Gürsoy Doğtaş (* 1975 in Hannover) ist ein deutscher Kunsthistoriker und Kurator.

Leben und Ausbildung Doğtaş studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Psychologie an der Universität Hamburg sowie Bildende Künste an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Seine Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München behandelt Chantal Mouffes Demokratietheorie im Ausstellungsdiskurs der Biennalen und erschien im JAhr 2020. 2021 war er zweimal Stipendiat der Kulturakademie Tarabya in Istanbul. 2022/2023 war er Gastprofessor an der Universität der Künste Berlin und 2024/2025 Forschungsstipendiat an der Städelschule und Goethe-Universität Frankfurt.

Kuratorische, publizistische und kunsthistorische Arbeit Doğtaş gab das Kunstmagazin Matt Magazine heraus. Im Jahr 2013 kuratierte er in der Wiener Galerie Charim Das Kleid sitzt nicht, eine Ausstellung über Malerei und Textilkunst. Im selben Jahr erhielt er gemeinsam mit Alejandra Labastida den ICI/SAHA Research Award für Beklenen Şarkı, ein Projekt über den Sänger Zeki Müren und künstlerische Repression in der Türkei nach 1980. 2015 kuratierte er Die kalte Libido im Münchner Haus der Kunst und 2018 das Diskursprogramm Public Art Munich. 2023 kuratierte er Gurbette Kalmak im Taxispalais Innsbruck und 2024 Annem işçi – Wer näht die roten Fahnen? im Museum Marta Herford. Gemeinsam mit Susanne Pfeffer kuratierte er 2024 im Frankfurter Museum für Moderne Kunst There is no there there mit über 350 Werken von knapp 30 Kunstschaffenden aus der Migrations- und Exilgeschichte beider deutscher Staaten. Ebenfalls 2024 gehörte er zum Kuratorenteam des Berliner Festivals What would James Baldwin do? zum 100. Geburtstag des Schriftstellers. Bei der Manifesta 16 Ruhr 2026 präsentierte er in der Thomaskirche Gelsenkirchen Fotografien von Asimina Paradissa. Zusammen mit Patrizia Dander kuratierte er 2026 im Berliner Gropius Bau Kreuzberg: Kunst und Migration seit 1960.

Doğtaş arbeitet an den Schnittstellen von Institutionskritik, strukturellem Rassismus und Queer Studies. Seine Forschung gilt der Kunst von Arbeitsmigranten und Exilierten, die in Darstellungen deutscher Kunstgeschichte oft kaum berücksichtigt wurde. Für die Kreuzberger Ausstellung erforschte er künstlerische Netzwerke und führte Gespräche mit Kunstschaffenden und Zeitzeugen. Sein Ansatz geht von den Kunstwerken selbst aus: Er untersucht unter anderem kritischen Realismus, Pop Art, Fotomontage und Miniaturmalerei, statt die Arbeiten allein als historische Dokumente zu behandeln. Ein Gruppenbild von Monika Sieveking half ihm, mit seiner Mutter über deren Zeit als Arbeitsmigrantin zu sprechen.

Einzelnachweise

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