mini|Helen Williams Drutt English im Video Jewelry of Ideas Symposium First Afternoon Session (2017) Helen Williams Drutt English (* 19. November 1930 in Winthrop, Massachusetts, USA) ist eine US-amerikanische Kuratorin, Kunsthistorikerin, Autorin und Hochschullehrerin. Sie ist Sammlerin von zeitgenössischem Schmuck und Kunsthandwerk, organisierte und kuratierte Ausstellungen und unterrichtete am Philadelphia College of Art. Sie ist Gründungsmitglied des Philadelphia Council of Professional Craftsmen. 1973 gründete sie die Helen Drutt Gallery, eine der ersten Galerien in den Vereinigten Staaten, die sich dem modernen und zeitgenössischen Kunsthandwerk widmete. Teile ihrer Sammlungen vermachte sie verschiedenen Kulturinstitutionen weltweit. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und drei Ehrendoktorwürden.
Leben und Werk Drutt ist die Tochter von Harry Williams und Blossom Politz Williams, die das erste in Amerika geborene Kind von acht Geschwistern war. Ihre Großmutter war bereits schwanger in die USA eingewandert. Als Kind zog sie mit ihrer Familie nach Philadelphia, wo sie aufwuchs und später an der Tyler School of Art der Temple University studierte. Sie wurde zudem an der Barnes Foundation ausgebildet, wo sie unter anderem von Violette de Mazia (1899–1988) unterrichtet wurde.
Drutt begann in den 1950er-Jahren zu sammeln und erweiterte ihre Sammlung ab 1966 um Schmuck. Ihre ersten Ankäufe in diesem Bereich bestanden aus Broschen von Stanley Lechtzin und Olaf Skoogfors. 1967 war Drutt als Vorstandsmitglied an der Gründung des Philadelphia Council of Professional Craftsmen (PC.PC.) beteiligt. Zu der Zeit sammelten amerikanische Museen keinen zeitgenössischen Schmuck und die Stiftung organisierte daher Ausstellungen, Diskussionsabende und Vorträge. Da die Ausstellungsmöglichkeiten sehr begrenzt waren, eröffnete Drutt 1973 eine Galerie, deren Schwerpunkt auf zeitgenössischem Schmuck lag. Die Helen Drutt Gallery schloss 2002, und das Museum of Fine Arts, Houston, erwarb daraufhin durch Schenkungen und Ankäufe über 800 Schmuckstücke und zugehörige Zeichnungen von Helen Drutt aus den Jahren 1960 bis 2006. 2007 organisierte das Museum eine Wanderausstellung mit rund 300 Objekten aus der Sammlung, darunter 275 Schmuckstücke. Das Begleitbuch Ornament as Art: Avant-Garde Jewelry from the Helen Williams Drutt Collection sowie Drutts 1995 erschienenes Buch Jewelry of Our Time: Art, Ornament and Obsession (gemeinsam mit Peter Dormer verfasst) gelten als Standardwerke zu diesem Thema.
Im Herbst 1973 begann Drutt am Philadelphia College of Art in Philadelphia zu unterrichten und verfasste den ersten Hochschullehrplan zur Geschichte des modernen Kunsthandwerks. Kurze Zeit später betrieb Drutt auch eine Galerie in New York.
Ihre Sammlung entstand durch den intensiven Kontakt mit Künstlern während ihrer Reisen und auf Veranstaltungen, die sie besuchte oder selbst organisierte. Sie erwarb außerdem Schmuck von Galerien wie der Electrum Gallery, der Galerie Ra, der Galerie Spektrum, der Jewelers Werk Galerie und der Susan Cummins Gallery.
Im Dezember 1981 heiratete sie Maurice English, der am 18. November 1983 unerwartet starb. Um 1983 lernte Drutt während eines Vortrags in der Galerie Ra die niederländische Sammlerin und Mäzenin Ida Boelen kennen, mit der sie fortan regelmäßig in Kontakt stand. Auch zu Inge Asenbaum, die sie 1980 kennengelernt hatte, und zu Barbara Cartlidge, einer weiteren Pionierin auf dem Gebiet des zeitgenössischen Schmucks, pflegte Drutt weiterhin engen Kontakt. Neben Kontakten zu privaten Sammlern pflegte Drutt auch enge Beziehungen zu verschiedenen Museen weltweit. So stand er beispielsweise in regelmäßigem Kontakt mit Yvònne Joris, der Direktorin des Het Kruithuis (heute Design Museum Den Bosch). Gemeinsam realisierten sie Ausstellungen wie American Dreams American Extremes und Beauty is a Story in Den Bosch.
Ab den 1980er Jahren, nach einer intensiven Zusammenarbeit mit Lois Boardman, unterstützte Drutt Boardman beim Sammeln von Schmuck. 2013 schenkten Boardman und ihr Ehemann Bob Boardman über 300 Schmuckstücke aus ihrer Sammlung dem Los Angeles County Museum of Art (LACMA). 1986 wurde ein Teil von Drutts Sammlung in der Ausstellung Modern Jewelry 1964–86, Helen W. Drutt Collection im Philadelphia Museum of Art gezeigt.
Als Hermann Jünger 1988 seinen sechzigsten Geburtstag in Nürnberg feierte, der mit einer großen Ausstellung einherging, reiste Drutt erstmals nach Deutschland und es folgten viele weitere Besuche, unter anderem zur jährlichen Internationalen Handwerksmesse in München.
2007 heiratete sie H. Peter Stern (1928–2018). 2014 schenkte Drutt einen Teil ihrer Sammlung von Keramik, Möbeln und Schmuck (74 Objekte) der Eremitage in Sankt Petersburg anlässlich des 250-jährigen Jubiläums des Museums. Zu diesem Anlass kuratierte Drutt auch die Ausstellung Geschenke aus Amerika: 1948–2013.
Sie war von 2010 bis 2021 Kuratorin der Archives of American Art der Smithsonian Institution in Washington, D.C. und Kuratorin des Bard Graduate Center in New York.
Im März 2023 wurde Drutt, die kurz zuvor einen Vortrag in der Neuen Sammlung in München gehalten hatte, als erste Trägerin des Titels Botschafterin des Schmucks ausgezeichnet.
Kuratorin von Ausstellungen Sie kuratierte eine Reihe bedeutender Ausstellungen. Zu den Höhepunkten zählen Ten Potters (1971), Seattle: USA (1971), Robert Arneson: Self-Portraits (1979), zwei Ausstellungen zeitgenössischer Terrine für das Campbell Museum (1976 und 1983) sowie Poetics of Clay: An International Perspective (2002), die international tourte. Zu den wichtigsten Schmuckausstellungen gehörte Jewelry: 1964–1994, Helen Williams Drutt Collection, die von 1984 bis 1995 in elf Museen weltweit gezeigt wurde. Ihre Schmucksammlung wurde vom Museum of Fine Arts, Houston erworben. 2007 eröffnete dort die Ausstellung Ornament as Art: Avant-Garde Jewelry from the Helen Williams Drutt Collection mit einem umfassenden Katalog der gesamten Sammlung. 2004 kuratierte sie die Ausstellung A View From America. Zeitgenössischer Schmuck (1973–2003) für das Gold Treasury Museum in Melbourne. 2005 konzipierte und organisierte Drutt die internationale Ausstellung Challenging the Chatelaine, die in Finnland eröffnet wurde und anschließend in Belgien, Griechenland, Österreich, den Niederlanden und den USA gezeigt wurde.
Mitgliedschaften Drutt war Mitglied des American Board der National Gallery of Australia in Canberra, des Indian and Himalayan Art Advisory Committee des Philadelphia Museum of Art (1996–2019) und des American Board des Ilias Lalaounis Jewelry Museum in Athen. Zudem ist sie Mitglied des Peter Dormer Lecture Committee in London und der International Academy of Ceramics.
1984 gründete Drutt den Maurice English Poetry Award (MEPA), der von 1985 bis 2005 jährlich einen Preis für einen herausragenden Gedichtband und seit 2006 jährliche Lesungen förderte. 2012 rief sie die H. Peter Stern Lecture unter der Schirmherrschaft des World Monuments Fund ins Leben, die halbjährlich stattfindet. 2020 kündigte Drutt an, ihre umfangreiche Kunstbuchsammlung der Temple University zu stiften.
Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl) 1990: Ehrendoktorwürde der Künste vom Moore College of Art and Design 1991: Tyler Alumni Fellow 1992: Ehrenmitglied des American Craft Council 1993: Lifetime Achievement in Crafts Award National Museum of Women in Washington, D.C. 1994: Fleisher Founder's Award des Samuel S. Fleisher Art Memorial 1994: Mayor's Arts and Culture Award Von 1995 bis 1999: Kulturbotschafterin der Stadt Philadelphia, Office of Arts and Culture 1999: vom Museum of Art and Design in New York als Visionärin ausgezeichnet 2001: Ehrendoktorwürde der University of the Arts 2002: Verdienstorden der Philadelphia Art Alliance 2002: Distinguished Daughter of Pennsylvania des Commonwealth of Pennsylvania 2004: Aufnahme in die Goldsmiths Hall of Fame 2004: Lifetime Achievement Award 2006: Philadelphia Craft Medal, Philadelphia Museum of Art 2018: Distinguished Educator's Award der James Renwick Alliance der Smithsonian Institution in Washington, D.C. 2019: Ehrendoktorwürde der Schönen Künste, Alfred University
Veröffentlichungen mit Robert Arneson: Robert Arneson, Self-portraits. Moore College of Art, Philadelphia 1979. mit Peter Dormer: Jewelry of our time. Thames and Hudson Ltd, London 1995, ISBN 0-8478-1914-0. mit Peter Dormer: Jewelry of our Time: Art, Ornament and Obsession. New York 1995.
Weblinks Youtube-Video:Peter Dormer Lecture 2024: Helen Drutt: 'A Passionate Observer, Five Decades' (englisch) Hidden Treasures Selections from the Helen Drutt Gallery
Einzelnachweise
Kategorie:Kunsthistoriker Kategorie:Autor Kategorie:Hochschullehrer (University of the Arts, Philadelphia) Kategorie:Ehrendoktor einer Hochschule Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Frau Kategorie:Geboren 1930