Johann Heinrich Ludwig Blumenstengel, teilweise auch als Johann Heinrich Wilhelm Blumenstengel bezeichnet, (geboren am 18. Februar 1799 in Braunschweig; gestorben am 2. August 1850 ebenda) war ein deutscher Architekt und Kreisbaumeister, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit den Architekten Peter Joseph Krahe und Carl Theodor Ottmer in beruflicher Beziehung stand und für den braunschweigischen Staatsbaudienst tätig war.

Leben Blumenstengel war ein Sohn des Töpfer- und Ofenbaumeisters Johann Heinrich Georg Blumenstengel und entstammte einer Braunschweiger Bürger- und Bauhandwerkerfamilie. Sein älterer Bruder Johann Carl Heinrich Blumenstengel war ebenfalls als Architekt und Kammerbaumeister aktiv. Er trat im April 1816 in das Kammerbaudepartment ein, um dort eine zweijährige, vorbereitende Ausbildung zur Verwendung in der öffentlichen Bauverwaltung zu absolvieren. Er belegte ab April 1816 ein einjähriges Studium der Bauwissenschaft am Collegium Carolinum (Matrikelnummer 1701)Matrikel der Studenten (1745–1900/01). In: Peter Düsterdieck (Hrsg.): Die Matrikel des Collegium Carolinum und der Technischen Hochschule Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, 1745–1900 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Band 9). August Lax, Hildesheim 1983, S. 35 (leopard.tu-braunschweig.de PDF – „Blumenstengel, Heinrich, Braunschweig, 17/4; V: Heinr. B., Töpfermeister; F: Bauwissensch.“). und wurde parallel persönlich durch den Kammerrat Peter Joseph Krahe ausgebildet, der ihn für alle Außen- und Büroarbeiten seiner Bauprojekte einsetzte. Im April 1818 wurde er für ein Jahr als Baueleve angestellt und im April 1819 zum Kammerbaukondukteur ernannt.Gerd Biegel, Angela Klein (Hrsg.): Drei Architekten. Kreisbaumeister Heinrich Blumenstengel als Bauleiter Carl Theodor Ottmers – Frühe Empfangsgebäude der Braunschweigischen Staatsbahn, 1842–1846. In: Carl Theodor Ottmer. 1800–1843; Braunschweigischer Hofbaumeister – europäischer Architekt. S. 235–240, hier S. 235–236.

In den Jahren 1820 bis 1826 arbeitete er als technischer Gehilfe für den Kammerbaumeister Georg Heinrich Gotthard (1770–1850), dessen Baudistrikt in Wolfenbüttel lag. Im Jahr 1824 wurde er dort von Krahe mit der Leitung einer Reihe von herrschaftlichen Bauten betraut, zu denen auch der Erweiterungsbau der Gefangenenanstalt gehörte. Hier leitete er die Abtragung des Walls und die Neuanlage der Avenue am Herzogstore inklusive des Baus der beiden Torhäuser. 1825/1826 war Blumenstengel in den Ämtern Hessen, Jerxheim und Winnigstedt eingesetzt und wohnte zeitweise auch in Schöppenstedt. 1816 wurde er von Krahe wieder nach Braunschweig berufen und ihm wurde von April 1828 bis Dezember 1832 die Unterhaltung der Militärbauten übertragen. Er war mit seiner Arbeit für das Herzogliche Kriegskollegium derart ausgelastet, dass er Krahe nicht so, wie von diesem erhofft, bei der Ausführung eigener Bauten zur Hand gehen konnte. Im Januar 1833 wurde er von der Herzoglichen Baudirektion als Distriktbaumeister (Landbaumeister) des Baukreises Blankenburg eingesetzt. Am 6. Januar 1835 wurde er zum Blankenburger Kreisbaumeister ernannt. In dieser Zeit wirkte Blumenstengel bis April 1837 auch am Wiederaufbau der im Jahr 1834 durch einen Brand zerstörten Stadt Hasselfelde mit.

mini|Bahnhofsgebäude in Schöppenstedt

Am 25. April 1837 erfolgte auf Vorschlag des Baudirektors Philipp August von Amsberg seine Einführung in das Kollegium der Baudirektion auf Probe. Dort sollte er das neue Referat für Straßenbauwesen übernehmen. Er wurde in dieser Position jedoch am 2. Juli 1838 durch Carl Ludwig Voigt ersetzt, der ein erfahrener preußischer Wegebauinspektor war. Blumenstengel wurde nun von 1838 bis 1841 die Bauleitung für die neue Infanteriekaserne am Fallersleber Tor nach den Plänen von Carl Theodor Ottmer übertragen. Von Oktober 1841 bis März 1846 war er als Kreisbaumeister an die Herzogliche Eisenbahnkommission überstellt und dort mit der Leitung der Hochbauten für die vorbereitete Braunschweiger Ostbahn (zwischen Oschersleben und Wolfenbüttel) betraut. Dabei wurde ihm von 1842 bis 1844 der Baueleve Carl Ebeling (1816–1890) zugeteilt, der ihn schon zuvor bei der Infanteriekaserne unterstützt hatte. Sie erstellten die Betriebs- und Empfangsgebäude der Bahnhöfe in Jerxheim, Neuwegersleben, Oschersleben und Schöppenstedt.

Am 1. April 1846 wurde er Vorstand des neu eingerichteten Landbaukreises Braunschweig, der aus dem Nordteil des Baudistrikts Wolfenbüttel entstand, als Georg Heinrich Gotthard, der Kammerbaumeister dieses Distrikts, in Pension ging. Er selbst überlebte diesen nicht lange und hinterließ bei seinem Tod im August 1850 seine Ehefrau Auguste (geborene Fink) und drei minderjährige Kinder, aus zwei Ehen. Sein älterer Bruder Carl wurde sein Nachfolger in diesem Amt. Er wohnte 1846 in der Langedammstraße (Grundstück Ass. Nr. 2152), dann 1847–1848 an der Martinikirche (Ass. 760) und zuletzt ab 1849 in der Breiten Straße Nr. 10 auf dem Grundstück Ass. Nr. 779.

Werke (Auswahl) 1836: Entwurf für die Kirche in Börnecke (Ausführung/Fertigstellung 1841 durch Carl Heinrich Frühling; 1807–1893) ab März 1842: Pläne für die Erweiterung des Braunschweiger Bahnhofs ab September 1842: Entwürfe für das Empfangshaus und die Betriebsgebäude des Braunschweiger Bahnhofs 12. August 1843 bis März 1846 Abwicklung und Ausführung der Planungs- und Bauarbeiten aller Gebäude des Braunschweiger Bahnhofs (Restfertigstellungsarbeiten durch Baukonduktor Heinrich Fr. C. Bernhard) Pläne für den Innenausbau der Kirchen in Hondelage und Volkmarode (nicht ausgeführt)

Literatur Falko Rost: Drei Architekten. Kreisbaumeister Heinrich Blumenstengel als Bauleiter Carl Theodor Ottmers – Frühe Empfangsgebäude der Braunschweigischen Staatsbahn, 1842–1846. In: Gerd Biegel, Angela Klein (Hrsg.): Carl Theodor Ottmer. 1800–1843; Braunschweigischer Hofbaumeister – europäischer Architekt. Braunschweigisches Landesmuseum, Braunschweig 2000, ISBN 3-927939-48-X, S. 235–240. Falko Rost: Kreisbaumeister Heinrich Blumenstengel als Bauleiter Carl Theodor Ottmers. In: Heimatbuch für den Landkreis Wolfenbüttel. 46. Jahrgang, Wolfenbüttel 2000, S. 51–59.

Weblinks Bahnhof Schöppenstedt denkmalatlas.niedersachsen.de

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt (Niedersachsen) Kategorie:Baumeister (Braunschweig) Kategorie:Architekt des Klassizismus Kategorie:Person (Herzogtum Braunschweig) Kategorie:Geboren 1799 Kategorie:Gestorben 1850 Kategorie:Mann