mini|St. Matthäus mit Burg Hiltpoltstein mini|Inneres, Blick zum Altarraum St. Matthäus ist die evangelisch-lutherische Pfarrkirche des Marktes Hiltpoltstein im oberfränkischen Landkreis Forchheim. Die Kirche steht am Hinteren Berg 3 auf einem Felsabsatz unterhalb der Burg Hiltpoltstein. Der heutige Bau entstand zwischen 1617 und 1626 an der Stelle einer älteren Kapelle. Wesentliche Erweiterungen wurden in einer zweiten Bauphase von 1699 bis 1706 vorgenommen.
Geschichte
Die Kirche steht unmittelbar unterhalb der Burg Hiltpoltstein auf demselben Felsenriff. Vor der Entstehung einer eigenen Pfarrkirche gehörte Hiltpoltstein kirchlich zunächst zur weiter entfernt gelegenen Pfarrei Rüsselbach. 1414 wurde die bereits seit dem 12. Jahrhundert bestehende Kapelle Sankt Agatha im heutigen Ortsteil Kappel zur Pfarrkirche erhoben. Sie wurde von den Patronatsherren Ehrenfried von Seckendorff und Herdegen Valzner fundiert und mit 400 Rheinischen Gulden dotiert.Georg Diegritz: Aus der Geschichte des Dorfes Kappel. Unveröff. Manuskript des Kirchenrates von Hiltpoltstein. Zu ihrem Pfarrsprengel gehörten neben Hiltpoltstein unter anderem Großenohe, Wölfersdorf, Görbitz, Lilling und Kemmathen.Aus der Geschichte des Marktes und der Kirche Hiltpoltstein. In: Die Fränkische Schweiz. Heft 4, 1991, S. 3–6. Ab diesem Zeitpunkt hatte sie das Parochialrecht über Taufen und Begräbnisse der genannten Orte.
In Hiltpoltstein entstand zwischen etwa 1460 und 1465 als Vorgängerbau die Kapelle „Zum Heiligen Blut“. In ihr las der Pfarrer von Kappel bis zur Reformation dreimal wöchentlich die Messe.
Seit 1503 befanden sich Ort und Burg Hiltpoltstein als böhmischer Pfandbesitz in der Verwaltung der Reichsstadt Nürnberg. Die Burg wurde Sitz des Nürnberger Pflegamtes. Die politische Zugehörigkeit prägte auch die weitere Entwicklung der Kirche, da die Nürnberger Landpfleger später wesentlichen Anteil an ihrem Ausbau und ihrer Ausstattung hatten. Im Zuge der Reformation wurde die Hiltpoltsteiner Kapelle zur Kirche der evangelischen Gemeinde. Martin Glaser, ein früherer Augustinermönch und Schüler Martin Luthers, kam 1527 als lutherischer Geistlicher nach Hiltpoltstein und blieb hier Pfarrer bis 1543.Andreas Würfel: Diptycha ecclesiarum in oppidis et pagis Norimbergensibus. Nürnberg 1759, S. 242. Die bisherige Pfarrkirche in Kappel lag außerhalb des Nürnberger Herrschaftsgebietes in der Fraisch des Rothenbergs. Als der letzte katholische Pfarrer Kappel 1535 verließ, hatte Glaser die Pfarrei über beide Orte inne. Durch die hinzugekommene Bevölkerung erwies sich die Hiltpoltsteiner Kapelle als zu eng.
Von 1617 bis 1626 erfolgte der ortstreue Neubau von St. Matthäus. Die reiche Ausstattung wurde durch die Nürnberger Landpfleger gefördert. 1617 wurde der Chor angefügt; 1626 wurde unter anderem der bis heute erhaltene Taufstein aufgestellt. Das Patrozinium der Kirche gilt dem Apostel Matthäus, dessen liturgischer Gedenktag am 21. September den Termin der Kirchweihe bestimmt. Sie wird, sofern der 21. September nicht auf einen Sonntag fällt, am darauffolgenden Sonntag gefeiert.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Hiltpoltstein besonders zwischen 1631 und 1633 schwer verwüstet. 1633 fiel ein großer Teil des Ortes einer Brandschatzung zum Opfer. Die Kirche wurde anschließend von 1644 bis 1651 wiederhergestellt.
1680 wurde der Turm an der Westseite errichtet; bis 1688 folgten weitere Baumaßnahmen. Von 1699 bis 1706 wurde das Kirchenschiff erhöht und eine zweite Empore eingebaut. In diese Phase fällt auch die Entstehung der reich geschnitzten Kanzel von 1706. 1754 wurde die Kirche nach Süden erweitert; zugleich erhielt der Turm seine heutige Zwiebelhaube.
Bauwerk
St. Matthäus ist eine verputzte Saalkirche mit Satteldach, eingezogenem Chor und einem Turm neben der Westfront. Der Chor besitzt ein spätgotisches Kreuzrippengewölbe mit farbig gefassten Schlusssteinen. Das Langhaus wird von Emporen begleitet, die im Zuge der Erweiterungen im frühen 18. Jahrhunderts entstanden beziehungsweise ergänzt wurden.
Ausstattung
Das bedeutendste Ausstattungsstück ist der spätgotische Hiltpoltsteiner Passionsaltar. Er entstand um 1420/1430 und wird einem nach dem Werk benannten unbekannten Künstler, dem Meister des Hiltpoltsteiner Altars, zugeschrieben.Janez Höfler: Rezension zu Antje-Fee Köllermann: Conrad Laib. Ein spätgotischer Maler aus Schwaben in Salzburg. In: sehepunkte. Band 8, Nr. 12, 2008; unter Bezug auf Alfred Stange: Kritisches Verzeichnis der deutschen Tafelbilder vor Dürer. Band 3: Franken. München 1978, Nr. 50. Der Flügelaltar befand sich ursprünglich im Dominikanerkloster Nürnberg, das 1543 aufgelöst und dessen Besitz dem „Großen Almosen“, einer von der Stadt Nürnberg verwalteten Armenstiftung, übereignet wurde. Anlässlich des Ausbaus der Kirche wurde der Altar von den Nürnberger Landpflegern aus dem Stiftungsvermögen herausgekauft und 1626 in die Matthäuskirche verbracht. Die Innenseiten zeigen Szenen der Passion Christi, darunter Geißelung, Verspottung beziehungsweise Dornenkrönung und Kreuzigung.
Der achteckige Taufstein aus Sandstein stammt aus dem Jahr 1626 und besitzt ein Jakobsmuschelrelief. Am Sockel befindet sich das Wappen der Nürnberger Patrizierfamilie Imhoff, auf deren Stiftung der Taufstein zurückgeht. Sein hölzerner Deckel mit stilisierter Krone und segnendem Engel entstand um 1700. Ebenfalls um 1700 wurde ein evangelischer Beichtstuhl angeschafft. Aus dieser Zeit stammt auch das große Kruzifix an der Ostwand, das der Gerichtsschreiber Hirschdörfer stiftete. Der Korpus des Gekreuzigten ist deutlich älter und wird in das 15. Jahrhundert datiert.
Die reich geschnitzte Kanzel trägt die Jahreszahl 1706 ihrer Vollendung. Sie ist mit Weinlaub, Trauben, Fruchtbündeln und Muschelmotiven geschmückt und wird von einem Strahlenkranz mit Sonne bekrönt. Im selben Stil ist die barocke Einfassung des Flügelaltars gehalten.
Die Turmkugel enthält Schriftstücke seit dem Jahre 1841 bis in die Gegenwart (letzte Sanierung 2016). Die Orgel wurde 1872 durch G. F. Steinmeyer & Co. errichtet.
Die dreiseitig umlaufenden Emporen erhielten 1936 eine Brüstungsbemalung mit christlicher Symbolik.
Denkmalschutz
Die Kirche ist unter der Aktennummer D-4-74-138-18 als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege beschreibt sie als Saalkirche mit eingezogenem Chor und Turm neben der Westfront, erbaut 1617 bis 1626, nach Kriegszerstörungen 1644 bis 1651 wiederhergestellt, mit weiteren Bauphasen 1680, 1699 bis 1706 und 1754.
Der Bereich der Kirche ist außerdem als Bodendenkmal D-4-6333-0216 geschützt. Er umfasst untertägige Bauteile der frühneuzeitlichen Pfarrkirche, Fundamente mittelalterlicher Vorgängerbauten sowie möglicherweise Körpergräber.
Literatur
Aus der Geschichte des Marktes und der Kirche Hiltpoltstein. In: Die Fränkische Schweiz. Heft 4, 1991, S. 3–6. Alfred Stange: Deutsche Malerei der Gotik. Band 9: Franken, Böhmen und Thüringen-Sachsen in der Zeit von 1400 bis 1500. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1958. Wilfried Franzen: Die Karlsruher Passion und das „Erzählen in Bildern“. Studien zur süddeutschen Tafelmalerei des 15. Jahrhunderts. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2002.
Weblinks
Matthäuskirche auf der Website der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Hiltpoltstein St. Matthäus Hiltpoltstein bei Markgrafenkirchen
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Forchheim Kategorie:Baudenkmal in Hiltpoltstein Kategorie:Bodendenkmal in Hiltpoltstein Kategorie:Bauwerk in Hiltpoltstein Kategorie:Matthäuskirche Kategorie:Saalkirche in Bayern Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Erbaut 1626 Hiltpoltstein