969 von Nello Ponente kuratierte Ausstellung in der städtischen Galerie Arte al Borgo veranlasste sie zur Rückkehr in den Ausstellungsbetrieb. Dieser festigte sich in den 1980er Jahren durch mehrere Werkschauen, unter anderem in der Civica Galleria d’Arte Moderna (1984), im Palazzo Venezia in Rom (1986) und 1991 bei der Fondazione Mormino in Palermo. Zu ihren zahlreichen Einzelausstellungen zählen insbesondere die 1970 in der Galleria 32 in Mailand und die Gruppenausstellung Il Gruppo dei Quattro in Palermo in den Jahren 1999–2000.

Noto starb 1998 im Alter von 88 Jahren in Palermo.

Ehrungen (Auswahl) mini|Straßenschild von Palermo In Palermo, im Stadtteil Brancaccio-Ciaculli, wurde eine Straße nach ihr benannt.

Veröffentlichungen Luisa Maria Leto: Lia Pasqualino Noto. L'artista che sfidò il suo tempo (Officine). Navarra Editore, 2018, ISBN 978-8898865826.

Weblinks

Lia Pasqualino Noto (englisch) Youtube-Video: Casa Studio Lia Pasqualino Noto (italienisch)

Einzelnachweise

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