mini|Jassir Abed Rabbo, 2007 Jassir Abed Rabbo (; * 1944 oder 1945 in Jaffa), auch bekannt unter seiner Kunya Abu Bashar, ist ein palästinensischer Politiker. Er war langjähriger Minister in Regierungen der Palästinensischen Autonomiebehörde und Mitglied im Exekutivkomitee der Palästinensischen Befreiungsorganisation. Bekanntheit erlangte er unter anderem für seine Rolle im Friedensprozess zur Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts.
Werdegang Frühes Leben und Studium Abed Rabbo wurde 1944 oder 1945 in Jaffa geboren und wurde während der Vertreibung und Flucht der Palästinenser 1948 zum Flüchtling. Später studierte er an der American University in Cairo und erlangte einen Master-Abschluss in Wirtschaft und Politikwissenschaft.
Linker Aktivismus und PLO Abed Rabbos politische Karriere begann in der Bewegung Arabischer Nationalisten, einer pan-arabischen Organisation. Als der palästinensische Zweig der Bewegung 1967 in der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) aufging, wurde er einer ihrer Anführer. Im Jahr 1968 spaltete sich eine Fraktion unter Nayef Hawatmeh von der PFLP und bildete die Demokratische Front zur Befreiung Palästinas (DFLP). Abed Rabbo wurde Mitglied des Politbüros der DFLP und war nach Hawatmeh die zweit-einflussreichste Persönlichkeit der Organisation. Er wurde zum ranghöchsten DFLP-Mitglied, das in den Führungsgremien der Palästinensischen Befreiungsorganisation vertreten war.
Zwischen 1977 und 1994 leitete Abed Rabbo die Informationsabteilung der PLO. Während der 1980er Jahre war er eng mit Jassir Arafat verbunden und unterstützte dessen Bemühungen, eine Zweistaatenlösung zu verhandeln. Arafat ernannte ihn zum Vertreter der PLO in den Gesprächen mit den USA, die 1988 bis 1990 in Tunis statt fanden. Zu diesem Zeitpunkt verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Abed Rabbo und Hawatmeh. Die beiden waren uneins über Abed Rabbos Beteiligung an Arafats Diplomatie zur Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts sowie über das Ausmaß der politischen Aktivitäten der DFLP in Jordanien, wo Hawatmeh tätig war. Der Konflikt führte zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der beiden. Im Jahr 1991 brach Abed Rabbo mit Hawatmeh und bildete eine eigene Fraktion, die jedoch weiterhin den Namen DFLP nutzte. Er war 1991 Mitglied der Delegation zur Madrider Konferenz.
Im Jahr 1993 wurde aus Abed Rabbos Fraktion die Partei Palästinensische Demokratische Union (bekannt unter ihrem Akronym FIDA). Sie legte die marxistisch-leninistische Ausrichtung der DFLP ab. Abed Rabbo wurde zum Vertreter der FIDA im Exekutivkomitee der PLO. Das Oslo-I-Abkommen zwischen der PLO und Israel von 1993 unterstützte er vorsichtig.
Laufbahn nach dem Oslo-Friedensprozess mini|Abed Rabbo (links) mit Ministerpräsident Jassir Arafat und Minister Nabil Schaath in Kopenhagen, 1999
Im Jahr 1994 zog er in die Palästinensischen Autonomiegebiete, um seinen Posten in der neu gebildeten Palästinensischen Autonomiebehörde anzutreten. Als Vertreter der FIDA war er ab Mai 1994 Minister für Kultur, Kunst und Informationen. Er leitete das palästinensische Verhandlungsteam bei den Friedensgesprächen mit den Israelis zwischen September 1999 und Mai 2000 und nahm später am Camp-David-II-Gipfel im Juli 2000 teil. Ebenfalls nahm er am Gipfel von Taba im Jahr 2001 teil.
Abed Rabbo war von Mai 1994 bis April 2003 in den Kabinetten der Palästinensischen Autonomiebehörde Minister für Kultur, Kunst und Informationen. Anschließend war er bis Oktober 2003 Minister für Regierungsangelegenheiten.
Im Jahr 2002 trat er nach internen Streitigkeiten aus der FIDA aus. Die Frauenrechtsaktivistin Zahira Kamal war in einer internen Wahl als Nachfolgerin als FIDA-Ministerin in der Regierung der Palästinensischen Autonomiebehörde ausgewählt worden, doch Abed Rabbo weigerte sich, zurückzutreten und verließ stattdessen die Partei. Mit Arafats Unterstützung konnte er als Unabhängiger im Kabinett bleiben. Sein Nachfolger als Generalsekretär der FIDA wurde Saleh Ra'fat.
Er brachte zudem mehrere inoffizielle Friedensinitiativen auf den Weg, von denen allgemein angenommen wurde, dass sie Arafats Segen hatten, wie beispielsweise die Genfer Initiative von 2003. Letztere, die er gemeinsam mit Jossi Beilin initiiert hatte, wurde sowohl von den Israelis als auch von den Palästinensern verurteilt, wobei letztere insbesondere Abed Rabbos vermeintlichen Verzicht auf das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge kritisierten. Diese Initiativen sowie seine öffentliche Verurteilung der Selbstmordanschläge während der Zweiten Intifada stärkten Abed Rabbos Image als friedensorientierter Moderater, und er wird oft als palästinensische „Taube“ dargestellt.
Ab 2009 war er Generalsekretär des Exekutivkomitees der PLO. Am 30. Juni 2015 wurde Abed Rabbo von Mahmud Abbas als Generalsekretär des Exekutivkomitees entlassen. Arabischen Quellen zufolge warf Abbas Abed Rabbo vor, sich mit Mohammed Dahlan verschworen zu haben, um Abbas durch einen Staatsstreich zu stürzen. Anonyme palästinensische Beamte behaupteten, die beiden hätten sich seit langem über die Zuweisung von Haushaltsmitteln gestritten und Abbas habe Abed Rabbo aufgrund der finanziellen Unterstützung durch die Vereinigten Arabischen Emirate als Bedrohung für seine Präsidentschaft angesehen. Laut Nathan Thrall von der International Crisis Group machte sich Abbas weniger Sorgen über einen Putsch durch Abed Rabbo, fühlte sich jedoch durch Abed Rabbos vermeintliches Bündnis mit Abbas’ Rivalen Dahlan und dem ehemaligen Ministerpräsidenten Salam Fayyad bedroht. Abed Rabbo bestritt jegliche Verbindungen zu Dahlan und tat Gerüchte über eine Verschwörung als „Wahnvorstellungen“ ab. Er beharrte zudem darauf, dass er nicht aus dem Exekutivkomitee ausgeschlossen worden sei. Abed Rabbo wurde durch Saeb Erekat, einen engen Vertrauten von Abbas, ersetzt. Im Mai 2018 verlor Abed Rabbo seinen Sitz im Exekutivkomitee der PLO.
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