Der Ensign N174 (alternativ: Ensign MN02) ist ein Formel-1-Auto des britischen Rennwagenherstellers Ensign Racing, das 1974, 1975 und 1976 von Ensigns Werksteam in der Automobil-Weltmeisterschaft eingesetzt wurde. Nachdem er durch den neu konstruierten Ensign N176 abgelöst worden war, ging der N174 an eine Reihe private Teams, die ihn bis 1979 in verschiedenen Motorsportserien meldeten.
Entstehungsgeschichte Das von Mo Nunn gegründete Unternehmen Ensign Racing war anfänglich ein Hersteller von Formel-3-Rennwagen. Ensigns Einstieg in die Automobil-Weltmeisterschaft ging auf den Rennfahrer Rikky von Opel zurück, der bei Nunn die Konstruktion eines Formel-1-Autos in Auftrag gegeben hatte und den Wagen 1973 auch mit dem Team Ensign an den Start brachte. Ensigns Debütfahrzeug, der N173, war ein simples, nur begrenzt konkurrenzfähiges Auto.Doug Nye: Das große Buch der Formel-1-Rennwagen. Die Dreiliterformel ab 1966. Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln 1986, ISBN 3-481-29851-X, S. 182. 1973 wurde es siebenmal für von Opel gemeldet, erzielte aber keine Weltmeisterschaftspunkte.
Für die Saison 1974 konstruierte Nunn eine verbesserte Version des N173, die als N174 bezeichnet wurde. Ihre erste Teilnahme an einem Rennen der Weltmeisterschaft fand im Mai 1974 in Belgien statt. Zu dieser Zeit hatten sich Ensign und von Opel bereits getrennt. Nun wurde Ensigns Formel-1-Programm von dem in Hongkong ansässigen Geschäftsmann Theodore „Teddy“ Yip unterstützt, der das Ensign-Cockpit für den neuseeländischen Rennfahrer Vern Schuppan finanzierte.Pierre Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, 2. Auflage, St. Sulpice, 2000, ISBN 2-940125-45-7, S. 239. Im weiteren Verlauf der Saison übernahm Mike Wilds das Auto. Der N174 erschien auch zu den meisten Rennen der Saison 1975, in der Ensign von dem niederländischen Bewachungsunternehmen Hoogenbooms Bewakingsdienst BV (HB Bewaking Systems) finanziert wurde. Sein Nachfolger, der Ensign N175, war erst ab Frühsommer 1975 einsatzbereit. Für die Saison 1976 übernahm der niederländische Sponsor den einzigen N175 und setzte ihn unter der Bezeichnung Boro 001 in seinem eigenen Rennstall HB Bewaking Systems ein. Das Ensign-Werksteam musste zu Beginn der Saison 1976 noch einmal auf den alten N174 zurückgreifen, weil sich die Fertigstellung des neuen N176, der den N174 und den N175 gleichermaßen ablösen sollte, bis ins Frühjahr 1976 verzögerte.
Konstruktion Der Ensign N174 wurde von Mo Nunn konstruiert. Das als „Cosworth-Hewland-Baukastenauto“ beschriebene Fahrzeug war im Wesentlichen eine leicht überarbeitete Version des N173.Biografie Rikky von Opels auf der Internetseite (abgerufen am 21. September 2026). Die Ähnlichkeiten mit dem Vorgänger sind so stark, dass die Fachliteratur den N173 und den N174 vereinzelt als einheitliches Modell (N173/N174) beschreibt.David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 87. Die Meldelisten führen den N173 und den N174 aber jeweils als eigenständige Modelle.
Chassis und Fahrgestell Der Ensign N174 hat ein Monocoque aus Aluminiumblechen.David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 88. Die Vorderräder waren an Doppelquerlenkern aufgehängt; die Federn waren außenliegend angeordnet.David Hodges: A–Z of Grand Prix Cars 1906–2001. Crowood Press, 2001, ISBN 1-86126-339-2, S. 80.
Karosserie Die Karosserie des N174 war neu gestaltet. Anstelle des von Rundungen geprägten Aufbaus des N173 hat der N174 gerade Linien. Der für den N173 typische Lufteinlass auf den Seitenkästen entfiel, Motor und Getriebe sind seitlich unverkleidet. Der N174 erhielt eine neue Lufthutze, die kurzer ausfiel als beim Vorgänger. Die hohe Cockpitumrandung wurde dagegen unverändert vom N173 übernommen.
Motorisierung Als Antrieb diente wie bei fast allen Formel-1-Autos der 1970er-Jahre ein 3,0 Liter großer Cosworth-DFV-Achtzylindermotor, der seine Leistung über ein Fünfganggetriebe von Hewland (Typ FGA400) auf die Hinterräder übertrug.
Produktion Ensign baute zwei Chassis vom Typ N174 (MN02 und MN03), allerdings wurde nur das Chassis MN02 komplettiert und bei Rennen eingesetzt.
Für das Chassis MN03 sind keine Renneinsätze dokumentiert. Sein Monocoque wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts für den Wiederaufbau des Ensign N173 (MN01) verwendet.
Formel-1-Einsätze im Ensign-Werksteam
1974 Der N174 erschien im Januar 1974 beim Großen Preis von Argentinien. Im Qualifikationstraining fuhr von Opel mit dem neuen Auto mit Abstand die langsamste Rundenzeit: Sein Rückstand auf die Zeit des Polesitters betrug mehr als sieben Sekunden.Startaufstellung zum Großen Preis von Argentinien 1974 auf motorsport-total.com (abgerufen am 26. September 2026). Von Opel führte das auf Handlingprobleme beim N174 zurück, woraufhin Ensign das Auto vor dem Rennen zurückzog.Ergebnisse des Großen Preises von Argentinien 1974 auf motorsport-total.com (abgerufen am 26. September 2026). Das Team ließ die anschließenden Großen Preise von Brasilien und Südafrika aus, um an Aerodynamik- und Fahrwerksverbesserungen zu arbeiten. Der modifizierte N174 sollte im März 1974 beim Race of Champions mit von Opel debütieren, einem Formel-1-Rennen ohne Weltmeisterschaftsstatus, mit dem die sogenannte europäische Saison begann. Obwohl von Opel hier im Qualifying den 15. Startplatz herausfuhr,Statistiken des Race of Champions 1974 auf oldracingcars.com (abgerufen am 25. September 2026). hielt er auch den überarbeiteten N174 für unfahrbar und lehnte eine Teilnahme an diesem Rennen ebenso ab wie an der International Trophy im April 1974, die ebenfalls keinen Weltmeisterschaftsstatus hatte. Danach trennten sich Ensign und von Opel.Geschichte des Ensign N174 auf oldracingcars.com (abgerufen am 21. September 2026). Bei der International Trophy fuhr stattdessen Brian Redman den neuen N174 und belegte am Ende den achten Platz.Statistik der BRDC International Trophy 1974 auf oldracingcars.com (abgerufen am 25. September 2026).
Nachdem Ensign auch den Großen Preis von Spanien ausgelassen hatte, erschien der N174 mit Vern Schuppan beim fünften Weltmeisterschaftslauf in Belgien. Schuppan fuhr mit dem N174 den 14. Startplatz heraus und beendete das Rennen mit drei Runden Rückstand als Fünfzehnter.Statistiken des Großen Preises von Belgien 1974 auf motorsport-total.com (abgerufen am 25. September 2026). Das war Ensigns einzige Zielankunft bei einem Weltmeisterschaftslauf in dieser Saison. Beim anschließenden Großen Preis von MonacoStatistiken des Großen Preises von Monaco 1974 auf motorsport-total.com (abgerufen am 25. September 2026). rutschte der N174 in der fünften Runde auf einer Öllache, die sich nach einem Unfall von Jean-Pierre Beltoise und Denis Hulme gebildet hatte, von der Piste. Bei dem nachfolgenden Aufprall wurde der N174 so stark beschädigt, dass sich die Reparaturen mehrere Wochen lang hinzogen und das Team beim Weltmeisterschaftslauf in Schweden noch einmal den alten N173 einsetzen musste.Statistiken des Ensign N173 auf oldracingcars.com (abgerufen am 25. September 2026). In den Niederlanden war der N174 wieder einsatzbereit. Schuppan ging hier von Platz 17 aus ins Rennen, das er allerdings nicht beendete. Er wurde disqualifiziert, weil an seinem Auto außerhalb der Boxengasse ein Reifen gewechselt wurde.Bereits beim vorherigen Rennen in Schweden mit dem N173 war Schuppan disqualifiziert worden. Schuppan hatte sich für den 27. Startplatz qualifiziert. In der Startaufstellung stand er allerdings infolge eines Irrtums auf Platz 26. Von hier aus ging er auch ins Rennen, das er mit drei Runden Rückstand als Zwölfter beendete. Der falsche Startplatz Schuppans fiel erst nach Beendigung des Rennens auf. Schuppan wurde daraufhin nachträglich disqualifiziert. Vgl. Statistik des Großen Preises von Schweden auf oldracingcars.com (abgerufen am 25. September 2026). In FrankreichStatistiken des Großen Preises von Frankreich 1974 auf motorsport-total.com (abgerufen am 25. September 2026). und GroßbritannienStatistiken des Großen Preises von Großbritannien 1974 auf motorsport-total.com (abgerufen am 25. September 2026). verpasste Schuppan jeweils die Qualifikation. In Deutschland qualifizierte er sich noch einmal, erreichte im Rennen aber nicht das Ziel: Nach vier Runden fiel der N174 infolge eines Getriebedefekts aus.Statistiken des Großen Preises von Deutschland 1974 auf motorsport-total.com (abgerufen am 25. September 2026). Nach dem Rennen in Deutschland beendeten Schuppan und Yip ihre Verbindung zu Ensign.
Schuppans Nachfolger war der britische Debütant Mike Wilds, der in Österreich den N173 zu seiner letzten Meldung brachte. Wilds qualifizierte sich mit dem alten Auto nicht.Statistiken des Großen Preises von Österreich 1974 auf motorsport-total.com (abgerufen am 25. September 2026). Für die letzten drei Rennen der Saison erhielt Wilds den Ensign N174. Er verpasste mit dem neuen Auto sowohl in ItalienStatistiken des Großen Preises von Italien 1974 auf motorsport-total.com (abgerufen am 25. September 2026). als auch in KanadaStatistiken des Großen Preises von Kanada 1974 auf motorsport-total.com (abgerufen am 25. September 2026). die Qualifikation. Erst beim letzten Saisonrennen in den USA gelang Wilds seine erste Qualifikation zu einem Formel-1-Weltmeisterschaftslauf. Seine schnellste Qualifikationsrunde reichte für Startplatz 22, womit er vor den Werkswagen von March und Surtees startete. Nach einem Boxenstopp wegen Problemen mit der Benzinpumpe kam Wilds mit neun Runden Rückstand ins Ziel und wurde nicht gewertet.Statistiken des Großen Preises der USA 1974 auf motorsport-total.com (abgerufen am 25. September 2026).
1975 In der Saison 1975 begann Ensign sein Formel-1-Engagement mit Verzögerung. Die Großen Preise von Argentinien, Brasilien und Südafrika ließ das Team aus wirtschaftlichen Gründen aus.Pierre Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1. 2. Auflage. St. Sulpice 2000, ISBN 2-940125-45-7, S. 240. Erst zum Beginn der europäischen Saison hatte Ensign mit dem niederländischen Sicherheitsunternehmen HB Bewaking einen Sponsor gefunden, der das Budget für die Rennsaison 1975 sicherstellte. HB Bewaking finanzierte das den Einsatz des aus Eindhoven stammenden Rennfahrers Roelof Wunderink und beteiligte sich an den Kosten für die Entwicklung eines neuen Autos.