Die Bunkerschleuse von Saint-Nazaire (französisch Écluse fortifiée de Saint-Nazaire) ist ein während des Zweiten Weltkriegs von der deutschen Kriegsmarine errichtetes, massiv befestigtes Schleusenbauwerk im französischen Hafen von Saint-Nazaire. Sie war in der zweiten Kriegshälfte ein strategischer Bestandteil des dortigen U-Boot-Stützpunkts und sollte von U-Booten auf dem Weg zwischen der Loire, dem Vorhafen und dem U-Boot-Bunker vor Luftangriffen schützen.Atlantikwall in Frankreich: Die befestigte Schleuse von St. Nazaire – Dokumentation auf Festungswelt.de, abgerufen am 25. September 2026.
Vorgeschichte und strategische Bedeutung Nach der Besetzung Frankreichs im Juni 1940 im Zuge des Westfeldzuges baute die deutsche Kriegsmarine die Mündung der Loire zu einem der wichtigsten Atlantikstützpunkte aus.U-Boot-Bunker St. Nazaire – Geschichte und Architektur auf tabletopdeutschland.com, abgerufen am 25. September 2026. Da die Gezeitenunterschiede an der französischen Atlantikküste enorm sind und der Wasserstand im Hafen stark schwankt, mussten Schiffe und U-Boote zwingend Schleusen passieren, um von der Gezeitenzone der Loire in die inneren Hafenbecken und Trockendocks zu gelangen.U-Boot-Bunker St. Nazaire – Geschichte und Architektur auf tabletopdeutschland.com, abgerufen am 25. September 2026.
Da die bestehenden zivilen Schleusenanlagen keinen Schutz vor britische Luftangriffen boten, wurde die Organisation Todt im Rahmen des Ausbaus des Atlantikwalls zur Errichtung mit dem Bau einer speziell gesicherten Bunkerschleuse beauftragt. Die Operation Chariot hatte im Jahr 1942 gezeigt, dass die Alliierten sehr gezielt gegen die Schleusenanlagen vorgingen.
Bau und Konstruktion Die Bauarbeiten an der befestigten Schleuse begannen gegen Ende des Jahres 1943 und wurden Anfang 1944 weitgehend abgeschlossen.
Die technischen Eckdaten des Bauwerks unterstreichen den massiven militärischen Charakter: Länge: 155 Meter Breite: 25 Meter Höhe: Ca. 14 Meter
Um das Bauwerk gegen Bombenabwürfe aus der Luft zu sichern, erhielt es eine ähnlich starke Stahlbetondecke wie der Hauptbunker. Zusätzlich wurde die Schleuse für den Nahverteidigungsfall gerüstet. Auf ihrem Dach installierte die Kriegsmarine umfangreiche Flak-Stellungen sowie Panzerkuppeln und Schartenstände (unter anderem einen Sechsscharten-Panzerturm des Typs 40P8), um Angriffe von Infanterie oder Kommandoeinheiten abzuwehren.Detaillierte Baubeschreibung der Flak- und Nahverteidigungsanlagen auf Festungswelt.de, abgerufen am 25. September 2026. Eine markante Panzerkuppel sicherte zudem die Seeseite und kreuzte ihre Feuerlinien mit benachbarten Befestigungen des Mündungsgebiets.
Durch die Bunkerschleuse führte eine Bahnstrecke. Noch heute die ehemaligen Gleise die durch den Bunkerschleuse geführt haben zu erkennen. mini|Brücke Bunkerschleuse Saint-Nazaire
Das Ende des Krieges und die „Festung Saint-Nazaire“ Im August 1944 mussten Teile der U-Boot-Flottillen vor den anrückenden Alliierten abgezogen werden, jedoch wurde Saint-Nazaire von den verbliebenen deutschen Truppen unter Generalmajor Hans Junck zur Festung erklärt. Die Bunker- und Schleusenanlagen hielten der Belagerungen stand und kapitulierten erst am 11. Mai 1945 – drei Tage nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht – als einer der allerletzten Orte in Europa.Historischer Hintergrund zur Poche de Saint-Nazaire und dem Kriegsende am 11. Mai 1945 – Offizielle Webpräsenz des Museums Le Grand Blockhaus, abgerufen am 25. September 2026.
Heutige Nutzung Nach dem Krieg und jahrzehntelangem Verfall wurde das gesamte Hafen- und Bunkergelände im Rahmen des Stadtentwicklungsprojekts „Ville-Port“ umgestaltet.Touristische Informationen zum U-Boot-Bunker und Schleusenbereich – Tourismuszentrale Saint-Nazaire, abgerufen am 25. September 2026.
Die Bunkerschleuse dient heute als Geschichtsort, Aussichtspunkt und Museum: In der historischen Schleusenkammer ist seit August 1986 das ausgemusterte französische U-Boot Espadon (S637) als Museumsschiff dauerhaft vertäut.Erwähnung des U-Boot-Museums Espadon in der Schleuse auf tabletopdeutschland.com, abgerufen am 25. September 2026. Das Dach der Schleuse wurde in das Wegenetz der touristischen Attraktionen integriert und dient heute als Aussichtsterrasse, die einen Panoramablick über die Loiremündung, die Werften von Saint-Nazaire und die umliegenden Hafenbecken ermöglicht.Dachterrassen und Aussichtspunkte in Saint-Nazaire – Tourismuszentrale Saint-Nazaire, abgerufen am 25. September 2026.
Literatur Lars Hellwinkel: Hitlers Tor zum Atlantik – Die deutschen Marinestützpunkte in Frankreich 1940–1945. Ch. Links Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86153-672-7. Clay Blair: Hitler’s U-boat War: The Hunters, 1939–1942. Random House, 1996, ISBN 0-394-58839-8.
Weblinks
Offizielle Informationen zum U-Boot-Bunker und Schleusenbereich bei Saint-Nazaire Tourisme Fotodokumentation und Beschreibung der Bunkerschleuse auf Festungswelt.de
Einzelnachweise
St Nazaire Kategorie:Schleuse in Frankreich Kategorie:Saint-Nazaire Kategorie:Erbaut 1944