Academic Help-Seeking (lernbezogenes Hilfesuchen; der englische Begriff ist auch im Deutschen üblich) ist eine Lernstrategie. Es wird zu den kooperativen Lernstrategien gezählt und aus der Perspektive von Selbstregulationsprozessen untersucht. Es besteht darin, beim schulischen oder außerschulischen Lernen aktiv und gezielt Unterstützung durch andere Personen (Mitlernende, Lehrkräfte, Eltern) zu suchen, um voranzukommen oder gute Leistungen zu erreichen. Positive Auswirkungen auf Lernergebnisse sind plausibel und auch belegt; allerdings sind sie uneinheitlich und die Bedingungen, unter denen Academic Help-Seeking sich förderlich auswirkt, bislang nicht genau bekannt.

Als Lernstrategie Nachdem Academic Help-Seeking zunächst eher als Problem angesehen wurde, da man es als Passivität interpretierte, wurde in den 1980er Jahren sein intrinsischer Nutzen entdeckt. Es ist eine wichtige Strategie, wenn Lernende alleine nicht weiterkommen. Neben seinen kognitiven Kernkomponenten dient es auch dazu, Lernmotivation angesichts von Schwierigkeiten zu bewahren.

Academic Help-Seeking beschreibt zielgerichtete und volitionale Prozesse, in denen Lernende Schwierigkeiten beim Lernen oder Verstehen identifizieren und sich für deren Bewältigung entsprechende externe Hilfe suchen. Metakognitive Elemente spielen eine große Rolle. Dazu gehört, festzustellen, dass man Hilfe benötigt (etwa aufgrund von Verständnisproblemen oder zu hoher kognitiver Belastung), diese Schwierigkeiten genau zu bestimmen und Ressourcen zu deren Überwindung zu ermitteln, zu erbitten, zu erhalten und zu verarbeiten. Nicht alle Schritte müssen immer bewusst sein, und nicht alle müssen in jedem Fall gemacht werden.

Instrumentelles oder adaptives Hilfesuchen besteht darin, dass Lernende so viel Hilfe nachsuchen, wie sie benötigen, um eine Aufgabe selbst zu lösen. Beim exekutiven Hilfesuchen hingegen ist das Ziel, dass die Aufgabe für sie erledigt wird. Beides kann adaptiv, d. h. mehr als kurzfristig hilfreich, sein.

Die Inanspruchnahme menschlicher Hilfe verlangt, zwischen kognitivem Nutzen und sozialen Kosten (etwa, als hilfebedürftig zu erscheinen, oder Bedrohung durch Stereotype) abzuwägen.

Academic Help-Seeking sorgt dafür, dass Herausforderungen, die die eigenen Fähigkeiten leicht übersteigen, noch erfolgreich gemeistert werden können. Insofern ähnelt es dem Agieren in der Zone der nächsten Entwicklung (Lew Wygotski), ist allerdings nicht auf entwicklungspsychologische Phänomene beschränkt. Insgesamt wird Academic Help-Seeking als eine adaptive und differenzierte Bewältigungsstrategie verstanden, die das selbstständige Lernen fördert.

Für den aktuellen Stand muss allerdings auch festgehalten werden, dass kein Konsens über die Komponenten und Struktur von Academic Help-Seeking besteht und dass es auf unterschiedliche Weise erfasst wird.

Academic Help-Seeking in technischen Umgebungen Interaktive Lernumgebungen, das Internet und seit neuerem auch Generative Künstliche Intelligenz bieten zahlreiche Möglichkeiten des Academic Help-Seeking, die gerade bei letzterer in Bezahlmodellen gut an die Interaktion mit den Hilfesuchenden angepasst werden können. In Umgebungen ohne menschliche Hilfestellungen fallen zudem einige potentielle soziale Kosten weg, etwa als hilfebedürftig oder unwissend zu erscheinen.

Empirische Erforschung Die Forschungslage zu Academic Help-Seeking ist noch nicht eindeutig. Generell werden positive Auswirkungen erwartet und berichtet. Insbesondere instrumentell-adaptives Hilfesuchen sollte positiv mit Lernleistungen zusammenzuhängen. Ein systematischer Forschungsüberblick aus dem Jahr 2021 mit 25 einbezogenen Untersuchungen über Adoleszente und Studierende lieferte hingegen keine eindeutigen Ergebnisse zur Wirksamkeit von Academic Help-Seeking. Für Adoleszente berichtet dieser Überblick die erwarteten positiven Zusammenhänge zwischen Lernergebnissen und instrumentell-adaptivem Hilfesuchen. Für Universitätsstudierende sind die Ergebnisse widersprüchlich. Zum Teil ist das darauf zurückzuführen, dass das Konstrukt Academic Help-Seeking in den Untersuchungen unterschiedlich definiert wurde, zum Teil sind Moderatorvariablen noch unbekannt.

Die Faktoren, die Academic Help-Seeking beeinflussen, sind ebenfalls noch nicht vollständig erforscht. Zunächst wurden neben Alter und Geschlecht kognitive (Vorwissen, Metakognition) und motivationale Einflussfaktoren vorgeschlagen (Bedrohung des Selbstkonzepts, Zielorientierung). Allerdings wurden diese Faktoren in der Folge nicht systematisch untersucht und für manche liegt widersprüchliche Evidenz vor. Das Ausmaß, in dem eine Person beim Lernen Hilfe sucht, hängt damit zusammen, wie sehr sie glaubt, dass Lernen gelernt werden kann, das Wissen unsicher ist und Autoritäten nicht allwissend sind. Auch Lern- im Vergleich zu Leistungszielen wirken sich positiv auf Academic Help-Seeking aus. Selbstwirksamkeitserwartungen hängen ebenfalls positiv mit instrumentellem Academic Help-Seeking zusammen und negativ mit dessen Vermeidung, allerdings wohl nur für Studierende, nicht für Adoleszente.

Zu sozialen Einflussfaktoren gehören die wahrgenommenen Leistungsziele in Lerngruppen und die wahrgenommene Unterstützung durch Lehrkräfte. Zudem beeinflussen, wenn auch nicht direkt, strukturelle Ungleichheiten und systematische Barrieren, wie Hilfesuchen wahrgenommen und praktiziert wird.

Wenn Studierende Academic Help-Seeking nicht nutzen, obwohl es sinnvoll wäre, dann kann dies z. B. auf mangelnde Information oder die wahrgenommene Bedrohung des Selbstbildes zurückgeführt werden, und entsprechende Instruktionen können dem teilweise entgegenwirken.

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