mini|Seiichi Matsumiya
Matsumiya Seiichi (; * 5. Februar 1909 in der Präfektur Shiga; † 25. September 1987) war ein japanischer Zahnmediziner, Wissenschaftler und Oralpathologe. Er war von 1976 bis 1983 Präsident des Tokyo Dental College und wurde anschließend dessen Ehrenpräsident und emeritierter Professor.Hasegawa: 松宮誠一先生のご逝去を悼んで [Zum Gedenken an Seiichi Matsumiya]. In: 日本歯科医史学会会誌, Bd. 14, Nr. 3, 1988, S. 196. Digitalisat, abgerufen am 25. September 2026.
Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörten experimentell-pathologische Untersuchungen der Zahnpulpa und der Wurzelkanalbehandlung sowie die frühe Anwendung der Elektronenmikroskopie zur Untersuchung von Zahnhartsubstanzen. Darüber hinaus wirkte er in der zahnmedizinischen Ausbildung und im internationalen wissenschaftlichen Austausch.
Leben Matsumiya schloss 1930 sein Studium an der Tokyo Dental Medical College ab. 1940 absolvierte er einen weiterführenden medizinischen Studiengang an der medizinischen Fakultät der Kaiserlichen Universität Nagoya und erhielt im selben Jahr den medizinischen Doktorgrad.Shosaburo Takuma (Hrsg.): Bibliography for 1906 through 1983 Department of Oral Pathology Tokyo Dental College: In Commemoration of the Work of Dr. Seiichi Matsumiya. Academy H-E, Tokyo 1983, S. 14–15 („Curriculum Vitae of Dr. Seiichi Matsumiya“). Eintrag der National Diet Library.
1945 bestand er im Rahmen einer durch den Kaiserlichen Erlass Nr. 216 eingeführten Sonderregelung eine Prüfung, die entsprechend qualifizierten Zahnärzten den Erwerb einer ärztlichen Zulassung ermöglichte. 1947 wurde er in das japanische Ärzteregister eingetragen.
An seiner Alma Mater war Matsumiya nacheinander als Dozent, außerordentlicher Professor und Professor tätig. Am Tokyo Dental College amtierte er von 1971 bis 1976 als Vizepräsident und von Juli 1976 bis März 1983 als Präsident. Im April 1983 erhielt er die Titel des Ehrenpräsidenten und emeritierten Professors.
Er war außerdem Mitglied des Science Council of Japan und gehörte einem staatlichen medizinischen Beratungsgremium in Japan an.Shosaburo Takuma (Hrsg.): Bibliography for 1906 through 1983 Department of Oral Pathology Tokyo Dental College: In Commemoration of the Work of Dr. Seiichi Matsumiya. Academy H-E, Tokyo 1983, S. 16–18 („松宮誠一先生の業績“ [Leistungen von Seiichi Matsumiya]). Eintrag der National Diet Library.
1981 wurde Matsumiya mit dem Orden des Heiligen Schatzes 2. Klasse ausgezeichnet.Kanpō (Japanisches Amtsblatt), Sonderausgabe Nr. 97, 6. November 1981. Er starb am 25. September 1987. Postum wurde ihm der japanische Hofrang Jushii (従四位; Oberer Vierter Rang) verliehen.Kanpō (Japanisches Amtsblatt), Nr. 18202, 21. Oktober 1987.
Forschung und Lehre
Fortführung der Arbeiten von Kanae Hanazawa Matsumiya war Schüler des Oralpathologen Kanae Hanazawa. Er führte die von Hanazawa begonnenen experimentellen Untersuchungen zur Behandlung der Zahnpulpa und der Wurzelkanäle fort und erweiterte sie.Shosaburo Takuma: „Foreword“. In: Shosaburo Takuma (Hrsg.): Bibliography for 1906 through 1983 Department of Oral Pathology Tokyo Dental College: In Commemoration of the Work of Dr. Seiichi Matsumiya. Academy H-E, Tokyo 1983, S. 5–6. Eintrag der National Diet Library.
Nach Hanazawas Tod im Jahr 1950 übernahm Matsumiya die Leitung der pathologischen Abteilung des Tokyo Dental College. Die von Hanazawa übernommenen experimentell-pathologischen Untersuchungen entwickelte er zu klinisch-pathologischen Studien weiter, die auf eine Verbesserung der Behandlung infizierter Zähne zielten.
Matsumiya wirkte auch an der Überarbeitung von Hanazawas Veröffentlichungen mit. Gemeinsam mit Takahiro Matsui und Shosaburo Takuma bearbeitete er 1957 die dritte Auflage von Hanazawas Werk 歯牙組織図説 (Shiga soshiki zusetsu, ein Bildatlas zur Histologie des Zahnes).歯牙組織図説, National Diet Library Search, abgerufen am 25. September 2026.
Elektronenmikroskopie der Zahnhartsubstanzen 1949 begannen Matsumiya, Shosaburo Takuma und weitere Mitarbeiter am zentralen Forschungslabor von Hitachi mit elektronenmikroskopischen Untersuchungen im Bereich der Zahnmedizin. 1951 wurde am Tokyo Dental College das erste Elektronenmikroskop der Hochschule installiert.David B. Scott: „Some Reflections on the Contributions of Professor Seiichi Matsumiya to Dental Science and Education“. In: Shosaburo Takuma (Hrsg.): Bibliography for 1906 through 1983 Department of Oral Pathology Tokyo Dental College: In Commemoration of the Work of Dr. Seiichi Matsumiya. Academy H-E, Tokyo 1983, S. 10–11. Eintrag der National Diet Library.
Matsumiya, Takuma und ihre Mitarbeiter untersuchten mithilfe der Elektronenmikroskopie die Feinstruktur von Zahnhartsubstanzen. Zu den untersuchten Gegenständen gehörten Zahnoberflächen, Zahnschmelz, Veränderungen bei Karies sowie die Wirkung natürlich vorkommender und applizierter Fluoride.
1954 veröffentlichten Matsumiya und Takuma gemeinsam 歯牙電子顕微鏡図説 (Shiga denshi kenbikyō zusetsu), einen Bildatlas zur Elektronenmikroskopie der Zähne.歯牙電子顕微鏡図説, National Diet Library Search, abgerufen am 25. September 2026.
Zahnmedizinische Ausbildung und wissenschaftliche Betreuung Matsumiya setzte Diagramme und Mikrofotografien in der Lehre der Oralpathologie ein. Nach Darstellung des US-amerikanischen Zahnmediziners David B. Scott sah Matsumiya einen Grund für die Schwierigkeiten von Studierenden und Klinikern im Umgang mit der Oralpathologie im Mangel an geeigneten visuellen Lehrmaterialien. Mit illustrierten Atlanten versuchte er daher, Gewebestrukturen und pathologische Veränderungen anschaulicher zu vermitteln.David B. Scott: „Some Reflections on the Contributions of Professor Seiichi Matsumiya to Dental Science and Education“. In: Shosaburo Takuma (Hrsg.): Bibliography for 1906 through 1983 Department of Oral Pathology Tokyo Dental College: In Commemoration of the Work of Dr. Seiichi Matsumiya. Academy H-E, Tokyo 1983, S. 11–12.
1965 übernahm Matsumiya den Vorsitz eines Ausschusses zur Überarbeitung der Lehrstandards der zahnmedizinischen Ausbildung. An der etwa fünf Jahre dauernden Arbeit waren rund 130 Professoren verschiedener japanischer zahnmedizinischer Hochschulen beteiligt. Für 15 Fachgebiete, darunter die orale Anatomie, wurden Lehrpläne ausgearbeitet.
Im japanischen Vorwort der 1983 veröffentlichten Bibliografie der Abteilung für Oralpathologie des Tokyo Dental College werden Matsumiya 66 wissenschaftliche Arbeiten und Bücher sowie 257 unter seiner Betreuung entstandene Arbeiten zugeschrieben, darunter 121 Dissertationen.
Zu seinen Schülern gehörten Shosaburo Takuma, Atsumi Suzuki, Shusaku Yoshiki, Shigeo Eda, Noriyuki Nagai und Takaaki Yanagisawa, die später Professuren für Oralpathologie an japanischen Universitäten innehatten.Shosaburo Takuma (Hrsg.): Bibliography for 1906 through 1983 Department of Oral Pathology Tokyo Dental College: In Commemoration of the Work of Dr. Seiichi Matsumiya. Academy H-E, Tokyo 1983.
Internationale Tätigkeit und Rezeption
Internationale Organisationen und wissenschaftlicher Austausch Matsumiya war von 1959 bis 1960 und erneut von 1968 bis 1970 Präsident der japanischen Sektion der International Association for Dental Research (IADR). Von 1969 bis 1974 gehörte er einem Auswahlkomitee der IADR für wissenschaftliche Auszeichnungen an; von 1973 bis 1974 leitete er dieses Komitee.Shosaburo Takuma (Hrsg.): Bibliography for 1906 through 1983 Department of Oral Pathology Tokyo Dental College: In Commemoration of the Work of Dr. Seiichi Matsumiya. Academy H-E, Tokyo 1983, S. 14–15.
Er war außerdem in wissenschaftlichen Ausschüssen der FDI World Dental Federation tätig und wirkte von 1968 bis 1975 als zahnmedizinischer Experte für die Weltgesundheitsorganisation.
1954 wurde Matsumiya Ehrenmitglied der nationalen zahnärztlichen Vereinigungen Thailands und Indiens. 1964 erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt Little Rock im US-Bundesstaat Arkansas. Die Darstellung seiner Laufbahn aus dem Jahr 1983 führt diese Auszeichnung auf seinen Beitrag zum wissenschaftlichen Austausch in der Zahnmedizin zwischen Japan und den Vereinigten Staaten zurück.
Matsumiya unterhielt langjährige wissenschaftliche Kontakte zu David B. Scott, einem früheren Direktor des US-amerikanischen National Institute of Dental Research. Die Verbindung begann Ende der 1940er Jahre durch das gemeinsame Interesse an der Elektronenmikroskopie. Die Weiterentwicklung der Arbeiten von Matsumiya und Takuma führte später zu einem zweijährigen Forschungsaufenthalt Takumas in Scotts Labor in Bethesda. Matsumiya war außerdem Chefredakteur der englischsprachigen Fachzeitschrift Bulletin of Tokyo Dental College.David B. Scott: „Some Reflections on the Contributions of Professor Seiichi Matsumiya to Dental Science and Education“. In: Shosaburo Takuma (Hrsg.): Bibliography for 1906 through 1983 Department of Oral Pathology Tokyo Dental College: In Commemoration of the Work of Dr. Seiichi Matsumiya. Academy H-E, Tokyo 1983, S. 9–11.
Einschätzung durch David B. Scott In seinem Beitrag zu der 1983 Matsumiyas Wirken gewidmeten Publikation schrieb Scott, Matsumiyas Einfluss sei weltweit spürbar gewesen und sein wissenschaftlicher Ruf seit Langem international. Scotts Darstellung zufolge war Matsumiyas frühe Hinwendung zur Elektronenmikroskopie und seine persönliche Beteiligung an den Forschungen auf diesem neuen Gebiet ihrer Zeit weit voraus.David B. Scott: „Some Reflections on the Contributions of Professor Seiichi Matsumiya to Dental Science and Education“. In: Shosaburo Takuma (Hrsg.): Bibliography for 1906 through 1983 Department of Oral Pathology Tokyo Dental College: In Commemoration of the Work of Dr. Seiichi Matsumiya. Academy H-E, Tokyo 1983, S. 9–12.
Scott hob außerdem den anhaltenden Wert der von Matsumiya und seinen Mitarbeitern herausgegebenen Bildatlanten, Matsumiyas Bemühungen um externe Forschungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Hochschulmitarbeiter sowie die Bedeutung des Bulletin of Tokyo Dental College für die internationale Verbreitung der Forschungsergebnisse der Hochschule hervor.
Schriften (Auswahl) mit Shosaburo Takuma: 歯牙電子顕微鏡図説 (Shiga denshi kenbikyō zusetsu). Tokyo Dental College Press, 1954. Kanae Hanazawa: 歯牙組織図説 (Shiga soshiki zusetsu). 3. Auflage, bearbeitet von Seiichi Matsumiya, Takahiro Matsui und Shosaburo Takuma. Tokyo Dental College Press, 1957. als wissenschaftlicher Herausgeber: 図説口腔病理学 (Zusetsu kōkū byōrigaku). 3. Auflage, hrsg. von Shosaburo Takuma, Ishiyaku Publishers, 1978. mit Shosaburo Takuma und Takaaki Yanagisawa (Hrsg.): Formation, Structure, and Diseases of Teeth: In Commemoration of the Eightieth Anniversary of the Department of Oral Pathology, Tokyo Dental College. Academy H-E, 1986.
Einzelnachweise
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