Mireille Blanc (* 1985 in Saint-Avold) ist eine französische Malerin. Sie malt in Öl nach Fotografien und vergrößert Alltagsdinge bis an die Grenze der Abstraktion. Ausgestellt wurden ihre Werke unter anderem im Musée d’Orsay und 2026 im Kunsthaus Baselland; Werke von ihr besitzt das Musée d’Art moderne de Paris.

Leben Mireille Blanc studierte an der École nationale supérieure d’art de Nancy und an der École nationale supérieure des beaux-arts in Paris, wo sie 2009 ihr Diplom erhielt. Seit 2023 leitet sie dort gemeinsam mit der Malerin Eva Nielsen ein Atelier.

Werk Vorlagen sind Familienfotos, gefundene Bilder und eigene Aufnahmen. Blanc beschneidet sie eng, vergrößert unscheinbare Details und malt sie mit unverdünnter, pastoser Ölfarbe. Spuren der Vorlage – Bildränder, Klebestreifen, Flecken – malt sie mit.

Ein Beispiel ist das kleinformatige Ölbild Emporte-pièce (l’avion) (2023, 31 × 25 cm).; Abbildung des Werks Es zeigt einen Plätzchenausstecher in Flugzeugform, der auf das gestutzte Schamhaar eines weiblichen Körpers gelegt und von einem Finger festgehalten wird. Die Kuratorin Devrim Bayar, Senior Curator am KANAL – Centre Pompidou in Brüssel, nannte es 2024 anlässlich der Ausstellung Far From the Pictures (The Pill, Istanbul) das in Bezug auf Geschlechtsidentität offenkundigste Bild der Künstlerin: Das Geschlecht erscheine als Form, die bewusst auf ein körperliches Merkmal gelegt wird; offen bleibe, ob der Finger einer dritten Person gehört oder der Künstlerin selbst, die mit dieser Geste gesellschaftliche Geschlechternormen verinnerliche. Jean-Charles Vergne bringt das Bild im Text zur selben Ausstellung mit Entnahme, Zuschnitt und Hybridität in Verbindung.

Rezeption Die bz Basel schrieb 2026, Blanc fotografiere ihren Alltag, „um diese Fotos Jahre später mit schwerer Ölfarbe neu zu interpretieren“; ihre Gemälde bildeten „keine Gegenstände ab, sondern Abbildungen von Gegenständen“. Das Kunstbulletin hob die „verfremdete Darstellung alltäglicher Szenen bis zur Grenze der Abstraktion“ hervor. Ein Porträt der Reihe Atelier A auf Arte beschrieb ihre Bilder 2019 als aus Alltagsszenen und Fotoarchiven hervorgehende Konstellationen von Erinnerung.

Ausstellungen (Auswahl) 2018: La sommation des images, FRAC Auvergne, Clermont-Ferrand (Einzelausstellung) 2024: Far From the Pictures, The Pill, Istanbul (Einzelausstellung) 2024: Le jour des peintres, Musée d’Orsay, Paris 2025: Se faire plaisir, La Kunsthalle, Mulhouse; konzipiert von Mireille Blanc, Marianne Marić und Sandrine Wymann; Ausstellungsansicht 2026: Bonnes Mères, Mucem, Marseille; Mireille Blanc und Nazanin Pouyandeh bei der Eröffnung, 17. März 2026 (Foto: Philippe Munda / Say Who) 2026: Sounding the Interior, mit Tamara Al-Samerraei, Kunsthaus Baselland, Münchenstein (Kuratorin: Ines Goldbach) 2026: Trop mignon ! L’art du bonheur, Louvre-Lens

Öffentliche Sammlungen (Auswahl) Musée d’Art moderne de Paris: Léonard au masque Centre national des arts plastiques: Palette FRAC Auvergne: Composition, Album 1 (Memnon), Album 2 (Memphis), Daguerréotype (1) Fonds d’art contemporain – Paris Collections: Château

Auszeichnung 2021: Prix Alfred Verdaguer des Institut de France auf Vorschlag der Académie des Beaux-Arts

Literatur Jean-Charles Vergne: Mireille Blanc. La sommation des images. FRAC Auvergne, Clermont-Ferrand 2018, ISBN 978-2-907672-24-5 (Ausstellungskatalog, französisch).

Weblinks Offizielle Website von Mireille Blanc

Einzelnachweise

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