mini|Bechertrommel tifa von den Tanimbar-Inseln in den Südostmolukken. Die Membran wird durch Keilringe an einer umlaufenden Rattanschnur gespannt. Vor 1941 Tifa, seltener und regional tipa, auch tifal, tihal, titir, ist eine Gruppe von einfelligen, am unteren Ende offenen Röhrentrommeln mit einem schlanken hölzernen Korpus in Indonesien, die mit diesem Namen als zwei unterschiedliche Typen verbreitet sind: Bechertrommeln mit einem wulstförmigen Rand am unteren Ende und etwas breitere konische, auch zylindrische Trommeln in unterschiedlichen Varianten, Größen und regionalen Namen auf den zahlreichen Inseln der Molukken und eine schlanke sanduhrförmige Trommel in Westneuguinea mit und ohne einem Handgriff in der Mitte. Diese Form entspricht der in der Musik Neuguineas auf der gesamten Insel Neuguinea und darüber hinaus auf anderen melanesischen Inseln verbreiteten kundu und wird dort beschrieben.

Dieser Artikel behandelt die Trommeln der Molukken. Deren Membran aus Ziegen- oder Rehhaut wird an einem Korpus aus festem Holz mittels Keilringspannung an einem Rattanring fixiert. Der Name tifa für Trommeln in den Molukken ist in einer portugiesischen Quelle um 1544 belegt. Tifa sind die in den Molukken am weitesten verbreiteten Musikinstrumente, die für die meisten traditionellen Stile der unterhaltenden und zeremoniellen Musik eingesetzt werden. Überwiegend werden sie nur von Männern gespielt und je nach ihrer Form mit einer Hand, einem Stock oder mit zwei Stöcken geschlagen.

Herkunft und Verbreitung mini|hochkant|Bechertrommel katambung der Dayak-Ngaju auf Borneo Alle tifa gehören zu den einfelligen Röhrentrommeln, deren meist schlanker Korpus aus einem Holzstamm geschnitzt wurde. Trotz ihrer unterschiedlichen Korpusformen und einer anderen Befestigung der Membran verbindet die die schlanken Trommeln der Molukken und alle Trommeln Neuguineas das Merkmal, dass sie auf einer Seite des Körpers gehalten und mit den Händen geschlagen werden. Mit ihren sonstigen Eigenschaften bilden tifa/kundu eine typologische Gruppe, die sich zum einem im Westen von den auf den übrigen malaiischen Inseln in waagrechter Position geschlagenen zweifelligen Fasstrommeln kendang und zum anderen im Osten von den in Polynesien stets senkrecht auf dem Boden stehenden einfelligen Kesseltrommeln pahu abgrenzt. Das Verbreitungsgebiet der sanduhrförmigen einfelligen Trommeln erstreckt sich von Neuguinea über ganz Melanesien bis zu den östlichen Inseln von Mikronesien.Hans Fischer, 1958, S. 30

Archaische Formen von Röhrentrommeln bestehen aus ausgehöhlten Baumstämmen, die an einem Ende mit einer Membran bespannt sind. Dieser Trommeltyp war Curt Sachs zufolge ab einer frühen Zeit in West- und Ostafrika, im Malaiischen Archipel, Melanesien, Polynesien und auf dem amerikanischen Doppelkontinent verbreitet.Curt Sachs: Geist und Werden der Musikinstrumente. Reimer, Berlin 1928 (Nachdruck: Frits A. M. Knuf, Hilversum 1965), S. 58f Sachs erwähnt als Beispiel etwa drei Meter lange heilige Ritualtrommeln auf der indonesischen Insel Nias.Curt Sachs, 1923, S. 68 Über zwei Meter lange, leicht konische Trommeln sind auch von der Insel Borneo bekannt, etwa vom Innern der Provinz Ostkalimantan die tewung der Modang (Untergruppe der Kayan), jatung der Kenyah und die tuvung der Kayan. Bei Notsituationen, Todesfällen und anderen außergewöhnlichen Ereignissen dienten die Langtrommeln als Signalinstrumente für die Dorfbewohner.Gini Gorlinski: Indonesia, Kalimantan. II. Instruments and instrumental music. In: Grove Music Online, 2001 Derart lange Trommeln haben zwar die Form des aufrecht stehenden Baums bewahrt, müssen aber, um gespielt werden zu können, auf dem Boden liegen oder in eine Schräglage gebracht werden. Richtung unteres Ende ist der Schaft verjüngt und dieses Ende ist manchmal zu einen breiten Fuß ausgebildet.

mini|hochkant|Sultan Babullah von Ternate im Jahr 1579, als er einen Vertrag mit dem englischen Freibeuter Francis Drake unterzeichnete. Radierung von Theodor de Bry Eine solche archaische Langtrommel aus einem drei Meter langen Palmenstamm namens tifa gila („lange Trommel“) gehörte zu den höfischen Musikinstrumenten des Sultans Babullah, der von 1570 bis 1583 das muslimische Sultanat von Tidore in den Nordmolukken regierte. Der Membrandurchmesser dieser flach am Boden liegenden Trommel betrug 40 Zentimeter. Durch ein am oberen Ende untergelegtes Brett wurde die mit zwei Stöcken geschlagene Membran etwas angehoben. Babullah soll einer Überlieferung zufolge den langsamen, aber sehr anstrengenden Kriegstanz hasa nach einer gegen die Portugiesen gewonnenen Schlacht eingeführt haben. Der Kriegstanz durfte nur von den beiden engsten militärischen Führern, dem Leiter der Seestreitkräfte (kapitan lao) und dem Leiter der Landstreitkräfte (kapitan kiye), vor dem Sultan aufgeführt werden, während die Soldaten am Rand der Empfangshalle (pendopo) zuschauten. Als einzige Begleitung fungierte die tifa gila, die einen langsamen konstante Rhythmus produzierte.Margaret J. Kartomi: Appropriation of Music and Dance in the Former Spice Islands of Ternate and Tidore. In: Revista de Musicología, Band 16, Nr. 1 (Del XV Congreso de la Sociedad Internacional de Musicología: Culturas Musicales Del Mediterráneo y sus Ramificaciones, Band 1) 1993, S. 513–527, hier S. 517f, 524

Als entwicklungsgeschichtlicher Fortschritt solcher ortsfester großer Trommeln gelten kleinere Trommeln, die senkrecht auf dem Boden stehend geschlagen werden. Bei einem unebenen sandigen Untergrund bot es sich an, am unteren Ende drei oder vier Füße auszuschneiden, um die Trommel in den Boden einzudrücken. Dieser Trommeltyp ist etwa auf den Neuen Hebriden und in Afrika weit verbreitet. Anstelle der Füße besitzen die in Polynesien senkrecht aufgestellten Kesseltrommeln pahu einen ornamental durchbrochenen unteren Bereich mit einem festen Rand als Aufstellfläche.

Von diesen Typen unterscheiden sich die tragbaren Trommeln, die, wie aus Zentralafrika, Mexiko und vom Amazonas bekannt, vom stehenden Musiker schräg zwischen den Oberschenkeln eingeklemmt, oder wie die sanduhrförmigen kundu in Neuguinea mit einem mittigen Handgriff gehalten werden. Becherförmige Trommeln wie die tifa der Molukken eignen sich dagegen besonders, um sie unter einem Arm zu halten.Curt Sachs: The History of Musical Instruments. W. W. Norton & Company, New York 1940, S. 32

mini|hochkant|Ein sundanesisches (westjavanisches) Ensemble mit sechs angklung und zwei langen Röhrentrommeln dogdog in Batavia, 1910–1930 Auf der Insel Nias gelten 70 bis 140 Zentimeter lange, nahezu zylindrische Bechertrommeln fodrahiTambour en sablier „fodrahi“. Musical Instrument Museums Online (Abbildung eines Korpus ohne Membran) (auch fondrahi) aus Palmenholz als heilige Ritualinstrumente. Die Membran der fodrahi wird an einem Ring aus Rattanfasern festgebunden und dieser mit einem weiteren Faserring um die Mitte des Korpus verspannt.Margaret J. Kartomi, Andrew C. McGraw: Fodrahi. In: Laurence Libin (Hrsg.): The Grove Dictionary of Musical Instruments. Band 2, Oxford University Press, Oxford/New York 2014, S. 339 In Westjava (Region Sunda) werden schlanke zylindrische Trommeln unterschiedlicher Länge als dogdog bezeichnet und zusammen mit unter anderem dem Bambusschüttelidiophon angklung und der Kegeloboe tarompet in mehreren Ensembles gespielt.Simon Cook: Indonesia, West Java, Sunda. II. Genres and ensembles. 2. Village music. In: Grove Music Online, 2001 Die dogdog haben eine Keilringspannung. Auch die konische Trommel kodi mit Standfuß auf der ostindonesischen Insel Sumba, die dort neben der großen zweifelligen Ritualtrommel lamba gespielt wird,Monni Adams: Instruments and Songs of Sumba, Indonesia: A Preliminary Survey. In: Asian Music, Band 13, Nr. 1, 1981, S. 73–83, hier S. 76f besitzt eine Keilringspannung.Sumba ‘Kodi’ Drum (Indonesia). Hartenberger World Music Collection; Tambur Kodi Sumba barat daya. Youtube-Video Ähnliche Schnurverspannungen besitzen die tifa auf den Molukken und die polynesischen pahu, aber nicht die tifa/kundu in Neuguinea.

Dass Bechertrommeln auf den Malaiischen Inseln früher stets als Ritualtrommeln verwendet wurden, spricht für ihr hohes Alter in der Region. Gemeinsam sind diesen Bechertrommeln ein langer schlanker Holzkorpus, der sich nur wenig nach unten verjüngt, und ein Rattanring an der Membran mit einer Rattanschnurverspannung. Zur Gruppe der kleineren altmalaiischen Bechertrommeln gehören außer tifa und fodrahi die von den Ngaju, einer zu den Dayak in der Provinz Zentralkalimantan auf Borneo gezählten Ethnie, bei religiösen Zeremonien gespielte katambung. Die 75 Zentimeter lange katambung hat einen Membrandurchmesser von 20 Zentimetern und einen sich stark konisch verjüngenden Korpus.Jonathan, Wika Dwi Darma, Frenky Albert Timotius, Jasmine Ambun Sintalegawa, Yesyurun Munthe: Preservation of the Musical Instruments: Katambung , Garantung, Rabab, Sape and Kecapi in Central Kalimantan. In: Harmonia: Journal of Music and Arts, Band 1, Nr. 1 November 2023, S. 26–42, hier S. 28 Die einfelligen Trommeln der Insel Flores (allgemeine Bezeichnung für Trommeln laba) sind überwiegend zylindrisch. Die häufig aus Kokospalmenholz hergestellte laba dera ist 40 bis 50 Zentimeter lang.Margaret J. Kartomi: Laba. In: Grove Music Online, 31. Januar 2014 Zum Typus der kleinen Bechertrommeln gehört ferner die babadok in Osttimor mit einem ausgeprägten StandfußTimor-Leste ‘Babadok’ (A). Hartenberger World Music Collection (Abbildung einer kurzen babadok von nur 33 Zentimetern Länge) und die rund 60 Zentimeter lange labu, die zum Gongspiel meko auf der Insel Roti gehört.

Die zylindrische kateuba auf den Mentawai-Inseln besteht aus einem 30 bis 60 Zentimeter langen Palmenholzstamm, der einseitig mit der Haut einer Netzpython oder eines Bindenwarans bespannt ist.Juniator Tulius, Linda Burman-Hall: Primates and birds of sabulungan. Roles of animals in sculptures, shamanic songs and dances, and the belief system of traditional Mentawaians. In: Wacana, Band 23, Nr. 2, 2022, S. 451–490, hier S. 483 Auch eine ähnliche, Anfang des 20. Jahrhunderts beschriebene Trommel im malaysischen Bundesstaat Perak wurde mit Schlangenhaut bespannt.

Auf Sulawesi sind abgesehen von den mit der Islamisierung (ab dem 17. Jahrhundert) verbundenen Kulturimporten alle traditionellen Trommeln röhrenförmig, die meisten davon sind aus einem Baumstamm gefertigte, eher kleine einfellige Zylindertrommeln. Lange Holztrommeln waren unbekannt. Die Membranen werden über eine Zickzack-Verschnürung mit einem Rattanring weiter unten am Korpus verspannt. Die Spannung lässt sich durch eine Reihe unter den Rattanring eingeschlagener Holzkeile justieren (Keilringspannung). Diesen Trommeltyp mit der bei einem Exemplar gemessenen Länge von 42 Zentimetern, einem Membrandurchmesser von 22 Zentimetern und einem unteren Durchmesser von 17 Zentimetern nannten die Toraja am Poso-See Ende des 19. Jahrhunderts tibuu. Für ähnlich kurze Trommeln bei den Minahasa in der Provinz Nordsulawesi ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts der Name tiwal überliefert. Zwei dort erworbene Exemplare sind 26 und 29 Zentimeter lang (Membrandurchmesser 22 bzw. 21 Zentimeter). Anfang des 20. Jahrhunderts wurden diese malaiischen Trommeln in manchen Dörfern auf Sulawesi noch als Signalgeber an kleinen Moscheen eingesetzt. Die Trommeln hingen Walter Kaudern (1927) zufolge am Dach außerhalb des Gebäudes und wurden mit einem einzelnen Stock geschlagen.Walter Kaudern: Ethnographical studies in Celebes: Results of the author’s expedition to Celebes 1917–1920. III. Musical Instruments in Celebes. Elanders Boktryckeri Aktiebolag, Göteborg 1927, S. 11–15 Sie ersetzten die ansonsten als Signalinstrument geschlagenen großen Fasstrommeln bedug.

mini|hochkant|Im Kraton (Sultanspalast) Kasepuhan in der javanischen Stadt Cirebon aufgehängte zweifellige Signaltrommel bedug