Friedemann Völklein (* 29. März 1952 in Breitungen/Werra) ist ein deutscher Physiker und Hochschullehrer. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Mikrosystemtechnik, Sensorik und Thermoelektrizität. Bekannt ist er insbesondere für ein nach ihm benanntes Verfahren zur Messung der Wärmeleitfähigkeit dünner Schichten („Völklein-Methode“)Friedemann Völklein, Ernst Kessler: „A Method for the Measurement of Thermal Conductivity, Thermal Diffusivity, and Other Transport Coefficients of Thin Films“. In: physica status solidi (a), Band 81, Nr. 2, 1984, S. 585–596. DOI:10.1002/pssa.2210810222.Friedemann Völklein, Heiko Reith, Andreas Meier: „Measuring methods for the investigation of in-plane and cross-plane thermal conductivity of thin films“. In: physica status solidi (a), Band 210, Nr. 1, 2013, S. 106–118. DOI:10.1002/pssa.201228478. sowie für Arbeiten an mikromechanischen Sensoren, die unter anderem beim Mars Organic Molecule Analyzer (MOMA) der ExoMars-Mission Anwendung fanden.Fred Goesmann, William B. Brinckerhoff, François Raulin u. a.: „The Mars Organic Molecule Analyzer (MOMA) Instrument: Characterization of Organic Material in Martian Sediments“. In: Astrobiology, Band 17, Nr. 6–7, 2017, S. 655–685. DOI:10.1089/ast.2016.1551. Für den Mikropirani-Sensor ist insbesondere Abschnitt 6.4.2.5 relevant.
Stationen
Völklein studierte von 1970 bis 1974 Physik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Dort wurde er 1984 promoviert und 1991 auf dem Gebiet der Festkörperphysik dünner Schichten und der Mikrosensorik habilitiert. Ab 1974 arbeitete er am Institut für Physikalische Hochtechnologie Jena (IPHT), wo er ab 1989 die Abteilung Sensorik/Mikrosysteme leitete. Von 1990 bis 1992 war er Senior Scientist an der ETH Zürich und arbeitete außerdem am Forschungszentrum von ABB in Baden in der Schweiz.
1992 wurde Völklein Professor für Vakuumtechnik, Physikalische Technologien und Mikrosystemtechnik an der damaligen Fachhochschule Wiesbaden, heute Hochschule RheinMain. Von 2004 bis 2019 leitete er dort das Institut für Mikrotechnologien (IMtech).Hochschule RheinMain: „IMtech – Institut für Mikrotechnologien“. Online, abgerufen am 17. September 2026. Zudem war er Gründungs- und Vorstandsmitglied des mst-Netzwerks Rhein-Main.
Forschung
Völklein beschäftigt sich vor allem mit mikroelektromechanischen Systemen (MEMS), thermoelektrischen Dünnschichten und Sensoren. Einen Schwerpunkt bilden Verfahren zur Messung thermischer Eigenschaften sehr dünner Materialien. Ein von Völklein und E. Kessler 1984 veröffentlichtes Messverfahren wurde in der Fachliteratur später als „Völklein-Methode“ beziehungsweise „Völklein-Geometrie“ weiterentwickelt und verwendet.A. Sikora, H. Ftouni, J. Richard, C. Hébert, D. Eon, F. Omnès, O. Bourgeois: „Highly sensitive thermal conductivity measurements of suspended membranes (SiN and diamond) using a 3ω-Völklein method“. In: Review of Scientific Instruments, Band 83, Nr. 5, 2012, Artikel 054902. DOI:10.1063/1.4704086. OnlineH. Ftouni, C. Blanc, A. Sikora, J. Richard, M. Defoort, K. Lulla, E. Collin, O. Bourgeois: „Thermal conductivity measurement of suspended Si-N membranes from 10 K to 275 K using the 3ω-Völklein method“. In: Journal of Physics: Conference Series, Band 395, 2012, Artikel 012109. DOI:10.1088/1742-6596/395/1/012109.
Im DFG-Schwerpunktprogramm SPP 1386 „Nanostrukturierte Thermoelektrika“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) leitete Völklein eine Forschungsgruppe zur Untersuchung nanoskaliger Materialien. Weitere Arbeiten befassten sich mit MEMS-basierten Vakuum-, Infrarot- und Gassensoren. Ein Mikropirani-Vakuumsensor, dessen Entwicklung im Wesentlichen auf Völklein zurückgeht, wurde für den Mars Organic Molecule Analyzer der ExoMars-Mission qualifiziert. Auch im Rahmen der Dragonfly-Mission der NASA zum Saturnmond Titan kommt ein Vakuumsensor auf Basis der Entwicklungen von Völklein zum Einsatz.Institut für Mikrotechnologien (IMtech) der Hochschule RheinMain: Institutsbericht 2021/2022, Abschnitt 4.8 „Kooperation mit NASA Goddard Space Flight Center (GSFC), Greenbelt, Maryland, USA (Friedemann Völklein)“. Online, abgerufen am 17. September 2026.
Schriften (Auswahl)
mit Thomas Zetterer: Praxiswissen Mikrosystemtechnik. Grundlagen – Technologien – Anwendungen. 2. Auflage, Vieweg, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-528-13891-2.Friedemann Völklein, Thomas Zetterer: Praxiswissen Mikrosystemtechnik. Grundlagen – Technologien – Anwendungen. 2. Auflage. Vieweg, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-528-13891-2.
mit Oliver Eibl, Kornelius Nielsch und Nicola Peranio (Hrsg.): Thermoelectric Bi2Te3 Nanomaterials. Wiley-VCH, Weinheim 2015, ISBN 978-3-527-33489-6.Oliver Eibl, Kornelius Nielsch, Nicola Peranio, Friedemann Völklein (Hrsg.): Thermoelectric Bi2Te3 Nanomaterials. Wiley-VCH, Weinheim 2015, ISBN 978-3-527-33489-6.
Auszeichnungen
2008: 3. Preis des Forschungspreises der Hessischen Hochschulen für Angewandte WissenschaftenHAW Hessen: „Forschungspreis 2008“. Friedemann Völklein wurde mit dem 3. Preis für die Entwicklung neuer Kontaktierungstechnologien für Mikrochips ausgezeichnet. Online, abgerufen am 17. September 2026. 2012: Sonderauszeichnung des Tierschutzforschungspreises des Hessischen Ministeriums für Umwelt und VerbraucherschutzHessischer Tierschutzbericht 2012. Bericht über den Hessischen Tierschutz-Forschungspreis und die Sonderauszeichnung für Wolfgang Kleinekofort und Friedemann Völklein. Online, abgerufen am 17. September 2026.
Einzelnachweise
Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Physiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Hochschule RheinMain) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1952 Kategorie:Mann