Sant’Erasmo del Lido war eine Kirche auf der venezianischen Insel Sant’Erasmo, die bis in die jüngste Geschichte einen Teil des Ostrands der Lagune von Venedig darstellte; der Namensteil di Lido verweist auf einen alten Namen der Insel, der der früheren Randlage entsprach, und nicht auf die Insel, die heute als Lido di Venezia bekannt ist und die die Lagune von der Adria trennt. Die Kirche entstand im äußersten Nordosten der Insel zu einem unbekannten Zeitpunkt vor dem 12. Jahrhundert. Namenspatron sowohl für die Insel als auch für die Kirche ist der heilige Erasmus von Antiochia.

Geschichte Die Kirche reicht womöglich bis ins 7. Jahrhundert zurück,Giorgio Crovato: Sant'Erasmo, Il Poligrafo, Padua 2009, S. 22. sie entstand am seinerzeitigen Ostrand der Lagune bzw. dem Nordostende der Insel. Zu dieser Zeit bestanden noch sieben Durchfahrten von der Lagune in die Adria.Diese waren Lio Mazor (Pordelio), Treporti, Sant'Erasmo, San Nicolò di Lido, Malamocco, Pastene und Chioggia.

Flaminio Corner berichtet Mitte des 18. Jahrhunderts, dass bereits vor dem 12. Jahrhundert die Zahl der Winzer und Gartenbauer („il numero de’ Vignaiuoli, e di Ortolani“) auf der Murano unterstehenden Insel so sehr zugenommen hatte, dass der Pfarrer und das Kapitel es für nötig hielten, dort eine eigene Kirche zu errichten. Dabei erhielt die Gemeinde das Recht auf freie Wahl des Pfarrers. Schon um 1120 nämlich sorgte Aurioduno, Pfarrer der Kirche „Santa Maria Matrice di Murano“, für die Renovierung des verfallenden Bauwerks. Dabei legte er fest, dass die Kirche auf der Nachbarinsel dauerhaft derjenigen auf Murano unterstellt sein sollte.

Doch im 16. Jahrhundert beanspruchte die Gemeinde selbst das Recht der Pfarrerwahl, da die Kirche ja mittels ihrer Almosen unterhalten wurde, insbesondere derjenigen der Winzer. So blieb nur die rechtliche Abhängigkeit von der Mutterkirche bestehen, genauer gesagt blieb sie beim dortigen Kapitel.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 666. Dies geschah vor dem Hintergrund einer weitgehenden Entvölkerung der Insel mit ihren vielleicht 10.000 Einwohnern durch eine schwere Epidemie, von der sich die Insel nie wieder erholte. 1780 zählte die Insel nur noch 37 Einwohner, sie wurden von zwei Geistlichen aus Murano versorgt. Immerhin erreichte die Einwohnerzahl im Jahr 1977 mit 1.268 einen Höhepunkt, wohingegen sich diese bis heute wieder mehr als halbiert hat.Lorenzo Dal Borgo: Turismo rurale nella laguna di Venezia: l’isola di Sant’Erasmo, tesi, Universität Venedig 2013, S. 66, Anm. 32 (online, PDF).

Literatur Giorgio Crovato: Sant'Erasmo, Il Poligrafo, Padua 2009, S. 16–23. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 666 f. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil III,1, Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1791, S. 63 f. (Digitalisat)

Siehe auch Liste der Kirchen in Venedig

Anmerkungen

Erasmo Kategorie:Erasmuskirche Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig