Der Herrensitz Enzendorf war ein befestigter, heute abgegangener Herrensitz in Enzendorf, einem Gemeindeteil von Hartenstein im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land. Der Sitz gehörte zu einer bedeutenden Hammer- und Hüttenanlage an der Pegnitz und ist spätestens seit 1490 nachweisbar.
Geschichte Eine Hammeranlage in Enzendorf bestand bereits im frühen 15. Jahrhundert. Der Eisenhammer war als Erbzinslehen an den Nürnberger Bürger Konrad Eschenloher gelangt. Im Ersten Markgrafenkrieg wurde die Anlage zerstört, jedoch bereits 1450 wieder aufgebaut.
1466 erhielten Jobst Tetzel und Endres Harsdorfer die Erlaubnis, den bisherigen Schien- und Blechhammer in einen Kupferhammer umzuwandeln. In Verbindung mit dem Hammer entstand eine Schmelzhütte, in der insbesondere böhmisches Kupfer verarbeitet wurde. Seit den 1470er Jahren lag der Betrieb überwiegend in den Händen der Harsdorfer.
Spätestens 1490 ist neben Hammer und Schmelzhütte auch eine befestigte „Behausung“ nachweisbar. Endres Harsdorfer vermachte in diesem Jahr seinem Neffen Hans Harsdorfer seinen halben Anteil an der Behausung Enzendorf sowie an Schmelzhütte und Hammerstatt. Die zweite Hälfte gehörte Peter Harsdorfer. Hans Harsdorfer erwarb 1502 auch diesen Anteil und wurde damit Alleinbesitzer von Sitz und Hüttenwerk.
Im Landshuter Erbfolgekrieg wurde Enzendorf im Februar 1505 von pfälzischen Truppen angegriffen. Etwa 300 Reiter und 200 Fußknechte brannten das Dorf bis auf ein Haus nieder und beschossen anschließend den befestigten Sitz. Unter Führung des Hüttenleiters Jacob Junghans gelang es den Verteidigern, den Angriff abzuwehren.
Nach dem Tod Hans Harsdorfers 1511 fiel Enzendorf zunächst an dessen drei Töchter. Noch im selben Jahr erwarben Hans Ebner und seine Ehefrau Ursula, eine Tochter Harsdorfers, die Anteile der Miterben. Zum Besitz gehörten damals neben dem „Sitz und Herrenhaus Enzendorf“ die Hütte, das Hammerwerk, Kohlenstadel, Wohnhäuser und Stallungen für die Hütten- und Fuhrknechte sowie weitere Wirtschaftsgebäude.
Unter den Ebnern wurde in Enzendorf in größerem Umfang Kupfer aus dem böhmischen Kuttenberg verarbeitet. Im Zweiten Markgrafenkrieg brannten markgräfliche Truppen am 27. Mai 1552 den Herrensitz sowie Saigerhütte und Hammerwerk nieder. Der Gesamtschaden einschließlich geraubter Kupfer- und Bleivorräte wurde auf mehr als 8000 Gulden geschätzt.
Nach dem Tod Hans Ebners 1553 wechselte der Besitz mehrfach. 1556 befand sich Enzendorf im Besitz Berthold Holzschuhers, 1561 bei Sebastian Imhoff. Dessen Erben verkauften das Gut 1573 für 2000 Gulden an Hans Dorn, den bisherigen technischen Leiter der Hütte. Bereits 1575 veräußerte dieser Enzendorf für 1765 Gulden an Michael Paußmann von der Hammerhüll. Anstelle des Kupferhammers richtete Paußmann zunächst eine Sägemühle und später zusätzlich eine Mahlmühle ein. Damit endete der mehr als hundertjährige Betrieb des Enzendorfer Kupferhammers.
Herrensitz und Hammeranlage sollen noch um 1800 bestanden haben. Wann das Herrenhaus endgültig abgebrochen wurde, ist nicht bekannt.
Anlage Der genaue Standort des Herrensitzes ist heute nicht sicher bestimmt. Ortsbeschreibungen des 18. Jahrhunderts verorten die Anlage auf der Hersbrucker Seite der Pegnitz. Eine Darstellung auf einer Karte des 16. Jahrhunderts deutet darauf hin, dass sie sich ungefähr im Bereich der heutigen Mühle befand.
Die historische Darstellung zeigt einen zwei- oder dreigeschossigen rechteckigen Herrensitz innerhalb der niedrigeren Wirtschaftsgebäude des Hammerwerks. Das Hauptgebäude besaß ein steiles Satteldach mit Dach- und Eckerkern. Ein darüber hinausragendes Pyramidendach gehörte vermutlich zu einem an der Rückseite angebauten Treppenturm. Ende des 15. Jahrhunderts war die Behausung von einer Mauer umgeben.
Bedeutung des Hammerwerks Der Kupferhammer stand in engem Zusammenhang mit dem Nürnberger Metallhandel. Seit 1466 wurde dort Kupfer geschmolzen und weiterverarbeitet. Ein wesentlicher Teil des Rohmaterials kam aus den böhmischen Bergwerken von Kuttenberg. Durch das Saigerverfahren konnte aus silberhaltigem Kupfer zugleich Silber gewonnen werden. Das in Enzendorf erzeugte Kupfer wurde unter anderem für das Nürnberger Metallgewerbe verarbeitet.
Literatur
Karl Freiherr von Harsdorf: Der Kupferhammer zu Enzendorf bei Rupprechtstegen. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. Band 48, 1958, S. 26–50. Franz Michael Ress: Der Eisenhandel der Oberpfalz in alter Zeit. München 1951. Robert Giersch, Andreas Schlunk, Berthold Freiherr von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Ein historisches Handbuch. (= Schriftenreihe der Altnürnberger Landschaft. Band 50). Lauf an der Pegnitz 2006, ISBN 978-3-00-020677-1. Theodor Gustav Werner: Zur Geschichte Tetzelscher Hammerwerke bei Nürnberg und des Kupferhüttenwerks Hans Tetzels auf Kuba. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. Band 55, 1967/68, S. 223 ff.
Weblinks
Enzendorf auf Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft
Einzelnachweise
Kategorie:Bauwerk in Hartenstein (Mittelfranken) Kategorie:Abgegangenes Bauwerk im Landkreis Nürnberger Land Kategorie:Ersterwähnung 1490