Made in Hong Kong ist ein Schweizer Dokumentarfilm von Luc Schaedler aus dem Jahr 1997. Er zeichnet am Vorabend der Übergabe der britischen Kronkolonie Hongkong an die Volksrepublik China ein Porträt der Stadt anhand von sechs Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen dort leben. Der Film entstand als Lizentiatsarbeit in visueller Anthropologie an der Universität Zürich bei Michael Oppitz.Luc Schaedler: Made in Hong Kong. Zusatztext zum Dokumentarfilm. Lizentiatsarbeit in Visueller Anthropologie, Universität Zürich, Mai 1998 (PDF).

Inhalt Der Film ist als Reise angelegt: Nach der Ankunft in der Stadt führen sieben Kapitel – unter anderem zu Stadtplanung, Chinatown, den Chungking Mansions und dem Jahr 1997 – durch Hongkong, bevor der Film die Stadt auf demselben Weg wieder verlässt. Im Zentrum stehen sechs Gesprächspartner, von denen nur einer in Hongkong aufgewachsen ist: der Musiker und Journalist Guo, dessen Eltern vor den Kommunisten aus Südchina geflohen waren, der Architekturprofessor Eric Lye, der englische Kolonialbeamte Peter, die südafrikanische Journalistin Nicole, der pakistanische Schauspieler Afzal und der indische Textilhändler Mohan, der ein Geschäft in den Chungking Mansions führt.Roger Fischer: Made in Hongkong. In: Zoom, Nr. 2/1998, S. 36. Sie erzählen, warum sie nach Hongkong gekommen sind, was sie dort erwartet haben und wie sie der Übergabe entgegensehen.

Einen eigenen Kommentar verwendet der Film nicht. Neben den Gesprächen stehen Alltagsbilder aus Quartieren wie Mongkok, Yau Ma Tei und Sham Shui Po, Aufnahmen der landenden Flugzeuge über Kowloon City beim Flughafen Kai Tak sowie Ausschnitte aus Kinofilmen und Fernsehwerbung.Till Brockmann: Hoffen und Träumen «Made in Hong Kong». Eine Dokumentation des Zürcher Filmemachers Luc Schaedler. In: Neue Zürcher Zeitung, Februar 1998.

Entstehung Schaedler begann im Herbst 1995 mit der Arbeit am Film, zunächst unter dem Thema «Migration nach Hongkong». Nach einer Recherchephase drehte er von April bis Juni 1996 allein mit einer Videokamera in Hongkong; aus über fünfzig Stunden Material entstand bis Juni 1997 der fertige Film. Schaedler gehörte damit zu den Ersten, die an der Universität Zürich einen Film als Lizentiatsarbeit einreichten.Sascha Renner: Zum Studienabschluss ein Film. In: unijournal, Nr. 2/2005, 29. März 2005, S. 4–5 (PDF). Betreut wurde die Arbeit von Michael Oppitz, dem damaligen Direktor des Völkerkundemuseums der Universität Zürich.

Den schriftlichen Teil der Lizentiatsarbeit legte Schaedler 1998 als Arbeitsbericht vor. Er beschreibt Idee, Kapitelstruktur, Recherche, Gesprächsführung und Montage des Films und ist ausdrücklich als Werkzeug für Studierende gedacht, die mit dem Film arbeiten oder selbst ein Filmprojekt in visueller Anthropologie realisieren wollen. Methodisch stützt er sich unter anderem auf Oppitz’ Unterscheidung zwischen intendiertem und verstecktem Bildinhalt: Ein Film zeige nicht nur die Stadt, sondern immer auch die Vorstellungen seines Autors von ihr. Diesen Ansatz, Film und schriftliche Reflexion zu verbinden, führte Schaedler mit Angry Monk (2005) fort, der ersten Dissertation an der Universität Zürich in Form eines Films.

Veröffentlichung Die Premiere fand am 30. Juni 1997, am Vorabend der Übergabe Hongkongs, im Zürcher Kino Xenix statt. Der Film lief dort in der Folge mehrmals vor ausverkauftem Haus. International wurde er 1997 am Vancouver International Film Festival, am Busan International Film Festival, am Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm, an der Duisburger Filmwoche und am Festival dei Popoli in Florenz gezeigt, 1998 zudem am Internationalen Filmfestival Freiburg.

Rezeption Till Brockmann beschrieb den Film in der NZZ als «zuweilen essayistisches Mosaik», das nicht im «Kielwasser der kurzfristigen und oft oberflächlichen Medienbegeisterung» um die Übergabe entstanden sei. Dem Film seien das minimale Budget und die begrenzten technischen Mittel zwar anzumerken, doch die selbst geführte Kamera habe ein flexibles, intuitives Vorgehen mit vielen gelungenen Bildideen ermöglicht. Das Resultat sei «um einiges lebhafter und anregender» als manche aufwendige Fernsehdokumentation; die Zwischentitel hielt er allerdings für überflüssig.

Roger Fischer hob in der Filmzeitschrift Zoom hervor, dass der Film mehr über Hongkong zu sagen habe als die meisten Berichte zur Übergabe und deshalb, anders als manche Fernseh- oder Zeitungsreportage, «kein aufgedrucktes Verfalldatum» trage. Indem der Autor auf einen eigenen Kommentar verzichte und jenen eine Stimme gebe, «die sonst keine haben», werde das Bild der Stadt komplexer; sichtbar werde auch, dass Hongkong trotz rasch gewachsenem Wohlstand von Ausbeutung und Armut geprägt sei. Sandra Walser betonte im Filmjahrbuch Cinema, dass der Film optimistische Aussagen seiner Protagonisten durch die Montage von Bild und Ton hinterfrage und so verdrängte Ängste vor der Übergabe sichtbar mache.Sandra Walser: Made in Hong Kong. In: Cinema, Nr. 44: Das Private. Chronos, Zürich 1999, S. 187–188 (online).

Literatur

Luc Schaedler: Made in Hong Kong. Zusatztext zum Dokumentarfilm. Lizentiatsarbeit in Visueller Anthropologie, Universität Zürich, 1998.

Weblinks

Made In Hong Kong bei Swiss Films Made in Hong Kong bei go between films

Einzelnachweise

Kategorie:Schweizer Film Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Filmtitel 1997