Hinrich Braker, auch Bracker, Braaker (* um 1664 in Flensburg; † 1. Dezember 1728 ebenda) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher und Autor.

Leben Hinrich Braker studierte Evangelische Theologie an den Universitäten Kiel (immatrikuliert am 1. Juli 1684)Das Album der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1665–1865. S. 30, Nr. 1540 und Jena (22. April 1786).Reinhold Jauernig: Die Matrikel der Universität Jena. Band 2: 1652–1723, Weimar: Böhlau 1961, S. 80

Von 1690 bis 1692 war er Lehrer an der Flensburger Lateinschule. 1692 ging er nach Berlin, um sich dort bei Philipp Jacob Spener mit den neuen Gedanken des Pietismus vertraut zu machen. Nach drei Jahren kehrte er nach Flensburg zurück. Man beschuldigte ihn nach seiner Rückkehr neuer Lehren, insbesonderes des Chiliasmus, und einer Nähe zum der Heterodoxie verdächtigten holstein-gottorfischen Generalsuperintendenten Caspar Hermann Sandhagen. Braker rechtfertigte sich aber deswegen gegenüber dem lutherisch-orthodoxen schleswigschen Generalsuperintendenten Josua Schwartz, dem scharfen Gegner Sandhagens, und gab 1695 und 1696 vor der Rendsburger Synode der Pröpste des königlichen Anteils in den Herzogtümern Schleswig-Holstein eine öffentliche Erklärung ab.

1699 wurde er Adjunkt des Pastors Samuel Thomsen an der Nikolaikirche in Flensburg, 1703 Diaconus (2. Pastor) und 1707 ihr Hauptpastor. Braker wandelte sich komplett vom Sympathisanten zum entschiedenen Gegner des Pietismus, wie es sich etwa in der mit Invektiven angereicherten Kontroverse um Otto Lorentzen Strandiger zeigte.Henricus Brakerus, in: Johann Moller Cimbria Literata, Sive Scriptorum Ducatus Utriusque Slesvicensis Et Holsatici, … Kopenhagen 1744, Band 1, S. 63 Daraufhin wurde er selbst zur Zielscheibe von satirischen Schriften.Z.B. Asinus Percussus d. i. Herr Hinrich Bracker, Capellan zu S. Nicol. in Flenssburg, Wegen Sein zu weit auffgethanes Läster-Maul unter dem Bilde Eines ESELS nach der Würde abgeprügelt v. Moscherosch. Gedruckt im Hollsteinischen. o. J. (nach 1705)

Er war verheiratet mit Elsabe, geb. Thomsen, einer Tochter seines Amtsvorgängers Samuel Thomsen.

Neben seinem Amt und den theologischen Streitschriften widmete sich Braker der Dichtkunst. Er soll nach Johann Henrich von Seelen „ein ausgezeichneter lateinischer Dichter“ gewesen sein, schuf geistliche Gedichte, poetische Inschriften wie die des Epitaphs für den Generalsuperintenden Stephan Klotz, und war maßgeblich an der Redaktion des Flensburgischen Gesangbuchs mit 550 Liedern beteiligt, das allerdings erst nach seinem Tod 1729 erschien.Flensburgisches / Gesang-Buch / welches / den Kern auserlesener / und erbaulicher / Lieder / in bequemer form, / zur Erweckung und Vermehrung / gott-gefälliger Andacht / und Erbauung / Jm / Glauben und gottseligen Leben / enthält / Nebst einem / zweyfachen Anhang / 1. einer Anleitung bey der Beichte und Buß / Andacht / 2. eines kurzen / Gebet-Buches. Flensburg: gedruckt bei Christoph Vogel 1729 / Verlag des Waysen-Hauses.A. Wolff: Das Flensburger Gesangbuch von 1729/42. In: Aus Flensburgs Vorzeit. 1 (1887), S. 123f

Werke Responsa ad questiones de controversiis modernis chiliastico-pietisticis. In: Josua Schwartz: Gründliche Wiederlegung einer fast dem halben Theil des Schleßwig-Holsteinischen Ministerii im Mayo des 1696. Jahres zur Buß-Predigt fürgeschriebenen durchgehends aber dem Chiliasmo dienenden Außlegung des Siebenden Capittels Michae … 1697 Odae quinque sacrae Germanicae seorsim excusae. Flensburg 1705 (Hrsg.): Decades Epistolarum De Syncretismo Hodierno Damnabili Et Noxio: a Theologis eo seculo doctissimis conscriptarum. Flensburg: Schumann 1706 (Digitalisat) Ihro Königl. Majest. Zu Dennemarck/ Norwegen [et]c. Unsers … Monarchen und Erb-Herrens Ernstliches und Höchst-vortreffliches Edict Wider Die heimliche Zusammenkünffte und gottlose Irr-Lehren Derer Pietisten : Welches … Anno 1706. emaniret/ Von … D. Neumanno, Samt einer Vorrede Anno 1708. aufgeleget/ Und jetzo abermahl Bey mehr und mehr andringenden Neuerungen mit einer unterdienstlichen Addresse An … Den Königl. Kirchen-Rath und General-Superintendenten, Hn. Lic. Theodorum Dassovium Vorgestellet. Flensburg: Vogel 1711 (Digitalisat)

Literatur D. Josuae Schwartzens Königlichen General-Superintendentens/ und Consistorial-Rahts/ in den Hertzogthümern Schleßwig- und Holstein/ als auch Probstens zu Renßburg Gründliche Wiederlegung/ Einer Fast dem halben Theil des Schleßwig-Holsteinischen Ministerii, im Maio des 1696. Jahres/ zur Buß-Predigt fürgeschriebenen/ durchgehends aber dem Chiliasmo dienenden Außlegung Des Siebenden Capittels Michae : Nachdem solche Wiederlegung/ am ersten Septembr. darauff/ von E.E. Renßburgischen Synodo der Königl. Pröbste bemelter Hertzogthümer ... öffentlich außzugeben/ für nöthig erkant war: Der auch mit angehänget ist eine Theologische Handlung Mit Herr H. B. etlicher Chiliastischen Lehren wegen; auch wie/ und aus was Ursachen/ Er denselben freywillig entsaget habe. Glückstadt: Janßen 1697 (Digitalisat) Henricus Brakerus, in: Johann Moller Cimbria Literata, Sive Scriptorum Ducatus Utriusque Slesvicensis Et Holsatici, … Kopenhagen 1744, Band 1, S. 63 Braker (Heinrich), in Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste Band 4, Leipzig 1754, Sp. 462 Rudolf Eckart: Lexikon der niedersächsischen Schriftsteller von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Osterwieck im Harz: Druck und Verlag von A. W. Zickfeldt, 1891; Digitalisat, S. 34

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Einzelnachweise

Kategorie:Geboren im 17. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1728 Kategorie:Mann Kategorie:Lutherischer Geistlicher (17. Jahrhundert) Kategorie:Lutherischer Geistlicher (18. Jahrhundert) Kategorie:Person des Christentums (Schleswig-Holstein) Kategorie:Person (Flensburg)