mini|rechts|Festung Franzensfeste, August 2026
Das Südtiroler Landesmuseum Festung Franzensfeste in der ehemaligen Festung Franzensfeste bildet als Teil der Südtiroler Landesmuseen das museale Zentrum für die Neuere und Neueste Geschichte Südtirols. Der behandelte Zeitraum erstreckt sich dabei vom beginnenden 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
Geschichte
Sicherung und erste Führungen (2003–2007) Nach dem Abzug des italienischen Militärs im Jahr 2003 wurde die Franzensfeste zunächst von Freiwilligen aus der Gemeinde Franzensfeste instand gehalten. Ab dem Jahr 2005 führte der kulturelle Verein Oppidum erste historische Führungen durch.
Vorgeschichte als Ausstellungsort (2007–2017) 2007 erhielten die Provinzen Bozen – Südtirol und Trient den Zuschlag für die Ausrichtung der Europäischen Biennale für zeitgenössische Kunst Manifesta 7. Als Austragungsorte wurden die Franzensfeste, das ehemalige Aluminumwerk (Alumix) in Bozen, die ehemalige Tabakmanufaktur in Rovereto und das Ex-Postgebäude in Trient gewählt. Da der italienische Staat als Eigentümer nicht für die notwendigen Renovierungen der Franzensfeste aufkommen wollte, unterzeichnete das Land Südtirol ein zunächst auf zehn Jahre angelegtes Verwaltungsabkommen und führte die Sicherungs- und Sanierungsarbeiten selbst durch.
Vom 9. Mai bis 30. Oktober 2009 fand in der Festung unter dem Titel „Labyrinth :: Freiheit“ die Südtiroler Landesausstellung 2009 statt. 200 Exponate von 50 Künstlern aus unterschiedlichen europäischen Ländern beschäftigen sich dabei mit dem Thema „Freiheit“.
Im Sommer 2010 wurde ein Wettbewerb für eine Dauerausstellung zur Geschichte der Festung und ihres Umfeldes ausgeschrieben. Die daraus resultierende Ausstellung „Kathedrale in der Wüste“ wurde im Mai 2012 eröfnet.
2013 übergab der italienische Staat die Festung bereits vor Ablauf des Verwaltungsabkommens in das Eigentum des Landes Südtirol. Zu diesem Zeitpunkt existierten noch keine konkreten Pläne für die weitere Nutzung und es war nur der untere Teil der Festung erschlossen. Die Führung der Anlage wurde daher zunächst der Kommunikationsplattform zum Bauprojekt des Brennerbasistunnels, der BBT-Beobachtungsstelle, anvertraut. Diese zog 2014 in Räumlichkeiten auf dem Festungsgelände ein und baute den unteren Teil zum 2016 fertiggestellten „BBT Infopoint“ aus.
Errichtung des Landesmuseums (ab 2017) Am 6. Dezember 2016 stimmte die Landesregierung dem Vorschlag zu, die Franzensfeste zum 1. Januar 2017 als zehntes Museum in die Südtiroler Landesmuseen einzugliedern. Mit der Ausrichtung der Manifesta 7 und der Landesausstellung „Labyrinth::Freiheit“ habe man einen erfolgreichen Ort für kulturelle Veranstaltungen etabliert und wolle nun „einen Qualitätssprung vollziehen, um das Potential der Festung ganz auszuschöpfen“.„Die Franzensfeste soll nun sogar dem Frieden dienen, es ist unser Beitrag für Europa. Südtirol ist immer schon ein Grenzland und ein Durchzugsland gewesen. Nun soll diese Festung ein wichtiger Ort der Begegnung werden und mehr das Verbindende als das Trennende darstellen. Denn jegliche Grenze oder Barriere kann eben auch überwunden werden.“ - Landeshauptmann Arno KompatscherEine bereits im Herbst 2016 eingesetzte Arbeitsgruppe aus Bediensteten der fünf Südtiroler Kulturabteilungen, des Bautenressorts und weiterer Experten hatte festgelegt, welche Themen das Museum vermitteln soll:
Grenze/Grenzräume, Begegnungsraum, Südtiroler Geschichte der Migrationen, Transit Autonomie, Umgang und Bewältigung von Vielfalt, Diversität Die Festung selbst als Bauwerk, inklusive der neuen Architektureingriffe
Weitere Ideen zur Umsetzung sollten aus einem europaweiten Wettbewerb zurück in die Arbeitsgruppe fließen.
2019 stellte der Historiker Hannes Obermair schließlich das von der Arbeitsgruppe erstellte Basiskonzept für einen neuen „historisch-politischen Parcours“ vor, der ein „unschuldiges Sprechen über Regionalität“ überwinden, die „männlich aufgeladene Codierung“ des Festungsraumes symbolisch brechen und auf die „reflexive Aneignung von territorialen Ausgangspunkten, Handlungsräumen und Konfliktzonen“ abstellen will. Die aus diesem Basiskonzept zu entwickelnde Hauptausstellung sollte ursprünglich 2022 oder 2023 eröffnen.
2021 schrieben der Historiker Lorenzo Vianini und der Schweizer Ausstellungskurator Beat Gugger ein weiteres Grobkonzept, welches die Südtiroler Landesregierung schließlich im Dezember 2021 genehmigte. 2022 wurde der Fachbeirat zur Umsetzung dieser Planungen erweitert und Emanuel Valentin als Museumsdirektor berufen.Vielversprechende Führungsfigur, Artikel auf Salto.bz vom 8. September 2022.
Das konkrete Raumprogramm für die Umsetzung des Grobkonzeptes und die Kostenschätzung in Höhe von 6 Millionen Euro wurden erst am 26. September 2023 genehmigt. Der ursprünglich geplante Eröffnungstermin wurde deswegen auf das Jahr 2025 verschoben.
Am 3. Oktober 2023 beschloss die Landesregierung, das 2012 an der Freien Universität Bozen gegründete Zentrum für Regionalgeschichte zum 1. Januar 2024 in die Landesmuseen zu integrieren und dem Landesmuseum Festung Franzenfeste damit ein „wissenschaftliches Standbein“ hinzuzufügen. In der Folge wurden mehrere neue Forschungsprojekte begonnnen und in der Franzensfeste wissenschaftliche Tagungen durchgeführt.
Ausstellungskonzept Das 2021 von der Landesregierung genehmigte Grobkonzept umfasst neben einer Hauptausstellung mit wechselnden Sonderausstellungen auch die Errichtung eines Dokumentationszentrums und eines „Vermittlungs- oder Lernlabors“ mit spezifischen Bildungsangeboten. Die Dauerausstellung zur Neueren und Neuesten Geschichte Südtirols soll in den direkt am Stausee gelegenen Gebäuden Nr. 33 und 35 der Festung eingerichtet werden und dort 18 Räume mit einer Fläche von insgesamt mehr als tausend Quadratmetern umfassen. Das Vermittlungslabor soll im Gebäude Nr. 36 auf ca. 100 Quadratmetern Platz finden.
Während der Finalisierung der konkreten Inhalte der Dauerausstellung kam es zu weiteren Verzögerungen. Im Gegensatz zu anderen Ausstellungen hatte man sich gegen einen Kurator und für die Einsetzung einer neunköpfigen Arbeitsgruppe entschieden. Es sollte „bereits im Entstehungsprozess Multiperspektivität zu[ge]lassen“ werden und „das Ringen um den Inhalt soll der Ausstellung zugutekommen“.
Zum Jahresende 2025 beendete die Arbeitsgruppe ihre Arbeit schließlich. Von ursprünglich 18 geplanten Themen (eines pro Raum) wurden elf weiter verfolgt, die sich „als Längsschnitte durch die Ausstellung ziehen“ sollen. Darunter befinden sich Komplexe wie „Fremdbild/Selbstbild und Identitäten“, „Nationalismus und Weltkriege“ oder „Gender und Gesellschaft“. Zu allen elf Themen wurden wissenschaftliche Aufsätze erstellt, die den eigentlichen Ausstellungsmachern als Grundlage dienen sollen.
2026 wurden Beat Gugger (Mit-Autor des zweiten Grobkonzeptes) als Kurator und Kurt Gritsch (von 2023 bis 2025 Koordinator der Arbeitsgruppe) als Co-Kurator für die nächste Phase der Ausstellungsumsetzung bestellt. Der Arbeitstitel der Dauerausstellung lautet „Südtirol-Alto Adige am Limit“, mit der Eröffnung wird derzeit in den Jahren 2028/2029 gerechnet.
Ausstellungen In den Gebäuden Nr. 37 und 38 sind zwei Ausstellungen eingerichtet die aktuell als „Dauerausstellung“ bezeichnet werden:
Die 2012 eröffnete Ausstellung „Kathedrale in der Wüste“ erzählt in sieben Kasematten die Baugeschichte der Festung Franzensfeste. Die 2022 eröffnete Ausstellung „Eingebunkert“ thematisiert den von Benito Mussolini aus Misstrauen wegen der Südtirolfrage gegen seinen Verbündeten Adolf Hitler errichteten Alpenwall, der im Kalten Krieg von der NATO als Schutz gegen eine mögliche Invasion durch die Sowjetunion reaktiviert wurde. Die Festung Franzensfeste war in diesem Abwehrgürtel entlang des gesamten Alpenhauptkammes ein zentrales Element.Hans Karl Peterlini: Die Welt der Bunker. In: Erker, Monatszeitschrift für das südliche Wipptal – Mensile per l'Alta Val d'Isarco 6/2022, S. 42–45 (online auf issuu.com, abgerufen am 11. Juli 2025). Diese beiden Ausstellungen sollen auch nach der Eröffnung der Hauptausstellung weiter bestehen bleiben.
Daneben wurden eine Reihe von Sonderausstellungen bzw. Veranstaltungsreihen durchgeführt (unvollständige Liste):
„Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum“, Ausstellung über den Umgang mit den „Überbleibseln des Nationalsozialismus“, ursprünlich konzipiert für das Haus der Geschichte Österreich (05.04. – 09.11.2025) „Fort Biennale 01. Im Körper der Sprache“, Veranstaltungsreihe mit Werken von 34 internationalen Künstlerinnern und Künstlern (06.07. – 10.11.2024) „Brücken durch die Zeit: Architektur des Unsichtbaren“, der Tiroler Fotografen Gregor Sailer kontrastierte die zwei monumentalen Bauprojekte Brennerbasistunnel und Festung Franzensfeste (21.06. – 09.11.2025) „Wir sind Schöpfung - Siamo creazione“, Ausstellung des Fotokünstlers Hans-Günther Kaufmann über die drei monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam (06.09. – 09.11.2025) „FORT biennale_02: Reclaiming Collective“, Veranstaltungsreihe mit Werken von 19 internationalen Künstlerinnern und Künstlern (13.06. – 08.11.2026)
Auf dem unteren und mittleren Festungsgelände befinden sich zudem zahlreiche Kunstinstallationen. Der 2016 errichtete „BBT Infopoint“ des Brennerbasistunnels existiert ebenfalls weiterhin.
Weblinks
Website des Museums
Einzelnachweise
Kategorie:Museum in Südtirol Kategorie:Franzensfeste Kategorie:Museumsgründung 2017