mini|hochkant|Johannes Mehl Johannes Jakob Philipp Mehl (* 1848 in Eningen; † 1910 in Stuttgart) war ein deutscher Bauwerkmeister, Wasserbautechniker und Bauunternehmer in Stuttgart. Er war zudem Vorstandsmitglied der Deutschen Tiefbaugenossenschaft in Berlin und vertrat Württemberg und Hohenzollern. Johannes Mehl führte um 1900 in Württemberg viele große Eisenbahn-, Tunnel-, Brücken-, Wasser- und Straßenbauten als Unternehmer aus, so zum Beispiel den Schwabstraßentunnel und die Erdarbeiten am neuen Schlachthaus, zur damaligen Zeit zwei der größten kommunalen Bauprojekte der Stadt Stuttgart.
Leben Johannes Mehl kam um 1890 nach Stuttgart und hat sich in der schnell wachsenden Stadt einen Namen im Hoch- wie auch im Tiefbau gemacht. Sein Vater Johannes Mehl sen. war Steinhauermeister, sein Großvater Franz Mehl war Maurer in Eningen bei Reutlingen. 1895 hat Mehl vom Magistrat der Stadt Stuttgart den Auftrag erhalten, einen Straßentunnel zu bauen – den bekannten Schwabtunnel. Die Pläne zur Ausführung des Tunnels tragen Mehls Unterschrift, mit welchem er den Auftrag am 31. Januar 1895 formal angenommen hat. Die Inschrift am Südportal des Tunnels zeigt den Namen des „Werkmeister Mehl“. mini|Inschrift am Schwabtunnel Südportal „Werkmeister Mehl“ (untere Zeile) |alternativtext=Inschrift "Werkmeiser Mehl" am Schwabtunnel In den Jahren nach der Fertigstellung des Schwabtunnels widmete sich Johannes Mehl einer Vielzahl neuer Bauprojekte. Um die Jahrhundertewende baute er weitere Gebäude in der Friedhofstraße (Gemarkung Untere Prag) nördlich vom Hauptbahnhof.
Um 1905 begann er Grundstücke am Killesberg zu erwerben. Gemeinsam mit der Internationalen Baugesellschaft zu Frankfurt kaufte er zunächst eine für den königlichen Notar Rudolf Fausel 1904 fertiggestellte Villa, die sogenannte „Villa Fausel“. Die Villa nebst zweier Wohngebäude mit weitläufigem Gelände stammen aus der Konkursmasse Fausel. Nach dem Erwerb entwickelte Johannes Mehl das Gelände weiter und plante diverse Gebäude zwischen der Feuerbacher Straße im Süden und der Birkenwaldstraße im Norden. In Richtung Westen wurde 1910 die Schoderstraße als neue Stichstraße angelegt, Richtung Osten die damalige Murschelstraße.
Johannes Mehls besonderes Interesse galt der um 1900 aufkommenden Translozierung von Gebäuden. In seiner Funktion als Vorstandsmitglied der Tiefbaugenossenschaft hat er Bauherren und Behörden beratend zur Seite gestanden, um bei der Gebäudeversetzung neue Techniken zu entwickeln und für mehr Sicherheit bei der Versetzung zu sorgen. Nach der erfolgreichen Verschiebung der alten Villa Haux im nahen Ebingen (heute Albstadt-Ebingen) im Jahr 1907 auf Eisenbahnschienen wollte er selbst ein solches Projekt umsetzen, jedoch um eine deutlich längere Distanz und für ein deutlich größeres Gebäude. Als Wohnhaus für die Familie seiner Tochter Luise Gross, geb. Mehl, plante er mit den Architekten Bihl & Woltz den sorgfältigen Abbruch und den Wiederaufbau des historischen Hackländerhauses in der Stuttgarter Urbanstraße und rettete es so vor seinem Abriss. Im März 1910 war der Abbruch erfolgreich abgeschlossen und die Baumaterialien wurden sorgfältig katalogisiert und zur neuen Baustelle in die Schoderstaße verbracht. Johannes Mehl erlebte die Fertigstellung des Hauses nicht. Er verstarb im April 1910 tragisch. Sein Baugeschäft wurde von seinen Söhnen Albert und Hans Mehl weitergeführt. In einem Nachruf ist zu lesen:
Bauten und Tiefbauprojekte (Auswahl) 1896: Schwabtunnel, Stuttgart (offiziell: Schwabstraßentunnel) 1901: Erschließung von Wiesen und Landflächen westlich des Stuttgarter Güterbahnhof (Untere Prag), Errichtung diverser Wohn- und Geschäftsgebäude Friedhofstraße 1, 2, 10 und 14 (teilweise im 2. Weltkrieg zerstört, Umgestaltung des Güterbahnhof-Geländes zum modernen Europaviertel) 1902: Städtischer Vieh- und Schlachthof Stuttgart im Stadtteil Gaisburg (Gewann Schlüsselwiesen) 1905: Erwerb und Umbau der "Fausel-Villa" Birkenwaldstraße 97a in Stuttgart (im 2. Weltkrieg zerstört) 1910: Translozierung des Hackländerhauses, Schoderstraße 7 in Stuttgart 1910: Mehrfamilien-Wohngebäude Murschelstraße 1 in Stuttgart (heute Am Kriegsbergturm 59) 1912: Wohngebäude Schoderstraße 3 in Stuttgart (im 2. Weltkrieg zerstört) 1913: Wohngebäude Eduard-Pfeiffer-Straße 107 in Stuttgart
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Einzelnachweise
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