Maurits (Mauk) Mulder (* 29. September 1922 in Gorinchem; † 15. September 2016 in Leiden) war ein niederländischer Sozialpsychologe und emeritierter Professor an der Erasmus-Universität Rotterdam.Kees van den Bos; Naomi Ellemers: Mauk Mulder (1922–2016) Obituary auf EASP, abgerufen am 24. September 2026.Mauk Mulder (93) overleden auf Rotterdam School of Management, abgerufen am 24. September 2026.
Leben Er wurde als Sohn von Neeltje van den Adel und dem Gymnasiallehrer Pieter Mulder in der Provinz Südholland geboren. Er studierte Psychologie an der Universiteit van Amsterdam und promovierte dort 1958 bei Jaap Koekebakker mit einer Dissertation zum Thema „Groepsstructuur, motivatie en prestatie“ (dt. „Gruppenstruktur, Motivation und Leistung“), die sich mit der Steigerung der Produktivität befasste. Danach war er für das Niederländische Institut für Präventivmedizin in Leiden tätig.
1956 wurde er Dozent für Sozialpsychologie an der Universität Utrecht. Ab 1960 hatte er dort eine außerordentliche Professur für Sozialpsychologie inne. Er war Gründer und erster Leiter des Lehrstuhls für Sozial- und Organisationspsychologie an dieser Universität, der 1961 als „Institut für Sozialpsychologie“ eingerichtet worden war. Während der zehn Jahre, in denen er den Fachbereich an der Universität Utrecht leitete, leistete er wegweisende Arbeit, sodass er als „Gründungsvater“ der Arbeitsgruppe für Sozial- und Organisationspsychologie gilt. 1971 übernahm er die Leitung des Instituts für Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität Delft sowie eine Professur an der Erasmus-Universität Rotterdam. 1971 bis 1987 war er als Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Erasmus-Universität Rotterdam tätig. Von 1976 bis 1987 fungierte er zudem als Rektor der „Stichting Bedrijfskunde“ (dt. „Stiftung für Betriebswirtschaftslehre“). Seit 1987 war er als Interim-Manager (insbesondere im Gesundheitswesen) sowie als Berater, Forscher und Trainer mit den Schwerpunkten Strategie und Führung tätig; darüber hinaus trat er als Gastdozent an Universitäten und Hochschulen sowie als Referent und Moderator bei Konferenzen, Seminaren, Schulungen und anderen Veranstaltungen auf.
Werk Er trug maßgeblich zur Entwicklung der Sozial- und Organisationspsychologie in den Niederlanden und in Europa bei. Auf internationaler Ebene leistete er als Mitbegründer der European Association of Experimental Social Psychology und als erster Chefredakteur des European Journal of Social Psychology einen bedeutenden Beitrag zu diesem Fachgebiet.
Bekannt ist er vor allem für seine Theorie zur Machtdistanz, die von Machtstrukturen und darauf bezogene Gruppendynamiken handelt (Thesen etwa „Macht korrumpiert“ oder „Macht fühlt sich gut an“). Im Gegensatz zu statischen soziologischen Modellen betrachtete er Macht als ein psychologisches und dynamisches Beziehungsgeflecht. Seine zentrale Theorie zur Reduzierung der Machtdistanz besagt, dass Individuen mit geringerer Macht bestrebt sind, den psychologischen Abstand zu den Mächtigeren zu verringern (z. B. durch den Erwerb von Kompetenzen oder Aufstiegsmotivation). Gleichzeitig versuchen Personen in Machtpositionen, diese Distanz zu vergrößern oder aufrechtzuerhalten. Die zentralen Aussagen dazu sind: Die Ausübung von Macht schafft Zufriedenheit und erfüllt ein eigenständiges menschliches Bedürfnis. Machtinhaber sind daher bestrebt, die Machtdistanz gegenüber Personen mit weniger Macht aufrechtzuerhalten oder zu vergrößern. Je mehr sich der Untergebene nähert, desto stärker versucht die mächtigere Person wiederum, den Abstand auszuweiten. Er nennt dies die Tendenz zur Erhöhung des Abstands, wenn die eigene Position bedroht scheint. Menschen mit geringerer Macht streben hingegen danach, die Machtdistanz zwischen sich selbst und Personen mit mehr Macht zu verringern. Sie versuchen aktiv, den Abstand nach oben zu verkürzen. Je kleiner die Machtdistanz zwischen zwei Personen bereits ist, desto stärker wird die Tendenz der weniger mächtigen Person, diesen Abstand komplett aufzuheben. Befindet sich ein Mitarbeiter also bereits auf einer mittleren Führungsebene kurz vor dem Chef, investiert er psychologisch viel mehr Energie in die vollständige Reduktion des Abstands als jemand ganz unten in der Hierarchie.
Ehrungen/Positionen Benennung eines Studiengangs an der Universität Utrecht als „Mauk Mulder College“ 2008: Ernennung auf Antrag der Sozial- und Organisationspsychologie der Universität Utrecht durch den Kommissar des Königs, Harry Borghouts, zum Offizier des Ordens von Oranien-NassauMartine Hartog: Königliche Ehre für Prof. Dr. Mulder auf Provincie Noord-Holland vom 18. Januar 2008, abgerufen am 24. September 2026. 1973: Henriëtte-Roland-Holst-Preis der Gesellschaft für niederländische Literatur für seinen soziologischen Essay „Het spel om macht“ (dt. „Das Spiel um die Macht“)Henriëtte-Roland-Holst Prijs auf Algemeen Dagblad vom 24. November 1973, abgerufen am 24. September 2026.
Privates Er war verheiratet und verstarb im Alter von 93 Jahren im Kreise seiner Familie.
Publikationen (Auswahl) Monografien The daily power game (International Series on the Quality of Working Life). Springer, New York, NY 2012, ISBN 978-1-4684-6953-0. De logica van de macht (dt. Die Logik der Macht). Scriptum, Schiedam 2004, ISBN 90-5594-320-7, abgerufen am 25. September 2026. Conflicthantering. Theorie en praktijk in organisaties (dt. Konfliktmanagement. Theorie und Praxis in Organisationen.). Stenferd Kroese BV, Leiden 1979, ISBN 90-207-0835-X. Omgaan met macht (dt. Umgang mit Macht). Elsevier, Amsterdam 1977, ISBN 90-10-01780-X. Het spel om de macht. Over verkleining en vergroting van machtongelijkheid (dt. Das Machtspiel. Über die Verringerung und Zunahme von Machtungleichheit ). Boom, Meppel 1973, ISBN 90-6009-079-9. Macht Verkracht (dt. Machtmissbrauch). Wedding Verlag, ISBN 978-90-5179-015-3. Group Structure Motivation and Group Performance. De Gruyter, Leiden 1963. (2020, ISBN 978-3-11-230405-1)
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge de raad van commissarissen vanuit een bedrijfskundige invalshoek tot vermaak van slagter (dt. der Aufsichtsrat aus betriebswirtschaftlicher Sicht – sehr zu Slagters Amüsement). In: J. H. Christiaanse (Hrsg.): Tot vermaak van Slagter (dt. Zu Slagters Vergnügen Festschrift für Prof. W. J. Slagter anlässlich seines 65. Geburtstags). Kluwer, Deventer 1988, ISBN 90-268-1833-5. Mit P. Veen; T. Hijzen; P. Jansen: On power equalization: A behavioral example of power-distance reduction. In: Journal of Personality and Social Psychology. Band 26, Nr. 2, 1973, S. 151–158. Mit Peter Veen; Claes Rodenburg; Jos Frenken; Harry Tielens: The power distance reduction hypothesis on a level of reality. In: Journal of Experimental Social Psychology. Band 9, Nr. 2, 1973, S. 87–96. Mit Henk Wilke: Participation and power equalization. In: Organizational Behavior and Human Performance. Band 5, Nr. 5, 1970, S. 430–448. Mit Rob Van Dijk; Sibe Soutendijk; Tilly Stelwagen; Jan Verhagen: Non-instrumental liking tendencies toward powerful groupmembers. In: Acta Psychologica. Band 22, 1964, S. 367–386. Power and satisfaction in task-oriented groups. In: Acta Psychologica. Band 16, 1959, S. 178–225.
Weblinks Martijn Aslander: In memoriam … Mauk Mulder vom 3. Oktober 2016, abgerufen am 25. September 2026.
Einzelnachweise
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