A Long Way Home ist ein Schweizer Dokumentarfilm von Luc Schaedler aus dem Jahr 2018. Er porträtiert fünf Vertreter der chinesischen Gegenkultur – das Künstlerbrüderpaar Gao Zhen und Gao Qiang (Gao Brothers), die Choreografin Wen Hui, den Animationskünstler Pi San und den Schriftsteller Ye Fu – und fragt, wie sie in ihrer Arbeit mit den Gewalterfahrungen der Kulturrevolution und der Niederschlagung der Demokratiebewegung von 1989 umgehen.Geri Krebs: Das Schweigen brechen. In: WOZ Die Wochenzeitung, 25. Januar 2018, S. 21 (online). Der Film war 2018 für den Schweizer Filmpreis als bester Dokumentarfilm nominiert.

Inhalt Der Film begleitet die fünf Protagonisten, die alle die Kulturrevolution (1966–1976) als Kinder oder Jugendliche erlebt haben und vom Tian’anmen-Massaker 1989 geprägt wurden, in ihrem Alltag und bei ihrer künstlerischen Arbeit. Ergänzt wird dies durch Archivaufnahmen, etwa von den Protesten auf dem Tian’anmen-Platz.Michael Lang: Alexandra Zysset: Luc Schaedler: A Long Way Home. In: ensuite – Zeitschrift zu Kultur & Kunst, 2018, S. 54.

Die Brüder Gao Zhen (* 1956) und Gao Qiang (* 1962) verarbeiten in Malerei, Skulptur, Performance und Fotografie auch das Schicksal ihres Vaters, der während der Kulturrevolution verschwand und ums Leben kam. Der Film zeigt unter anderem ihre künstlerische Reaktion auf die Explosionskatastrophe von Tianjin 2015 und endet mit der Suche nach den Hintergründen des Todes ihres Vaters. Die Tänzerin und Choreografin Wen Hui war als Kind von den Aufmärschen zu Ehren Mao Zedongs begeistert und trat später in Modellopern auf. In ihren Stücken setzt sie sich mit der Frage auseinander, wie Erinnerungen an Gewalt im Körper weiterwirken. Der Animationskünstler Pi San erreicht mit seiner Figur Kuang Kuang im Internet ein Millionenpublikum und kritisiert in kurzen Trickfilmen Erziehung und Anpassungsdruck, was ihn immer wieder in Konflikt mit der Zensur bringt. Der Schriftsteller Ye Fu (* 1962) war 1989 Polizist auf Hainan; nach dem Massaker quittierte er den Dienst und wurde später für mehrere Jahre inhaftiert.

Entstehung Schaedler, der sich seit Ende der 1980er Jahre mit China beschäftigt, knüpfte mit dem Film an seine früheren Arbeiten Made in Hong Kong (1997), Angry Monk (2005) und Watermarks (2013) an. Er führte bei A Long Way Home Regie und Kamera selbst. Produziert wurde der Film von go between films, Recycled TV und Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).

Veröffentlichung Die Premiere fand im Januar 2018 an den Solothurner Filmtagen statt, wo der Film für den Prix de Soleure nominiert war. In der Deutschschweiz kam er am 1. März 2018 in die Kinos (Verleih: Xenix Filmdistribution), in der Romandie am 17. Oktober 2018.Virginie Hours: Weitere Festivalstationen waren unter anderem das Festival des films du monde in Montréal und das Dharamshala International Film Festival (2018), das Internationale Film Festival Innsbruck und das FIPA in Biarritz (2019). In Deutschland wurde der Film am 22. Juni 2019 erstmals auf 3sat ausgestrahlt. Beim Schweizer Filmpreis 2018 war er in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm» nominiert.

Rezeption Geri Krebs nannte den Film in der WOZ «auch formal äusserst gelungen»; man wisse nicht, worüber man mehr staunen solle: «über den Mut der Beteiligten oder über die Fähigkeiten des Regisseurs, unglaubliche Zeugnisse von Zivilcourage und Risikobereitschaft vor die Kamera zu bekommen». Michael Lang (Journal21) lobte, dass Schaedler nie als «Überexperte» auftrete, und bezeichnete den Film als «universell verständliches Plädoyer voller Demut und Gelassenheit». Christoph Schneider sprach im Tages-Anzeiger von einem «unaufgeregt empathischen Film».Christoph Schneider: Auch Filmbulletin hob die zurückhaltende Erzählweise hervor, mit der der Film die Folgen eines totalitären Systems für den Einzelnen zeige.Tereza Fischer: Das film-dienst bewertete ihn als «sehenswert». In der Romandie beschrieb Bythelake den Film als «Eintauchen in ein China von innen, das Fragen aufwirft».

Kritischer äusserte sich Alexandra Zysset in ensuite: Das Thema sei «unglaublich spannend», der kurze Film streife aber vieles, ohne in die Tiefe zu gehen; historische Zusammenhänge und die Biografien der Künstler würden zu wenig erklärt.

In der ethnologischen Fachliteratur empfahl Tanisha Jowsey den Film im Asia Pacific Journal of Anthropology als ergiebiges Material für die Lehre in der Anthropologie. Eine seiner Stärken sei, dass er auch Zuschauern ohne Vorkenntnisse ein Verständnis für chinesische Kultur und Politik vermittle; er sei «keine leichte Kost», sondern «eindringlich und provokativ».

Weblinks

A Long Way Home bei Swiss Films A Long Way Home bei go between films

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2018 Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Schweizer Film