Peter Kowald Quintet ist ein Musikalbum von Peter Kowald. Die am 19. Januar 1972Angabe auf dem Cover; laut FMP aber am 13. Januar 1972 in der Akademie der Künste in Berlin entstandenen Aufnahmen erschienen 1973 als Langspielplatte auf Free Music Production. Sie wurden in remasterter Form 2011 als Download bei FMP und 2020 auf dem Label Corbett vs. Dempsey auf Compact Disc wiederveröffentlicht.
Hintergrund Der Bassist Peter Kowald gründete 1970 sein erstes Quintett, mit dem er auch tourte. In der Besetzung mit den Posaunisten Paul Rutherford und Günter Christmann, dem Altsaxophonisten Peter van de Locht (Altsaxophon) sowie Paul Lovens am Schlagzeug entstand sein erstes Album unter eigenem Namen; er selbst spielte auch Tuba und Alphorn.
Das Album Peter Kowald Quintet wurde ursprünglich Anfang 1972 für das Label FMP eingespielt und 2020 von Corbett vs. Dempsey als Faksimile-Ausgabe mit dem Original-Cover-Artwork (u. a. von Dietrich Maus, Geges Margull, Gerd Hanebeck, Heiko Hösterey, Krista Brötzmann, Paul Miron, Peter Paulus, Tomas Schmit, Toon Lem, Winfried Gaul und Wulf Teichmann) neu aufgelegt.
Titelliste Peter Kowald Quintet (FMP 0070) A1 Platte Talloere 13:08 A2 Wenn wir Kehlkopfoperierte uns unterhalten 7:09 B1 Pavement Bolognaise 14:01 B2 Guete Luuni 2:38
Rezeption Als „unerschrockener Magellan des tiefen Registers“ würde Peter Kowald auf eine höchst eigenwillige Spielweise im Bassbereich setzen, um seine musikalischen Expeditionen zu steuern, schrieb Derek Taylor in Dusted. Der Kontrabass sei sein wichtigstes Ausdrucksmittel gewesen, doch auch Tuba, Alphorn und später der Kehlkopfgesang hätten sein Schaffen geprägt. Eine frühe Zusammenarbeit mit seinem Landsmann Peter Brötzmann habe in fruchtbare Kooperationen in ganz Europa gemündet und eine Wanderlust geweckt, die ihn in alle Welt führen sollte. Das Album Peter Kowald Quintet würde seine erste Aufnahme als Bandleader markieren. Das Projekt treibe die Faszination für die tiefen Tonlagen und die spielerische Souveränität in diesem Bereich auf die Spitze, indem es Kowalds Instrumente mit dem Posaunenduo Paul Rutherford und Günter Christmann kombiniere. Der vielseitige Altsaxophonist Peter van de Locht und der präzise, im Free Jazz beheimatete Schlagzeuger Paul Lovens würden die Band komplettieren. Die vier Stücke, verteilt auf zwei Vinylseiten, fügten sich wie eine große, von freier Improvisation geprägte Suite zusammen. mini|Paul Rutherford (2005) Angesichts der instrumentalen Besetzung würden Textur und Klangfarbe schnell an Bedeutung gewinnen – oft ebenso sehr wie formale Aspekte wie Struktur und Kommunikation, so Taylor weiter. Kowald nähere sich seinem Bass auf ganzheitliche Weise; Finger und Bogen huschten und kritzelten über die Oberflächen aus Holz und Metall. Rutherford und Christmann agierten mal gemeinsam, mal getrennt, stets mit einer Agilität und Komplexität, die oft an menschliche Stimmen erinnern würde. Lovens setze in seinem Spiel auf metallische und raue Klänge, doch seine Beiträge würden durch die akribische Platzierung faszinierender, feiner Details bestechen – besonders im Eröffnungsstück „Platte Talloere“. Auch wenn die Musikgeschichte van de Locht als Musiker nicht unbedingt dauerhafte Berühmtheit beschert habe, behaupte er sich in diesem hochkarätigen Umfeld hervorragend: In „Wenn wir Kehlkopfoperierte uns unterhalten“ entfessle er ein atonales Solo, das in puncto Energie und Ansatzkontrolle durchaus an die Intensität eines Peter Brötzmann heranreiche.
Seine eindrucksvollste Improvisation würde sich Kowald für „Pavement Bolognaise“ aufheben: „Er jagt seinen Bass durch einen kraftvollen Parcours aus kalkulierten Attacken, bevor er Rutherford das Feld für ein ausgedehntes Posaunensolo überlässt, das vor redseligen Obertönen und Umkehrungen nur so strotzt“, so Taylor. Die übrigen Bläser würden den Raum zwischen und um diese tragenden Säulen mit Explosionen und Eruptionen ausfüllen; dabei würde van de Locht schier zu bersten drohen angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich verschlungene Klangfäden aus dem Schallbecher seines Saxophons winden. Die Posaunen würden den majestätischen Blechbläser-Dialog „Guete Luuni“ einleiten – ein ebenso kurzes wie belebendes Stück, das in der Coda durch Kowalds Alphorn ergänzt werde. In den folgenden Jahrzehnten sollten Dutzende von Alben unter der Leitung des Bassisten sowie eine Vielzahl von Aufnahmen als Sideman erscheinen; doch dieses frühe Werk aus ersterer Kategorie steche bis heute als Paradebeispiel für seinen Scharfsinn und seine Kühnheit hervor.
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Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album 1973 Kategorie:Livealbum Kategorie:Peter Kowald