mini|Torhaus und erhaltener Teil des Herrenhauses vom Haus Brock, südwestliche Ansicht Das Haus Brock ist ein alter Gräftenhof in Münster-Roxel in Nordrhein-Westfalen, der seit dem 22. Oktober 1992 unter Denkmalschutz steht.

Namensherkunft Das Haus Brock erhielt seinen Namen aufgrund der geografischen Lage in der Bauernschaft Brock.

Lage Das Haus Brock befindet sich in der Straße Haus Brock 27 im Westen von Münster-Roxel. Das Grundstück des Gräftenhofes grenzt an den Fluss Helmerbach.

Geschichte mini|Allianzwappen der Familien von Stevening (links) und Bischopinck (rechts) über der Tordurchfahrt des Torhauses Erstmals namentlich erwähnt wird das Haus Brock im 14. Jahrhundert im Besitz der Erbmännerfamilie Travelmann, die zahlreiche Gutshöfe in der Umgebung der Stadt Münster besaßen. Im Jahr 1529 ging das Anwesen in den Besitz der Herren von Stevening über. Johann von Stevening und seine Frau Maria von Bischopinck ließen während des Dreißigjährigen Krieges das Anwesen zu einem befestigten, repräsentativen Landsitz umbauen. Aus dieser Zeit stammen auch die noch heutzutage erhaltenen Gebäude des Hauses Brock: ein Herrenhaus sowie ein Torhaus. Das Torhaus wurde im Jahr 1623 erbaut, was sich mittels einer Inschrift nachweisen ließ. Seit 1898 ist die Inschrift nicht mehr am Gebäude vorhanden. Für den Bau des Torhauses wurde überwiegend Backstein verwendet, der in einer Ziegelei auf dem Grundstück hergestellt wurde. Die Ziegelei wurde nach Fertigstellung des Gebäudes auf Weisung der Rüschenfelder Markgenossen entfernt. Die Errichtung des Herrenhauses erfolgte neun Jahre später im Jahr 1632, was sich aufgrund einer Kamininschrift belegen lässt.

Bei beiden Kaminstürzen des Eckpavillons des Herrenhauses wurde das Familienwappen der Familie von Bischopinck zerstört, sodass lediglich das Wappen der Familie von Stevening besteht. Auch das Wappen über der Durchfahrt des Torhauses ist stark verwittert. Es kann daher angenommen werden, dass Maria von Bischopinck einer Damnatio memoriae zum Opfer gefallen ist. Die Kamininschriften des Herrenhauses erinnern angeblich an die Gefangenschaft Johanns von Stevening, der im Dreißigjährigen Kriege des geheimen Einverständnisses mit den Hessen bezichtigt wurde.

Nach dem Aussterben der Erbmänner von Stevening im Jahr 1645 erbte Lambert von Bock den Gutshof. Über dessen Schwester gelangte es in den Besitz der Erbmännerfamilie Kerckerinck zu Stapel. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Herrenhaus weitestgehend abgerissen, nur ein Eckpavillon blieb erhalten. 1859 verkauften die Kerckerincks das Anwesen an die Familie Droste zu Hülshoff. Seit 1941 befindet sich der ehemalige Gräftenhof in Privatbesitz und es wurden einige bauliche Veränderungen an dem Torhaus vorgenommen. Unter anderem wurde die Ostwand des Hauses durch den Einbruch zweier Garagentore zu Seiten der Tordurchfahrt verändert und an der Südseite des Gebäudes eine weitere Kellertür eingebaut.

Erste Restaurierungsarbeiten wurden 1984 vorgenommen. Diese umfassten eine Trockenlegung des Mauerwerks durch Horizontalisolierung, eine Reinigung der Gebäudehülle mit Heißdampf, eine Neuverfugung des Ziegelmauerwerks, das Ersetzen verwitterter Steine und Schließen von Baurissen mit Stahlklammern und Vergussmörtel sowie das Antragen von Fehlstellen mit Mineros. Der Schornsteinkopf wurde erneuert, verwitterte Werksteinteile ausgetauscht und durch Baumberger sowie Wrexener Stein ersetzt, sandende Steine wurden mit Kieselsäureester verfestigt. Abschließend wurde die Gebäudehülle mit einem Silikonpräparat getränkt und farblich retuschiert. Seit 2023 wird das Torhaus erneut einer umfangreichen Restaurierung unterzogen, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Denkmalförderungsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt wird.

Baubeschreibung Das Haus Brock ist ein ehemaliger Gräftenhof in Form einer Zwei-Inselanlage. Herrenhaus und Vorburg waren ursprünglich jeweils von eigenen Wassergräben umgeben. Von der historischen Anlage haben sich Teile der Gräften, das Torhaus sowie Reste des ehemaligen Herrenhauses erhalten.

Torhaus mini|Torhaus, südwestliche Ansicht Das Torhaus steht auf der ehemaligen Vorburginsel und bildet den repräsentativen Zugang zur Anlage. Der langgestreckte, zweigeschossige Backsteinbau ist dem Stil der westfälischen Renaissance zuzuordnen. Der Grundriss weist in der Mitte der Längswände einen leichten Knick auf. Das Gebäude steht auf einem Bruchsteinfundament. Das Satteldach wird an der Nord- und Südseite jeweils durch einen Dreistaffelgiebel in münsterischer Form abgeschlossen. Die Dachfläche ist ungegliedert und aus dem First ragt ein Schornsteinkopf. Die Fassaden sind durch Sandstein- und Werksteinelemente gegliedert und weisen profilierte Gesimse auf. An den Längswänden des Obergeschosses und am Südgiebel sind über dem Gesims zahlreiche Taubenlöcher erhalten. Die westlich angeordnete, rundbogige Tordurchfahrt besitzt eine Natursteineinfassung. Über der Durchfahrt befindet sich das Allianzwappen der Erbauerfamilien von Stevening und von Bischopinck, wobei das Wappen der Familie Bischopinck deutlich verwitterter ist. Ursprünglich war dem Torhaus eine Zugbrücke vorgelagert, was sich am sandsteinernen Rahmen erkennen lässt.

Die Anordnung und Gestaltung der Fenster und Türen ist unregelmäßig. Die Fensteröffnungen besitzen backsteinerne Überfangbögen, sind durch Steinpfosten geteilt und sind von Werksteinen gerahmt. Sie sind teilweise bleiverglast und liegen in tiefen, bis zum Boden reichenden Nischen. Die unterschiedlichen Höhen der Fenster stehen sowohl mit den Veränderungen des Geländeniveaus als auch mit den verschiedenen Nutzungen des Gebäudes in Zusammenhang. Das Torhaus diente neben seiner Zugangsfunktion unter anderem als Torschreiberei sowie als Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Das Obergeschoss und der Dachboden sind weitgehend undifferenziert ausgebildet und weisen auf eine frühere Nutzung als Speicher hin. Die Ladeluken im Südgiebel dienten vermutlich ebenfalls der Einlagerung und dem Transport von Gütern. Im Inneren sind zahlreiche historische Baubefunde erhalten, darunter unterschiedliche Kamine, ältere Fugenritzungen und Fugenmalereien. Ein aufwendig verlegter Sandsteinboden in der ehemaligen Küche im Erdgeschoss weist zudem auf deren Nutzung als Brau- und Wirtschaftsküche hin.

Unter dem Südteil des Torhauses befindet sich ein Keller mit stichbogigen Kreuzgewölben auf Säulen. Der Keller ist heute über einen eigenen Zugang an der Südseite erreichbar. Im Erdgeschoss darüber liegt ein größerer Raum, der durch den rundbogigen Eingang in der Südwand erschlossen wird.

Herrenhaus mini|Eckpavillon des Herrenhauses, nordwestliche Ansicht Vom ehemaligen Herrenhaus ist insbesondere ein zweigeschossiger, annähernd quadratischer und turmartiger Baukörper im südöstlichen Bereich der Hauptinsel erhalten. Der erhaltene Teil des Herrenhauses besitzt einen Staffelgiebel und ein Satteldach. Die Fassaden sind durch Sandsteinelemente, darunter die ehemaligen Steinkreuzfenster, gegliedert. Das aufgehende Mauerwerk besteht aus sorgfältig behauenen Werksteinquadern. Neben Sandstein wurde für den Sockel Bruchstein als Baumaterial verwendet, die Westwand des Gebäudes weist Backsteinmauerwerk auf. Die beiden folgenden Geschosse sind durch ein dünnes Profilgesims getrennt. Die beiden Hauptgeschosse werden durch große Steinkreuz- und Steinbrückenfenster akzentuiert. Im östlichen Staffelgiebel befinden sich weitere Steinbrückenfenster und kleine Luken.

Der heute erhaltene Baukörper stellt einen Eckpavillon, einen Rest des ursprünglich umfangreicheren Herrenhauses dar, da Teile des ursprünglichen Herrenhauses im 19. Jahrhundert abgebrochen wurden. Der abgebrochene Anbau des Herrenhauses lässt sich noch heute an der Westwand des bestehenden Eckpavillons erkennen, an der auch der Staffelgiebel nicht mehr besteht. An den Außenwänden haben sich zudem eine Auslucht an der Nordseite sowie im Obergeschoss der Südwand und im Erdgeschoss der Ostwand je ein Aborterker erhalten. In der Westwand sind die Spuren einer Wendeltreppe und vermauerte Türen sichtbar. Der erhaltene Ostgiebel zeigt die münsterische Dreistaffelform: Die Seitenstufen besitzen keine Aufsätze, als Firststufe dient der Schornsteinkopf.

Auch im Innern haben sich wesentliche Teile der historischen Ausstattung und Raumstruktur erhalten. Die vier stichbogigen Kreuzgewölbe des Kellers ruhen auf einer Mittelsäule. Die oberen Geschosse besitzen schlichte Holzbalkendecken und bewahren grundsätzlich noch das alte Raumbild.

Zudem sind historische Kamine an der Ostwand des Gebäudes erhalten, die eine Datierung auf das Jahr 1632 begründen. Der Kaminsturz im Erdgeschoss besitzt die Inschrift „Nulla rosa sine spinis/Diem nox sequitur“ („Keine Rose ohne Dornen/Dem Tag folgt die Nacht“). Rechts daneben befindet sich das Wappen der Familie von Stevening und eine französische Inschrift mit Datierung „Qui sans cesse à la mort pense/Est doué de sapience/Patience passe science et met en paix la conscience/1632“ („Wer stets des Todes eingedenk ist, ist mit Weisheit ausgestattet. Geduld ist wertvoller als Wissen und gibt Frieden dem Gewissen“). Der Kamin im Obergeschoss weist eine lateinische Inschrift desselben Jahres und mit den Worten „Deum honora dilige proximum/Nemini facias quod pati nolis/1632“ auf („Ehre Gott und liebe deinen Nächsten. Füge keinem zu, was du nicht selber dulden magst“).

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Einzelnachweise

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