mini|hochkant|Wolfgang Quinger (2021) Wolfgang Quinger (* 24. März 1936 in Dresden; † 14. Juli 2026 ebendort) war ein deutscher Schiffbauingenieur. Als Technischer Leiter der Schiffswerft Dresden-Laubegast trug er mehrere Jahrzehnte die Verantwortung für die Pflege, Reparatur und Modernisierung der Raddampferflotte der Sächsischen Dampfschifffahrt.

Berufliche Entwicklung Noch während seiner Schulzeit zog es Wolfgang Quinger nicht nur mit selbst gebauten Schiffsmodellen ans Wasser der Elbe, sondern auch zum Zaum der Schiffswerft in Laubegast. Mit einer Zaunperspektive zeichnete er Schiffe und Werft. Mit Schiffsmodell und Zeichnungen bewarb er sich beim Werftleiter.Porträt Wolfgang Quinger, in: Die Fähre, Jahrgang 4, 1998, Heft 9, S. 8 So begann er schließlich 1950 mit 14 Jahren eine Lehrausbildung als Schiffszimmerer in der Schiffswerft Laubegast, die er 1952 abschloss.

In Wismar studierte er von 1954 bis 1957 an der Fachschule für Schiffstechnik. Anschließend kehrte er nach Dresden zurück und nahm als Schiffbauingenieur eine Tätigkeit an der Laubegaster Werft auf.Biographische Angaben in: Frank Müller, Wolfgang Quinger: Mit Dampf und Schaufelrad auf der Oberelbe. Verlag transpress VEB Verlag für Transportwesen, Berlin 1988, ISBN 3-344-00286-4. Die Werft fungierte vor allem als Hauswerft der Sächsischen Damfschifffahrt, gehörte aber zum VEB Schiffsreparaturwerften bzw. später zur Deutschen Binnenwerften GmbH. Nach einigen Jahren übernahm er die Verantwortung für die Vorbereitung sämtlicher Schiffsreparaturen.

mini|Wolfgang Quinger bei einer Werftführung

Über sein von Sorgfalt und Leidenschaft geprägtes Engagement für die Raddampfer des VEB Fahrgastschiffahrt Dresden hinaus bemühte er sich auch um die Entwicklung der Motorbootschifffahrt. So war er 1973 beteiligt an der ersten Umstellung von Dampf auf Diesel eines Fahrgastschiffes des VEB Deutsche Binnenreederei.Wolfgang Quinger: Laubegast baut 1973 erstes Fahrgastschiff von Dampf auf Diesel um. In: Betriebszeitung Binnenschiffahrt. Nr. 13, Juli 1972.

Als Gründungsmitglied unterstützte er ab 1984 die „Fachgruppe Elbeschifffahrt“, die sich in besonderer Weise dem Wiederaufbau des Dampfers Diesbar widmete.Wolfgang Quinger: Die Schiffswerften der Sächsischen Dampfschifffahrt. In: Stadtmuseum Dresden (Hrsg.): Dresdner Geschichtsbuch. 2010, ISBN 978-3-936300-63-5, S. 90–111. mini|Zeichnung zur Schiffswerft Blasewitz von Wolfgang Quinger In den 90er Jahren wirkte er als „Projektleiter“ maßgeblich mit an der Erneuerung der Raddampfer der Weißen Flotte Dresden. Im Spätherbst 1992 wurde die Werft von der von Klaus Hildebrandt vertretenen Conti-Reederei kurzfristig um ein Angebot gebeten. Der Auftrag wurde am 23. November 1992 durch die Sächsische Dampfschifffahrts GmbH & Co., Conti Elbschifffahrts KG erteilt. Unter seiner Verantwortung wurden so vom Vertragsabschluss im November 1992 bis zum April 1994 acht Dampfer mit einem Auftragsvolumen von über 25 Mio. Mark restauriert und modernisiert.

Insgesamt war Quinger 45 Jahre - inklusive seiner Ausbildung von 1950 bis 1996 - an der Laubegaster Werft beschäftigt, davon bald als „Gruppenleiter Technologie“, viele Jahre als „Technischer Leiter“ und für einige Zeit als stellvertretender Werftleiter. Nach Abschluss des Flotten-Modernisierungsprojektes und am Ende seines beruflichen Lebens erfolgten ab 1996 neue Umbrüche der Werft, die infolge auch der Insolvenz der Deutschen Binnenwerften GmbH im Jahre 2000 vor dem Aus stand. Ein Neustart erfolgte nach Verkauf als „Schiffswerft Laubegast AG“.

Parallel zu seiner beruflichen Tätigkeit widmete sich Quinger zusammen mit dem Produktionsleiter Frank Müller seit den 80er Jahren der Dokumentation der Raddampferflotte sowie der Werften in Blasewitz und Laubegast. Zahlreiche Bücher sind so seit 1988 erschienen, wie ebenso ein großes Fotoarchiv entstand.

Nach seiner Pensionierung im Jahre 1996 war er weiter beratend für die Werft tätig, führte Führungen auf der Laubegaster Werft durch und setzte seine rege Publikationstätigkeit zur Dampfschifffahrt fort. Schiffsmodellbau mini|Wolfgang Quinger auf dem Werftfest 2021 Zu seinen besonderen Hobbys in der Freizeit gehörte zeitlebens der Schiffsmodellbau. Dabei standen nicht die historischen Dampfschiffe im Vordergrund, sondern alte Segelschiffe. Er war Mitglied im "Schiffsmodellbauklub der DDR".Horst Richter: Gold - Fracht der L'Avenir - Originalgetreu bis ins Detail: Schiffsmodelle von Wolfgang Quinger, in: Neues Deutschland, 12. Juli 1986, S. 16 Bei den 21. DDR-Meisterschaften im Schiffsmodellbau erwarb er 1976 den DDR-Meistertitel für sein Modell der Fregatte „Wappen von Hamburg“. Das Original stammt aus den Jahren 1667/68. Bereits zwei Jahre zuvor, 1974, gewann „Sportsfreund Quinger“ auf der „Naviga 74“ in Wien den Europameistertitel.Wolfgang Quinger ist DDR-Meister. In: Betriebszeitung Binnenschiffahrt. Nr. 18, 1976.

Für die Nachbildung eines modernen Windjammers, des 1907 in Auftrag gegebenen belgischen Schulschiffes "L'Avenir", eine Vier-Mast-Bark, erhielt er in Jablonec (CSSR) 1981 eine Goldmedaille in der C1-Klasse. Zudem erhielt er den Sonderpreis dieses Weltwettbewerbs für das Modell mit der höchsten Punktzahl aufgrund der erreichten Punktzahl von 97,33 von 180 registrierten Modellen.Ein Modell der Spitzenklasse - L'Avenir, In: Modellbau heute. 1983, Heft 7, S. 25–27 und Umschlag. In Rastatt erhielt er 1985 für sein Modell eine weitere Goldmedaille.

Seine Modellbauarbeiten wurden auf nationalen Wettbewerben, aber auch bei Europa- und Weltmeisterschaften mit 26 Goldmedaillen honoriert.

Familie Quinger war verheiratet und hatte mit seiner Ehefrau zwei gemeinsame Kinder. Mit seinem Tode hinterlässt er seine Tochter Martina, seinen Sohn Norbert sowie seine Lebensgefährtin Barbara.Traueranzeige für Wolfgang Quinger

Quinger starb am 14. Juli 2026 im Alter von 90 Jahren und wurde am 11. August 2026 auf der Blumenwiese des Friedhofs Dresden-Tolkewitz beigesetzt.

Werke mit Frank Müller: Mit Dampf und Schaufelrad auf der Oberelbe. Verlag transpress VEB Verlag für Transportwesen, Berlin 1988, ISBN 3-344-00286-4. Rettung und Restaurierung des Seitenraddampfers „Diesbar“ in Dresden. In: Verkehrsdenkmale – Verkehrsgeschichte. 1988, S. 75–80. Die Werft Laubegast - Erinnerungen zur Geschichte und Entwicklung., In: Die Fähre. Jahrgang 2, 1996, Teil I Heft 8, S. 1–2; Teil II Heft 9, S. 5–6, Teil III Heft 10, S. 5, Teil IV Heft 11, S. 5–7. Der König auf der Werft. In: Die Fähre., 3, Heft 9, 1997, S. 4–5. Die Werften: Dresden-Blasewitz 1855–1898, Dresden-Laubegast, 1898–1999. Verlag Die Fähre, Dresden, 1999, Deutsche Digitale Bibliothek. 650 Jahre Blasewitz - Die Werft., In: Die Fähre., Jahrgang 5, 1999, T11il I Heft 2, S. 1–3; Teil II Heft 3, S. 1–3, Teil III Heft 4, S. 1–5, Teil IV Heft 5, S. 1–2. mit Frank Müller: Die Dresdner Raddampferflotte. DSV-Verlag, Hamburg 1995, ISBN 3-88412-230-4. mit Wolfgang Zimmermann: Die älteste und größte Raddampfer-Flotte der Welt. Verlag Die Fähre, Dresden 2002, ISBN 3-00-009518-7. Schmidt/Quinger: Schiffe der Werften Dresden-Blasewitz und Dresden-Laubegast im 1. und 2. Weltkrieg. In: Die Fähre. 11, Heft 3, 2005, S. 9–11. Die Werft Laubegast 2000–2005. In: Die Fähre., 12, Heft 1, 2006, S. 11. mit Frank Müller: Die Dresdner Raddampferflotte. Verlag Delius Klasing, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-7688-1904-6. Schwere Arbeit - Guter Zusammenhalt Aus der Geschichte der Werft Laubegast, in: Die Fähre, 15(2009)2, S. 18. Die Schiffswerften der Sächsischen Dampfschifffahrt. In: Stadtmuseum Dresden (Hrsg.): Dresdner Geschichtsbuch. 2010, ISBN 978-3-936300-63-5, S. 90–111. Schiffswerften in und um Dresden. In: Dresdner Hefte. 29, Nr. 105, 2011, S. 62–70. Wappen von Hamburg I. Ein Konvoischiff des 17.Jahrhunderts. Hinstorff Verlag, Rostock 1980, ISBN 978-3-7688-0329-8. Goldmedaillenmodell „Wappen von Hamburg“. In: Modellbau heute. 1976, Teil 1, Heft 8, S. 8–10; Teil 2, Heft 9, S. 12–13. mit Rainer Däbritz: Die Brigg. Hinstorff Verlag, Rostock 1982, ISBN 3-7688-0360-0. Ein Modell der Spitzenklasse - L'Avenir, In: Modellbau heute. 1983, Heft 7, S. 25–27 und Umschlag. mit Rainer Däbritz: Von der Fregatte zum Vollschiff: Hedewig Eleonora und Alt Mecklenburg. Hinstorff Verlag, Rostock 1987, ISBN 3-356-00083-7.

Weblinks Horst Richter: Gold - Fracht der L'Anevir - Originalgetreu bis ins Detail: Schiffsmodelle von Wolfgang Quinger, in: Neues Deutschland, 12. Juli 1986, S. 16 Nachruf der Fachgruppe Elbeschiffahrt zu Wolfgang Quinger

Einzelnachweise

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