Die Grotte de Sous-Grand-Lac ([]), () ist eine Horizontalhöhle und archäologische Fundstelle in der südwestfranzösischen Gemeinde Meyrals im Département Dordogne.
Die in einer Seitenkammer angebrachten jungpaläolithischen Felsritzungen werden der Frankokantabrischen Höhlenkunst zugerechnet.
Geographische Lage und Topographie Die Grotte de Sous-Grand-Lac befindet sich unter dem Felsmassiv Grand Lac an der linken Talseite der Petite Beune, im Bereich der nördlichen Gemeindegrenze von Meyrals. Sie liegt auf Privatgrund etwa 400 m südwestlich des Parkplatzes der Grotte de Bernifal an der D47 (Route de Sarlat). Die Höhle ist in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich.
Seit dem 26. Februar 1981 ist sie als eingetragenes Kulturdenkmal (Monument historique) geschützt. In wenigen hundert Metern Entfernung finden sich weitere Höhlen mit steinzeitlicher Parietalkunst: die Grotte du Bison, die Grotte de Bernifal, die Grotte de la Calévie und auf der gegenüberliegenden Talseite die Grotte Nancy.
Das 3 m breite und 2 m hohe Portal der Grotte de Sous-Grand-Lac ist nach Südosten gerichtet. Der Höhlengang erstreckt sich zunächst 10 m weit in nordwestlicher Richtung, wo er nach rechts abknickt, wenige Meter weit nach Norden verläuft, um dann seiner ursprünglichen Ausrichtung für weitere 18 m zu folgen. Bereits am ersten Abzweig öffnet sich auf der linken Seite eine etwa 5 m tiefe, kaminartige Seitenkammer.
Parietalkunst mini|Eingang zur Seitenkammer, in der sich die steinzeitlichen Gravierungen befinden Die Gravuren in der Seitenkammer wurden von Mitgliedern des Höhlenforschervereins von Périgueux am 1. April 1969 entdeckt. Der Prähistoriker Henri Breuil hatte sie bei einem früheren Besuch der Höhle nicht bemerkt. Sie befinden sich an der Südwand auf zwei Flächen eines Wandvorsprungs und werden nicht von Tageslicht beleuchtet. Die erste Tafel ist 80 cm breit, 100 cm hoch und weist an manchen Stellen eine leicht abgeblätterte Oberfläche auf. Die am eindeutigsten zu identifizierende Abbildung zeigt eine stehende, nach vorn geneigte männliche Person mit rundem Kopf und erigiertem Penis. Die leicht angewinkelten Arme sind nach vorn gestreckt, die Finger beider Hände abgespreizt. Die Figur ist ca. 63 cm hoch, etwa 33 cm breit und hat große Ähnlichkeit mit der Darstellung des Zauberers (Le Sorcier) in der Grotte de Saint-Cirq. Daneben ist das Horn eines Rinds und der unvollständige Kopf eines Rehs oder Pferdes zu erkennen. Umgeben ist das Ensemble von zahlreichen gerade und geschwungen verlaufenden Linien, deren Symbolik bzw. Bedeutung nicht geklärt ist. Die zweite Tafel befindet sich 2,5 m zurückversetzt und etwas oberhalb der ersten. In der versinterten Oberfläche lassen sich die deutlich tiefer gravierten Umrisse eines Pferdes ohne Kopf erkennen, dessen Läufe wenig detailliert und mit abgerundeten Hufen dargestellt sind.
Chronologische Einordnung Eine zeitliche Klassifikation der Kunstwerke konnte nur näherungsweise anhand stilistischer Merkmale vorgenommen werden. Ob die beiden Tafeln zur selben Zeit graviert wurden, ließ sich nicht feststellen. Während André Leroi-Gourhan die Darstellungen dem Stil IV der von ihm definierten Chronologie prähistorischer Kunst zuschrieb – was einer Entstehung im Magdalénien entspräche – weisen laut Brigitte und Gilles Delluc die Abbildungen mehrere Merkmale des Stils III auf. Bei der anthropomorphen Figur sind dies der stimmige Kopf und Oberkörper sowie die reduzierte, elementare Ausführung des Unterkörpers mit synthetischen, nebeneinander angeordneten Elementen. Bei dem Pferd deuten der massige Körperbau mit kurzen Gliedmaßen sowie die stehende Haltung auf einen früheren Ursprung hin, möglicherweise im Solutréen.
Literatur Jacques Jaubert, Jean-Christophe Portais: Grotte de Sous-Grand-Lac (Meyrals) In: PréhistoGuide Nouvelle-Aquitaine, sites – musées – parcs – fac-similés éditions confluences, Bordeaux, 2023, ISBN 978-2-35527-279-0, S. 314. Brigitte und Gilles Delluc: Grotte de Sous-Grand-Lac In: L’Art des cavernes: Atlas des grottes ornées paléolithiques françaises. Paris, 1984, ISBN 2-11-080817-9, S. 178–179. André Leroi-Gourhan: Sous-Grand-Lac In: Prähistorische Kunst – Die Ursprünge der Kunst in Europa. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1971, ISBN 3-451-16281-4, S. 438. André Leroi-Gourhan: Sous-Grand-Lac In: Préhistoire de l’art occidental . Mazenod, Paris 1971, ISBN 2-85088-001-9, S. 336. Brigitte und Gilles Delluc: La grotte ornée de Sous-Grand-Lac (Dordogne). In: Gallia préhistoire, tome 14, fascicule 2, 1971. pp. 245–252.
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Einzelnachweise
Kategorie:Höhle in Europa Kategorie:Höhle in Okzitanien Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Okzitanien Kategorie:Jungpaläolithikum (Europa) Kategorie:Steinzeitlicher Fundplatz in Europa Kategorie:Meyrals Kategorie:Monument historique seit 1981 Kategorie:Magdalénien Kategorie:Solutréen