mini|Piazza del Duomo mit der Cattedrale di Santo Stefano und dem Palazzo Vescovile; an der Kathedrale die Kanzel von Donatello und Michelozzo (Kopie – das Original der Kanzel im Museo dell’Opera del Duomo) Das Museo dell’Opera del Duomo ist das Diözesanmuseum der Stadt Prato in der italienischen Region Toskana. Es befindet sich im Bischofspalast (Palazzo Vescovile) an der Piazza del Duomo 49, direkt neben der Kathedrale Santo Stefano, und zeigt Kunstwerke und liturgische Geräte aus der Kathedrale und der gesamten Diözese Prato aus dem Zeitraum vom 12. bis zum 19./20. Jahrhundert. Es gilt als eines der reichsten Diözesanmuseen Italiens. In der italienischen Denkmalpflege- und Reiseliteratur wird es regelmäßig als eines der bedeutendsten Diözesanmuseen des Landes sowie als zentraler Bestandteil des künstlerischen Erbes Pratos bezeichnet – insbesondere im Zusammenhang mit den Werken Donatellos und Filippo Lippis.

Geschichte Das Museum wurde 1967 mit zwei Räumen zwischen dem Bischofspalast und der Kathedrale eröffnet. 1976 erfolgte eine Erweiterung, in deren Zuge Werke aus der gesamten Diözese sowie die Reliefs der Kanzelbrüstung Donatellos in die Sammlung aufgenommen wurden. Damit erhielt das Museum den Charakter eines eigentlichen Diözesanmuseums. 1980 wurden die sogenannten Volte – unterirdische Gewölberäume unter dem Querhaus der Kathedrale – an den Museumsrundgang angebunden. Zwischen 1993 und 1996 kamen weitere Räume hinzu. In den Jahren 1996 bis 2006 wurde das Museum umgebaut und neu geordnet. Dabei wurden die einzelnen Abschnitte zu einem einheitlichen Rundgang um den romanischen Kreuzgang zusammengeführt. Bis 2013 erfolgte der Zugang zum Museum über den kleinen Vorhof seitlich der Domfassade. Seitdem ist der Museumsbesuch mit dem Besuch der Fresken Filippo Lippis in der Hauptkapelle der Kathedrale verbunden. Der neue Museumseingang befindet sich unter dem Glockenturm des Doms aus dem 13. Jahrhundert.

Die Marmorreliefs der an der Domfassade angebrachten Kanzel Donatellos wurden aus konservatorischen Gründen abgenommen und 1970 durch Abgüsse ersetzt. Nach einer aufwendigen Restaurierung durch das Opificio delle Pietre Dure in Florenz, die im Jahr 1999 abgeschlossen wurde, sind die Originalreliefs seither im Museum ausgestellt. Nach kunsthistorischer Einschätzung gelten das mittlere, vierte und siebte Relief aufgrund ihrer hohen Ausführungsqualität als eigenhändige Arbeiten Donatellos. Das siebte Relief war vermutlich das erste, das ausgeführt wurde. Auch das dritte Relief wird mit hoher Wahrscheinlichkeit vollständig Donatello zugeschrieben. An der Ausführung der übrigen Reliefs waren Mitarbeiter seiner Werkstatt beteiligt.

Sammlung Der Ausstellungsrundgang gliedert sich in mehrere Säle, eine archäologische Abteilung, den romanischen Kreuzgang, ein Antiquarium und die Volte.

Sala del Duecento e del Trecento Hier werden Skulpturen, Tafelbilder – überwiegend Fragmente von Polyptychen – sowie liturgisches Gerät aus dem Zeitraum vom 13. bis zum frühen 15. Jahrhundert gezeigt. Es stammt größtenteils aus Prato und Umgebung. Zu den ausgestellten Werken zählen:

ein Christuskopf (um 1220–1230) eines anonymen Bildhauers aus dem Umkreis von Arezzo, ein Hochrelief mit der thronenden Madonna zwischen den Heiligen Michael, Petrus und Paulus (um 1262) von Giroldo da Como aus der Badia di Montepiano, eine Madonna del Parto (um 1320) aus der Werkstatt Giottos, ein Polyptychonfragment aus dem Umkreis Orcagnas (um 1365), zwei Tafeln des Giovanni Bonsi (um 1370) sowie eine Verkündigung (um 1410), die Lorenzo di Niccolò zugeschrieben wird.

Saal der Paramente: In diesem an den vorherigen Saal angrenzenden Raum werden liturgische Gewänder und Textilien aufbewahrt, darunter ein Antependium (Paliotto) aus dem 16. Jahrhundert.

Saal der Sacra Cintola Dieser Saal ist dem Kult der Sacra Cintola gewidmet. Dabei handelt es sich um die seit dem 12. Jahrhundert in Prato verehrte Reliquie des Gürtels der Muttergottes. Zentrales Werk sind zwei Marmorreliefs (1358–1360) des sienesischen Bildhauers Niccolò di Cecco del Mercia. Sie stellen die Himmelfahrt Mariens dar und zeigen, wie sie dem heiligen Thomas den Gürtel überreicht. Sie waren ursprünglich für eine Außenkanzel bestimmt. Zu den weiteren Exponaten zählen ein mit Halbedelsteinen und Goldstickerei verziertes Gewand für die Statue der Madonna della Cintola aus dem 18. Jahrhundert sowie liturgisches Silbergerät aus dem 17./18. Jahrhundert.

Area di scavo In einem unterirdischen Bereich sind Funde ausgestellt, die eine Nutzung des Areals von etruskischer bis langobardischer Zeit belegen. Zu sehen sind unter anderem etruskische Keramikfragmente aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., eine Frauenbestattung aus dem 9. Jahrhundert sowie Reste zweier vermutlicher Backöfen aus dem 9./10. Jahrhundert.

Sala del Cinquecento Hier sind Werke des 15. und 16. Jahrhunderts versammelt. Zentrales Werk ist die Tafel Exequien des heiligen Hieronymus von Filippo Lippi (um 1453/1455), die dem Propst Geminiano Inghirami zugeschrieben wird, der im Bild porträtiert sein soll. Weitere Werke sind ein Altarbild mit Madonna und Heiligen des sogenannten Maestro della Natività di Castello (um 1450), eine Tafel mit der heiligen Lucia aus dem Umkreis des Francesco Botticini (um 1490) sowie ein Tondo mit der Heiligen Familie. Dieses wird in mehreren Quellen der Schule Sandro Botticellis zugeschrieben, einige Quellen nennen es jedoch ohne Einschränkung als Arbeit Botticellis, sodass die Zuschreibung als nicht abschließend gesichert gelten muss. In einzelnen Quellen wird zudem ein von Paolo Uccello stammendes, abgenommenes Fresko mit der Darstellung des seligen Jacopone da Todi erwähnt.

Sala del Pulpito mini|Maso di Bartolomeo: Capsella del Sacro Cingolo, 1446–1447, vergoldetes Kupfer, Knochen, Horn und Textil Der Sala del Pulpito (Kanzelsaal) ist nach der hier ausgestellten Balustrade der ehemaligen Außenkanzel der Kathedrale benannt. Diese wurde von 1434 bis 1438 von Donatello und seiner Werkstatt für die feierlichen Zeigungen der Sacra-Cintola-Reliquie geschaffen. Die zugehörige bronzene Kapitellzone der noch an der Fassade befindlichen Kanzelarchitektur entstand in Zusammenarbeit mit Michelozzo. Die sieben Relieffelder der Balustrade zeigen tanzende Puttengruppen in der Relieftechnik des Schiacciato. Im selben Saal wird die Capsella della Sacra Cintola (1446/1447) aufbewahrt. Dabei handelt es sich um ein vergoldetes Reliquiar aus Kupfer, Knochen, Horn und einem äußerst seltenen Lampas-Stoff aus dem späten 15. Jahrhundert, das von dem Goldschmied Maso di Bartolomeo, einem Schüler Donatellos, angefertigt wurde. Eine Inschrift ruft den Schutz der Jungfrau Maria für die Einwohner von Prato an, die Hüter ihres Gürtels sind. Die Capsella della Sacra Cintola enthielt bis 1633 die Reliquie des Gürtels.

Sala del Seicento Ausgestellt sind Werke und liturgische Geräte vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, darunter ein bronzenes Altarkruzifix von Giovanni Francesco Susini, einem Schüler Giambolognas, das Gemälde Heilige Cäcilia (1615–1620) von Matteo Rosselli, eine Bozzetto-Tafel von Jacopo Chimenti, genannt Empoli (um 1619), das Gemälde Schutzengel (1670–1675) von Carlo Dolci sowie ein Werk des flämischen Malers Livio Mehus (1683). Weiterhin sind ein Ostensorium (1729/1730) von Lorenzo Loi und das Gemälde Überführung des Leichnams des heiligen Stephanus (1865) von Alessandro Franchi zu nennen.

Romanischer Kreuzgang und Antiquarium Der Kreuzgang aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde aus weißem Marmor und grünem Serpentin errichtet und ist mit Kapitellen mit tierischen Motiven versehen, die dem Meister von Cabestany zugeschrieben werden. Im angrenzenden Antiquarium sind Grabplatten sowie fragmentarische Reste des mittelalterlichen Mosaikfußbodens der Vorgängerkirche aus dem 11./12. Jahrhundert ausgestellt.

Die Volte und die Kapelle Santo Stefano mini|Le Volte, Ausstellungsbereich des Museo dell’Opera del Duomo, Prato (2024) Die Volte sind unterirdische, kreuzgratgewölbte Räume unter dem Querhaus der Kathedrale. Sie wurden von 1326 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts als Grabstätten genutzt. Erhalten sind zahlreiche gemalte und in Stein ausgeführte Wappen sowie Grabinsignien. Angrenzend liegt die Kapelle Santo Stefano aus dem frühen 15. Jahrhundert mit Wandmalereien. In den Gewölben befinden sich Darstellungen von Evangelisten und Heiligen, in den Lünetten sind monochrome Fresken zu sehen, die die Steinigung des heiligen Stephanus zeigen. Sie werden Pietro und Antonio di Miniato um 1420 zugeschrieben.

Literatur Giulio Datini (Hrsg.): Musei di Prato: Galleria di Palazzo Pretorio, Opera del Duomo, Quadreria Comunale. Calderini, Bologna 1972 (= Musei d’Italia. Meraviglie d’Italia). Giuseppe Marchini: Il tesoro del Duomo di Prato. Cassa di Risparmi e Depositi di Prato, Prato 1963. I Lippi a Prato. Museo Civico di Prato, Prato 1994 (= Monografie del Museo Civico di Prato). La Sacra Cintola nel duomo di Prato. C. Martini, Prato 1995. Marzia Casini: Sacre suggestioni: Museo dell’Opera del Duomo di Prato. Musei Diocesani di Prato – Cariprato, Prato 2001. Filippino Lippi: un bellissimo ingegno. Origini ed eredità nel territorio di Prato. Giunti, 2004. Andrea De Marchi, Cristina Gnoni Mavarelli (Hrsg.): Da Donatello a Lippi: Officina pratese. Skira, Milano 2013. Claudio Cerretelli (Hrsg.): Museo dell’Opera del Duomo: musei diocesani Prato. C. Martini, Prato 2012. Paolo Benassai, Marco Ciatti, Andrea De Marchi, Cristina Gnoni Mavarelli, Isabella Lapi Ballerini (Hrsg.): Officina pratese: tecnica, stile, storia. Edifir, Firenze 2014.

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Einzelnachweise

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