mini|Sitz des Museums in der Rheinstrasse 65 im Logenhaus

Das Marine- und Kolonialmuseum war ein Museum für deutsche Marine- und Kolonialgeschichte, das von 1935 bis ca. Anfang 1941 in Wilhelmshaven in Trägerschaft der Stadt Wilhelmshaven existierte. Einige Exponate des ehemaligen Museums befinden sich heute im Küstenmuseum Wilhelmshaven.

Geschichte Die Idee zum Museum stammte maßgeblich von dem Marinepfarrer Friedrich Ronneberger (* 21. September 1886 Kamenz, Königreich Sachsen, † 16. Juni 1968 Wilhelmshaven). Insbesondere plädierte Ronneberger für die Unterbringung der Einrichtung in einem Gebäude anstatt auf einem ausgedienten Kriegsschiff, da in diesem Fall die Folgekosten unkalkulierbar waren.Walter, Das Wilhelmshavener Marine- und Kolonialmuseum, S. 11.

Ab 1928 konkretisierten sich die Pläne für die Einrichtung. Ursprünglich war ein reines Marinemuseum geplant gewesen, das dann um einen Kolonialkomplex erweitert wurde.

Die Einweihung des Museums erfolgte am 12. Mai 1935 im damaligen Rathaus, das sich wie das Museum selbst in der damaligen Roonstraße (heute Rheinstraße) befand. Die Eröffnungsrede hielt Oberbürgermeister Carl Heinrich Renken. Anwesend waren bei der Eröffnung als Ehrengäste unter anderem Vizeadmiral Otto Schultze als Chef der Marinestation der Nordsee, der Festungskommandant von Wilhelmshaven Kapitän zur See Otto von Schrader sowie Carl Friedrich Roewer und Johannes Weißenborn vom Deutschen Kolonial- und Überseemuseum Bremen. Anwesend waren außerdem zahlreiche Vertreter der NSDAP und der Marine- und Kolonialvereine wie dem Deutschen Kolonialverein.Seefahrt ist not!, in: Jeversches Wochenblatt vom 13. Mai 1935, S. 2.

Gebäude Das Museum wurde im am 14. September 1890 eröffneten Logenhaus der Freimaurerloge Wilhelm zum silbernen Anker in der damaligen Roonstraße 65 (heute Rheinstraße 65) untergebracht, das 1934 im Zuge der Machtergreifung enteignet worden war.

Nach der Verwendung als Museum wurde das Gebäude offenbar ab Anfang 1941 bis Kriegsende von der Kriegsmarine als Casino genutzt. Nach Kriegsende erhielt die Loge das Gebäude zurück und ist dort bis heute (Stand 2026) untergebracht.

Aufbau der Sammlung Vorbild des Museum war das Berliner Institut für Meereskunde.Walter, S. 14. Die Wilhelmshavener Einrichtung war in zwei Abteilungen gegliedert:

In zwei unteren Räumen befanden sich die Marine-Exponate, so z. B. Vitrinen mit Schiffsmodellen.

In einem Saal im oberen Bereich die Kolonial- bzw. Übersee-Exponate einschließlich einer Gedenktafel für die in den Kolonialkriegen bzw. im Ersten Weltkrieg in den deutschen Kolonien gefallenen Schutztruppen- und Polizeiangehörigen.Walter, S. 18.

Dominiert wurden die unteren Räume durch das ca. viereinhalb Meter hohe Nagelbild Eiserner Tirpitz, das 1915 in Wilhelmshaven nach dem Porträt des Großadmirals Alfred von Tirpitz aufgestellt worden war.

Im Treppenhaus befanden sich unter anderem Flaggen und Waffen aus dem so genannten Boxeraufstand in China. In einem weiteren Raum im Obergeschoss befand sich eine stadtgeschichtliche Sammlung mit dem Schwerpunkt Reichskriegshafen und Marine. Hier befanden sich auch Exponate zur Skagerrakschlacht 1916 und persönliche Gegenstände von Admiral Reinhard Scheer. In einem weiteren Raum befanden sich Bastelarbeiten.

Die Exponate waren in der Regel Leihgaben oder Schenkungen aus Privathand oder anderen Museen. Ronneberger selbst steuerte ebenfalls Ausstellungsgegenstände bei, die er auf der Weltreise mit dem Leichten Kreuzer Emden 1928/29 erworben hatte.O.V.: Friedrich Ronneberger: Marineseelsorge – Museum – Heldengedenken, S. 27 Als besonders wertvoll galt die Südsee-Sammlung des Konteradmirals a. D. Ulrich Lübbert, die Ronneberger 1937 unentgeltlich erworben hatte.Walter, S. 18 1938/39 stellte das Oberkommando der Marine dem Museum einen jährlichen Zuschuss von 3000 Reichsmark zur Verfügung. Schon seit seiner Gründung hatte die Einrichtung der Kriegsmarine als Schulungsort gedient.Walter, S. 19f.

Im August 1939 wurde im Museum ein ungewöhnlicher Diebstahl verübt. Unbekannte Täter entwendeten ein chinesisches Richtschwert von 65 cm Länge mit einer sechs Zentimeter breiten Klinge mit zwei Rillen und einem 35 cm langen Griff, zwei aus Kamerun stammende Hausa-Dolche, eine hölzerne Tanzmaske aus Kamerun sowie eine Ovambo-Keule. Soweit bekannt, wurde die Tat nie aufgeklärt und die Gegenstände blieben verschollen.Seltene Museumsstücke gestohlen, in: Oldenburgische Volkszeitung vom 16. August 1939.

Nach einem Bericht in der Saale-Zeitung vom 11. Oktober 1940 waren dem Museum von der Kriegsmarine Gegenstände bzw. Exponate aus dem Zweiten Weltkrieg übergeben worden, darunter die Schiffsglocke eines niederländischen Panzerschiffs, eine polnische Kriegsflagge, die auf Hela erbeutet worden war und die Flagge eines britischen U-Boots.

Auflösung und Verbleib der Exponate Nach divergierenden Angaben war das Museum bis ca. 1940 von rund 40.000 Besuchern besichtigt worden.Walter, S. 19f. Ende 1940/Anfang 1941 wurde das Museum aufgelöst, um als Casino bzw. Beamtenheim für die Kriegsmarine zu dienen. Die Auflösung des Museums steht eventuell im Kontext einer Metallspende des Museums.

Die Schiffsmodellsammlung wurde in einer Gaststätte in Damme, Landkreis Vechta, untergebracht und überstand den Krieg nach Walter „nahezu unbeschadet“. Die völkerkundliche Sammlung war auf Schloss Evenburg/Leer ausgelagert und nach der Kapitulation 1945 vollständig ausgeraubt worden. Weitere, nicht näher bezeichnete Exponate waren in Bad Pyrmont ausgelagert.Walter, S. 21

Die überlieferten Exponate gingen 1951 in das Heimat- und Küstenmuseum, heute Küstenmuseum Wilhelmshaven über, darunter mindestens acht der ursprünglich vermutlich 15 Schiffsmodelle.Walter, S. 16, 21 Der Verbleib des größten Exponats, des Eisernen Tirpitz, ist ungeklärt. Nicht auszuschließen ist, dass die benagelte Skulptur Teil der oben erwähnten Metallspende war.

Siehe auch Deutsches Kolonialmuseum Deutsches Marinemuseum

Literatur Karin Walter: Das Wilhelmshavener Marine- und Kolonialmuseum, in: Karin Walter/Bettina Keß (Redaktion): Souvenirs von fremden Küsten. Katalog zur Ausstellung: Souvenirs von fremden Küsten, 23. Juli 2004 – 13. Februar 2005, Wilhelmshaven (Brune-Mettcker) 2004, S. 9–21. ISBN 3-9305-10-85-5 (Schriftenreihe des Museums am Bontekai – Band 1) O.V.: Friedrich Ronneberger: Marineseelsorge – Museum – Heldengedenken, in: Karin Walter/Bettina Keß (Redaktion): Souvenirs von fremden Küsten. Katalog zur Ausstellung: Souvenirs von fremden Küsten, 23. Juli 2004 – 13. Februar 2005, Wilhelmshaven (Brune-Mettcker) 2004, S. 23–27. ISBN 3-9305-10-85-5 (Schriftenreihe des Museums am Bontekai – Band 1) Leon Biela: Das Weltreich zu Hause. Wilhelmshaven und der deutsche Imperialismus, Berlin (Metropol Verlag) 2026, S. 349, 376f., 382–386, 388, 391, 394, 405–407, 413. ISBN 978-3-86331-848-2 Seefahrt ist not! Eröffnung des Marine- und Kolonialmuseums in Wilhelmshaven, in: Jeversches Wochenblatt vom 13. Mai 1935, S. 2. Trophäen unserer Kriegsmarine, in: Saale-Zeitung vom 11. Oktober 1940, S. 6. Aus Niedersachsen. Vom Einbaum zum Linienschiff. Eröffnung der Marine- und Kolonialsammlung in Wilhelmshaven, in: Hannoverscher Kurier vom 14. Mai 1935, S. 9. Seltene Museumsstücke gestohlen, in: Oldenburgische Volkszeitung vom 16. August 1939; Digitalisat der Landesbibliothek Oldenburg.

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Einzelnachweise

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