alternativtext=|mini|Ernst Louis Günter im Jahr 1954 Ernst Louis Günter (* 23. Februar 1910 in Thörigen; † 7. März 1990 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer, Kunstmaler und Ernährungsberater. Er beschäftigte sich insbesondere mit Rohkosternährung und gründete in Thörigen einen Reformversand, aus dem später die Familienunternehmen Vitapower und Infovita hervorgingen.
Herkunft und Ausbildung Ernst Günter wurde am 23. Februar 1910 als Sohn des Bauern Ernst Günter und seiner Frau Emma, geborene Zumstein, im «Rothaus» in Thörigen bei Herzogenbuchsee im Kanton Bern geboren. Er hatte einen fünf Jahre älteren Bruder namens Hans und eine sieben Jahre jüngere Schwester namens Gertrud. Sein Vater litt bereits früh an einem Herzleiden und starb 1934. Günter beschäftigte sich schon in jungen Jahren mit Fragen der Ernährung und konnte seinem Vater nach eigenen Angaben durch einfache diätetische Ratschläge die letzten Lebensjahre erleichtern.
Ursprünglich wollte Günter Bautechniker werden. Er absolvierte zunächst eine Ausbildungszeit bei einem Architekten in Neuenburg und besuchte ein Jahr lang das Technikum Burgdorf. Anschliessend wandte er sich der Kunst zu. Nach einem zweijährigen Praktikum in einer Steinhauerei erhielt er von 1931 bis 1934 eine Ausbildung zum Bildhauer und Kunstmaler. Dafür besuchte er die Staatsschule für angewandte Kunst in München, die Regia Accademia delle Belle Arti in Rom und die Kunstakademie Berlin.
Kunst Nach seiner Rückkehr nach Thörigen im Jahr 1934 errichtete Günter neben dem Elternhaus ein eigenes Atelier und arbeitete fortan als selbstständiger Bildhauer. Daneben betrieb er ein Grabsteingeschäft, in dem auch Angestellte und Lehrlinge beschäftigt waren.
Im Laufe seiner künstlerischen Tätigkeit entstanden zahlreiche Porträts, Gartenfiguren, Brunnenfiguren und Grabmäler. Als Materialien verwendete er vor allem Bronze, Ton und Porzellan, daneben auch Holz und Stein. Zu seinen bekannten Werken gehören die Brunnenfigur Ballwerfer auf dem Rössliplatz in Herzogenbuchsee, das Frauenstandbild Weitblick hinter dem Schulhaus in Thörigen und die Garbenträgerin auf dem Sonnenplatz-Brunnen in Herzogenbuchsee. Ausserdem schuf er die Figurengruppe Erster Schultag sowie Mutter und Kind im Sekundarschulhaus Herzogenbuchsee aus dem Jahr 1954.
Für das Hotel «Bären» in Langenthal fertigte Günter eine Darstellung des Langenthaler Originals «Bäri» Luginbühl sowie einen grossen Bären für die Fassade an. Für das Hotel «Bären» in Ostermundigen entstanden Holzschnitzereien.
Günter war Mitglied des Kunstvereins Solothurn und nahm an dessen Jahresausstellungen teil. Darüber hinaus organisierte er eigene Ausstellungen, häufig gemeinsam mit anderen Künstlern aus dem Oberaargau. Zu seinen Mäzenen gehörten unter anderem die Industriellen Walter Egger aus Aarwangen und Hans Winzenried aus Deisswil bei Bern. Für Winzenried schuf Günter Holzreliefs mit Szenen aus dem bäuerlichen Alltag.
Aufenthalt in den USA und Rohkost Günter unternahm im Laufe seines Lebens zahlreiche Reisen und hielt sich wiederholt längere Zeit in Italien und England auf. Von 1956 bis 1967 lebte er in Florida in den USA und erwarb dort auch die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Während seines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten kam er mit der sogenannten Natural Hygiene-Bewegung in Kontakt. Er besuchte Vorträge und Vorlesungen und begann, die dort vermittelten Vorstellungen auf seine eigene Lebensweise anzuwenden.
Nach eigener Darstellung stellte Günter seine Ernährung zunehmend auf Rohkost um. Er führte später aus, dass sich dadurch unter anderem seine schmerzhaften Beinkrämpfe, Müdigkeit, chronische Verstopfung und Ischiasbeschwerden gebessert beziehungsweise aufgelöst hätten.
Ernährungsberater und Buchautor Nach seiner Rückkehr in die Schweiz beschäftigte sich Günter zunehmend mit Ernährungsfragen. Er sah es als seine Aufgabe an, Menschen mit gesundheitlichen Problemen durch Ernährungsratschläge zu unterstützen. Dadurch trat seine ursprüngliche Tätigkeit als Bildhauer zunehmend in den Hintergrund.
1971 veröffentlichte er die Schrift Ohne Krankheit leben. Das Buch erschien später unter dem Titel Lebendige Nahrung und wurde in zahlreichen Auflagen veröffentlicht. Nach Angaben des Verlags wurden bis zur 30. Auflage im Jahr 2017 mehr als 140'000 Exemplare verkauft. Das Buch wurde ausserdem in mehrere Sprachen übersetzt.
In seinen Schriften vertrat Günter die Auffassung, dass eine falsche Ernährung eine wesentliche Ursache zahlreicher Krankheiten sei. Dabei stellte er insbesondere die Bedeutung gekochter Nahrung infrage und befürwortete eine Ernährung mit möglichst vielen rohen Lebensmitteln. Unter anderem bezog er sich auf den Bibelvers Genesis 1,29 sowie auf die enzymtheoretischen Vorstellungen des amerikanischen Arztes Edward Howell.
Mitte der 1970er Jahre gründete Günter in Thörigen den «Reformversand Verlag Günter». Neben seinen Büchern wurden dort verschiedene Reformprodukte angeboten, darunter Weizenkeime und Kräuterpulver.
In den folgenden Jahren beriet Günter zahlreiche Menschen telefonisch und schriftlich. Ausserdem nahm er Hilfesuchende in seinem Kurhaus in Thörigen auf und hielt Vorträge in der Schweiz und im Ausland. 1989 veröffentlichte er die Broschüre Gesundheit auch für Dich – 100 Heilungszeugnisse, in der verschiedene Erfahrungsberichte über gesundheitliche Verbesserungen dokumentiert wurden.
Familie und Tod 1968 heiratete Ernst Günter Edith Roos. Zwei Jahre später wurde die gemeinsame Tochter Ingeborg geboren. 1983 entstand in Thörigen das später als Familiensitz genutzte Wohnhaus. Er starb am 7. März 1990 in Thörigen an einem Herzasthma-Anfall.
Nachwirkung Nach dem Tod von Ernst Günter übernahm seine Tochter Ingeborg Burger-Günter im März 1990 die Geschäftsleitung des Reformversands. 1994 heiratete sie Michael Burger, mit dem sie den Betrieb gemeinsam weiterführte.
1996 entstanden daraus die beiden Unternehmen Vitapower, das sich auf Vitalprodukte konzentriert, und Infovita, ein Institut für ganzheitliche Gesundheit. Beide Unternehmen bestehen in Thörigen als Familienbetriebe weiter und berufen sich auf die Arbeit und die ernährungsbezogenen Vorstellungen von Ernst Günter.
Literatur (Auswahl) Ohne Krankheit leben. Eigenverlag, Herzogenbuchsee 1971. Lebendige Nahrung. Verlag Günter, Thörigen. (= Spätere Neuauflage von Ohne Krankheit leben, unter anderem 30. Auflage 2017.) Gesundheit auch für Dich – 100 Heilungszeugnisse. Eigenverlag, Thörigen 1989. Spätere Auflagen erschienen unter dem Titel Gesundheit auch für Dich – 100 ermutigende Erfahrungsberichte.
Einzelnachweise
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