Watermarks – Drei Briefe aus China (Originaltitel: Watermarks – Three Letters from China) ist ein Schweizer Dokumentarfilm von Luc Schaedler aus dem Jahr 2013. In drei Kapiteln porträtiert er Menschen an drei Orten der Volksrepublik China und zeigt, wie sie mit den Folgen des raschen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels umgehen. Wasser dient dabei als verbindendes Motiv.Doris Senn: Watermarks – Three Letters from China. In: Filmbulletin, 2. November 2013, S. 35. Nach Made in Hong Kong (1997) und Angry Monk (2005) ist es Schaedlers dritter Film über den chinesischen Kulturraum.Till Brockmann: Menschen, die Menschen sind. In: Neue Zürcher Zeitung, 14. November 2013, S. 51 (online).
Inhalt Das erste Kapitel spielt im Kreis Minqin in der Provinz Gansu, einer von Trockenheit und Wüstenbildung geprägten Region. Ein älteres Bauernpaar lebt als letzte Bewohner in einem verlassenen Dorf. Ihr Sohn arbeitet als Wanderarbeiter in einem rund 600 Kilometer entfernten Kohleabbaugebiet in der Inneren Mongolei; er würde lieber zu seinen Eltern zurückkehren, während seine Frau das Leben in der Stadt vorzieht.Julia Marx: Im Fluss. In: Züritipp (Tages-Anzeiger), 14. November 2013, S. 5.
Das zweite Kapitel führt in ein Dorf in der Karstlandschaft der südchinesischen Provinz Guangxi. Ein ehemaliger Parteikader erzählt von den Gewalttaten der Roten Garden während der Kulturrevolution, die das Zusammenleben im Dorf bis heute belasten und über die seine Enkelin in der Schule nichts erfährt.Wolf Kantelhardt: Eintauchen in China. In: WOZ Die Wochenzeitung, Nr. 45, 7. November 2013, S. 21 (online).
Das dritte Kapitel spielt in der Millionenstadt Chongqing am Jangtsekiang. Im Mittelpunkt steht die junge Chen Chaomei, die als Findelkind von einer Fischerfamilie auf einem Hausboot aufgezogen wurde; ihre Adoptiveltern wurden dafür wegen Verstosses gegen die Ein-Kind-Politik bestraft. Daneben kommt der Umweltaktivist Wu Dengming zu Wort.
Entstehung Ursprünglich wollte Schaedler einen Film über die Wasserkrise in China drehen. Im Lauf der Gespräche zeigte sich jedoch, dass die Protagonisten andere Themen beschäftigten, sodass das Wasser nur noch als Leitmotiv erhalten blieb.Norbert Creutz: Voyage en Chine profonde. In: Le Temps, 12. März 2014, S. 24 (französisch). Die Interviews führte der in China lebende Sinologe Markus Schiesser, der auch für den Ton verantwortlich war und als Koregisseur genannt wird; Schaedler führte die Kamera. Gedreht wurde ohne offizielle Genehmigung mit einem Touristenvisum. Den Schnitt besorgte Martin Witz. Produziert wurde der Film von go between films und Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).
Veröffentlichung Die Uraufführung fand im August 2013 im Wettbewerb der Semaine de la critique des Locarno Film Festivals statt; der Film war dort für den Preis der Sektion (Critics Week Award) nominiert. In der Deutschschweiz kam der Film am 14. November 2013 in die Kinos (Verleih: Xenix Filmdistribution), in der Romandie am 12. März 2014. Er lief unter anderem an den Solothurner Filmtagen, am Festival international du film sur les droits humains in Genf, am San Francisco International Film Festival, am DOK.fest München und am Planete+ Doc Film Festival in Warschau (alle 2014).
Beim Silk Road Film Festival in Dublin wurde Watermarks 2014 als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet, bei den TRT Documentary Awards in Istanbul erhielt er im selben Jahr einen Preis. Am San Francisco International Film Festival 2014 war er für den Golden Gate Award in der Kategorie Best Documentary Feature nominiert.
Rezeption Till Brockmann bezeichnete den Film in der NZZ als «Panoptikum» der Volksrepublik. Schaedler versuche nicht, China zu «erklären», und vermeide eine Trennung in Gewinner und Verlierer des Wirtschaftsbooms. Das spürbare Vertrauen zwischen Team und Protagonisten gewähre «Einblicke, die sonst nur in indigenen Dokumentarfilmen zu finden sind»; hervorzuheben sei das «wohltuende Fehlen journalistischer Exotismusbegeisterung». Wolf Kantelhardt sprach in der WOZ von «berührenden Porträts» und lobte, dass der Film an keiner Stelle Gefahr laufe, dem Publikum China erklären zu wollen; die Sequenzen mit dem Umweltaktivisten wirkten jedoch als Überbleibsel der ursprünglichen Idee eher störend. Auch Doris Senn (Filmbulletin) fand den Aufbau «mitunter etwas konzeptuell und fragmenthaft», dem Film gelinge es aber, die grossen Umwälzungen in China auf Einzelschicksale herunterzubrechen. Das magazin der Universität Zürich nannte ihn ein «sehenswertes Werk», das zeige, wie der Dokumentarfilm «unerzählten Geschichten jenseits des medialen Schlaglichts Sichtbarkeit» geben könne.Sascha Renner: Kunststück: Chinesische Wasserzeichen. In: UZH Magazin, Nr. 1/2014, S. 9 (PDF).
In der Westschweiz wurde der Film vor dem Hintergrund von Jia Zhangkes kurz zuvor gestartetem Spielfilm A Touch of Sin besprochen, dessen dokumentarisches Gegenstück er sei. Le Courrier zählte ihn zu den eindrücklichsten Filmen über das heutige China und hob die Wahl der Protagonisten und die Offenheit ihrer Aussagen hervor.MLR: Désarroi dans l’Empire du Milieu. In: Le Courrier, 15. März 2014, S. 23 (französisch). Norbert Creutz (Le Temps) fand den Film bemerkenswerter durch die Qualität der Aussagen als durch seine Bildsprache, sah darin aber mehr als eine Fernsehreportage: ein Dokument, dessen Wert man in einigen Jahrzehnten erst ganz ermessen werde. Christian Bernard (Scènes magazine) betonte die Nähe zu den Porträtierten und nannte den Film «lehrreicher als manche Fiktion».Christian Bernard: Watermarks – Trois lettres de Chine. In: Scènes magazine, April 2014, S. 14 (französisch).
Weblinks
Watermarks – Three Letters From China bei Swiss Films Watermarks bei go between films
Einzelnachweise
Kategorie:Schweizer Film Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Filmtitel 2013